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EIP-AGRI: SoilSaveWeeding

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18.01.2022

SoilSaveWeeding Innovative erosionsmindernde Techniken der mechanischen Beikrautregulierung nach Mulchsaat in Reihenkulturen

Erosion durch Wasser und Wind stellt die größte Bedrohung für den Boden dar. Auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen kann der jährliche Bodenabtrag bei ungünstiger Bewirtschaftungsweise beträchtliche Ausmaße annehmen und so die Bodenfruchtbarkeit und die Produktionsfähigkeit des Bodens nachhaltig gefährden. Besonders im Bioackerbau bedeutet der Bodenverlust immer auch einen wirtschaftlich relevanten Verlust an Bodennährstoffen, da nur wenige Mineraldünger, die bis zu einem gewissen Grad für einen Ausgleich sorgen könnten, für biologisch wirtschaftende Betriebe zugelassen sind. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Biolebensmitteln seit einigen Jahren stetig steigt und sich das Ausmaß der biologisch bewirtschafteten Ackerflächen sehr dynamisch entwickelt. Durch veränderte Klimabedingungen, wie zum Beispiel Starkregen sind jedoch immer mehr Böden besonders in Hanglagen erosionsgefährdet. Eine wirkungsvolle Maßnahme gegen die Bodenerosion und einen Beitrag zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit stellt die Mulchsaat dar. Bisher gibt es jedoch noch keine zuverlässig funktionierenden Verfahren, um eine wirksame mechanische Beikrautregulierung in Mulchsaatbeständen umzusetzen.


Die Europäische Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-AGRI) erprobt mit dem Innovationsprojekt der Operationellen Gruppe ,,SoilSaveWeeding‘‘ Verfahren und Geräte zur mechanischen Beikrautregulierung in Verbindung mit Mulchsaat in Hackkulturen. Zusätzlich werden in den letzten Jahren neu auf den Markt gekommene Kameralenksysteme hinsichtlich Arbeitsqualität und Schlagkraftsteigerung auf ihre Praxistauglichkeit getestet und Empfehlungen für Landwirtinnen und Landwirte zur Umsetzung der mechanischen Beikrautregulierung erarbeitet. Die Ergebnisse aus dem Projekt sind nicht nur für biologisch wirtschaftende Betriebe relevant sondern für alle landwirtschaftlichen Betriebe, die einen herbizidfreien Ackerbau verfolgen, die Böden vor Erosion schützen, die Bodenfruchtbarkeit erhöhen und den Ertrag langfristig stabilisieren wollen.

Netzwerk Zukunftsraum Land hat mit dem Projektkoordinator Martin Fischl von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und dem Landwirt Christian Kugler über ihre Erfahrungen und die bisherigen Projektergebnisse gesprochen.


Herr Fischl, mit welchen Problemen sind Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte in der mechanischen Beikrautregulierung in Hackkulturen nach Mulchsaat konfrontiert?
Umsatzaktive Böden sind im Biolandbau enorm wichtig, um die Versorgung der Kulturen mit Stickstoff aus dem Boden sicherzustellen. Diese hohe biologische Aktivität bedingt einen raschen Umsatz organischer Masse und führt zu strukturstabilen Böden, die weniger erosionsanfällig sind. Effizienter Erosionsschutz braucht aber auch einen möglichst langen Verbleib organischen Mulchmaterials an der Bodenoberfläche. Es ist daher in der praktischen Bewirtschaftung nicht einfach, die beiden Ziele „Biomasseumsatz“ und „möglichst langer Verbleib des organischen Mulchmaterials“ unter einen Hut zu bringen. Im Projekt wird das mit einem möglichst weitgehenden Verzicht auf mischende Werkzeuge in der Bearbeitung der Begrünung erprobt. Zusätzlich wird versucht, den Begrünungsumbruch möglichst nahe an den Anbauzeitpunkt der Hackkultur zu legen. Im Extremfall wurde vor dem Maisanbau die Begrünung nur einmal mit einem Exaktgrubber unterschnitten.


