Klaus Ranger

Entwicklung der Biodiversität in Österreichs Landwirtschaft

Themenbereich
Land & Forst
Umwelt & Klima
Leader & Regionen
Innovation

13.08.2019

Die österreichische Landwirtschaft unternimmt große Anstrengungen zur Förderung standortangepasster und umweltschonender Bewirtschaftungsformen sowie zur Erhaltung der biologischen und genetischen Vielfalt. Am Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL) nehmen insgesamt 91.710 Betriebe mit einer Fläche von 1,84 Millionen Hektar (ohne Almflächen) teil. Mit einer Teilnahmerate von über 80 Prozent der Betriebe und auch Flächen weist Österreich eine europaweit überdurchschnittlich hohe Teilnahmerate am Agrarumweltprogramm auf.

In Summe umfasst das ÖPUL 2015 neunzehn Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, eine Biolandbau-, zwei Tierschutz-, eine Natura 2000-Landwirtschaft- sowie eine Wasserrahmenrichtlinie-Landwirtschaft-Maßnahme. Für die Erhaltung der genetischen und biologischen Vielfalt sind folgende Ansätze bedeutsam:

  • Biodiversitätsflächen, Brachen, Blühflächen und andere kleinteilige Strukturen wie Landschaftselemente
  • Standortgerechte Acker- und Grünlandbewirtschaftung mit gezielten, biodiversitätsfördernden Pflegeauflagen
  • Die Begrenzung des Anteils an Getreide und Mais in der Fruchtfolge, die Förderung bestimmter Blühkulturen
  • Die Haltung gefährdeter Nutztierrassen und der Anbau seltener landwirtschaftlicher Kulturpflanzen.

Die größte Relevanz für die Biodiversität haben folgende Maßnahmen:

Die „Anlage von Biodiversitätsflächen“ und der Erhalt von Landschaftselementen sind Auflagen im Rahmen der Maßnahme Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung (UBB):
An der Maßnahme UBB nahmen 2018 mehr als 50.000 Betriebe teil. Sie legten österreichweit auf 65.000 Hektar (2,8 Prozent der Landwirtschaftsfläche, ohne Almen) Biodiversitätsflächen an. Die Erhaltung von Einzelbäumen, Hecken, Feldgehölzen, Rainen und Böschungen ist im ÖPUL zusätzlich zu den bestehenden gesetzlichen Verpflichtungen geregelt. Dadurch werden wesentliche Lebens- und Rückzugsräume für Insekten sichergestellt. Die Erhaltung von Landschaftselementen wird mit Stand 2018 auf knapp 1,6 Millionen Hektar umgesetzt (1,1 Millionen Hektar UBB-Flächen, 484.000 Hektar ÖPUL-Biofläche).
 
  • ÖPUL-Naturschutzmaßnahme:Nach dieser Maßnahme wurden 2018 in Österreich rund 79.000 Hektar Landwirtschaftsflächen nach naturschutzfachlichen Kriterien bewirtschaftet. Typische Naturschutzflächen sind Trockenrasen, Feuchtwiesen, Hutweiden, Bergmähder sowie Streuobstbestände und Stilllegungsflächen auf Äckern.
 
  • Bildungs- und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen: Das Wissen um Sinn und Zweck von Maßnahmenauflagen wird über Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen des Programms für die ländliche Entwicklung gefördert. So werden beispielsweise im Rahmen der verpflichtenden Weiterbildung bei den ÖPUL-Maßnahmen UBB und Bio spezifische Kurse zum Thema Blühflächen und deren Bedeutung für Insekten angeboten. Damit sollen das Verständnis und die Eigenverantwortung der Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter angesprochen werden.

Der Erfolg der Biodiversitätsmaßnahmen wird über fachliche Studien regelmäßig überprüft. Nachfolgend finden Sie die Kurzfassung von drei signifikanten Arbeiten, die Langfassungen finden Sie hier.
 
