EIP-AGRI: Neun neue Innovationspartnerschaften haben die Arbeit aufgenommen

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11.10.2022

Bereits seit 2015 wird das Konzept der Europäischen Innovationspartnerschaft für Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit (EIP-AGRI) erfolgreich im Rahmen des Österreichischen Programms für ländliche Entwicklung 2014–2020 umgesetzt.

Aus vorherigen Aufrufen haben sich bereits 30 „Operationelle Gruppen“ (OG) in Österreich formiert, die Innovationsprojekte für die österreichische Land- und Forstwirtschaft umsetzen. Im Mittelpunkt steht dabei der Brückenschlag zwischen Praxis und Forschung durch Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Landwirtinnen und Landwirten. Im Rahmen von EIP-AGRI können Projekte mit einem Fördersatz von 100 Prozent  unterstützt werden. 
22 Projektanträge wurden im Rahmen der Ausschreibung in den Vorhabensarten 16.1.1 und 16.2.1 eingereicht. 2022 erhielten neun Operationelle Gruppen eine Förderzusage. Das Team von Netzwerk Zukunftsraum Land freut sich, die neuen Gruppen und Projekte vorstellen zu dürfen (durch Klicken auf den Projekttitel gelangen Sie jeweils zur detaillierten Projektbeschreibung):

Streifenanbau
Der Streifenanbau vereint effiziente Landwirtschaft mit den ökologischen Vorteilen der Bewirtschaftung auf kleinen Flächen, beispielsweise einer erhöhten Diversität von Insekten und Tieren und damit einhergehend einer verbesserten Widerstandsfähigkeit des Produktionssystems insgesamt. Dabei werden drei oder mehr Kulturen innerhalb desselben Feldes in benachbarten Streifen angelegt. Wichtig ist das Anlegen der Kulturen in gängigen Arbeitsbreiten, damit der Acker weiterhin maschinell kultiviert werden kann.
Untersucht werden im Zuge des Projektes arbeits- und betriebswirtschaftliche Auswirkungen, Vorkommen von Nützlingen, Bodengesundheit, Pflanzengesundheit und Ertrag.
Kontaktperson: Julia Kammerhuber

Marktgärtnerei
Die Marktgärtnerei ist eine biointensive Methode, welche eine Ertragsmaximierung und Steigerung der Ressourceneffizienz bei gleichzeitiger Wahrung der Bodenfruchtbarkeit zum Inhalt hat. Der Anbau erfolgt nicht auf Ackerflächen, sondern in Dauerbeeten und stellt hohe Anforderungen an gemüsebauliche Fertigkeiten, Kulturführung sowie Dünge- und Bodenmanagement. Ziel des Projektes ist es, jene relevanten Erfolgsfaktoren in den Bereichen Gemüsebau, Betriebswirtschaft, Arbeitswirtschaft und Bodenmanagement zu identifizieren, welche unabhängig vom Betriebsstandort allgemeine Gültigkeit besitzen und für die Etablierung der Methode erforderlich sind.
Kontaktperson: Martin Stadlbauer


PhosVer
Phosphor ist ein essentieller und begrenzter Pflanzennährstoff, der möglichst effizient genutzt werden muss. Besonders auf biologisch wirtschaftenden Marktfruchtbetrieben sind Phosphor-Bilanzsalden oft negativ und der Gehalt von pflanzenverfügbarem Phosphor (PCAL) oft suboptimal. DProjektziel ist die Erarbeitung eines Werkzeugs, das Landwirtinnen und Landwirte dabei unterstützen soll, die Phosphorversorgung mittels Analyse- und betriebseigenen Daten besser einschätzen zu können.
Die Ergebnisse verschiedener Managementstrategien zur Mobilisierung von Nährstoffen (insbesondere von Phosphor) werden den Praktikerinnen und Praktikern zur Verfügung gestellt und helfen Ihnen bei der Einschätzung ihrer Nährstoffstrategien und der Auswirkungen einer längerfristigen biologischen Bewirtschaftung.
Kontaktperson: Gabriele Gollner


Boden.Biodiversität
Das Projekt untersucht die Einflüsse von Ackerbaumaßnahmen auf die Biodiversität des Bodenlebens. Ziel ist es, aus den untersuchten Maßnahmen mit positiver Wirkung auf Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die es Landwirtinnen und Landwirten ermöglichen, vielversprechende Maßnahmen am Betrieb zu integrieren.
Dabei werden Praxis- und Exaktfeldversuche mit Methoden der Mikrobiologie (unter anderem DNS-Sequenzierung zur Bestimmung der Vielfalt an Bodenmikroorganismen) sowie der Erfassung von Bodengesundheitsindikatoren (nährstoffmobilisierende Bodenenzyme, organische Bodensubstanz, Bodenstruktur) kombiniert. Um die Möglichkeiten der Digitalisierung ebenfalls auszutesten, werden mit Hilfe einer Drohne Vegetationsmessungen durchgeführt.
Neben der Untersuchung von Teilflächen mit unterschiedlichen Ackerbaustrategien auf den Betrieben der Operationellen Gruppe werden bereits angelegte langjährige Bodenbearbeitungsversuche auf zwei Standorten landwirtschaftlicher Fachschulen beprobt.

