EIP-AGRI-Projekt: Gesundheitsdatenbank für Schweinemastbetriebe

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15.03.2021

Für den wirtschaftlichen Erfolg von Schweinemastbetrieben ist die Gesundheit der Schweine eine wichtige Voraussetzung. Die systematische Auswertung und Darstellung vorhandener Gesundheitsdaten, beispielsweise aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung steht den Landwirtinnen und Landwirten jedoch nicht zur Verfügung. Im Rahmen der „Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-AGRI)  hat es sich die Operationelle Gruppe „Gesunde Mastschweine“ zur Aufgabe gemacht, eine Gesundheitsdatenbank für Schweinemastbetriebe aufzubauen. Gesundheitsrisiken und Schwachstellen sollen damit erkannt und rasch entsprechende Verbesserungsmaßnahmen getroffen werden.

Ergänzend dazu wurden ein Befundkatalog mit Krankheitsbildern und Erklärungen, ein Online-Fragebogen und eine App zur Identifikation möglicher Risikofaktoren in den Bereichen Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall erstellt. Durch Besuche auf den Betrieben werden die Anwendbarkeit und Effektivität von Fragebogen und App fortlaufend geprüft.

Die Operationelle Gruppe setzt sich zusammen aus Landwirtinnen und Landwirten, einem Tierarzt, dem Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS), dem Tiergesundheitsdienst Oberösterreich (OÖTGD) sowie dem Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten Oberösterreich (VLV). Kooperationspartnerinnen- und partner aus dem Forschungsbereich sind die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und die Veterinärmedizinische Universität Wien (VetMedUniWien).

Das Projekt ist nun abgeschlossen und Netzwerk Zukunftsraum Land hat mit dem Projektkoordinator Michael Klaffenböck vom Verband Österreichischer Schweinebauern und dem Landwirt Thomas Reisecker über ihre Erfahrungen und die Projektergebnisse gesprochen.



Michael Klaffenböck: „Das Datenpotenzial aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung nützen“


Herr Klaffenböck, worin sehen Sie konkretes Potenzial für die Nutzung von Gesundheitsdaten zur Verbesserung von Atemwegserkrankungen und Parasitenbefall bei Mastschweinen?
Kranke Tiere verursachen nicht nur Behandlungskosten, sie bringen auch Leistungseinbußen mit sich. Besonders in den herausfordernden Zeiten, die wir aktuell aufgrund von Afrikanischer Schweinepest und der COVID-Pandemie erleben, sollten Landwirtinnen und Landwirte noch mehr darauf bedacht sein, ihren Bestand gesund zu halten. Parasiten und Atemwegserkrankungen sind im Stall nicht immer leicht zu erkennen. Hier liegt das Potenzial von gut erhobenen Daten aus der Schlachttier- und Fleischuntersuchung (SFU) am Schlachthof. Wenn auf einem Betrieb immer wieder dieselben Probleme auftreten, sollte man auf Ursachensuche gehen.

Welchen Problemstellungen stehen Landwirtinnen und Landwirte konkret gegenüber?
Die SFU-Daten stehen den Landwirtinnen und Landwirten zwar zur Verfügung, aber sowohl die Darstellung als auch die Validität der Daten sind ausbaufähig. Ein Ergebnis des Projektes war die Notwendigkeit eines alternativen Befundungsschemas, das durch eine höhere Differenzierung zum Beispiel von Lungenveränderungen eine deutlich höhere Aussagekraft über den Gesundheitszustand der Tiere aufweist. Dieses Schema soll im Rahmen eines Folgeprojektes weiterentwickelt werden. In weiterer Folge kann den Landwirtinnen und Landwirten dann auch eine verbesserte Darstellung der SFU-Daten bereitgestellt werden, die einen inner- und überbetrieblichen Vergleich beinhaltet.

Sie koordinierten das Projekt „Gesunde Mastschweine“. Welche Erkenntnisse oder Empfehlungen aus dem Projekt konnten Sie ableiten? Welche ersten Schritte sollten unternommen werden, um die Nutzung von Gesundheitsdaten zu verbessern?
Ein wichtiger Schritt ist die Entwicklung des bereits erwähnten alternativen Befundungsschemas. Darüber hinaus sollen die anderen im Projekt entwickelten Werkzeuge verbreitet werden. Ein Befundkatalog soll den Landwirtinnen und Landwirten dabei helfen, die SFU-Daten richtig einzuordnen. Die Selbstevaluierung mittels GEMA-Check-Fragebogen (GEMA - Gesundes Mastschwein) hilft, Schwachstellen im eigenen Betrieb in Bezug auf Atemwegserkrankungen, Parasiten und Biosicherheit zu identifizieren, und gibt wertvolle Hinweise zur Verbesserung von Managementmaßnahmen. Diese Werkzeuge sollen auch stärker in die Arbeit der Arbeitskreise in den Landwirtschaftskammern eingebunden werden. 




Thomas Reisecker: „Mit den Schlachthofdaten gezielt Gesundheitsverbesserung betreiben“

Herr Reisecker, Sie haben mit der Operationellen Gruppe gemeinsam das EIP-AGRI Projekt „Gesunde Mastschweine“ umgesetzt. Was würden Sie als aktiver Landwirt im Projekt nun anderen Landwirtinnen und Landwirten raten?
Meine Empfehlung ist, sich mit den Befunddaten des Schlachthofes genauer zu befassen. Ich kann mit Hilfe dieser Daten gemeinsam mit meiner Betreuungstierärztin/meinem Betreuungstierarzt gezielter Maßnahmen für meinen Betrieb setzen. Weiters ist der GEMA-Check-Fragebogen sehr hilfreich. Denn wenn ich diesen gewissenhaft ausfülle, bekomme ich in kürzester Zeit Vorschläge für geeignete Verbesserungsmaßnahmen. Besonders im Hinblick auf die Biosicherheit ist der Fragebogen eine Bereicherung. Genau dieser Bereich wird oft unterschätzt. 

Was können Sie langfristig aus dem Projekt mitnehmen? Was werden Sie beibehalten?

Ich nehme mir mit, dass ich vorhandene Daten, wie die Befunddaten vom Schlachthof, bei jeder Lieferung genau betrachte und mit den anderen Partien vergleiche. Eine grafische Darstellung der Daten ist dabei sehr hilfreich. Durch den GEMA-Check-Fragebogen habe ich mir im Laufe des Projektes selbst Fristen gesetzt und schon Maßnahmen umgesetzt. Das möchte ich auch weiterhin so machen, um meinen Betrieb Schritt für Schritt in den einzelnen Bereichen zu verbessern. 

Wie waren Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft und worin sehen Sie die größten Vorteile dieser Zusammenarbeit? 
Die Zusammenarbeit war sehr gut. Und ich denke, vor allem für die Wissenschaft ist es wichtig, den Bezug zur Praxis nicht zu verlieren. Die Landwirtinnen und Landwirte arbeiten tagtäglich mit ihren Tieren und es gibt dabei gute und schlechte Zeiten. Ansätze für Veränderungen sollten immer aus der Praxis kommen, die die Wissenschaft erforscht und in weiteren Schritten begleitet. Dadurch entsteht auch mehr Motivation für Landwirtinnen und Landwirte, bei Projekten wie diesen mitzuarbeiten.  

Weiterführende Informationen zum Projekt finden Sie in der Projektdatenbank des Netzwerks Zukunftsraum Land sowie auf der Homepage des Verbands Österreichischer Schweinebauern