Evaluierungsprojekt Grünland:
Eine Evaluierung des Status Quo und der Entwicklung des österreichischen Dauergrünlands (exklusive Almen) zeigte, dass seit 2012 insbesondere Mähwiesen und -weiden mit zwei Nutzungen sowie andere extensiv bewirtschaftete Grünlandarten, wenn auch mit starken regionalen Unterschieden, abgenommen haben. Die Ursachen dafür sind vielschichtig; manche Flächen wurden zu noch extensiveren Flächen umgewandelt, ein größerer Teil wurde intensiviert, der höchste Anteil dieser Flächen ging als Dauergrünlandfläche verloren und wurde entweder aufgelassen, verbaut, in Acker umgewandelt oder aufgeforstet. Hauptgrund für die Nutzungsaufgabe oder Aufforstung von Dauergrünland war deren sehr schwere Bewirtschaftung, als stärkstes Motiv für die Intensivierung wurde die Notwendigkeit genannt, energiereicheres und mehr Futter insbesondere für Milchkühe zu produzieren. Die Ergebnisse der durchgeführten Befragung legen aber nahe, dass die ÖPUL Maßnahmen Bio, UBB, Naturschutz und Silageverzicht einen wesentlichen Grund für die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung extensiver Grünlandflächen darstellen.
 
 
Studie Farmland Bird Index 2018:
Der Farmland Bird Index (FBI) ist ein Kontextindikator für das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums (LE) und Wirkungsindikator für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union. Der Indexwert für 2018 liegt etwas unter dem Wert des Jahres 2017. Dieser Rückgang liegt etwa in der Größenordnung der Schwankung der letzten Jahre im Zeitraum ab 2013, sodass der Eindruck einer gewissen Stabilisierung, wenn auch auf niedrigem Niveau besteht. Ein eventueller Zusammenhang mit der deutlichen Zunahme von Biodiversitätsflächen auf Acker ab dem Jahr 2015 muss dabei noch näher analysiert werden.

 Alle Aussagen müssen allerdings in den Kontext gestellt werden, dass im Gesamtzeitraum 1998 – 2018 eine markante Abnahme der Bestände der österreichischen Kulturlandschaftsvögel stattgefunden hat; insgesamt sind in diesem Zeitraum im Schnitt 40 % der Bestände verschwunden.
 
Evaluierung Tagfalter und Heuschrecken:
Die Wirksamkeit der biodiversitätsfördernden Maßnahmen im Programm LE 14 – 20 auf die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft wurde im Rahmen eines zweijährigen Projektes anhand der Indikatororganismen Tagfalter und Heuschrecken untersucht. Vorkommen seltener und geschützter Arten wurden anhand vorhandener Funddaten auf ihre Abdeckung durch entsprechende Maßnahmen geprüft, während die allgemeine Artenvielfalt anhand eines österreichweit angelegten Stichprobennetzes durch den Vergleich von Acker- und Grünlandschlägen ohne Maßnahmenbelegung gegen Schläge mit Maßnahmen geprüft wurde.

BMNT
BMNT


Es zeigt sich dabei erwartungsgemäß, dass gefährdete und naturschutzfachliche Spitzenarten zielgerichtet nur mit der Maßnahme „Naturschutz“ wirksam geschützt und gefördert werden können.

Häufigere Arten können im Ackerland durch die Anlage von Grünbrachen und Biodiversitätsflächen in der Maßnahme UBB gefördert werden. Sehr wirksam ist auch der Erhalt von Landschaftselementen, die nicht gehölzdominiert sind. Im Grünland ist insbesondere der Erhalt von extensiv genutzten Flächen von besonderer Bedeutung, signifikant positiv für beide Indikatorgruppen waren dabei die einmähdigen Naturschutzwiesen. Im Berggebiet erwies sich die Aufrechterhaltung der Nutzung durch Bergmahd sowie der Beweidung von Hutweiden als besonderes biodiversitätsfördernd. Im Rahmen des Evaluierungsprojektes werden auch auf Basis der vorliegenden Ergebnisse Vorschläge zur Erhöhung der Wirkung der ÖPUL Maßnahmen erarbeitet werden.