Jungbauer Wolfgang Hotter: „Wir brauchen Arbeitsbedingungen, die motivieren“

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Land & Forst

04.09.2017

Die Almsaison ist zu Ende, zufrieden?

Ja, eigentlich sehr. Das Wetter spielte bei uns mit, wir hatten genügend Futter und können uns somit nicht beklagen.

Auf eurer Alm (Königsbergalm in Dienten) werden im Sommer 13 Milchkühe gemolken, lohnt sich dieser Aufwand?

Die Alm ist ein wichtiger Teil unseres Betriebes. Wir brauchen das zusätzliche Futter, schätzen aber auch die Qualität der Produkte, die wir erzeugen. Aber natürlich ist auch eine gewichtige Portion Idealismus dabei, ohne den es nicht gehen würde.

Viele Berufskollegen könnten es sich wohl nicht vorstellen, mit nur 13 Kühen einen Betrieb zu führen.

Unser Betrieb steht natürlich auf mehreren Standbeinen. Die Alm mit dem kleinen Almausschank ist nur ein Teil, daneben haben wir den Heimbetrieb mit einer 20 Hektar großen Forstwirtschaft und meine Lebensgefährtin Daniela und ich sind berufstätig. Sie ist Kleidermachermeisterin und Berufsschullehrerin, ich arbeite halbtags als Tischler.

Das hört sich nach sehr wenig Freizeit an.

Die Belastungen durch den Nebenerwerb sind schon sehr hoch. Wir haben das Glück, dass meine Eltern bereits in Pension sind und dennoch am Betrieb voll mitarbeiten. Anders wäre das so nicht zu bewältigen. Aber wir sind sicher an der Grenze der Belastbarkeit angelangt. Wenn es einmal besonders eng wird, packen zum Glück auch meine Schwestern mit Familie immer noch mit an.

Stellt man sich da nicht auch die Frage, wie lange man das durchhält und ob das auch ein Weg für die Zukunft ist?

Ich glaube, diese Frage stellen sich viele Betriebe. Das Gesamtpaket ist eine enorme Belastung, aber ich liebe meinen Beruf als Tischler und Einrichtungsberater und dieser bietet natürlich auch viele Vorteile. Meine Arbeitszeit kann ich mir individuell passend zur Landwirtschaft einteilen. Es motiviert mich sehr, aus Holz etwas zu entwerfen und diesen nachhaltigen Rohstoff zu veredeln. Es gibt gewisse Berufungen, in die man hineingeboren wird. Irgendwann stellt man sich die Frage, was man im Leben erreichen möchte, wofür man brennt. Wenn einem die Arbeit Spaß macht und man auch Erfolge im Wirtschaftlichen und Individuellen erzielen kann, motiviert es für die Zukunft. Mit der Landwirtschaft sehe ich mich dem Erbe verantwortlich und für uns ist klar, dass wir weitermachen, solange die Rahmenbedingungen passen.

Welche Rahmenbedingungen meinst du damit konkret?

Einerseits sind das Bereiche wie die Ausgleichszulage für das Berggebiet oder auch Prämien für die Almbewirtschaftung – dies sind schon sehr wichtige finanzielle Unterstützungen, ohne die es sicher nicht gehen würde. Der Kostenaufwand ist im Berggebiet deutlich höher als in Gunstlagen. Das betrifft sowohl die Gebäude als auch die Außenmechanisierung. Solche Investitionen rechnen sich über die reinen Produkterlöse ganz einfach nicht, egal wie man es anpackt.

Deine Eltern haben bereits im Jahr 2003 einen modernen Laufstall gebaut, für die Futterernte steht ein Hängedrehkran zur Verfügung. Wie kam es dazu?

Ich profitiere als Jungbauer zum Glück vom Fleiß und der Weitsicht meiner Eltern, die immer sehr innovativ waren. Aber natürlich war es ein enormer Aufwand, ein solches Gebäude in diesem steilen Gelände zu errichten. Es verwundert mich nicht, wenn viele Betriebe sagen: „Das geht sich einfach nicht aus und ich bleibe bei meinem alten Stall und der Anbindehaltung“.

Ist die Investitionsförderung für das Berggebiet zu gering?

Jeder wünscht sich möglichst viel Unterstützung für solche Projekte, aber grundsätzlich ist die aktuelle Investförderung gut dotiert, oftmals sind es eher Detailfragen, die Schwierigkeiten bereiten.

Was ist das zum Beispiel?

