Investitionen in gemeinschaftliche Rübenernte- und Verladetechnik

Themenbereich
Klimaschutz und Klimawandel
Land- und Forstwirtschaft inkl. Wertschöpfungskette

Untergliederung
Landwirtschaft
Boden
Wertschöpfung
Kurze Versorgungsketten
Betriebswirtschaft
Luftreinhaltung
Umweltschutz
Energieeffizienz

Projektregion
Niederösterreich

LE-Periode
LE 14–20

Projektlaufzeit
2015-2019

Projektkosten gesamt
2.493.780,00€

Fördersumme aus LE 14-20
453.438,00€

Massnahme
Investitionen in materielle Vermögenswerte

Teilmassnahme
4.1 Förderung für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe

Vorhabensart
4.1.1. Investitionen in die landwirtschaftliche Erzeugung

Projektträger
RRGW - RÜBENRODEGEMEINSCHAFT WEINVIERTEL MITTE EGEN

Kurzbeschreibung

Die Region und ihre Bäuerinnen und Bauern mit ihren Betrieben sind der Mittelpunkt. Neben der Arbeitsentlastung der Bäuerinnen und Bauern steht eine Effizienzsteigerung in der Rübenernte und Logistik im Vordergrund sowie die Wertschöpfung in der Region zu behalten und für die Jugend in der Landwirtschaft attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. Ein wichtiges Ziel ist es geworden, die Versorgungssicherheit im Bereich Zucker zu gewährleisten. Dadurch bleibt die Wertschöpfung mit den verschiedensten Gewerbebetrieben in Österreich.

Neben den klassischen Faktoren rücken Bodenschonung und Umwelt mehr in den Vordergrund. Die Schönwetterperioden werden strategisch durch die neue Mausverladungsvariante seit 2015 dank moderner Erntetechnik, die mit einer Addblue Abgasreinigungsanlage ausgestattet ist, genutzt. Weiters kürzen wir die Transportlogistik ab, und fahren direkt vom Feld in die Industrie.

Ausgangssituation

Die Grundidee der Rübenrodegemeinschaft wurde im Jahr 1994 von fünf Landwirtinnen und Landwirten geboren. Ziel ist die gemeinsame Zuckerrübenernte, deren Logistik, die Senkung der Kosten und die Arbeitserleichterung. Am 21.01.1994 wurde dann die Rübenrodegemeinschaft Weinviertel Ges.b.R. von 38 Landwirtinnen und Landwirten gegründet. Vier Fahrerinnen und Fahrer starteten mit der ersten Erntemaschine in die Saison 1994.

Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft galt es Chancen für die Bäuerinnen und Bauern zu generieren. Ein wichtiger Punkt war die alte vorhandene Technik, die ein hohes Maß an gesundheitlichen Gefahren mit sich brachte, aus den Betrieben zu nehmen und Arbeitsschutz wieder in den Vordergrund zu stellen. Auch die Kommunikation und Offenheit zwischen den Bäuerinnen und Bauern wurde gestärkt. Wo vorher Verschwiegenheit bei Rübenqote und Rübenfläche galt, wurde das gemeinsame Ziel stärkend für das Miteinander. Die Effizienz der Rübenernte und die Qualitätssteigerung waren klar zu spüren. 

Durch neue Strukturanforderungen und das stetige Wachstum wurde die Rübenrodegemeinschaft Weinviertel Ges. in weiterer Folge in eine Genossenschaft umgegründet.

