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    Lingenau erzählt

    Themenbereich
    Basisdienstleistungen, Leader, Gemeinden

    Untergliederung
    Kultur
    Gemeindeentwicklung
    Bildung & Lebenslanges Lernen

    Projektregion
    Vorarlberg

    Lokale Aktionsgruppe
    LAG REGIO-V Regionalentwicklung Vorarlberg

    LE-Periode
    LE 14–20

    Projektlaufzeit
    27.12.2017-30.06.2019

    Projektkosten gesamt
    50.304,00 €

    Fördersumme aus LE 14-20
    30.182,48 €

    Massnahme
    Förderung zur lokalen Entwicklung (CLLD)

    Teilmassnahme
    19.2. Förderung für die Durchführung der Vorhaben im Rahmen der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Strategie für lokale Entwicklung

    Vorhabensart
    19.2.1. Umsetzung der lokalen Entwicklungsstrategie

    Projektträger
    Gemeinde Lingenau

    Kurzbeschreibung

    Das Projekt hatte zum Ziel, eine regionale Wissensplattform zu schaffen, die unter Beteiligung aufgebaut, interessant gestaltet und nachhaltig im Ort verankert wird. Das Geschichtenerzählen als Anlass zur Begegnung, Quelle regionalen Wissens und Kulturform wurde revitalisiert und gesellschaftliches Lernen ermöglicht. 28 Geschichtenbänkle wurden aufgestellt und vier Wanderrouten entwickelt, die den Inhalt von 71 Geschichten und die Orte in Verbindung bringen.

    An 15 Erzählabenden in Lingenauer Gasthäusern wurden Geschichten gesammelt, anschließend aufgenommen, auf der Webseite „Lingenau erzählt“ platziert und an den Geschichtenbänkle über QR-Code verfügbar gemacht. Einmal im Jahr findet ein Bänklefest statt. Im Ort hat sich eine Gruppe engagierter Personen gefunden, die die Aktivitäten weiterführen.

    Die Bänkle, die Feste und Erzählabende sind neue Begegnungsräume für Groß und Klein, Gastgeber und Gäste und alle, die Lust auf Begegnung haben. Die Erzählkultur ist wieder Teil des Alltags.

    Ausgangssituation

    Entwicklung in der Gemeinde entsteht durch gelebtes Miteinander. Begegnung schafft Entwicklung in der Gemeinde.

    Lingenau ist eine Gemeinde, die mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert ist wie viele andere. Es gibt eine gute dörfliche Infrastruktur, Spielgruppe, Kindergarten, Volksschule, Mittelschule, viele (über 30) Vereine, 6 Gasthäuser. Der hektische Alltag unserer Zeit, ein hoher Beschäftigungsgrad mit einer steigenden Anzahl an Pendler*innenn (Beruf, Ausbildung) machen es aber schwer, sich aktiv am Dorfleben zu beteiligen. Insbesondere für neue Mitbürger*innen ist es nicht einfach, in eine Dorfgemeinschaft hineinzufinden. Aufgrund fehlender urbaner Begegnungsräume wie Plätze mit Cafés, Spielplatz, Museum, Flanierzone, Skater Platz, Stadtteil-Büro, ... hat das Leben auf dem Land für sie eine vereinzelnde Tendenz.

    „Lingenau erzählt“ schafft interessanten, niederschwelligen Begegnungsraum, jederzeit zugänglich und konsumfrei und basiert auf folgenden Überlegungen:

    • Eine Grundbedingung für Begegnung ist Kommunikation. Das Projekt fördert  die Erzählkompetenz im Ort, das Interesse, Wissen über Geschichten zu teilen und als Dorfgemeinschaft voneinander zu lernen.
    • Die Landschaft und ihr Potenzial an Lebensqualität spielt eine wichtige Rolle – sie ist ein Pluspunkt des ländlichen Raums und soll mit dem Projekt betont werden.
    • Bestehende Strukturen wie Vereine, Schulen und Gasthäuser werden von Beginn an ins Projekt integriert und daran beteiligt. Ebenso aber interessierte Einzelpersonen.
    Das Projekt ist zu sehen als ein wichtiger Baustein einer langfristigen Dorfentwicklung, der sich verzahnt mit weiteren dörflichen Projekten (Lindohus, Gesundes Lingenau, Spielraumkonzept, Bürgerbeteiligung zu Verkehrsthemen, Lingenau 60 , Engagiert sein ...), die alle dem Grundsatz folgen, einen lebendigen, funktionierenden Lebensraum für alle zu bieten, die Gemeinschaft zu stärken und zu aktivieren ohne dabei jemanden auszuschließen.

