Mareike Jäger
Mareike Jäger

ARGE Agroforst

Wissenstransfer und Umsetzung von Agroforst- Systemen in Österreich

Themenbereich
Innovation
EIP-AGRI
Umwelt, Biodiversität, Naturschutz
Klimaschutz und Klimawandel

Untergliederung
Landwirtschaft
Klimaschutz
Klimawandelanpassung
Wasser
Biodiversität
Naturschutz
Umweltschutz
Boden
Forstwirtschaft
EIP Europäische Innovationspartnerschaft

Projektregion
Niederösterreich
Oberösterreich

LE-Periode
LE 14–20

Projektlaufzeit
2019-2022 (geplantes Projektende)

Projektkosten gesamt
260.888,52

Massnahme
Zusammenarbeit

Teilmassnahme
16.1 Förderung für die Einrichtung und Tätigkeit operationeller Gruppen der EIP "Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit"

Vorhabensart
16.01.1. Unterstützung beim Aufbau & Betrieb operationeller Gruppen der EIP für lw. Produktivität & Nachhaltigkeit

Projektträger
ARGE Agroforst

Kurzbeschreibung

Die fortschreitenden klimatischen Veränderungen in ackerbaulich dominierten Regionen Ostösterreichs veranlassen landwirtschaftliche Betriebe dazu neue Anbausysteme zu erproben, darunter auch agroforstliche Nutzungssysteme. Diese sind eine Kombination von Baumreihen und klassischen Ackerkulturen, wobei die Bäume zur Frucht- oder Wertholznutzung dienen. Bei guter Umsetzung zeigen Agroforstsysteme positive ökonomische und ökologische Auswirkungen, z.B. auf Ertrag, Biodiversität, Kohlenstoffbindung, Bodenerhaltung und Wasserhaushalt. In Österreich gibt es bis dato nur vereinzelte Umsetzungsbeispiele und weder eine Anlaufstelle für interessierte landwirtschaftliche Betriebe noch ein Netzwerk für den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Praxis und Wissenschaft. Das Projekt wird auf 6 Ackerbaubetrieben standort- und betriebsangepasste Agroforstsysteme etablieren und Erkenntnisse aus dieser Pionierarbeit für andere Betriebe und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren nutzbar machen.

Ausgangssituation

Im Zuge des Klimawandels ist die Agrarlandschaft massiven ökologischen Veränderungen, z.B. Dürren, Starkregenereignissen, Bodenabtrag und Ertragseinbußen, ausgesetzt. Landwirtschaftliche Betriebe sehen sich zunehmend gezwungen, sich mit modernen, den veränderten Umweltbedingungen angepassten Anbausystemen auseinanderzusetzen. Zeitgemäße und standortangepasste Agroforstsysteme sind ein innovativer Lösungsansatz für die Herausforderungen der zukünftigen Landwirtschaft, weil sie wirtschaftliche und ökologische Vorteile für Klima, Boden, Wasserhaushalt, Biodiversität und Diversifizierung bieten können. Trotz dieser Vorteile werden sie in Österreich kaum umgesetzt. Denn während für andere EU-Länder wissenschaftliche Erkenntnisse und Umsetzungserfahrungen vorliegen, gibt es für Agroforst-interessierte landwirtschaftliche Betriebe in Österreich weder Informationsstellen noch ein spezifisches Netzwerk, um gezielt Know-How beziehen zu können. Dieses Defizit wiegt noch schwerer in Anbetracht der Tatsache, dass die Anlage von Agroforstsystemen eine langfristige Bewirtschaftungsform darstellt und daher wohlüberlegt erfolgen muss. Das Projekt will diese Wissenslücke schließen, indem auf  Demonstrationsbetrieben Agroforstsysteme umgesetzt werden und ein nationales Netzwerk von Praktikerinnen und Praktikern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgebaut wird sowie Beratungsunterlagen entstehen werden.

