for INSECTS - for NATURE - for FUTURE

Themenbereich
Klimaschutz und Klimawandel
Basisdienstleistungen, Leader, Gemeinden
Umwelt, Biodiversität, Naturschutz

Untergliederung
Nachhaltige Landschaftspflege
Naturschutz
Biodiversität
Klimawandelanpassung
Klimaschutz
LEADER
Bildung & Lebenslanges Lernen
Wissenstransfer

Projektregion
Steiermark

Lokale Aktionsgruppe
LAG Almenland & Energieregion Weiz - Gleisdorf

LE-Periode
LE 14–20

Projektlaufzeit
05/20-06/21

Projektkosten gesamt
rd. 24.800,00€

Fördersumme aus LE 14-20
rd. 19.840,00€

Massnahme
Förderung zur lokalen Entwicklung (CLLD)

Teilmassnahme
19.2. Förderung für die Durchführung der Vorhaben im Rahmen der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Strategie für lokale Entwicklung

Vorhabensart
19.2.1. Umsetzung der lokalen Entwicklungsstrategie

Projektträger
Gemeinnützige Dienstleistungsgesellschaft der Region Weiz

Kurzbeschreibung

Die Gemeinnützige Dienstleistungsgesellschaft der Region Weiz betreibt seit längerem ein Garten- und Grünraumservice. Im Rahmen dieser Tätigkeiten musste man in den letzten Jahren das voranschreitende Streben der Insekten mitansehen. Um diesem Thema selbst aktiv entgegenzuwirken, wurden 12 Insektenhotels aus naturbelassenen Materialien selbst angefertigt und an dafür geeigneten Standorten in den 12 Gemeinden der Energieregion aufgestellt.

Begleitend erfolgt eine umfassende Bewusstseinsbildung der Bevölkerung durch ein kindgerechtes Video, Artikel in den Gemeindezeitungen sowie einen Flyer über das Insektensterben und mögliche Maßnahmen dagegen.

Hierdurch wurden auf lange Sicht für die verschiedensten tierischen Bewohnerinnen und Bewohner der Region wieder geeignete Nist- und Überwinterungsmöglichkeiten geschaffen.

Ausgangssituation

Insekten sind für die Natur und somit für unsere Zukunft von wesentlicher Bedeutung. Sie bestäuben Blüten, verzehren Schädlinge und dienen als Nahrung für unsere Singvögel. Hierfür brauchen die Insekten Nistgelegenheiten, welche in unseren Kulturlandschaften zunehmend seltener zu finden sind. Abhilfe sollen unter anderem sogenannte Insektenhotels schaffen.

Doch viele dieser Hotels, die es fertig zu kaufen gibt, werden von den Insekten nicht angenommen, da oft falsche Materialien verwendet werden. Ebenso spielt der richtige Standort eine wesentliche Rolle, ob das Hotel auch bewohnt wird oder nicht. Da die Errichtung von Insektenhotels alleine nicht ausreicht, um das Verhalten der Menschen hinsichtlich der Insekten zu verändern, bedarf es ergänzend zu diesen Insektenhotels auch einer umfassenden Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung.

Ziele und Zielgruppen

Ziel dieses Projektes war es, die Sensibilisierung der Region zum Thema „Insektensterben“ voranzutreiben. Hierzu erfolgte zum einen die Errichtung von zwölf Insektenhotels in der Region, um ein sichtbares Zeichen gegen das Insektensterben zu setzen. Gleichzeitig stand durch die Verbreitung eines eigens erstellten, kindgerechten Videos zum Thema „Biene“ in allen Kindergärten der Energieregion Weiz-Gleisdorf die Bewusstseinsbildung der Kinder im Fokus dieses Projekts.

Zielgruppe sind die zwölf Gemeinden der Energieregion Weiz-Gleisdorf und deren Bevölkerung, wobei insbesondere der Informationsaustausch mit den Kindergärten der Region hervorzuheben ist. Aber auch Experten der Österreichischen Naturschutzjugend (ÖNJ) und der Karl-Franzens-Universität Graz wurden zum Thema „Naturschutz“ im Allgemeinen sowie für die Errichtung von Insektenhotels im Speziellen in das Projekt involviert.