    Ziele und Zielgruppen

    Es war eine Qualität des ländlichen Raums, Wissen über Geschichten zu teilen und als Dorfgemeinschaft voneinander zu lernen. Diese Qualität will wieder erreicht werden.

    Heute ist diese Erzählkultur nicht mehr Teil des Dorfalltags, es finden weniger Begegnungen statt, das Erzählen wird nicht mehr gepflegt und es fehlen interessante Formate und Orte, die allen zur Verfügung stehen und die in die heutige Zeit passen. Mit den Lingenauer Erzählabenden soll ein wiederkehrendes Format geschaffen werden, welches die Erzählkultur unterstützt und gesellschaftliches Lernen ermöglicht.

    „Lingenau erzählt“ hat zum Ziel, eine neue Form einer regionalen Wissensplattform zu schaffen, die unter Beteiligung aufgebaut, interessant gestaltet und nachhaltig im Ort verankert wird.
    Um die Geschichten zeitungebunden verfügbar zu machen, sollen Geschichtenbänkle entwickelt werden, die Inhalt und Ort in Verbindung bringen.

    Neben den jederzeit verfügbaren Geschichtenrouten, erreichbar über die Wissensplattform und die Vorarlberg APP, die das Verfestigen und Lernen von Heimat fördern, sollen regelmäßig Anlässe (Erzählabende) geboten werden, sich aktiv in das Projekt „einzuklinken“. Unter anderem, um die Gemeinschaft, die rund um die Geschichten und deren Orte entsteht, zu pflegen und weiterzuentwickeln.

    Mittelfristig nach dem Projekt – je nach Fokus und Interesse der Menschen, die sich beteiligen – soll die Plattform „Lingenau erzählt“ ( www.lingenau-erzählt.at ) weitere Dimensionen dazubekommen: ein Austauschforum, in dem Hilfeanfragen gestellt werden, Gerätschaften gemeinsam verwaltet, Themen zur Diskussion eingebracht werden, interessante Literatur zu gemeinschaftlichen Interessensthemen zu finden sind, ... Hier geht es darum, ergebnisoffen zu bleiben, um dann aus der Bevölkerung heraus das anbieten zu können, was erwünscht und relevant ist und damit auch genutzt werden wird.

    Lingenau wird für Vorarlberger*innen interessant, die gerne wandern und in Lingenau ein Zusatz-Argument vorfinden (Kinder bekommen Bewegungsmotivation durch die Geschichten, Singles werden unterhalten, ...) und  Gäste können im „Geschichten-Dorf“ etwas Besonderes erleben.

    Projektumsetzung und Maßnahmen

    Kernelemente von „Lingenau erzählt“:

    • Geschichten, im Sinne von Alltagsgeschichten und „Schwänken“ sind eine niederschwellige Form um das Wissen, die Erinnerungen und Gedanken der Bevölkerung zu erfassen. Niederschwellig insofern, dass Geschichten vom Leben erzählen. Geschichten haben also alle zu erzählen: Einheimische, Zweiheimische, Frauen und Männer, Kinder und Erwachsene, Gäste und Gastgeber. Damit die Leute auch den Mut finden, ihre Geschichten zu teilen, werden Formate entwickelt: Geschichten-Werkstätten, in denen in einem geschützten Rahmen das Erzählen mit Storytelling-Expert*innen geübt wird und Lingenauer Erzählabende in den Gasthäusern, die zum Ziel haben, den Wert von Geschichten wiederzuentdecken, regionales Wissen in Umlauf zu bringen, aber auch regionale Identität zu pflegen und Resonanz zwischen dem Einzelnen und den Geschichten herzustellen.
    • Geschichtenbänkle bieten einen Begegnungsraum (ohne Konsumzwang), um die Geschichten als Einzelperson oder als Gruppe zu hören. Denn die Geschichtenbänkle sind mit Sounddateien verbunden, die man über ein Smartphone abrufen kann und damit die Erzählung in Zusammenhang mit der Landschaft gebracht wird. Jede Sounddatei besteht aus Geschichte und thematisch passender Sachinformation – sowie der Einladung, selbst zu erzählen. Die Erzählbänke können einzeln oder gebündelt zu Routen besucht werden.
    • Bänkletage sind Volksfeste der anderen Art: ohne Konsumzwang, ohne Show Acts und Fans, sondern mit allen als Teilgeber*innen und Begegnenden sind sie Feste der Begegnung, u.a. bei den Geschichtenbänkle, die bei diesen Anlässen von den örtlichen Vereinen, Schulen und Einrichtungen bespielt werden.


