LIP: Handwerk & Baukultur – Handwerkerhöfe in der Weltkulturerberegion Semmering

Die Weltkulturerbe-Region Semmering–Rax zeichnet sich durch eine außergewöhnlich wertvolle historische Bausubstanz und eine lange Tradition handwerklichen Wissens aus. Gleichzeitig gerät diese Baukultur zunehmend unter Druck: Leerstände nehmen zu, regionales Fachwissen geht verloren, qualifizierte Handwerksbetriebe werden seltener, und Eigentümerinnen und Eigentümern historischer Gebäude fehlen bei komplexen Sanierungsaufgaben häufig Anknüpfungspunkte zu fachkundiger Unterstützung. Vor diesem Hintergrund hatte das Projekt zum Ziel, Baukultur und Handwerk als zentrale Ressource für eine nachhaltige regionale Entwicklung neu zu verankern, Wissen zu sichern, Akteurinnen und Akteure zu vernetzen und konkrete Handlungsperspektiven aufzuzeigen. Als erster Schritt wurden die vorhandenen Strukturen, Leerstände und baukulturellen Potenziale der Region systematisch erhoben und analysiert. Diese Grundlagenarbeit machte sichtbar, wo Herausforderungen liegen, aber auch, welche Chancen in bestehenden Gebäuden, im regionalen Handwerk und in engagierten Akteurinnen und Akteuren stecken. Parallel dazu wurde frühzeitig der Dialog mit Gemeinden, Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Institutionen gesucht, um regionale Perspektiven einzubinden, Vertrauen aufzubauen und im Rahmen der aufbauenden Arbeitspakete gemeinsame Zielbilder zu entwickeln. Ein zentrales Element des Projekts war die Vernetzung. Mit der Regionalveranstaltung „Auf der Walz“ wurde ein öffentliches Format geschaffen, das Information, Beratung, Austausch und Inspiration miteinander verband. Eigentümerinnen und Eigentümer, Fachleute, Jugendliche und interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen miteinander ins Gespräch, erhielten Einblicke in laufende Projekte und konnten sich über Sanierung, Nutzung und Weiterentwicklung historischer Gebäude austauschen. Die Veranstaltung wirkte als wichtiger Impulsgeber für neue Kooperationen und stärkte das regionale Bewusstsein für Baukultur und Handwerk. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vermittlung von Wissen und praktischen Kompetenzen. In Pilottrainings zur Baudenkmalpflege wurden Eigentümerinnen und Eigentümer und Handwerkerinnen und Handwerker praxisnah an fachgerechte Sanierungsmethoden herangeführt. Schulworkshops sensibilisierten junge Menschen frühzeitig für Baukultur, Handwerk und regionale Identität. Ergänzend wurde ein breites Kursangebot für interessierte Laien entwickelt, das niederschwelligen Zugang zum Handwerk eröffnete und das Interesse an handwerklichen Tätigkeiten stärkte. Die Verbindung von Theorie, praktischer Anwendung und direktem Arbeiten am Objekt erwies sich dabei als besonders wirksam. Außerdem wurde ein Innovationsnetzwerk aus Expertinnen und Experten, Gemeinden, Institutionen, Handwerksbetrieben und interessierten Personen aus der Region aufgebaut. In diesem Netzwerk wurden zentrale Fragestellungen gemeinsam bearbeitet, Erfahrungen ausgetauscht und Grundlagen für weiterführende Projekte entwickelt. Es trug wesentlich dazu bei, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und langfristige Kooperationen anzustoßen. Die im Projekt entwickelten Ideen und Erkenntnisse wurden in einem Maßnahmenplan gebündelt und strukturell aufbereitet. Konkrete Leitprojekte und Nutzungsszenarien werden derzeit weiter ausgearbeitet und für eine nachhaltige Umsetzung vorbereitet. Begleitend sorgt eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit – über Website, Medienberichte und soziale Netzwerke – dafür, Inhalte des Projekts sichtbar und verständlich zu machen. Abschließend wird der gesamte Projektprozess evaluiert, um Wirkungen, Lernerfahrungen und Entwicklungspotenziale systematisch zu erfassen. Das Projekt hat eine tragfähige Grundlage für die Weiterführung der entwickelten Strukturen geschaffen, regionale Akteurinnen und Akteure gestärkt und Baukultur als gemeinsamen Wert in der Region verankert. Die gewonnenen Erfahrungen liefern wertvolle Impulse für vergleichbare Regionen, welche die historische Bausubstanz und Handwerk als Motor für eine nachhaltige Entwicklung nutzen möchten.

Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?

Frühzeitige und breite Bewusstseinsbildung: Kinder, Jugendliche, Laien und Fachleute werden gleichermaßen angesprochen, wodurch Baukultur als lebendiger Bestandteil regionaler Identität verankert wird. 

Partizipation als Motor für Wandel: Durch die aktive Einbindung von Eigentümerinnen und Eigentümer, Handwerkerinnen und Handwerker sowie der Bevölkerung entstehen nachhaltige Strukturen für regionalen Entwicklungs- und Strukturwandel. 

Kreative Nutzung historischer Bausubstanz: Leerstände werden saniert, historische Gebäude werden aufgewertet, lokale und regionale Handwerkskompetenzen gestärkt – das schafft neue Nutzungsperspektiven und stärkt die Wirtschaftskraft vor Ort.

Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen

Bewusstseinsbildung für Baukultur: Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen, Laien und Fachleuten für den Wert historischer Gebäude, handwerklicher Fertigkeiten und regionaler Identität. 

Stärkung regionaler Handwerkskompetenzen: Erhalt, Sichtbarmachung und Weitergabe von traditionellem und zeitgemäßem Handwerkswissen zur Förderung von Fachkräften und zur Stärkung regionaler Betriebe. 

Förderung von Partizipation und lokaler Vernetzung: Aktive Einbindung von Eigentümerinnen und Eigentümern, Handwerkerinnen und Handwerkern, Expertinnen und Experten sowie der Bevölkerung zur Entwicklung langfristiger Kooperationsstrukturen und gemeinsamer Verantwortung für Baukultur. 

Erhalt und Aktivierung historischer Bausubstanz: Stärkung des Bewusstseins für den Gebäudebestand als kulturelle und ökologische Ressource sowie Aktivierung von Leerständen und ungenutzten Gebäuden durch neue Nutzungsperspektiven. 

Förderung einer nachhaltigen Umbaukultur: Vermittlung eines Bewusstseins für einfaches, ressourcenschonendes Bauen im Bestand und für die Potenziale vorhandener Gebäude. 

Nachhaltige regionale Entwicklung: Setzen von wirtschaftlichen Impulsen durch Qualifizierung, Vernetzung und Sanierungstätigkeit mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu sichern und neu zu schaffen sowie die regionale Wertschöpfung zu stärken. 

Schaffung strategischer Grundlagen für Folgeprojekte: Entwicklung einer belastbaren Basis, auf der zukünftige Projekte und Initiativen in der Region aufbauen können. 

Übertragbarkeit und Best-Practice-Ansatz: Etablierung eines modellhaften Ansatzes, der auf andere Regionen mit vergleichbaren Herausforderungen übertragbar ist. 

Sicherung und Weitergabe von Wissen: Dokumentation, Evaluation und Verbreitung von Ergebnissen und Lernerfahrungen zur langfristigen Wirksamkeit und Unterstützung zukünftiger Projekte.

Ziele des Projekts

Bewusstseinsbildung und Vermittlung von Baukultur: Kinder, Jugendliche, Laien und Fachleute sollen für den Wert historischer Gebäude, handwerklicher Fertigkeiten und regionaler Identität sensibilisiert werden. 

Stärkung regionaler Handwerkskompetenzen: Traditionswissen soll erhalten, sichtbar gemacht und praxisnah weitergegeben werden, um Fachkräfte zu fördern und Handwerksbetriebe zu stärken. 

Partizipation und lokale Vernetzung: Eigentümerinnen und Eigentümer, Handwerkerinnen und Handwerker, Expertinnen und Experten sowie die Bevölkerung sollen aktiv in Entscheidungen eingebunden werden, um langfristige Kooperationsstrukturen aufzubauen und Verantwortlichkeit für Baukultur zu schaffen. 

Erhalt und Aktivierung historischer Bausubstanz: Das Bewusstsein für historische Bausubstanz als wertvolle Ressource soll gestärkt werden, während Leerstände und ungenutzte Gebäude durch gezielte Maßnahmen wieder nutzbar gemacht, kulturelles Erbe gesichert und neue Nutzungsperspektiven geschaffen werden. 

