Kärnten: Demographie-Check als Bestandteil lokaler Entwicklungsstrategien

Themenbereich
Leader & Regionen
Umwelt & Klima
Innovation
Land & Forst

11.08.2020

Von Tatjana Fischer, Projektleiterin
 
In den Kärntner Teilräumen zeigen sich unterschiedliche demographische Entwicklungen in verschiedentlich ausgeprägter Dynamik. Aus diesem Grund hat sich das Land Kärnten zum Ziel gesetzt, das Thema „Demographischer Wandel“ in allen Politikbereichen zu verankern. Dabei soll im Kontext der Regionalentwicklung die inhaltliche Ausrichtung der Lokalen Entwicklungsstrategien (LES) geschärft und deren Passgenauigkeit erhöht werden. Dies soll durch den sogenannten „Demographie-Check“ erreicht werden, der als ein integrativer Bestandteil der Lokalen Entwicklungsstrategien (LES) von Kärntner LEADER-Regionen für die kommende Programmperiode 2021-2027 vorgesehen ist.

Im November 2019 wurde das Institut für Raumplanung, Umweltplanung und Bodenordnung der Universität für Bodenkultur Wien vom Land Kärnten damit beauftragt, im Rahmen des Projekts „Praxisleitfäden für den Umgang mit dem Thema "Demographischer Wandel" in den raumbezogenen Fachplanungen des Landes Kärnten“ die Mindestanforderungen an eben diesen Demographie-Check zu erarbeiten. Das Projekt wurde im Mai 2020 abgeschlossen.

Methodische Vorgehensweise
Aufbauend auf den Erfahrungen der Projektleiterin Tatjana Fischer aus dem im Jahr 2014 abgeschlossenen Projekt „Demographie-Check für die Lokale Aktionsgruppe Nockregion Oberkärnten“ wurde ein Studiendesign entwickelt, welches aus folgenden Arbeitsschritten bestand:
1. der themenzentrierten Inhaltsanalyse der Lokalen Entwicklungsstrategien der aktuellen Förderperiode 2014-2020,
2. der Reflexion der Qualität der bisherigen Auseinandersetzung mit den demographischen Veränderungen beziehungsweise dem demographischen Wandel in den LES gemeinsam mit den LEADER- und Regionalmanagerinnen und -managern im Rahmen eines Workshops und einer vertiefenden schriftlichen Befragung sowie
3. der Identifikation von prioritären Handlungsfeldern und Handlungsoptionen im Rahmen von LEADER sowie der zentralen Anliegen und Sorgen der LEADER- und Regionalmanagerinnen und -manager im Zusammenhang mit einer (zukünftig) stärker demographiefokussierten Ausrichtung der LES.

Ergebnisse
Insgesamt wurden sieben Mindestanforderungen an den Demographie-Check abgeleitet. Diese sollen den Lokalen Aktionsgruppen (LAGs) vor allem dabei helfen, die Entwicklungsmöglichkeiten und Handlungsspielräume auf (klein-)regionaler Ebene realistisch(er) einzuschätzen. Im Wesentlichen beziehen sich die Mindestanforderungen auf:

●     das Erfordernis, die demographische Ausgangssituation umfassend(er) und räumlich differenziert(er) darzustellen (innerregionale Unterschiede!)
●     die Mitberücksichtigung der qualitativen Dimension des demographischen Wandels (wie beispielsweise die Heterogenisierung der Bevölkerung in Bezug auf den Bedarf und die Anforderungen an die Infrastruktur sowie die Möglichkeit zur Erbringung ehrenamtlicher Leistungen)
●     die stärkere Berücksichtigung demographischer Bezüge in den Stärken-, Schwächen-, Chancen- und Risiko-Analysen (englisch: SWOTs) und den darauf aufbauenden Maßnahmen der Aktionsfelder und
●     die sprachlichen Anforderungen, allen voran die korrekte Verwendung von Fachbegriffen.

Die Umsetzung dieses Qualitätsstandards kann durch die intensive Zusammenarbeit zwischen den LAGs, dem Amt der Kärntner Landesregierung und den Ortsplanerinnen und Ortsplanern – vor allem in Bezug auf das Informations- und Datenmanagement sowie die Datenaufbereitung – erleichtert werden.

Ausblick
Mit den von der Universität für Bodenkultur Wien erarbeiteten Mindestanforderungen an den Demographie-Check arbeitet nun die Fachhochschule Kärnten gemeinsam mit den LAGs weiter.