Landtechnik für Frauen 2024-25

In der Landwirtschaft spielen Frauen eine bedeutende Rolle, auch bei der Betriebsführung und Entscheidungsfindung: Laut Grünem Bericht 2023 leiten Frauen 31 % der Betriebe in Österreich, ein im europäischen Vergleich hoher Anteil. Dennoch bleibt ihr Zugang zur Landtechnik oft begrenzt, da technische Schulungen meist fehlen oder stereotypische Rollenbilder Frauen von solchen Themen fernhalten. Viele Frauen verfügen über Halbwissen im Umgang mit Maschinen, da technische Aufgaben traditionell von Männern übernommen werden. In Krisensituationen, etwa bei Krankheit des Partners, stehen Frauen oft vor der Herausforderung, Landtechnik ohne ausreichende Kenntnisse zu nutzen. Zudem bieten digitale Technologien große Potenziale, um Kosten zu senken und Betriebsmittel effizient einzusetzen. Hier fehlen jedoch oft spezifische Bildungsangebote, die Frauen gezielt ansprechen. Die bisherigen Praxisseminare „Landtechnik für Frauen“ des ÖKL zeigen, dass Frauen sich in exklusivem Rahmen sicherer fühlen und offener am Kursgeschehen beteiligen. 

Das Projekt verfolgte durch das Abhalten von zwei fünftägigen Intensivkursen (April 2024: Grundkurs und Oktober/November 2024: Aufbaukurs) mehrere Ziele: 
– Kompetenzsteigerung: Frauen sollen ihre technischen Kenntnisse in der Landtechnik ausbauen, um Maschinen sicher und effizient nutzen zu können. 
– Förderung der Gleichstellung: Durch gezielte Bildungsangebote sollen Frauen gestärkt werden, sich aktiv in Entscheidungsprozesse einzubringen und traditionelle Rollenbilder zu durchbrechen.
– Digitalisierung und Innovation: Vermittlung von Fähigkeiten zur Nutzung moderner Landtechnik wie Precision Farming, Spurführungssystemen und umweltfreundlicher Technologien. 
– Umweltbewusstsein: Teilnehmerinnen sollen über ressourcenschonende Techniken informiert werden, um nachhaltige Praktiken auf ihren Betrieben zu etablieren. 

Das Projekt richtet sich an Frauen in der Landwirtschaft, von Einsteigerinnen bis hin zu Fortgeschrittenen. Neben den bisherigen Teilnehmerinnen sollen auch geübte Landwirtinnen angesprochen werden, die tiefergehende Kenntnisse suchen. 
Ziel ist es, Frauen aus ganz Österreich in einem geschützten Rahmen zusammenzubringen.

Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?

Praktische Anwendung und Betriebsmittelersparnis: Die vermittelten Kenntnisse ermöglichen den Teilnehmerinnen, Maschinen effizienter zu nutzen und Einsparpotenziale bei Betriebsmitteln zu realisieren. 

Stärkung der Geschlechtergleichstellung: Die gestärkten technischen Kompetenzen und das gewonnene Selbstbewusstsein fördern die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft nachhaltig. 

Netzwerkbildung: Der geschützte Rahmen ermöglichte einen intensiven Erfahrungsaustausch und den Aufbau von Netzwerken, die den Teilnehmerinnen auch zukünftig Unterstützung bieten.

Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen

Frauen spielen in der österreichischen Landwirtschat eine zentrale Rolle: Rund ein Drittel der Betriebe wird von Frauen geführt – ein im europäischen Vergleich hoher Anteil. Dennoch sind sie in technischen Entscheidungsprozessen unterrepräsentiert. Gerade bei Investitionen in Maschinen, Digitalisierung und ressourcenschonende Technik fehlen häufig Wissen und Selbstvertrauen, um aktiv mitzuwirken. Dabei könnten Betriebsleiterinnen durch ein besseres technisches Verständnis wesentlich zur Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Umweltentlastung beitragen. Studien zeigen, dass Frauen ein starkes Bewusstsein für Boden-, Natur- und Umweltschutz mitbringen, in technischen Bildungsangeboten jedoch weiterhin stark unterrepräsentiert sind. Nur etwa 15% der Teilnehmenden an landtechnischen Seminaren des ÖKL sind Frauen. Viele von ihnen halten sich in gemischten Gruppen zurück – stereotype Rollenbilder und mangelnde Praxiserfahrung erschweren die aktive Teilnahme. Gleichzeitig übernehmen Frauen zunehmend technische Aufgaben am Hof, etwa wenn Partner oder Familienmitglieder ausfallen. Das Projekt setzt genau hier an: Es schafft gezielte, praxisorientierte Lernräume für Frauen in der Landtechnik. Durch Schulungen zu Maschinenhandhabung, Bodenschonung und digitaler Technik (z.B. Spurführung, Reifendruckregelung, Farmmanagementsysteme) sollen Landwirtinnen befähigt werden, selbstbewusste technische Entscheidungen zu treffen, Betriebsmittel effizienter einzusetzen und so einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit und Gleichstellung in der Landwirtschaft zu leisten.