Nachhaltige regionale Entwicklung: Durch die Verbindung von Bildungsarbeit, Netzwerkbildung und Gebäudesanierung sollen wirtschaftliche Impulse gesetzt, neue Arbeitsplätze geschaffen und die Region langfristig gestärkt werden.

 Grundlage zur Weiterführung unterschiedlicher Projekte: Die Entwicklung eines Maßnahmenplans schafft eine strategische Basis, auf der zukünftige Projekte in der Region aufbauen können. 

Übertragbarkeit und Best-Practice-Ansatz: Das Projekt soll ein Modell für andere Regionen mit vergleichbaren Herausforderungen sein, indem erfolgreiche Methoden der Sanierung, Partizipation und Bewusstseinsbildung dokumentiert und geteilt werden. 

Sicherung von Wissen und Erfahrung: Ergebnisse und Lernprozesse sollen evaluiert, dokumentiert und verbreitet werden, um langfristig die Wirksamkeit der Maßnahmen zu sichern und zukünftige Projekte zu unterstützen.

Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen

AP01 – Grundlagenerhebung: Es wurde eine umfassende Bestandsaufnahme potenziell aktivierbarer Liegenschaften von Gemeinden und Eigentümerinnen und Eigentümern durchgeführt. Die Sichtung und Digitalisierung von Planunterlagen, bauhistorische Recherchen, Umfeldanalysen sowie Gespräche und Begehungen vor Ort ermöglichten die Bewertung von Entwicklungspotenzialen. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für die Regionalveranstaltung „Auf der Walz“ (AP02), Pilottrainings (AP03), Nutzungsperspektiven im Innovationsnetzwerk (AP04), den Maßnahmenplan (AP05) sowie die Umsetzungsbegleitung (AP06). Damit wurde eine solide Basis für nachhaltige Regionalentwicklung, Leerstandsaktivierung und Ortskernstärkung geschaffen. 

AP02 – „Auf der Walz“: Am 27. September 2025 fand die Regionalveranstaltung an mehreren Orten in der Region statt. In Payerbach wurden Zwischenergebnisse sowie Informations- und Beratungsangebote präsentiert. Kinder erlebten Handwerk und Baukultur spielerisch beim Bau einer Kuppel aus Bambusstäben, der historische Posthof in Schottwien diente als Lern- und Demonstrationsort. In Kooperation mit der Initiative „DNA“ Semmering wurden im Rahmen der Ausstellung TERRAIN VAGUE im Südbahnhotel Semmering Fotografien von Jakob Lindner gezeigt, die den Umbau des Hotels Grand Semmering dokumentieren. Eine moderierte Abenddiskussion zu regionaler Entwicklung, Baukultur und Fachkräftesicherung erhöhte die Sichtbarkeit des Projekts und stärkte Netzwerke. Der Besuch von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner unterstrich die Bedeutung der Initiative. 

AP03 – Pilottrainings: Drei aufeinander abgestimmte Pilottrai

nings kombinierten Theorie und Praxis an authentischen Orten. Ergänzend wurden Schulworkshops und Handwerkskurse für Fachkräfte und Laien angeboten. Gastbeiträge von Expertinnen und Experten vermittelten Best-Practice-Erfahrungen. Eine neu eingerichtete Koordinationsstelle begleitet die Umsetzung und Weiterentwicklung. AP03 trägt zur Qualifizierung von Fach- und Nachwuchskräften sowie zur Profilbildung im Bereich Bauen im Bestand bei. 

AP04 – Innovationsnetzwerk: Zwischen Dezember 2024 und Juni 2025 wurden acht Workshops zur Entwicklung von Handwerkerhöfen und weiteren Nutzungsperspektiven durchgeführt. Themen waren u. a. strategische Ausrichtung, Ortskernintegration, Ausbildung, Energieeffizienz, Betriebskonzepte, Businesspläne und Förderungen. Das Netzwerk verknüpfte Akteurinnen und Akteure aus Handwerk, Baukultur, Verwaltung und Zivilgesellschaft und bereitete die Umsetzung zukunftsfähiger Projekte vor. 

