Anna Pollak
Anna Pollak

Drahtwürmer: Wie können Schäden reduziert werden?

Themenbereich
Umwelt & Klima
Innovation
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11.05.2020

Drahtwürmer verursachen aktuell große Schäden im Kartoffelbau. Bis zu 50 Prozent der jährlichen Kartoffelernte werden vom Drahtwurm angefressen und sind somit für den Verkauf unbrauchbar. Der wirtschaftliche Verlust kann daher für die österreichischen Kartoffelbäuerinnen und -bauernexistenzbedrohend sein. Hinzu kommen fehlende Alternativen zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln im Kartoffelbau. Aus diesem Grund hat sich eine Gruppe bestehend aus 6 landwirtschaftlichen Betrieben aus Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol, einer Erzeugergemeinschaft, der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 und der Interessensvertretung Erdäpfelbau zur „Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Drahtwurm“ zusammengeschlossen. Im Rahmen eines Projekts der Europäischen Innovationspartnerschaft "Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit" (EIP-AGRI) hat sich die ARGE Drahtwurm das übergeordnete Ziel gesetzt den wirtschaftlichen Schaden durch den Drahtwurm langfristig zu minimieren. Dazu wurden möglichst umweltschonende Bekämpfungsmethoden getestet. Nun sind die Ergebnisse da und dasNetzwerk Zukunftsraum Land hat mit der Projektkoordinatorin Claudia Meixner gesprochen, um mehr darüber zu erfahren.

Frau Meixner, welchen Fragen und Problemen stellen sich Landwirtinnen und Landwirte, die Sie mit dem EIP-Projekt der ARGE Drahtwurm adressiert haben?

Die deutlich spürbaren Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels, wie verstärkt auftretende Hitze- und Dürreperioden, stellen die Produzentinnen und Produzenten vor große Herausforderungen, da Schadinsekten oft von den wärmeren Temperaturen und Trockenheit profitieren. Drahtwürmer zum Beispiel bohren sich während Trockenperioden vermehrt in die Kartoffelknollen. Auch sinkt die Wirksamkeit von insektenpathogenen Pilzen mit steigender Trockenheit. Eine vorgezogene Ernte, um dem Drahtwurmdruck auszuweichen, wird durch hohe Temperaturen im Sommer erschwert.

Sie koordinierten das EIP-AGRI Projekt der ARGE Drahtwurm. Worin sehen Sie konkret den Mehrwert des Projekts für österreichische Betriebe und mit wem arbeiteten Sie dabei zusammen?

Drahtwürmer können nicht nur in Kartoffeln enorme wirtschaftliche Schäden verursachen. Durch die intensive Zusammenarbeit von Vertreterinnen und Vertretern aus Praxis, Beratung und Forschung wurde in diesem Projekt der aktuelle Kenntnisstand zum Themenkomplex Drahtwurm gebündelt. Dadurch wurde eine fundierte Evaluierung möglicher Alternativen in der Drahtwurmbekämpfung und die Verbreitung der erzielten Ergebnisse sicher gestellt.

Das EIP-Projekt ist nun abgeschlossen und die Ergebnisse sind da. Was raten Sie Landwirtinnen und Landwirten im Falle eines Drahtwurmbefalls vorrangig zu tun?

Auf Flächen mit sehr hohen Drahtwurmdichten sollte keine stark gefährdete Kultur angebaut werden. Auch sollte damit begonnen werden, vorkommende Drahtwurmpopulationen durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen über mehrere Jahre stetig zu reduzieren: eine maßgeschneiderte Fruchtfolge, Humusaufbau, eine gezielte, auf das Auftreten der Drahtwürmer zeitlich abgestimmte Bodenbearbeitung, die Förderung natürlicher Gegenspieler und der Einsatz von umweltverträglichen Mitteln wie zum Beispiel insektenpathogenen Pilzen.

Welche weiteren wesentlichen Erkenntnisse oder Empfehlungen aus dem Projekt konnten Sie ableiten?

Ein vertieftes Wissen um die Verbreitung und Ökologie der vorkommenden Drahtwurmarten ist Grundvoraussetzung zum Erreichen einer nachhaltigen Reduktion von Drahtwurmschäden an Kulturpflanzen. Eine große Bedeutung wird in der Zukunft auch Prognosemodellen zukommen, die wichtige Entscheidungsgrundlagen für beispielsweise richtige Terminisierung gezielter Bodenbearbeitungsmaßnahmen aber auch für andere Strategien zur Minimierung von Drahtwurmschäden sein können.

 

Links und weitere Informationen:

Projektdatenbank des Netzwerks Zukunftsraum Land