Ziele des Projekts

In den zwei fünftägigen Intensivkursen (Grund- und Aufbaukurs) für im landwirtschaftlichen Sektor tätige Teilnehmerinnen wurden bedeutende Fortschritte erzielt. Im Grundkurs nahmen 17 Frauen teil, während mit dem Aufbaukurs 13 Teilnehmerinnen erreicht werden konnten. Die fachliche Kompetenz in der Landtechnik konnte nachhaltig gesteigert, Berührungsängste im Umgang mit Maschinen erfolgreich abgebaut und die Sicherheit im technischen Arbeiten maßgeblich gefördert werden. Durch den praktischen Schwerpunkt der Inhalte entwickelte sich eine ausgeprägte Hands-on-Mentalität bei technischen Tätigkeiten auf landwirtschaftlichen Betrieben. Praxisnahe Digitalisierungskenntnisse wurden vermittelt, die eine Arbeitserleichterung und Einsparung von Betriebsmitteln ermöglichen. Zudem trug das Programm dazu bei, das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen zu stärken, wodurch die Geschlechtergleichstellung in der Landwirtschaft weiter gefördert wurde. Die Atmosphäre einer reinen Frauengruppe förderte einen intensiven Erfahrungsaustausch und die Vernetzung der Teilnehmerinnen aus ganz Österreich, was den langfristigen Erfolg der Initiative zusätzlich unterstützt

Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen

Der Grundkurs wurde in zwei Blöcken am 3. bis 5. sowie 29. und 30. April 2024 mit 17 Teilnehmerinnen abgehalten. Beide Kursblöcke fanden bei der LK Technik Mold statt. Am Aufbaukurs nahmen 13 Personen teil. Die ersten zwei Tage wurden an der BLT Wieselburg abgehalten (9. und 10. Oktober 2024), die restlichen drei in Mold (11. bis 13. November 2024). 

Grundkurs: „Landtechnik für Frauen – Praxis-Basiskurs“ – Sicherer Umgang mit Landmaschinen – 
Traktor Werkstatt: Kuppeln, Bremsen, Hydraulik, Reifendruckregelanlage, Wartungsarbeiten, Treibstoffsparen – Reifenreparatur – 
Geräte Werkstatt: Pflug, Scheibenegge, Düngen, Hacken, Mähen – Metallbearbeitung – Verkehrsrecht, Ladungssicherung – Pflanzenschutz: Rechtsgrundlagen, Anwenderschutz, Praktische Anwendung – Maschinenkosten – 
Elektro Werkstatt: Elektrotechnik, Elektroinstallation 

Aufbaukurs: „Landtechnik für Frauen – Praxis-Fortgeschrittenenkurs“ – Verhandeln beim Maschinenkauf – Verschiedene Geräte richtig einstellen, Sitzeinstellung, Lenksysteme bedienen – Precision Farming im Ackerbau: Potenziale – Geräte – Technikvoraussetzung für eine Anwendung – Teilflächenspezifische Bewirtschaftung – Applikationskartenerstellung und -anwendung – Elektordenschweißen – MAG-Schweißen – Einfache Kartierungen mittels GPS – Lenksysteme und Spurplanung praktisch anwenden – Drohnenführerschein

Ergebnisse und Wirkungen quantitativ

Der Grundkurs wurde mit 17 Teilnehmerinnen abgehalten. Am Aufbaukurs nahmen 13 Personen teil.