AP05 – Maßnahmenplan: Auf Basis der Ergebnisse aus AP01–AP04 werden konkrete Handlungsempfehlungen und Leitprojekte definiert. Der Maßnahmenplan bildet die strategische Grundlage für Umsetzung und Weiterführung regionaler Projekte. 

AP06 – Umsetzungsbegleitung: Eigentümerinnen und Eigentümer und Handwerkerinnen und Handwerker werden fachlich beraten und bei der Projektumsetzung unterstützt. Projektsteuerung und Begleitung von Innovationspartnerschaften sichern Qualität, Zeit- und Kostenrahmen sowie die langfristige regionale Verankerung. 

AP07 – Öffentlichkeitsarbeit: Die begleitende Kommunikation umfasst Informationsmaterialien, Website, Social Media, audiovisuelle Dokumentationen, Medienbeiträge und persönliche Ansprache. Ziel ist die Steigerung der Sichtbarkeit, Wissensvermittlung und nachhaltige Wirkung der Projekte. 

AP08 – Evaluierung: Der Projektprozess wird abschließend evaluiert. Wirkungen werden analysiert, Optimierungspotenziale identifiziert und Projekte mit weiterem Begleitbedarf bestimmt.

Ergebnisse und Wirkungen quantitativ

18 analysierte Liegenschaften in der Region als Grundlage für Aktivierung, Sanierung und Entwicklung neuer Nutzungsperspektiven. 

4 Netzwerk-Workshops und 2 Foren mit regionalen Expert:innen und Akteur:innen zur strategischen Entwicklung von Handwerkerhöfen und Nutzungskonzepten. 

Regionalveranstaltung „Auf der Walz“ (Tages- und Abendprogramm) mit über 100 Teilnehmer:innen, darunter Kinder, Jugendliche, Eigentümerinnen und Eigentümer und Fachleute. 

5 Pilottrainings, Entwicklung von 2 Schul-Projektmodulen sowie 12 Handwerksworkshops für Fachkräfte und Laien, die Wissenstransfer und Qualifizierung sicherstellen. 

Dokumentation, Evaluierung und Maßnahmenplan als strategische Grundlage für die Umsetzung und Weiterführung zukünftiger Projekte in der Region. 

Öffentlichkeitsarbeit über Website, Social Media, Printmedien und Veranstaltungen zur Steigerung der Sichtbarkeit, Vernetzung und langfristigen Wirkung des Projekts.

Ergebnisse und Wirkungen qualitativ

Gesellschaft & Soziales: Bewusstseinsbildung für Baukultur und Handwerk bei Kindern, Jugendlichen und Laien; Förderung von Partizipation, Vernetzung und Wissenstransfer zwischen Eigentümerinnen und Eigentümern, Handwerkerinnen und Handwerker und Bevölkerung. 

Wirtschaft & Beschäftigung: Aus- und Weiterbildung von Fachkräften; Stärkung des wirtschaftlichen Sektors „Sanierung historischer Gebäude“. Breite Bewusstseinsbildung für Leerstands- und Ressourcennutzung für Kinder- und Jugendliche, Eigentümerinnen und Eigentümer von historischen Gebäuden 

Kulturelle Nachhaltigkeit: Bewusstseinsbildung für den Erhalt und die Aktivierung historischer Gebäude; Sicherung des kulturellen Erbes durch gezielte Sanierungen, Entwicklung von Nutzungskonzepten und partizipative Projekte, die Eigentümerinnen und Eigentümer, Handwerkerinnen und Handwerker und die Bevölkerung einbeziehen. 

Umwelt & Klimaschutz: Förderung nachhaltiger Sanierungsmaßnahmen, ressourcenschonende Nutzung bestehender Gebäude und Stärkung energieeffizienter Konzepte; Beitrag zur CO₂-Einsparung durch Revitalisierung statt Neubau. Stärkung von Ortskernen und Leerstandsaktivierung im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung. 