Worin sehen Sie in diesem Zusammenhang das konkrete Potenzial neuer, innovativer Techniken der mechanischen Beikrautregulierung?
Die Hacktechnik hat in jüngster Zeit enorme Fortschritte gemacht. Speziell Systeme mit Schneidscheiben, die vor den Hackwerkzeugen laufen, eignen sich sehr gut unter klassischen Mulchsaatbedingungen. Grundsätzlich leisten auch Lösungen wie die „Rotary Hoe“ einen wesentlichen Beitrag zur Erzielung eines ausreichenden Beikrautregulierungseffektes unter Mulchsaatbedingungen.
Sehr hohes Erosionsschutzpotential lassen auch Lebendmulchsysteme erwarten. Eine dafür geeignete Technik wurde in Form eines Zwischenreihenmulchers vom Projektlandwirt Werner Rohringer entwickelt. In Zusammenarbeit mit dem Landtechnikunternehmen DicksonKerner werden im Rahmen des Projektes für das Lebendmulchsystem potentiell geeignete Hacksysteme getestet. 


Sie koordinieren das Projekt „SoilSaveWeeding“: Welche wesentlichen Erkenntnisse oder Empfehlungen können Sie bereits daraus ableiten? 
Die besten Mulchdeckungsgrade wurden mit Geräten erzielt, die beim Begrünungsumbruch möglichst wenig mischen und eine flächige Unterschneidung der Begrünungsdecke sicherstellen. Sehr gute Erfahrungen wurden hier mit Grubberlösungen von Kerner und Treffler und mit dem Unterschneidgerät von CFS gemacht. 
Die momentan verfügbare mulchsaattaugliche Hacktechnik kommt mit Mulchdeckungsgraden bis 30 Prozent gut zurecht. Im Projekt wurden in dem Zusammenhang Entwicklungen von Einböck, Samo und DicksonKerner mit sehr guten Ergebnissen getestet. Bei höheren Mulchauflagen kommt es zu Verstopfungen der Hackwerkzeuge, die eine effiziente Hackarbeit in der frühen Jugendentwicklung von Mais unmöglich machen.
Höhere Mulchdeckungsgrade als 30 Prozent konnten im Projekt nur in StripTill-Systemen mit Lebendmulchbeständen in Form von winterharten Begrünungen im Reihenzwischenraum erreicht werden. Für diese Systeme müssen aber noch offene Fragen der Beikrautregulierung und des Wasser- und Stickstoffhaushalts gelöst werden.


Herr Kugler, was können Sie sich als Landwirt aus dem Projekt mitnehmen? Was werden Sie beibehalten?
Mir gefällt die winterharte Zwischenfrucht Wickroggen mit Winterbse sehr gut. Akzeptable Saatgutkosten, lebendige Wurzeln über den Winter und im Frühling genügend Blattmasse für eine ausreichende Bodenbedeckung ohne Verunkrautungsgefahr bis zum Maisanbau haben mich überzeugt. Wird die Intensität der Bodenbearbeitung vor der Saat so reduziert, dass möglichst viel Mulchmaterial verbleibt, wird allerdings der erste Hackdurchgang zur Herausforderung, da die Standardhackgeräte mit dem vielen Material nicht immer zurechtkommen. 

Wie sind Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit zwischen Praxis, Beratung und Wissenschaft und worin sehen Sie die größten Vorteile dieser Zusammenarbeit?
Ich experimentiere sehr gerne mit neuen Verfahren, deshalb ist für mich auch die Teilnahme am Projekt sehr interessant. Den größten Vorteil sehe ich darin, dass viele Boden- und pflanzenbauliche Parameter gemessen werden und damit der pflanzenbauliche Erfolg neuer Verfahren dokumentiert und verglichen werden kann. Sehr spannend finde ich auch die Vergleiche mit anderen Regionen, speziell die unterschiedlichen Herausforderungen im Trocken- und im Feuchtgebiet. Zusätzlich erfährt man im Gespräch mit anderen Projektbeteiligten auch Neuigkeiten von anderen Projekten und deren Ergebnissen, die teilweise im eigenen Betrieb übernommen werden können.

Links und weiterführende Informationen zum gegenständlichen Projekt finden Sie in der Projektdatenbank des Netzwerks Zukunftsraum Land unter: https://www.zukunftsraumland.at/projekte/2427