Projektumsetzung und Maßnahmen

Die Gemeinnützige Dienstleistungsgesellschaft der Region Weiz (DLG Weiz) betreibt seit Jahren ein gut funktionierendes Garten- und Grünraumservice. Im Rahmen dieser Tätigkeiten musste man leider in den letzten Jahren das voranschreitende Streben der Insekten mitansehen. Um diesem Thema selbst aktiv entgegenzuwirken, wurden durch die DLG Weiz folgende Aktivitäten im Rahmen dieses Projekts umgesetzt:

Kick-Off-Workshop „Lessons learned und best practice“

In einem ersten Schritt wurde durch den Projektträger, die DLG Weiz, am 9.6.2020 ein Kick-Off-Workshop in den eigenen Räumlichkeiten in Krottendorf (Gemeinde Weiz) abgehalten. Bei diesem erfolgt ein Erfahrungsaustausch mit Dr. Gernot Kunz, Institut für Biologie, Karl-Franzens-Universität Graz, sowie Oliver Gebhardt, Österreichische Naturschutzjugend, Landesgruppe Steiermark. Die Experten berichteten dem Team der DLG von ihren Erfahrungen hinsichtlich der Errichtung von Insektenhotels. Neben Aspekten, die es bei der Umsetzung zu beachten sind, wurden insbesondere auch Punkte besprochen, die es zu vermeiden gilt (lessons learned).

Standortsuche für Insektenhotels

In einem zweiten Schritt wurde in Absprache mit den fachlichen Experten die Planung der Standorte für die zwölf geplanten Insektenhotels vorgenommen. Da der jeweilige Standort eine wesentliche Rolle spielt, ob das Hotel auch von den Insekten bewohnt wird, standen bei der Suche die warme, sonnige Ost- oder Südausrichtung, idealerweise in einer Blumenwiese oder einem Kräutergarten, im Vordergrund.

Bei der Standortsuche erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit den zwölf Gemeinden der Energieregion Weiz-Gleisdorf, da die Insektenhotels vorzugsweise auf kommunalem Grund errichtet wurden. Weiters wurde durch die Einbindung der Gemeinden die kommunale Unterstützung des Projekts während sowie nach der Projektlaufzeit gewährleistet.

In Summe wurden folgende 12 Standorte, für die Errichtung der Insektenhotels ausgewählt: https://www.energieregion.at/insektenhotels/

Workshops und Sammlung Materialien

Coronabedingt musste bei der Abhaltung der Workshops und der Sammlung ausgewählter Materialien für die Insektenhotels von der ursprünglichen Planung abgewichen werden. Es war geplant, in allen interessierten Kindergärten der zwölf Gemeinden der Energieregion Weiz-Gleisdorf einen Workshop mit den Kindern zum Thema „Insektenhotels“ abzuhalten und im Anschluss gemeinsam Naturmaterialien für die Hotels zu sammeln. Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt geltenden Covid-19-Schutzmaßnahmen war diese Form der Umsetzung nicht möglich, weshalb dieses Arbeitspaket zweigeteilt und adaptiert umgesetzt wurde:

Als adäquater Ersatz für die Workshops wurde ein eigenes, kindergerechtes Video erstellt. Diese rd. 15 Minuten lange Präsentation für Kindergarten- und Volksschulkinder zeigt die Wichtigkeit von Wildbienen und Möglichkeiten zu ihrem Schutz auf. Es wurde über die zwölf Gemeinden der Energieregion Weiz-Gleisdorf allen Kindergärten und Volksschulen der Region zur Verfügung gestellt. Da das Video insbesondere, aber nicht nur für Kinder geeignet ist, wurde es auch über den Youtube-Kanal der Energieregion Weiz-Gleisdorf allen Interessierten zugänglich gemacht und der Link im Rahmen der Pressekonferenz zur offiziellen Eröffnung der Insektenhotels medienwirksam publiziert.

Zusätzlich wurde ein vierseitiger Flyer erstellt, der u.a. über das LEADER-Projekt, das Insektensterben und die Vorteile von Insektenhotels informiert. Dieser Flyer wurde allen zwölf Gemeinden in ausgedruckter sowie digitaler Form zur Auflage und kostenlosen Mitnahme in den Gemeindeämtern übermittelt.

Die Sammlung der Materialien erfolgte aufgrund der Covid-19-Schutzmaßnahmen durch die Projektträgerin/den Projektträger selbst. So wurden beispielsweise Zapfen, Rindenstücke, Bambus und Schilf gesammelt und diese als Füllmaterialien für die Insektenhotels verwendet.

Errichtung der Insektenhotels

Aufbauend auf den vorangegangenen Arbeitspaketen wurden insgesamt zwölf Insektenhotels mit einem Ausmaß von ca. 120 x 80 x 80 cm (L x B x H) exklusive Dach in Handarbeit durch die Projektträgerin/den Projektträger gebaut.