Übertragbarkeit & Innovationspotenzial: Entwicklung eines Maßnahmenplans und Aufbau eines Innovationsnetzwerks, das als Modell und Best-Practice-Beispiel für andere Regionen dient; Sicherung von Wissen und Lernprozessen für zukünftige Projekte

Mehrwert durch Vernetzung

Zentral war der Aufbau eines Innovationsnetzwerks, das Gemeinden, Bürgerinnen und Bürger, Bildungseinrichtungen, Vertreterinnen und Vertreter der Länder Niederösterreich und Steiermark, Vertreterinnen und Vertreter des Bundes, Expertinnen und Experten aus Denkmalschutz, Wirtschaft und weiteren Bereichen, Eigentümerinnen und Eigentümer historischer Gebäude, Handwerkerinnen und Handwerker, Kulturakteurinnen und Kulturakteure sowie regionale Organisationen miteinander verband. Durch diese Vernetzung konnten Wissen, Erfahrung und Ressourcen gebündelt werden. Workshops, Foren und gemeinsame Veranstaltungen wie die Regionalveranstaltung „Auf der Walz“ boten Raum für Austausch, Diskussion und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gemeinsam wurden Strategien für eine nachhaltige Regionalentwicklung, die Sicherung des baukulturellen Erbes, die Aus- und Weiterbildung sowie die Entwicklung eines Maßnahmenplans für regional implementierte Projekte erarbeitet. Die Einbindung internationaler Netzwerke ermöglicht die Umsetzung weiterer Schritte. Dank der Vernetzung konnte das Projekt schnell auf regionale Potenziale und Herausforderungen reagieren. Leerstände wurden identifiziert, Kooperationsmöglichkeiten für deren Nutzung geschaffen und bestehende Strukturen in Gemeinden gestärkt. Die dauerhafte Einbindung unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure ermöglichte eine kontinuierliche Weitergabe von Wissen und Erfahrungen, die als Grundlage für zukünftige Projekte und nachhaltige Entwicklungen in der Region dienen.

Innovation

Das Projekt „Handwerk & Baukultur“ hat mehrere innovative Ansätze hervorgebracht – sowohl im klassischen als auch im sozialen Sinne. Zentral war die Verbindung von handwerklicher Praxis, partizipativer Projektentwicklung und regionaler Vernetzung, wodurch neue Prozesse und Formate für die Aktivierung historischer Gebäude entstanden sind. 

Produkt- und Prozessinnovationen: Entwicklung eines maßgeschneiderten Maßnahmenplans, der als strategische Grundlage für die Umsetzung und Weiterführung von Projekten in der Region dient. Pilottrainings, Schul-Module und Handwerksworkshops, die traditionelles Wissen mit modernen Vermittlungsformaten verknüpfen und Fachkräfte sowie Laien gleichermaßen qualifizieren. 

Soziale Innovationen: Aufbau eines regionalen Innovationsnetzwerks, das Eigentümerinnen und Eigentümer, Handwerkerinnen und Handwerker, Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Expertinnen und Experten aus anderen Bereichen zusammenführt. Neue Formen der Zusammenarbeit und Vernetzung ermöglichten gemeinsame Entscheidungsprozesse, Wissensaustausch und langfristige Kooperationen; Stärkung der regionalen Identität und Zusammenarbeit, indem Projekte sowohl lokal sichtbar als auch in überregionale Diskurse zu Baukultur eingebettet wurden.

Ausschlaggebende Faktoren für die Innovation: 

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stellen, Bildungsinstitutionen, Handwerksbetrieben, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Künstlerinnen und Künstler. 

Nutzung von authentischen Orten und realen Projekten als Lern- und Demonstrationsplattformen. 

Starke Begleitung durch fachliche Expertise, Netzwerkmoderation und kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit, die den Transfer von Wissen, Methoden und Erfahrungen erleichterte. 

Flexibilität im Projektmanagement, um auf regionale Bedürfnisse und besondere Potenziale der Liegenschaften gezielt einzugehen. 

Einbindung überregionaler Strukturen für europäische Sichtbarkeit und Wirksamkeit

Einbeziehung von jungen Menschen

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wurden im Projekt auf mehreren Ebenen aktiv eingebunden. Im Arbeitspaket AP03 wurden unter dem Titel „Handwerk & Baukultur macht Schule!“ Schulmodule umgesetzt, die der Bewusstseinsbildung für regionale Baukultur dienten. 