Kontaktperson: Johannes Zauner


Alternative Eiweißquellen
Im Projekt soll unter den landwirtschaftlichen Betrieben ein Bewusstsein für und das Wissen über regionale Eiweißversorgung in der Landwirtschaft gestärkt werden, insbesondere tierhaltende Betriebe sollen angesprochen werden. Ziel ist es, Körnerleguminosen ökologisch, nachhaltig und wirtschaftlich unter Einsatz der für den Betriebsstandort passenden Sorten und Anbauverfahren zu kultivieren. Getestet werden verschiedene Sorten und Bearbeitungsmöglichkeiten, unter anderem hinsichtlich Beikrautdruck und Abreife.
In Folge werden die verschiedenen Eiweißquellen in der Nutztierfütterung am landwirtschaftlichen Betrieb eingesetzt und optimale Rationen berechnet. Zusätzlich wird die Möglichkeit des Einsatzes von Körnerleguminosen in der menschlichen Ernährung untersucht. Diverse Analysen sollen zeigen, wie sich die Inhaltsstoffe der Körnerleguminosen zusammensetzen und ob sie den Lebensmittelstandards entsprechen. Diese weitere Absatzmöglichkeit soll die Kultivierung von Leguminosen attraktiver machen. Kontaktperson:

Katrin Eckerstorfer


Bio-Begrünungssaatgut
Derzeit ist es schwierig, für Begrünungen Saatgut aller gewünschten Pflanzenarten in Bio-Qualität zu erhalten. Für viele Arten muss auf Saatgut aus nicht-österreichischer Produktion zurückgegriffen werden. Ziel des Projekts ist, einen positiven Beitrag zur Förderung der Vermehrung und Verfügbarkeit von Bio-Begrünungssaatgut in Österreich zu leisten.
Hierbei werden praxisgerechte Feldversuche zur Saatgutvermehrung von häufig verwendeten Begrünungskulturen sowie Kleinparzellenversuche zur Prüfung weiterer innovativer Begrünungsarten und -sorten durchgeführt. Die Vermehrungsversuche in der landwirtschaftlichen Praxis werden einer Wirtschaftlichkeitsbewertung unterzogen. Zur Feststellung und Lösung von Qualitätsproblemen bei derzeit in Österreich produziertem Begrünungssaatgut erfolgt eine Datenanalyse. Aus Vermehrungsversuchen, Wirtschaftlichkeits- und Datenanalyse werden Verbesserungsmaßnahmen für Landwirtinnen und Landwirte abgeleitet.
Kontaktperson: Eva Erhart


NEU.rind
Im Projekt soll ein einfacher und praktikabler, digitaler Betriebshelfer zur Bewertung der Nachhaltigkeit, Effizienz und Umweltwirkung in der österreichischen Milcherzeugung entwickelt werden. Durch die Bereitstellung diverser Kennzahlen und konkreter Handlungsempfehlungen können auf einzelbetrieblicher Ebene Prozesse optimiert und Emissionen sowie der Bedarf an nicht erneuerbaren Ressourcen reduziert werden. Der digitale Betriebshelfer soll einer großen Zahl an milchproduzierenden Betrieben zur Verfügung stehen und mit wenig Aufwand nutzbar, zuverlässig und aussagekräftig sein.  Damit wird eine breite Datenbasis geschaffen und einzelbetriebliche Stärken und Chancen aufgezeigt. Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Nachhaltigkeit in der österreichischen Milch- und Rinderwirtschaft.
Kontaktperson: Christa Egger-Danner  

  
Weide-Innovationen
Das Interesse an der Weidehaltung nimmt unter Landwirtinnen und Landwirten seit einigen Jahren stetig zu. Ausschlaggebend dafür sind neue gesetzliche Vorgaben, Anforderungen des Marktes und gesellschaftliche Erwartungshaltungen. Viele Bio-Betriebe sind aufgrund der neuen Weide-Vorgaben gezwungen, Flächen in die Beweidung zu nehmen, die dafür nur bedingt geeignet sind. Im Projekt wird auf Praxisbetrieben untersucht, welche Pflanzenbestände und Weidestrategien für die Beweidung von kleinen Flächen mit einer höheren Anzahl an Tieren, von Hutweiden und Steilflächen, von Flächen im Trockengebiet und zur Reduzierung des Parasitendruckes auf Kleinwiederkäuerweiden geeignet sind. Weiters wird eruiert, welche Aspekte (zum Beispiel Management, Wirtschaftlichkeit) für die Weidehaltung von kälberführenden Milchkühen maßgeblich sind. Die Erkenntnisse sollen die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter unterstützen, die Ertragsfähigkeit der Weidebestände und somit die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe langfristig zu sichern.
Kontaktperson: Veronika Edler


Mehrwert Berglandwirtschaft
Der Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich ist geprägt durch eine extensive und  naturnahe Form der Berglandwirtschaft. Die über Jahrhunderte entwickelte, gebietsangepasste Produktion im Bereich der Grünlandwirtschaft mit Rinderhaltung fördert essenzielle Ökosystemleistungen, die eine wichtige Lebensgrundlage für die Region darstellen. Letztere werden jedoch nur selten kostendeckend abgegolten, der Fortbestand der naturnahen und kleinstrukturierten Berglandwirtschaft ist in Gefahr.
Im Projekt arbeiten wissenschaftlich und landwirtschaftlich engagierte Personen zusammen, um die Leistungen der Berglandwirtschaft besser als bisher hervorzuheben und deren monetären Wert zu steigern. Dafür werden diese Leistungen erhoben, quantifiziert und marktfähige Geschäftsmodelle, vor allem in Form von strategischen Partnerschaften mit der Wirtschaft, entwickelt, um eine Möglichkeit zur Generierung eines alternativen Einkommens für landwirtschaftliche Betriebe zu schaffen.
Kontaktperson: Anita Haider