    Ergebnisse und Wirkungen

    • Jährlich 5-6 Erzählabende, die 2020 bereits in die 4. Saison gehen – d.h. es gab schon 15 Erzählabende sowie einen Erzählnachmittag für Kinder. Die Erzählabende finden jeweils in der kalten Jahreszeit in den Gasthöfen statt und haben zwischen 25 und 180 Teilnehmer*innen.
    • Inzwischen fünf abgehaltene Erzählwerkstätten und weitere sind in Planung.
    • 28 Erzählbänkle auf vier Routen. Zwei Routen sind doppelt bespielt unter Einbindung von Kindern und Schule (Musikmittelschule Lingenau). Die Erzählbänkle werden von Lehrer*innen für lebendigen Sachunterricht genutzt.
    • Zwei Bänkletage in Zusammenarbeit mit Wirten, Ehrenamtlichen, Vereinen, Schulen, Bibliotheken, kulturellen Initiativen und Tourismus
    • Wissensplattform „Lingenau erzählt“ mit 46 Geschichten und Aufnahmen zu regionalem/örtlichem Wissen. 25 Geschichten und Aufnahmen entstanden gemeinsam mit den Schüler*innen und Schulen in den Schuljahren 2017/18 bis 2018/2019.
    • Insgesamt haben sich inzwischen knapp 200 Einzelpersonen und 15 Betriebe und Organisationen in das Projekt Lingenau erzählt eingebracht.
    • Es hat sich ein Kernteam aus sechs Personen zu „Lingenau erzählt“ gebildet, welches von Gemeinde und dem Tourismusverein weiterhin tatkräftig unterstützt wird.


    Erfahrung

    Generell kann von einer äußerst positiven Resonanz zu den Inhalten und Veranstaltungen von „Lingenau erzählt“ gesprochen werden. Damit das Projekt auch weiterhin am Laufen bleibt, ist eine neue Bespielung der Bänkle geplant. Die Umsetzung wird durch das Kernteam ehrenamtlich erfolgen. Einzig werden Kosten für die Aufnahmen anfallen. 

    Das Projekt läuft sehr gut, auch nach der Projektlaufzeit entwickelt sich „Lingenau erzählt“ laufend weiter. Die Bevölkerung ist bereit sich einzubringen und hat das Thema Erzählen und Begegnen/Voneinander lernen gut angenommen und sieht es als wertvollen Beitrag zu einem lebendigen Dorf.

    Während „Lingenau erzählt“ insgesamt und seine einzelnen Teile (Erzählabende, Erzählbänkle und Bänklefest) gut akzeptiert werden und sich immer wieder Menschen finden, die sich punktuell einbringen, war es zunächst eine Herausforderung, Menschen zu finden, die das Projekt „Lingenau erzählt“ übernehmen und zu ihrem machen. Auch diese Hürde ist inzwischen genommen – ein Kernteam aus sechs Personen hat sich gebildet. Gemeinde und Tourismusverein unterstützen „Lingenau erzählt“ weiterhin sehr engagiert.

    In anderen Gemeinden der Umgebung, dem Naturpark Nagelfluhkette und sogar in Sachsen (D) hat das Projekt „Lingenau erzählt“ Anklang und Nachahmer gefunden.