Im Modul Schaubaustelle erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Zusammenarbeit mit einem Restaurator einen praxisnahen Zugang zu historischer Bausubstanz. Vor Ort konnten Gebäude erlebt, handwerkliche Techniken erprobt und grundlegende Zusammenhänge von Erhalt, Nutzung und Weiterentwicklung vermittelt werden. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf baukultureller Bildung und auf Zukunftsfragen. In Schulworkshops setzten sich Jugendliche mit regionalen Herausforderungen wie Leerstand, Ortskernverödung und nachhaltiger Ressourcennutzung auseinander. Sie entwickelten Visionen und Nutzungsideen für ihre Gemeinden und beschäftigten sich exemplarisch mit dem Umbau eines Jugendraums. Dabei wurden Grundlagen zu Raumwahrnehmung, Materialwahl, Planung und gemeinschaftlicher Entscheidungsfindung vermittelt. Ergänzend richtete sich ein Workshopangebot gezielt an junge Menschen. Dieses reichte von kreativen Formaten wie Töpfern und Holzarbeiten bis zu einem Werkstofflabor, in dem mit Materialien experimentiert und ein Bewusstsein für Ressourcennutzung und handwerkliches Gestalten entwickelt wurde. Im Rahmen der Regionalveranstaltung „Auf der Walz“ waren Kinder und Jugendliche zudem aktiv in partizipative Bauprojekte wie den gemeinsamen Bau einer Kuppel eingebunden. Durch das gemeinsame Arbeiten wurden Teamfähigkeit, handwerkliche Grundlagen und räumliches Denken gestärkt. 

Insgesamt profitierten junge Menschen durch den Erwerb fachlicher, sozialer und kreativer Kompetenzen, neue Einblicke in regionale Berufsfelder sowie durch die aktive Mitgestaltung ihres Lebensumfelds. Das Projekt stärkte ihre Identifikation mit der Region und eröffnete Perspektiven für eine aktive Rolle in der zukünftigen Entwicklung von Baukultur und Handwerk.

Einbeziehung von Frauen

Die Perspektive von Frauen war im Projekt „Handwerk & Baukultur“ auf mehreren Ebenen wesentlich verankert. Bereits auf Ebene der Projektsteuerung und -umsetzung ist eine starke Beteiligung von Frauen gegeben: Das Kernteam besteht überwiegend aus Frauen (HARDDECOR ARCHITEKTUR: drei Frauen; Verein Weltkulturerbe-Region Semmering-Rax: zwei Frauen, ein Mann). Frauen übernahmen dabei leitende Rollen in Konzeption, Koordination, fachlicher Entwicklung und Öffentlichkeitsarbeit. 

Auch in der inhaltlichen Umsetzung wurde bewusst auf eine ausgewogene Beteiligung von Frauen geachtet. In den Workshops und Netzwerkformaten wurden Frauen gezielt angesprochen und als Teilnehmerinnen, Expertinnen und Vermittlerinnen eingebunden. Dadurch wurden weibliche Perspektiven in handwerkliche, planerische und strategische Fragestellungen integriert und sichtbar gemacht. Insbesondere im traditionell männlich geprägten Bereich des Handwerks und der Baukultur trug das Projekt dazu bei, Zugänge für Frauen zu erweitern. Durch die bewusste Einbindung von Frauen auf allen Ebenen leistete das Projekt einen Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter, zur Sichtbarmachung weiblicher Expertise und zur Förderung chancengerechter Beteiligung in regionalen Entwicklungs- und Baukulturprozessen.

Einbeziehung von Minderheiten (Inklusion)

Das Projekt verfolgte einen inklusiven Ansatz, der darauf abzielte, möglichst unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in regionale Entwicklungs-, Baukultur- und Handwerksprozesse einzubeziehen. Die Angebote wurden bewusst offen, niederschwellig und generationenübergreifend gestaltet, um eine breite Teilhabe zu ermöglichen. 

Im Rahmen des Beteiligungsprozesses wurden Bewohnerinnen und Bewohner der Region unabhängig von Alter, beruflichem Hintergrund oder Vorwissen aktiv eingebunden. Kinder und Jugendliche nahmen über Schulmodule und Workshopformate (AP03) teil und brachten ihre Perspektiven zu Baukultur, Ortsentwicklung und der Nutzung leerstehender Gebäude ein. Seniorinnen und Senioren wurden insbesondere im Zuge von Veranstaltungen, Workshops und Gesprächen eingebunden; ihr lokales Wissen, ihre Erinnerungen und Erfahrungen mit historischen Gebäuden leisteten einen wichtigen Beitrag zur gemeinsamen Wissensbasis. 