Um einen Begriff für die Dimension des Projekts zu bekommen, sei an dieser Stelle ein Vergleich mit der Bauspar-Aktion der Raiffeisen Bausparkasse erlaubt. Diese hat im Rahmen von drei Projekten gemeinsam mit dem Naturschutzbund Österreich bisher 46 Nisthilfen in ganz Österreich errichtet (Quelle: Raiffeisen Wohnwelt Magazin, 2021, 2. Ausgabe).

Zurück zu den Insektenhotels der DLG Weiz, die gemeinsam mit am Arbeitsmarkt benachteiligten Personen gebaut wurden. Neben einem Fundament aus Kies beziehungsweise Schotter, erhielten die Hotels auch immer ein Dach, damit etwaiger Starkregen nicht die Nistgelegenheiten zerstört. Aufgrund einer speziellen Bepflanzung kann das Dach auch als Nistplatz genutzt werden. Das nötige Material für die Errichtung der Hotels wurde zugekauft, wobei hier der Bezug von unbehandelten Materialien im Vordergrund stand. Bei Bedarf wurden die Materialien vor der Montage entsprechend bearbeitet, zum Beispiel durch Lochbohrungen in Längsrichtungen, das Ausfeilen der Eingänge oder durch einen passenden Zuschnitt.

Nach der Errichtung der Rohbauten erfolgte die Befüllung der Hotels mit den entsprechenden Füllmaterialien, die zum Teil gesammelt und zum Teil zugekauft wurden.

Im Anschluss wurden die Insektenhotels an den ausgewählten Standorten in der Region errichtet und der jeweiligen Standortgemeinde zur weiteren „Aufsicht“ übergeben. Stellvertretend für alle Insektenhotels wurde am 5. Mai 2021 in Naas unter Anwesenheit der Presse das Hotel bei der Sturmbergsiedlung eröffnet. In weiterer Folge berichteten zahlreiche Artikel in Print- und Onlinemedien von den Insektenhotels.

Betreuung und Besichtigung der Insektenhotels

Vor der Errichtung der zwölf Insektenhotels, die den zwölf Gemeinden übergeben wurden, wurde ein erster Prototyp erstellt. Dieser wurde am Standort der Projektträgerin/des Projektträgers, der DLG Weiz, in Krottendorf aufgestellt. Dieser Prototyp wurde während des Projektzeitraums beobachtet. So wurde eine laufende Zustandskontrolle durchgeführt, um etwaige Witterungs-, Wild- und Raubtierschäden zu erkennen und entsprechende bauliche Adaptierungen vorzunehmen. Weiters wurde beobachtet, wie die Füllmaterialien von den Insekten angenommen werden. Im Bedarfsfall wurde das Material im Laufe der Pilotphase an die Bedürfnisse angepasst. So wurden zum Beispiel die Bohrungen der Löcher adaptiert. Neben dem eigentlichen Bohren gegen die Wuchsrichtung, ist auch das Abschleifen der Löcher von besonderer Bedeutung, damit sich die Insekten beim Einflug nicht verletzen und somit sicher in das Hotel „einziehen“ können.

Bis zum Projektende im Juni 2021 wurde der Nisthilfen-Prototyp schon von einigen Insekten besiedelt. Erste Schätzungen von Dr. Kunz von der Karl-Franzens-Universität Graz gehen davon aus, dass sich im Laufe der Zeit im Hotel rd. 50 verschiedene Insektenarten ansiedeln werden.

Elementarer Teil des Projekts war auch die Regelung der Zuständigkeit der Betreuung der Insektenhotels nach Projektende. Hierzu wurden die Insektenhotels in die Verantwortung der jeweiligen Standortgemeinden übergeben. Diese haben sich bereit erklärt, nach Projektende die Nisthilfen bei Bedarf zu warten.

Ergänzend haben die Kommunen über ihre Gemeindezeitungen jeden Haushalt der Region über das Projekt und die Insektenhotels informiert.

Ergebnisse und Wirkungen

  • Die 12 geplanten Insektenhotels wurden errichtet.
  • Durch ein Video und einen Flyer wurde die Bewusstseinsbildung in der Region vorangetrieben.
  • In der Region wurde ein deutliches Zeichen gegen das Insektensterben gesetzt. Die Öffentlichkeit wird sich ihrer Bedeutung für dieses Thema bewusst.
  • Die Bevölkerung wird langfristig zur Nachahmung angeregt und errichtet selbst Insektenhotels und/oder erhält Blumenwiesen und Kräutergärten als Lebensraum für die Insekten.