Paris – Vorderwald: Pariser Klimaziele wurden im Praxistest fast erreicht

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03.12.2019

Um die Treibhausgasemissionen der Haushalte zu messen, wurde eine App auf Grundlage der Methode „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ entwickelt und verwendet. Die 100 Punkte repräsentieren das Treibhausgasbudget, das jeder Mensch pro Tag nach den Pariser Klimazielen verursachen darf. Derzeit sind es im Schnitt 450 Punkte, die ein Bürger in Österreich verantwortet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten ihr Experiment mit einem Schnitt von sehr guten 168 Punkten. Im Laufe der vier Wochen sparten sie noch einmal im Schnitt 30 Punkte ein und kamen mit 138 Punkten schon sehr nah an die 100 Punkte heran. Ein paar wenige schafften es auch. Die Rückmeldung war großteils: „Das ist kein Verlust von Lebensqualität, ganz im Gegenteil, das hat mir neue Horizonte eröffnet. Ich kann mir das sehr gut dauerhaft vorstellen.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen Autos stehen und fuhren mit dem Rad oder Bus, sie testeten E-Bikes und E-Autos, genauso wie Gemüsekiste und regionales Fleischpaket, tauschten Leuchtmittel in effiziente Leuchtmittel, ließen sich beraten zu Stromeinsparung, Sanierung und PV-Anlagen, pflanzten Tannen, testeten Carsharing, erweiterten Gemüsegärten, probierten verpackungsfrei, secondhand und regional einzukaufen, veränderten ihre Urlaubspläne und -ziele, machten mehr Homeoffice, reparierten im Reparaturcafé und vieles mehr.

Probleme aufgezeigt
Es gab aber auch ganz klare Grenzen. Einhellige Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Mit Kindern und ohne Auto ist das kaum zu schaffen. Dazu sind die Wege zu weit und der ÖPNV nicht ausreichend.“ Alternativen sind hier Elektroautos und Carsharing – das Carsharingauto müsste aber unbedingt in fußläufiger Entfernung vorhanden sein. Die Alternative, Wege mit dem E-Bike statt mit dem Auto zurückzulegen, nahmen viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wahr. Allerdings wurde auch die klare Empfehlung an die Verantwortlichen formuliert, mehr Radwege und damit auch mehr Sicherheit zu schaffen. Nur dann kann anderes Mobilitätsverhalten auch schon den Jüngsten vermittelt werden.

Eine weitere Konfliktsituation mehrerer Teilnehmenden: Der Einkauf biologischer und regionaler Lebensmittel mit dem Fahrrad oder zu Fuß im heimischen Dorfladen ist oft mangels Angebot nicht möglich. Die Alternative wäre, weitere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen – das widerspricht der Einstellung vieler Haushalte. Und so manchen Teilnehmenden hat in Erstaunen versetzt, dass sich auch das Pendeln mit dem Bus über längere Strecken sichtbar in der Klimabilanz niederschlägt. Ein gut besetzter Bus ist zwar deutlich klimafreundlicher als das fossil betriebene Auto, aber umweltfreundlichere Antriebe der Busflotte könnten hier die Bilanzen noch ein gutes Stück verbessern.
 
Infos zu „Paris – Vorderwald“

-   Klimaziel von Paris: die Treibhausgasemissionen müssen bis 2050 auf null reduziert werden. Damit soll die Erderwärmung auf unter 2 °C gehalten werden.
-    Weitere Infos www.energieregion-vorderwald.atund www.eingutertag.org

Zum selbst Ausprobieren: App „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ kostenfrei im playstore und appstore erhältlich

Das Projekt „Paris – Vorderwald“ ist ein Pilotprojekt der acht Gemeinden der Energieregion Vorderwald, unterstützt durch den Klima- und Energiefonds und das Land Vorarlberg. Projektpartner ist Kairos Wirkungsforschung GmbH aus Bregenz. Begleitet wird das Projekt von der Energieautonomie Vorarlberg, der Illwerke VKW Gruppe und vom Energieinstitut Vorarlberg.