Ergebnisse und Wirkungen qualitativ

• Technische Kompetenzsteigerung: Die Teilnehmerinnen erlernten grundlegende Fertigkeiten im Umgang mit Traktoren und Landmaschinen, wie zum Beispiel Fahrtrainings und Wartungsarbeiten nach dem WOLKE-Prinzip. 
• Praktische Workshops: Metallbearbeitung, Reifenreparatur und Elektrotechnik wurden in praxisnahen Einheiten vertieft. 
• Sicherheitsbewusstsein: Themen wie Ladungssicherung und Pflanzenschutz wurden umfassend behandelt.
 • Stärkung des Selbstbewusstseins: Die Kurse boten einen geschützten Raum für Erfahrungsaustausch und Fragen, was von den Teilnehmerinnen als besonders positiv hervorgehoben wurde 
• Vertiefung technischer Fähigkeiten: Der Kurs beinhaltete unter anderem einen zweitägigen Schweißworkshop, bei dem Schutzgas- und Elektroschweißen praktisch trainiert wurden. 
• Digitalisierung und Smart Farming: Die Teilnehmerinnen wurden in Precision Farming, Applikationskarten und den Einsatz von Lenksystemen eingeführt. 
• Förderung von Betriebsmitteleffizienz: Durch Workshops zu teilflächenspezifischer Düngung und Bodenbearbeitung konnten nachhaltige Arbeitsweisen vermittelt werden 
• Praktische Anwendung und Betriebsmittelersparnis: Die vermittelten Kenntnisse ermöglichen den Teilnehmerinnen, Maschinen effizienter zu nutzen und Einsparpotenziale bei Betriebsmitteln zu realisieren. 
• Stärkung der Geschlechtergleichstellung: Die gestärkten technischen Kompetenzen und das gewonnene Selbstbewusstsein fördern die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft nachhaltig. 
• Netzwerkbildung: Der geschützte Rahmen ermöglichte einen intensiven Erfahrungsaustausch und den Aufbau von Netzwerken, die den Teilnehmerinnen auch zukünftig Unterstützung bieten.

Innovation

Das Projekt brachte mehrere technologische und soziale Innovationen hervor, die den Wissenstransfer in der Landwirtschaft – insbesondere für Frauen – nachhaltig stärken. Im Mittelpunkt steht die Vermittlung neuester Landtechnik in einer praxisorientierten Lernumgebung, kombiniert mit einem gezielten Empowerment-Ansatz für Frauen im Agrarsektor. Technologisch wurden durch die Schulungen neue Kompetenzen im Umgang mit Farmmanagement- und Informationssystemen, Spurführungssystemen, ISOBUS-Anwendungen, Drohnentechnologie und neuer Hacktechnik vermittelt. Damit konnten die Teilnehmerinnen erstmals direkt erfahren, wie digitale Systeme und teilflächenspezifische Bewirtschaftung zu effizienterer Ressourcennutzung, präziserer Düngung und reduziertem Energieverbrauch beitragen. Diese Wissensvermittlung schafft die Grundlage für eine moderne, umweltschonende und ökonomisch stabile Betriebsführung. Darüber hinaus stellt das Projekt eine soziale Innovation dar: Durch frauenspezifische Bildungsformate im Bereich Landtechnik wurde ein bisher stark männlich dominierter Themenbereich geöffnet. Die Teilnehmerinnen konnten technische Fähigkeiten erwerben, Vorurteile abbauen und ihre Rolle in betrieblichen Entscheidungsprozessen stärken. Damit leistet das Projekt einen aktiven Beitrag zur Gleichstellung und zur Erhöhung der Innovationsfähigkeit ländlicher Räume. Ausschlaggebend für den Erfolg dieser Innovation war die enge Zusammenarbeit von Landtechnik-Expertinnen und -Experten, Bildungseinrichtungen und landwirtschaftlichen Betrieben, die praxisorientierte Lernsettings ermöglicht hat. Diese Kombination aus modernster Technikvermittlung und sozialer Kompetenzförderung führt zu einer langfristigen Stärkung der digitalen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft.

Einbeziehung von Frauen

Das gesamte Projekt spricht ausschließlich Frauen an, um in der Männer-Domäne „Landtechnik“ ein Bildungsangebot, speziell für Frauen zu schaffen. Es werden bevorzugt Referentinnen angefragt bezeihungsweise die Referenten für die spezielle Situation sensibilisiert. Die Seminarunterlagen werden in geschlechtsneutraler Sprache verfasst.

