Trachtennäherei

Reaktivierung von Gebäudeleerstand zur Erweiterung der Juppenwerkstatt Riefensberg um eine Trachtennäherei als Schaubetrieb. Schaffung von Rahmenbedingungen für Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer

Themenbereich
Umwelt, Biodiversität, Naturschutz
Basisdienstleistungen, Leader, Gemeinden

Untergliederung
KMUs, Gewerbe & Wirtschaft
Kultur
Leerstand

Projektregion
Vorarlberg

Lokale Aktionsgruppe
LAG REGIO-V Regionalentwicklung Vorarlberg

LE-Periode
LE 14–20

Projektlaufzeit
24.01.2017-30.09.2019

Projektkosten gesamt
302 139,00 €

Fördersumme aus LE 14-20
120 855,60 €

Massnahme
Förderung zur lokalen Entwicklung (CLLD)

Teilmassnahme
19.2. Förderung für die Durchführung der Vorhaben im Rahmen der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Strategie für lokale Entwicklung

Vorhabensart
19.2.1. Umsetzung der lokalen Entwicklungsstrategie

Projektträger
Gemeinde Riefensberg

Kurzbeschreibung

Die Bregenzerwälder Juppe ist eine der ältesten und wertvollsten Trachten im Alpenraum. Mit der Erweiterung der Juppenwerkstatt Riefensberg um eine Näherei und ein Depot sind jetzt beste Voraussetzungen für die Pflege der Vorarlberger Trachtenkultur gegeben.

Die Gemeinde Riefensberg hat die Räume für die neue Trachtennäherei und das Depot dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg zur Verfügung gestellt. Genutzt wurde dafür das Erdgeschoss eines leerstehenden Gebäudes direkt neben den bisherigen Räumlichkeiten der Juppenwerkstatt. Ein Projektteam des Vereins erarbeitete in enger Kooperation mit der Gemeinde ein Bedarfs- und Nutzungsprofil, das mit Unterstützung von LEADER umgesetzt wurde. Durch die neuen Räumlichkeiten konnte der Maschinenpark der Juppenwerkstatt erweitert und hinsichtlich der Anlagen- und Arbeitssicherheit verantwortungsvoll und effizient gestaltet werden. Die Kooperation mit einer/einem ganzjährig tätigen Jungunternehmerin/ -unternehmer vor Ort wurde vorbereitet.

Ausgangssituation

Geschichte – Verein: Die Juppenwerkstatt Riefensberg wurde 2003 eröffnet. Träger ist der 2002 gegründete Verein Juppenwerkstatt Riefensberg. Er ist unpolitisch, gemeinnützig und nicht gewinnorientiert. Dessen Ziel ist die Erhaltung und Pflege der Trachten in Vorarlberg, insbesondere der historischen Frauentrachten des Bregenzerwaldes.

Werkstatt - Schau- & Kooperationsbetrieb: Die Juppenstofferzeugung ist ein Jahrhunderte altes Handwerk, das nur noch in der Juppenwerkstatt Riefensberg gepflegt wird. Der Verein Juppenwerkstatt Riefensberg sorgt dafür, dass ein einzigartiges Kulturgut dem Bregenzerwald - respektive dem Alpenraum - erhalten bleibt. Die bestehende Juppenwerkstatt wird als Schaubetrieb geführt. Um die hohe Qualität der Bregenzerwälder Frauentracht zu gewährleisten, wird in einem Netzwerk mit den Kunsthandwerkerinnen (Näherinnen der Juppe) des Bregenzerwaldes gearbeitet.

Verkauf - Beratungs- und Vermittlungsstelle: Als Erzeuger und Direktverkäufer von Juppenstoffen steht das Haus in engem Kontakt mit seinen Kundinnen und Kunden und begleitet diese auf ihrem Weg zu einer eigenen Tracht. Die Juppenwerkstatt ist darüber hinaus Kontaktstelle, wenn es um die Beurteilung, Schätzung oder Vermittlung bereits gebrauchter Trachten oder -accessoires geht. Dies kommt vor allem einkommensschwachen Frauen sowie Mädchen zugute.