Es gibt relativ wenig Planungssicherheit. Mit jeder neuen Periode kommen Änderungen und vor allem ist die Zeit, bis die neue Förderung angelaufen ist und dann das Geld vielleicht vorzeitig aufgebraucht ist, relativ kurz. So große Investitionen sind gut zu planen und müssen auch vom Zeitpunkt für den Betrieb passen. Da hilft es wenig, wenn es heißt, jetzt ist Geld da – friss oder stirb! Klar ist aber auch, dass man auch als kleiner Bergbauernbetrieb ständig gefordert ist zu modernisieren. Die Arbeitskräfte werden auf den Höfen weniger, wir brauchen aber auch am Hang Schlagkraft und Arbeitsbedingungen, die junge Leute motivieren, einen solchen Betrieb zu übernehmen.

Welche Investitionen plant ihr für die nahe Zukunft?

Die Futterernte muss auf unserem Betrieb sicherlich noch verbessert werden. Wir denken über eine Heubelüftung mit Luftentfeuchter nach, um die Grundfutterqualität zu erhöhen und die Abhängigkeit vom Wetter zu verringern. Allerdings reden wir hier von 50.000 Euro und mehr an Investitionskosten. Das will gut überlegt sein. Weiters planen wir in absehbarer Zeit, den baufälligen Almstall neu zu errichten und auch die Wohnhaussanierung steht an.

Manche sind durchaus der Meinung, dass es besser wäre, die landwirtschaftliche Produktion nur mehr in Gunstlagen zu fördern, wo sich mit weniger Aufwand beispielsweise die Milch billiger erzeugen lässt.

Das mit dem geringeren Aufwand stimmt sicher, aber was passiert dann mit unseren Regionen? Im Berggebiet ist es eben anderes als in den flachen Gebieten, wo die Flächen einfach von anderen Betrieben weiter bewirtschaftet werden. Aufgelassene Steilflächen werden bei uns zum großen Teil nur zur Beweidung und zu sehr geringen Ansprüchen übernommen. Ohne die Berglandwirtschaft würden viele Gebiete großflächig zuwachsen und ein lebenswerter Dauersiedlungsraum geht verloren. Was das auch für den Tourismus bedeutet, kann sich jeder ausmalen, da sind dann schnell nicht mehr nur die Bäuerinnen und Bauern betroffen.

Wo wir wohl wieder bei den Rahmenbedingungen wären – was braucht es konkret außer finanzieller Unterstützung, damit es eure Betriebe auch in 20 Jahren noch gibt?

Ich glaube, dass es viele kleine Details sind, die hier zusammenspielen - es ist das Ganze sehr sensibel. Eine gesicherte Milchabholung und gut ausgebaute Straßen sind wichtig, die Motivation rauben hingegen Einschränkungen in der Bewirtschaftung. Mir liegt die Natur und die Artenvielfalt sehr am Herzen und wir tun dafür aus eigenem Antrieb sehr viel. Wenn ich mir aber den enormen bürokratischen Aufwand etwa mit den Landschaftselementen ansehe, bin ich mir nicht sicher, ob das bis ins Detail fertiggedacht wurde. Ähnliches gilt auch für die Futterflächen auf den Almen. Das Freischneiden der Weiden und Wiesen ist ein enormer Arbeitsaufwand. Macht man es nicht, gibt es Sanktionen. Eine höhere Viehbesatzdichte würde das Ganze erleichtern, aber auch hier stößt man schnell an Grenzen. Damit man in Jahrzehnten einen ausgewachsenen Bergahorn erhält, braucht es in der Jugend mindestens zehn Bäume – doch die sollte man eigentlich entfernen, damit man den Förderbedingungen gerecht wird usw. Hier beißt sich die Katze oft selbst in den Schwanz.

Was würdest du dir hier wünschen?

Ich glaube, dass den meisten Bäuerinnen und Bauern selbst sehr viel an der Natur und an einer Artenvielfalt liegt. Hätten sie sich nicht auch schon früher dafür eingesetzt, dann hätten wir heute diese schützenswerte Landschaft nicht. Mit den vielen Einschränkungen und Auflagen erreicht man meiner Meinung oftmals sogar das Gegenteil. Wenn ich heute eine Fläche nicht mehr entwässern darf, dann kann sie nicht mehr maschinell bewirtschaftet werden und über kurz oder lang wird sie verbuschen. Damit geht auch die Artenvielfalt verloren. Was hat man dann letztendlich mit dem Verbot erreicht?

Gibt es sonst noch Wünsche, die du als junger Hofübernehmer an die Politik oder die Gesellschaft hast?

Ich sehe es als wichtig an, dass das Berggebiet als attraktiver Lebensraum für junge Menschen und Familien erhalten bleibt. Dies betrifft eine gute Kinderbetreuung ebenso wie die Arbeitsplätze. Und eine moderne, handlungswillige Kommune. Bei den bäuerlichen Betrieben wünsche ich mir manchmal mehr Bereitschaft für gemeinsame Lösungen. Ich denke, hier gibt es noch einige innovative Ansätze, die noch nicht ausgeschöpft wurden.


Vielen Dank für das Gespräch!