Trachtennäherei

Themenbereich
Umwelt, Biodiversität, Naturschutz

Untergliederung
KMUs, Gewerbe & Wirtschaft
Kultur
Leerstand

Projektregion
Vorarlberg

Lokale Aktionsgruppe
LAG REGIO-V Regionalentwicklung Vorarlberg

LE-Periode
LE 14–20

Projektlaufzeit
24.01.2017-31.12.2018 (geplantes Projektende)

Projektkosten gesamt
302 139,00 €

Fördersumme aus LE 14-20
120 855,60 €

Massnahme
Förderung zur lokalen Entwicklung (CLLD)

Teilmassnahme
19.2. Förderung für die Durchführung der Vorhaben im Rahmen der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Strategie für lokale Entwicklung

Vorhabensart
19.2.1. Umsetzung der lokalen Entwicklungsstrategie

Projektträger
Gemeinde Riefensberg

Kurzbeschreibung

Die Bregenzerwälder Juppe ist eine der ältesten und wertvollsten Trachten des Alpenraumes. Der Stoff dafür wird nach einem aufwändigen handwerklichen Verfahren ausschließlich in der Juppenwerkstatt Riefensberg auf über 100 Jahre alten Maschinen erzeugt.

Um den Fortbestand der Tracht zu sichern, effizienter sowie hinsichtlich der Anlagen- und Arbeitssicherheit verantwortungsvoll zu gestalten, hat sich der Verein Juppenwerkstatt Riefensberg für den Erwerb neuer Maschinen entschieden. Diese sollen im leer stehenden Erdgeschoß im benachbarten Haus aufgestellt werden.

Mit der Reaktivierung des Gebäudeleerstands reagiert die Gemeinde Riefensberg auf den benötigten Platzbedarf und möchte gleichzeitig bessere Rahmenbedingungen für Jungunternehmer/innen im Bereich Textilverarbeitung schaffen. Der Schaubetrieb der Juppenwerkstatt wird durch das neu adaptierte Objekt erweitert und erhält durch den Aufbau einer eigenen Trachtennäherei ein neues Standbein.

Ausgangssituation

Geschichte – Verein: Die Juppenwerkstatt Riefensberg wurde 2003 eröffnet. Träger ist der 2002 gegründete Verein Juppenwerkstatt Riefensberg. Er ist unpolitisch, gemeinnützig und nicht gewinnorientiert. Dessen Ziel ist die Erhaltung und Pflege der Trachten in Vorarlberg, insbesondere der historischen Frauentrachten des Bregenzerwaldes.

Werkstatt - Schau- & Kooperationsbetrieb: Die Juppenstofferzeugung ist ein Jahrhunderte altes Handwerk, das nur noch in der Juppenwerkstatt Riefensberg gepflegt wird. Der Verein Juppenwerkstatt Riefensberg sorgt dafür, dass ein einzigartiges Kulturgut dem Bregenzerwald - respektive dem Alpenraum - erhalten bleibt. Die bestehende Juppenwerkstatt wird als Schaubetrieb geführt. Um die hohe Qualität der Bregenzerwälder Frauentracht zu gewährleisten, wird in einem Netzwerk mit den Kunsthandwerkerinnen (Näherinnen der Juppe) des Bregenzerwaldes gearbeitet.

Verkauf - Beratungs- & Vermittlungsstelle: Als Erzeuger und Direktverkäufer von Juppenstoffen steht das Haus in engem Kontakt mit seinen Kundinnen und begleitet diese auf ihrem Weg zu einer eigenen Tracht. Die Juppenwerkstatt ist darüber hinaus Kontaktstelle, wenn es um die Beurteilung, Schätzung oder Vermittlung bereits gebrauchter Trachten oder -accessoires geht. Dies kommt vor allem einkommensschwachen Frauen sowie Mädchen zugute.

Kursort: Unter dem Motto „Handwerk wertschätzen und fördern“ bietet die Juppenwerkstatt in Zusammenarbeit mit Näherinnen, Stickerinnen oder Knüpferinnen der Region Kurse zur Trachtenherstellung oder zum Erlernen textiler Handwerkstechniken an, die u.a. für den Fortbestand der Bregenzerwälder Frauentracht benötigt werden.