Kursort: Unter dem Motto „Handwerk wertschätzen und fördern“ bietet die Juppenwerkstatt in Zusammenarbeit mit Näherinnen, Stickerinnen oder Knüpferinnen der Region Kurse zur Trachtenherstellung oder zum Erlernen textiler Handwerkstechniken an, die unter anderem für den Fortbestand der Bregenzerwälder Frauentracht benötigt werden.

Museum - Sammlung – Forschung: Das Haus verfügt über eine eigene Trachtensammlung, die für die Forschung zugänglich ist und führt darüber hinaus einen Ausstellungsbetrieb. Die Juppenwerkstatt ist aufgrund der baulichen Voraussetzungen (Stadel ohne Heizsystem) von 1. Mai bis 31. Oktober für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Um einen ganzjährigen Betrieb für die Werkstatt und das Kursprogramm zu ermöglichen, werden beheizbare und aufgrund neuer Maschinen größere Räumlichkeiten notwendig. Im Jahr 2011 erwarb die Gemeinde Riefensberg das leer stehende Haus Dorf 191 eines früheren Fuhrunternehmers und stellte dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg eine Verwendung für die Aufstellung der in Entwicklung befindenden Gläst- und Fältelmaschine (Kooperation: Höhere Technische Lehranstalt Bregenz) in Aussicht.

Ziele und Zielgruppen

Ziele:

  • Aktivierung des Objektes im Dorfzentrum zur Nutzung als Schaubetrieb für die Juppenwerkstatt und die Trachtennäherei
  • Ausbau der dörflichen Infrastruktur zur Stärkung einer nachhaltigen Entwicklung der Region und insbesondere der Gemeinde Riefensberg
  • Aufbau einer Trachtennäherei als Ganzjahres-Schaubetrieb zur Pflege der Vereins- und Bekleidungskultur mit lokaler und regionaler Einbindung sowie überregional agierender Netzwerke
  • Gewinnung Jungunternehmerinnen/Jungunternehmer (Damen- und/oder Herrenschneiderin/Schneider) für die trachtennäherei.at


Wirkung:

  • Sicherung der Stofferzeugung für die traditionelle Glanzleinenjuppe als eine der ältesten, wertvollsten und elegantesten Trachten des Alpenraums und als Teil der Bregenzerwälder Identität
  • Möglichkeit zur Erweiterung des Produktprogramms um Trachten für Vereine und Private sowie u.a. die Sicherung des Fortbestands der traditionellen Walser Juppe
  • Attraktivitätssteigerung der Gemeinde Riefensberg mit der Juppenwerkstatt und zukünftig trachtennäherei.at; Für Gäste bietet der Einblick in eine Trachtennäherei ein Mehr an Erleben und Erkenntnis in Bezug auf Handwerk, Bekleidungskultur und Nachhaltigkeit.
Frei werdender Raum in der Juppenwerkstatt bietet Platz für ein Schaudepot als Bereicherung der musealen Vermittlung und schafft die Voraussetzung für den weiteren Aufbau einer eigenen Trachtensammlung, um wertvolles Kulturgut der Nachwelt zu erhalten.


Projektumsetzung und Maßnahmen

Die Gemeinde Riefensberg erarbeitet gemeinsam mit dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg und dem beauftragten Architekt basierend auf der ersten Grobplanung das detaillierte Raumkonzept für die trachtennäherei.at samt Erschließungskonzept für die Obergeschosse und deren Entwicklungspotential für zukünftig aufkommenden Bedarf. Nach der Planungsphase wird das Erdgeschoss adaptiert, die Fassade saniert und der Außenbereich aufgewertet und in Verbindung zur benachbarten Juppenwerkstatt gebracht.