Es wurden partizipative Formate wie Workshops und Foren im Rahmen des Innovationsnetzwerks, und die Regionalveranstaltung „Auf der Walz“ umgesetzt. Diese schufen Räume, in denen unterschiedliche soziale Gruppen auf Augenhöhe miteinander in Austausch treten konnten. Inhalte wurden verständlich aufbereitet, praktische Zugänge gewählt und persönliche Begegnungen ermöglicht, sodass auch Personen ohne fachliche Vorkenntnisse oder formale Qualifikation aktiv teilnehmen konnten. 

Das Projekt trug somit zur sozialen Inklusion bei, indem es Teilhabe an regionalen Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen ermöglichte, Barrieren zwischen Fachwelt und Bevölkerung reduzierte und vielfältige Perspektiven sichtbar machte.

Die wichtigsten Lernerfahrungen

Frühzeitige und breit angelegte Bewusstseinsbildung ist entscheidend: Die Einbindung von Kindern, Jugendlichen, Laien und Fachleuten gleichermaßen erweist sich als zentral, um Baukultur als lebendigen Teil regionaler Identität zu verankern. Praxisnahe Module und partizipative Projekte erhöhen die Wirkung und die nachhaltige Wahrnehmung von Baukultur. 

Partizipation schafft nachhaltige Strukturen: Die aktive Einbindung von Eigentümerinnen und Eigentümer, Handwerkerinnen und Handwerker, Gemeinden und Bürgerinnen und Bürger fördert Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und langfristige Kooperationen. Partizipative Formate wie Workshops, Innovationsnetzwerke und Regionalveranstaltungen ermöglichen die Entwicklung praxisnaher Lösungen für die Vermittlung der Ziele des Projektes und wie man diese in die Region bestmöglich einbetten kann. 

Praxisnahe Lernformate sichern Wissen und Kompetenzen: Pilottrainings, Schulprojekte und Handwerkskurse zeigen, dass die Kombination aus Theorie, praktischer Anwendung und direktem Arbeiten am Objekt besonders wirksam ist. Dadurch können Fachkräfte, Nachwuchstalente und interessierte Laien gleichermaßen für Baukultur, Handwerk und nachhaltige Umbaukultur sensibilisiert und qualifiziert werden. 

Vernetzung steigert Wirkung und Innovationskraft: Ein interdisziplinäres Innovationsnetzwerk aus Handwerk, Verwaltung, Bildung, Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Kulturakteurinnen und Kulturakteure bündelte Wissen, Ressourcen und Erfahrungen. Gemeinsame Workshops und Veranstaltungen ermöglichten die Entwicklung konkreter Handlungsperspektiven und strategischer Leitprojekte, die als Basis für Folgeprojekte dienen. 

Flexibilität und regionale Anpassung sind entscheidend: Die Arbeit an realen Objekten und die Anpassung von Maßnahmen an lokale Gegebenheiten stellen sicher, dass Projektinhalte praxisnah und relevant waren. Gleichzeitig zeigt sich, dass flexible Projektsteuerung, kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und fachliche Begleitung zentral sind, um neue Ideen erfolgreich umzusetzen. 

Bewertung und Dokumentation sichern Nachhaltigkeit: Die kontinuierliche Dokumentation, Begleitkommunikation und abschließende Evaluierung tragen dazu bei, Lernerfahrungen systematisch zu erfassen und strategische Grundlagen für die Weiterführung und Übertragung des Projekts zu schaffen. Dies unterstützt langfristige Wirkung und Nachahmbarkeit in anderen Regionen. 

Integration von Diversität und Gleichstellung wirkt bereichernd: Bewusste Einbindung von Frauen, jungen Menschen und unterschiedlichen sozialen Gruppen fördert Chancengleichheit, sichtbare weibliche Expertise, intergenerationales Lernen und Inklusion. Dies stärkte die Akzeptanz, das Engagement und die Vielfalt der Perspektiven im Projekt. 

