Drei neue Schwerpunkte für die Regionalentwicklung

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17.05.2022

Interview mit Christian Rosenwirth, Leiter der Abteilung V/6 – Innovation, Lokale Entwicklung und Zusammenarbeit

Im österreichischen GAP-Strategieplan 2023–2027 sind neue Maßnahmen vorgesehen, die auf die Stärkung der Dorf- und Regionalentwicklung abzielen. Netzwerk Zukunftsraum Land hat mit Christian Rosenwirth, Leiter der zuständigen Fachabteilung, über deren Zielsetzungen und Ausgestaltung gesprochen.


Herr Rosenwirth, im nationalen GAP-Strategieplan 2023–2027 sind neue Maßnahmen vorgesehen, die auf Brennpunkte der Regionalentwicklung abzielen; um welche handelt es sich konkret?

Wir haben als Beitrag für die Regionalentwicklung drei neue Schwerpunkte gesetzt. Einerseits die Orts- und Stadtkernstärkung im ländlichen Raum, indem wir Leerstands- beziehungsweise Nutzungsmanagements auf regionaler Ebene fördern. Andererseits die Unterstützung des Ausbaus ländlicher Innovationssysteme, um bessere Rahmenbedingungen für ein innovationsfreundliches Umfeld zu schaffen. Zur Abrundung leisten wir im Rahmen der Umsetzung des „Smart Villages"- Konzeptes über LEADER auch einen Beitrag zur verstärkten Nutzung der Digitalisierung zur Lösung der Herausforderungen in ländlichen Regionen.


Was sollen das Ländliche Innovationsvernetzungsmanagement und die Innovationspartnerschaften bewirken?

Das regional verankerte, multifunktionelle Innovationsvernetzungsmanagement bringt die Akteurinnen und Akteure in neuartigen Kooperationen zum Beispiel angedockt an ein Wissenszentrum wie eine höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt in der Region zusammen und unterstützt innovative Projekte durch den Aufbau, die Weiterentwicklung und/oder die Etablierung von regionalen Innovationsnetzwerken und deren qualitative Begleitung. Die Innovationsfähigkeit der Akteurinnen und Akteure in den Regionen soll dadurch zusätzlich gestärkt werden.
Die Ländliche Innovationspartnerschaft wird mit dem Multi-Akteurs-Ansatz umgesetzt. In konkreten Projekten sollen die regionalen Herausforderungen und die für die Region relevanten Zukunftsthemen und Trends in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure entlang von (neuen wie auch bestehenden) Innovations- und Wertschöpfungsketten noch besser über Sektorgrenzen hinaus oder branchenübergreifend bearbeitet werden. Dadurch soll auch das Zusammenwirken des agrarischen mit dem außeragrarischen Bereich gestärkt werden. 


Ein neues Instrument wird auch die Förderung des Leerstandsmanagements sein; welche Ziele werden hier angesprochen?

Das Ziel ist die (Wieder-)Belebung von Orts- und Stadtkernen durch deren Attraktivierung und die Reaktivierung von Leerständen. Dadurch wird ein Beitrag zur Stärkung der lokalen (Wirtschafts)- Entwicklung und damit der Beschäftigung geleistet. Durch die Verbesserung der lokalen Erreichbarkeit (kurze Wege) von Einrichtungen der Daseinsvorsorge wird auch die Inklusion von Menschen mit eingeschränkter Mobilität gestärkt. Ein wesentlicher Beitrag ist die Reduktion der Flächenversiegelung. So werden landwirtschaftliche Flächen langfristig gesichert und ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. 


Wie soll die Maßnahme umgesetzt werden? 

Es sind zwei Maßnahmen zur Stärkung der Orts- und Stadtkerne im Rahmen des GAP-Strategieplans vorgesehen. Neben der Unterstützung des Leerstandsmanagements und der Erarbeitung von integrierten Stadtentwicklungs- und vergleichbaren Strategien gibt es eine investive Maßnahme zur Orts- und Stadtkernförderung (Investitionen zur Revitalisierung und Sanierung oder Um- und Weiterbau von leerstehenden, fehl- oder mindergenutzten Gebäuden oder öffentlichen Flächen). Beide Maßnahmen werden im Rahmen einer nationalen Sonderrichtlinie des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport durch die bewilligenden Stellen der Länder umgesetzt werden.


In diesem Zusammenhang sind auch die Pop-up-Dorfbüros zu nennen; was ist darunter zu verstehen?

„Pop-up Dorfbüros“ stehen als Begriff für flexible, intelligente und örtlich angepasste Co-Working-Spaces in ländlichen Regionen. Im Rahmen eines Pilotprojektes der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft - Regionale Innovationssysteme (FFG-RIS) werden derzeit in vier österreichischen LEADER-Regionen maßgeschneiderte Lösungen für die jeweiligen Regionen entwickelt (zum Beispiel mobile Container, die am Dorfplatz zum Co-Working einladen; umgebaute Eisenbahn-Waggons, die von Gästen und Einheimischen als Büro genutzt werden können etc.). Co-Working kann einen Beitrag zur Leerstandsaktivierung und Ortskernbelebung leisten und dadurch die regionale Wirtschaft fördern.