Durch die Schaffung der Räumlichkeiten für die trachtennäherei.at ergibt sich zukünftig die Möglichkeit, die historische Fältelmaschine (1870er Jahre) sowie die Glästmaschine (1909) in der Juppenwerkstatt als Zeugnis der frühen Mechanisierung des Produktionsprozesses zu belassen und den Arbeitsraum im OG der Juppenwerkstatt außerhalb des Leader-Projektes zu einem Schaudepot umzugestalten. Das gestalterische Prinzip der Juppenwerkstatt kann beibehalten und die Zielgruppe „Architekturtourismus“ weiterhin bedient werden (Minimalinvasiver Umbau: Beibehaltung des Stadelcharakters). In den neuen Räumlichkeiten für die trachtennäherei.at kann der Werkstattbetrieb effizienter sowie hinsichtlich der Anlagen- und Arbeitssicherheit verantwortungsvoll gestaltet werden sowie das Produktprogramm der Juppenwerkstatt erweitert werden.

Die Räumlichkeiten schaffen die Voraussetzung für die Ansiedlung eines ganzjährig tätigen Unternehmens „trachtennäherei.at“, das von einer Jungunternehmerin oder einem Jungunternehmer als Schaubetrieb geführt werden kann, die bzw. der in enger Kooperation mit dem Verein Juppenwerkstatt Riefensberg arbeitet. Parallel zur Entwicklung und Adaptierung der Räumlichkeiten erarbeitet die Gemeinde mit dem Verein Juppenwerkstatt ein Nutzungs- und Geschäftsmodell für die trachtennäherei.at und sucht aktiv nach Jungunternehmerinnen und Unternehmern als neue Mieter für die Räumlichkeiten. Die angebotene Kooperation und Ausbildung zur Trachtennäherin/ Trachtennäher sollen hier Anreiz sein.

Ergebnisse und Wirkungen

Ergebnis
  • Aktivierung des Objekts im Dorfzentrum zur Nutzung als Schaubetrieb für den Verein Juppenwerkstatt Riefensberg in gemeinsamer Nutzung mit einer selbständigen Unternehmerin / einem selbständigen Unternehmer
  • Ganzjahresbetrieb des Vereins zur Pflege der Vereins- und Bekleidungskultur mit überregionaler Einbindung
  • Räumlichkeiten für eine Niederlassung einer Jungunternehmerin oder eines Jungunternehmers (Damen- und/oder Herrenschneiderei mit Schwerpunkt Trachtennäherei)
  • Richtlinien konformes Depot für die Sammlung der Juppenwerkstatt Riefensberg
  • Raumgewinn für die Erweiterung des Kursangebots und der Kundenbetreuung der Juppenwerkstatt Riefensberg
  • Raumgewinn für die Aufstellung der Fältelmaschine
  • Ausbau der dörflichen Infrastruktur zur Stärkung einer nachhaltigen Entwicklung der Region und insbesondere der Gemeinde Riefensberg
 

Wirkung
  • Programmerweiterung der Juppenwerkstatt Riefensberg durch die Kooperation mit der zukünftigen Unternehmerin / dem zukünftigen Unternehmer. Gäste erhalten dadurch ein Mehr an Erleben und Erkenntnis in Bezug auf Architektur, Handwerk, Bekleidungskultur und Nachhaltigkeit
  • Attraktivitätssteigerung der Gemeinde Riefensberg durch Betriebsgründung und Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Pflege der Vorarlberger Trachtenkultur auf hohem handwerklichen und materialsprachlichem Niveau
  • Konservatorisch sachgemäße Sicherung der Sammlung der Juppenwerkstatt Riefensberg
  • Sicherung der Stofferzeugung für die Herstellung der Bregenzerwälder Juppe, eine der ältesten und wertvollsten Trachten des Alpenraums
  • Möglichkeit zur Erweiterung des Produkt-/Kursprogramms der Juppenwerkstatt Riefensberg
  • Frei werdender Raum in der Juppenwerkstatt Riefensberg schafft Platz für bessere Durchführung des bestehenden Vermittlungsangebots