Zusammenfassung: Das Projekt zeigt, dass Baukultur und Handwerk als Motor für regionale Entwicklung nur durch eine Kombination aus partizipativer Planung, praxisnaher Bildung, gezielter Vernetzung und flexibler Umsetzung nachhaltig gestärkt werden kann. Frühzeitige Bewusstseinsbildung, aktive Beteiligung unterschiedlicher Zielgruppen, praxisnahe Lernformate, dokumentierte Prozesse und strategische Vernetzung sind zentrale Erfolgsfaktoren. Die gewonnenen Erfahrungen bieten eine solide Grundlage für die Übertragung auf andere Regionen, die ähnliche Herausforderungen in der Erhaltung und Nutzung historischer Bausubstanz meistern wollen.

Übertragbarkeit

Das Projekt „Handwerk & Baukultur“ ist in hohem Maß auf andere Regionen und Organisationen übertragbar, insbesondere auf ländliche und kleinstädtische Räume mit historischer Bausubstanz, Leerständen und einem Mangel an Fachkräften im Bereich Sanierung und Handwerk. Der modulare Aufbau der Arbeitspakete – von der Grundlagenerhebung über Pilottrainings, Netzwerkbildung und Maßnahmenplanung bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit und Evaluierung – ermöglicht eine flexible Anpassung an unterschiedliche regionale Rahmenbedingungen, Größenordnungen und thematische Schwerpunkte. 

Zentral übertragbar ist der methodische Ansatz, der fachliche Analyse, partizipative Prozesse, Bildungsarbeit und Umsetzungsorientierung miteinander verbindet. Die Kombination aus niederschwelligen Vermittlungsformaten, praxisnahen Lernorten, aktiver Einbindung von Eigentümerinnen und Eigentümern und gezielter Vernetzung öffentlicher, wirtschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteuren kann unabhängig vom konkreten regionalen Kontext angewendet werden. Insbesondere die Formate der Pilottrainings, Schulmodule und des Innovationsnetzwerks lassen sich mit regionalen Partnerinnen und Partnern leicht adaptieren. 

Die im Projekt entwickelten Instrumente – darunter strukturierte Erhebungsmethoden, Workshopformate, Beteiligungsprozesse, Kursprogramme sowie der Maßnahmenplan – sind dokumentiert und stehen als Grundlage für Folgeprojekte zur Verfügung. Dadurch wird eine direkte Weitergabe von Wissen und Erfahrungen ermöglicht. 

Einzelne Elemente des Projekts wurden bereits in abgewandelter Form in weiteren regionalen Kontexten diskutiert und nachgefragt, etwa im Rahmen von Fachveranstaltungen und Netzwerktreffen. Eine vollständige Übertragung in andere Regionen befindet sich derzeit in Vorbereitung. Aufgrund der klaren Struktur, der dokumentierten Methoden und der positiven Resonanz eignet sich „Handwerk & Baukultur“ als skalierbares Best-Practice-Modell für vergleichbare Regionen in Österreich und international.

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Schwerpunkte
Bildung, Sensibilisierung und Wissenstransfer
Gemeinwohl, Soziales und Daseinsvorsorge
Jugend
Klimawandelanpassung
Kultur und kulturelles Erbe
Ländliche Wirtschaft / KMU
Tourismus
Förderperiode
GAP 23-27
Individuelle Schlagworte
Baukultur
EU Biodiversitätsstrategie 2023
EU KMU-Strategie
EU Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter
Gemeinwohl
Handwerk
Handwerkerhof
Jugend
Kulturelles Erbe
Langzeitvision für ländliche Gebiete in Europa bis 2040 (EU Long Term Vision)
Leerstandsaktivierung
Ortskernaktivierung
Partizipation
regionale Wertschöpfung
Sanierung historischer Gebäude
Umbaukultur
UN-Nachhaltigkeitsziele SDG
Weiterbildung
Weltkulturerbe-Region Semmering
Projektlaufzeit
01.05.2024 - 30.04.2026
Projektregion
Niederösterreich
Steiermark
Maßnahme im Programm
77-03 Ländliche Innovationssysteme
Synergien mit anderen EU-Politiken
EU Biodiversitätsstrategie 2023
EU KMU-Strategie
EU Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter
Langzeitvision für ländliche Gebiete in Europa bis 2040 (EU Long Term Vision)
UN-Nachhaltigkeitsziele SDG
Finanzierung in EURO
Gesamtprojektkosten
318.524,00€
GAP Strategieplan Fördersumme
318.524,00€
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