Ziele und Zielgruppen

  1. Bäuerinnen und Bauern: Kostensenkung, Teamarbeit, Vernetzung, Marktfähigkeit, Bodengesundheit
  2. Industrie: Ernte mit der Verarbeitung abgestimmt, gute Logistik, weniger Schmutz und Erde im Verarbeitungprozess, gute Qualitäten
  3. Logistik: Mehr Sicherheit im Straßenverkehr nur Profis auf der Landstraße und bei der Bahn
  4. Konsumentinnen und Konsumenten: Luftreinhaltung durch weniger Maschinen, Böden und Wasserschutz, Einkauf von Zucker und Zuckerprodunkten bleibt günstig, Versorgungssicherheit in Österreich mit 38.000 Hektar Rüben
  5. Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer: Arbeitsplätze in der Region, Einkommen sichern, soziale Verantwortung für deren Familien
  6. Nachgelagertes Gewerbe: Werkstätten und Zulieferinnen und Zulieferer  


Projektumsetzung und Maßnahmen

Eine ständige Evaluierung der Ist-Situation ist von großer Wichtigkeit. Die Genossenschaftsmitglieder werden laufend zur aktuellen Situation befragt. Eine Analyse dieser Befragung ist unabdingbar. Die Kommunikation mit der Industrie ist für uns ein fixer Punkt geworden. Die Kosten werden laufend analysiert, die daraus resultierenden Ergebnisse in klare Ziele formuliert. Ebenfalls ist eine klare Vision der Führungsebene und die permanente Kommunikation in die Gruppe besonders wichtig.

Neben fachlichen Schulungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen auch Softskills am Programm. Rechtliche und Sicherheitstechnische Maßnahmen werden immer auf den neuesten Stand gebracht, aber auch geschult.
Wir haben eine eigene Genossenschaftszeitung ins Leben gerufen, um unsere Mitglieder laufend zu informieren. Soziale Medien und deren Möglichkeiten gehören mittlerweile zum Alltag. Über diverse Jugendtage sprechen wir die Zukunftsfahrerinnen und -fahrer an, um auch in weiterer Folge kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzubauen. Auch haben wir in ein eigenes Softwareprogramm investiert, um unsere Logistik gut im Griff zu haben und diese zu verbessern.

Ergebnisse und Wirkungen

Wir haben es geschafft, mit unserem aktiven Tun, die Zuckerrübe zu einem Großteil in der Region zu halten.  Die Arbeitsentlastung für die Bäuerinnen und Bauern ist tatsächlich eingetroffen. Weiters ist es uns gelungen, die Kostenstruktur für die Zucherrübenernte zu halten und das Service für die Verladung und Logistik deutlich zu heben.  
Die Erntefenster bei Schönwetter können jetzt gut genützt werden und wir schonen unsere Böden. Weiters bieten wir für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hauptsächlich aus der Landwirtschaft kommen, einen flexiblen sicheren Arbeitsplatz. Vor allem ist hier wichtig, ein Teil des Teams zu sein.
Ein interessanter Aspekt ist daraus entstanden, dass sich die Betriebsführerinnen und -führer und deren Familien besser kennengelernt haben - es sind einige neue Projekte wie unsere Traktor/Technikgemeinschaft (Terra Trac Ges.b.R) entstanden. Aber auch kleine Zusammenarbeitsgruppen wie Abfuhr und andere Kollektive.

Erfahrung

Das wichtigste ist die offene Kommunikation. Hier gilt klar zu kommunizieren und Unschärfe gleich zu klären. Das Team geht vor Einzelinteressen. Was für einen gilt, gilt für alle!
Alle Ideen aufnehmen, Werten weglassen - und vieles passt zusammen. Baustein um Baustein. 
Neben der Kommunikation braucht es auch klare interne Abläufe und Vorgaben. Hier haben wir einen Ordnungskatalog erstellt, dieser wird laufend evaluiert. Lob und Motivation ist ein wichtiges Maß für alle in unserer Genossenschaft. 
Ein sehr kritischer Moment mit großer Auswirkung bis heute war die neue Zuckermarktordnung der Europäischen Union, welche zu einem sehr unsicheren Markt und Ausgangsbedingungen für die gesamte Branche geführt hat. Ein Motto unserer Gruppe ist, aus Fehlern lernen und damit persönlich zu wachsen.