Die wichtigsten Lernerfahrungen

Die Teilnehmerinnen sind begeistert von dem Format einer exklusiven Frauen-Runde im Bereich der Landtechnik und fordern eine Fortführung des Projektes aktiv ein. Die Landtechnik-Intensivkurse für Frauen sind stets von lebhafter Kommunikation und dem Austausch aller Beteiligten geprägt und eine gewinnbringende Erfahrung für alle. Die Teilnehmerinnen teilen dem ÖKL Themenvorschläge und melden den Vortragenden ihre Ansprüche an Inhalte und Sprache direkt zurück. Gleichzeitig zeichnet sich der Umgang mit den Vortragenden und den von ihnen vermittelten Inhalten durch Respekt, Neugier und Beflissenheit aus, wodurch ein sehr produktives Arbeitsklima gegeben war. Ein wichtiger Teil der Veranstaltungen ist außerdem die Gelegenheit sich mit anderen Frauen in einer wertschätzenden Atmosphäre über landwirtschaftliche Themen und patriarchale Strukturen in der Branche auszutauschen. Die Zusammenarbeit mit der LK Technik Mold erwies sich wieder einmal als angenehm und produktiv. Durch die gegebene Infrastruktur ist praktisches Arbeiten in den Werkstätten kein Problem. Den Vortragenden gelingt auch bei theoretischen Inhalten der Bezug zur landwirtschaftlichen Praxis. In Wieselburg wurden die Kursinhalte durch die Innovation Farm eher theoretisch angegangen. Dem aus Deutschland nach Wieselburg angereisten DEULA-Trainer für die Maschinenpraxis ist leider das Wetter in die Quere gekommen – er hat aus den gegebenen Umständen und den vorhandenen Möglichkeiten das Beste gemacht. Am DEULA Gelände in Nienburg gibt es eine sogenannte Bodenhalle, die die Ausbildung an landwirtschaftlichen Maschinen bei jedem Wetter ermöglicht. Mit Julia Millautz (SVS), Theresa Oedl-Wieser (BAB) und Theresa Kremser (Landwirtin) konnten im Rahmen des Grundkurses drei weibliche Vortragende engagiert werden. Dieser Umstand wird von den Teilnehmerinnen immer wieder thematisiert, zum einen aus Repräsentationsgründen, zum anderen, da manche der männlichen Vortragenden keine zielgruppenadäquate Ansprache verwendeten. Es erweist sich nach wie vor als Herausforderung weibliche Trainerinnen im Bereich der Landtechnik zu finden, insbesondere da an den Institutionen der BLT Wieselburg und der LK Technik Mold ausschließlich Männer zu diesem Themenbereich forschen und unterrichten. Eine weitere Herausforderung in der Gestaltung der Kursinhalte sind die unterschiedlichen Wissensstände und damit einhergehenden Erwartungen der Teilnehmerinnen. Zusätzlich zeichneten sich Probleme mit dem Datum und dem Umfang der Kurse ab, was sich darin zeigte, dass wir viele Zuschriften erhielten, dass man grundsätzlich gerne teilnehmen wolle, es sich jedoch zeitlich so nicht ausgehen würde. Als positiv, aber noch immer nicht ideal, hat sich die Aufteilung auf zwei Blöcke á 2 und 3 Tage erwiesen.

Übertragbarkeit

Das Projekt Landtechnik für Frauen wurde bereits in zwei Auflagen vom ÖKL durchgeführt. Weitere folgen.

Links
Schwerpunkte
Bildung, Sensibilisierung und Wissenstransfer
Digitalisierung
Gemeinwohl, Soziales und Daseinsvorsorge
Gleichstellung
Klimaschutz
Klimawandelanpassung
Ländliche Wirtschaft / KMU
Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft
Umwelt und Biodiversität
Förderperiode
GAP 23-27
Individuelle Schlagworte
Digitalisierung
Frauen
Gleichstellung
Innovation
Kompetenzen
Landtechnik
Landwirtschaft
Maschinen
Weiterbildung
Projektlaufzeit
01.01.2024 - 30.04.2025
Projektregion
Burgenland
Kärnten
Niederösterreich
Oberösterreich
Salzburg
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien
Maßnahme im Programm
78-03 Waldbezogene Pläne, Natur- und Gesellschaftsthemen
Finanzierung in EURO
Gesamtprojektkosten
38.487,58€
GAP Strategieplan Fördersumme
30.212,75€
Private und Eigenmittel
577,31€
Andere Finanzquellen
7.697,52€

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