Museum - Sammlung – Forschung: Das Haus verfügt über eine eigene Trachtensammlung, die für die Forschung zugänglich ist, und führt darüber hinaus einen Ausstellungsbetrieb. Die Juppenwerkstatt ist aufgrund der baulichen Voraussetzungen (Stadel ohne Heizsystem) von 1. Mai bis 31. Oktober für BesucherInnen geöffnet. Um einen ganzjährigen für die Werkstatt und das Kursprogramm zu ermöglichen werden beheizbare und aufgrund neuer Maschinen größere Räumlichkeiten notwendig. Im Jahr 2011 erwarb die Gemeinde Riefensberg das leer stehende Haus Dorf 191 eines früheren Fuhrunternehmers und stellte dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg eine Verwendung für die Aufstellung der in Entwicklung befindenden Gläst- und Fältelmaschine (Kooperation: HTL Bregenz) in Aussicht.

Ziele und Zielgruppen

Ziele:

  • Aktivierung des Objektes im Dorfzentrum zur Nutzung als Schaubetrieb für die Juppenwerkstatt und die Trachtennäherei
  • Ausbau der dörflichen Infrastruktur zur Stärkung einer nachhaltigen Entwicklung der Region und insbesondere der Gemeinde Riefensberg
  • Aufbau einer Trachtennäherei als ganzjahres Schaubetrieb zur Pflege der Vereins- und Bekleidungskultur mit lokaler und regionaler Einbindung sowie überregional agierender Netzwerke
  • Gewinnung Jungunternehmer/innen (Damen- und/oder Herrenschneider/innen) für die trachtennäherei.at


Wirkung:

  • Sicherung der Stofferzeugung für die traditionelle Glanzleinenjuppe als eine der ältesten, wertvollsten und elegantesten Trachten des Alpenraums und als Teil der Bregenzerwälder Identität
  • Möglichkeit zur Erweiterung des Produktprogramms um Trachten für Vereine und Private sowie u.a. die Sicherung des Fortbestands der traditionellen Walser Juppe
  • Attraktivitätssteigerung der Gemeinde Riefensberg mit der Juppenwerkstatt und zukünftig trachtennäherei.at; Für Gäste bietet der Einblick in eine Trachtennäherei ein Mehr an Erleben und Erkenntnis in Bezug auf Handwerk, Bekleidungskultur und Nachhaltigkeit.
Frei werdender Raum in der Juppenwerkstatt bietet Platz für ein Schaudepot als Bereicherung der musealen Vermittlung und die Voraussetzung für den weiteren Aufbau einer eigenen Trachtensammlung schafft, um wertvolles Kulturgut der Nachwelt zu erhalten.


Projektumsetzung und Maßnahmen

Die Gemeinde Riefensberg erarbeitet gemeinsam mit dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg und dem beauftragten Architekt basierend auf der ersten Grobplanung das detaillierte Raumkonzept für die trachtennäherei.at samt Erschließungskonzept für die Obergeschosse und deren Entwicklungspotential für zukünftig aufkommenden Bedarf. Nach der Planungsphase wird das Erdgeschoss adaptiert, die Fassade saniert und der Außenbereich aufgewertet und Verbindung zur benachbarten Juppenwerkstatt gebracht.

Durch die Schaffung der Räumlichkeiten für die trachtennäherei.at ergibt sich zukünftig die Möglichkeit, die historische Fältelmaschine (1870er Jahre) sowie die Glästmaschine (1909) in der Juppenwerkstatt als Zeugnis der frühen Mechanisierung des Produktionsprozesses zu belassen und den Arbeitsraum im OG der Juppenwerkstatt außerhalb des Leader-Projektes zu einem Schaudepot umzugestalten. Das gestalterische Prinzip der Juppenwerkstatt kann beibehalten und die Zielgruppe „Architekturtourismus“ weiterhin bedient werden. (Minimalinvasiver Umbau: Beibehaltung des Stadelcharakters) In den neuen Räumlichkeiten für die trachtennäherei.at kann der Werkstattbetrieb effizienter sowie hinsichtlich der Anlagen- und Arbeitssicherheit verantwortungsvoll gestaltet werden sowie das Produktprogramm der Juppenwerkstatt erweitert werden.

Die Räumlichkeiten schaffen die Voraussetzung für die Ansiedlung eines ganzjährig tätigen Unternehmens „trachtennäherei.at“, das von einem/r Jungunternehmer/in als Schaubetrieb geführt werden kann, der/die in enger Kooperation mit dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg arbeitet. Parallel zur Entwicklung und Adaptierung der Räumlichkeiten erarbeitet die Gemeinde mit dem Verein Juppenwerkstatt ein Nutzungs- und Geschäftsmodell für die trachtennäherei.at und sucht aktiv nach Jungunternehmer/innen als neue Mieter für die Räumlichkeiten. Die angebotene Kooperation und Ausbildung zum/r Trachtennäher/in sollen hier Anreiz sein.