Ziele und Zielgruppen

Die Ziele des Projektes sind:

  • Bildung eines Netzwerkes zum Thema Agroforst
  • Know-How-Transfer von Deutschland und der Schweiz nach Österreich
  • Identifizierung geeigneter Agroforstsysteme für verschiedene Standorte und Betriebsausrichtungen im östlichen Österreich
  • Konkrete Planung und Umsetzung von Agroforstsystemen
  • Dokumentation der Umsetzungsschritte
  • Erstellung von zielgruppenspezifischen Informationsmaterialien
  • Verbreitung der Ergebnisse des Projektes

Hauptzielgruppe sind landwirtschaftliche Ackerbaubetriebe in Ostösterreich, jedoch sind die Projektergebnisse für alle österreichischen Regionen in denen Ackerbau betrieben wird, relevant.

Projektumsetzung und Maßnahmen

Die Operationelle Gruppe besteht aus:

  • 6 landwirtschaftlichen Betrieben in Oberösterreich und Niederösterreich
  • Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)

Des Weiteren werden erfahrene Beraterinnen und Berater aus Deutschland und der Schweiz in das Projekt eingebunden. Strategische Partnerinnen und Partner sind die landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof/Hardt, Bio-Austria, die Landwirtschaftskammer Niederösterreich sowie zwei Institute der Universität für Bodenkultur Wien.
 
Wesentliche Projektschritte sind:

  1. Implementierung von Agroforstsystemen auf 6 Pionierbetrieben mit Unterstützung erfahrener Beraterinnen und Beratern aus Deutschland und der Schweiz
  2. Begleituntersuchungen: Erhebung der Wirtschaftlichkeit auf mindestens 3 Betrieben, Modellierung der Klimawirkung, Erhebung der Bestandsentwicklung, Klärung der rechtlichen Situation als Diskussionsgrundlage für zukünftige Fördermöglichkeiten
  3. Verbreitung der Ergebnisse: Erstellung einer Informationsbroschüre für Betriebsleiterinnen und -leiter, Beratungsunterlagen für Interessensvertretungen, Handlungsempfehlungen für die Zukunft von Agroforst in Österreich, Erstellung einer Agroforst-Homepage, Organisation einer Tagung, Beiträge bei nationalen Netzwerken und internationalen Veranstaltungen


Ergebnisse und Wirkungen

Das in diesem Projekt aufgebaute Agroforst-Netzwerk soll das Agroforstkonzept in Österreich bekannt machen und über die vielfältigen Auswirkungen auf Umwelt und Klimawandel informieren. Gut umgesetzte Agroforstsysteme steigern die CO2-Bindung pro Fläche, leisten einen Beitrag zum Erosionsschutz, vermindern die Nährstoffauswaschung (z.B. von Nitrat und Phosphor) im Boden und begünstigen den Humusaufbau im Boden zwischen den Bäumen. Außerdem verbessern die Baumreihen den Wasserhaushalt, indem sie Beschattung und Verdunstungsschutz bieten. Nicht zuletzt schaffen Agroforstsysteme zusätzliche Lebensräume für Vögel und Insekten, steigern damit die Biodiversität und den Erholungswert für den Menschen.

Erfahrung

Zur Halbzeit des Projektes (Mitte 2021) wurden 6  Agroforstsysteme auf den Modellbetrieben erfolgreich umgesetzt. Aufgrund der unterschiedlichen betrieblichen Voraussetzungen, Bedürfnisse und Wünsche entstanden ganz unterschiedliche Agroforstsysteme, die die mögliche Bandbreite von Agroforst widerspiegeln.
Wir beobachten im Zuge des Projektes ein steigendes Interesse der Betriebe, da Agroforst einen Beitrag zu vielen aktuellen Herausforderung der Landwirtschaft - von der Biodiversitätsförderung, über Bodenschutz bis zu Klimawandelanpassungen - leisten kann.
Diese Dynamik und der Einsatz unterschiedlicher Interessensgruppen für das Thema Agroforst führt hoffentlich auch zu Veränderungen in den gesetzlichen und fördertechnischen Rahmenbedingungen, die dazu führen sollen, dass die Umsetzung von Agroforstanlagen auch rechtlich abgesichert wird.