Ignaz Knöbl
Ignaz Knöbl

20 Jahre „Ländliche Entwicklung“ in Europa

Themenbereich
Innovation
Land & Forst
Leader & Regionen
Umwelt & Klima

15.02.2021

Von Peter Kaltenegger

Aufgewachsen auf einem Bauernhof in der Steiermark absolvierte Peter Kaltenegger nach Besuch der landwirtschaftlichen Mittelschule in Raumberg und Matura mit 22 ein Studium an der Universität für Bodenkultur und war danach 15 Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika und Zentralamerika tätig.


Lesen Sie nachfolgend seine Erfahrungen und Eindrücke, wie sich die „Ländliche Entwicklung“ (LE) in den letzten 20 Jahren verändert und weiterentwickelt hat:

Als ich 2001 in Brüssel, nach bestandenem Auswahlverfahren, in der Generaldirektion AGRI für die Ländliche Entwicklung zu arbeiten begann, konnte man bereits deutlich die Handschrift Franz Fischlers in Brüssel und jene von Ignaz Knöbl in Österreich in der LE erkennen. Österreich entwickelte sich rasch zum Musterschüler der LE. Auch LEADER, wo sich Markus Hopfner, der heute für die LE in Österreich hauptverantwortlich ist, sehr verdient machte, und wo Christian Rosenwirth LEADER in den letzten Jahren zu einem wichtigen Programm für die ländlichen Gemeinden weiterentwickelte, verdient eine besondere Erwähnung. Weiters stehen auch die Förderungen für Agrarumweltprogramm ÖPUL, den Biolandbau und für die Betriebe in den benachteiligten Gebieten, aber besonders in den Berggebieten, unter der engagierten Verantwortung von Lukas Weber-Hajszan, für den Erfolg des LE–Programms in Österreich. 

Österreich war der EU mit seinem LE–Programm eigentlich immer fünf bis zehn Jahre voraus und hat sehr früh erkannt, dass in der LE der soziale Bereich mitgedacht und mitgefördert werden muss. Brüssel schaut in dieser Frage bewundernd nach Österreich und das EU-Parlament möchte die soziale Frage noch in die laufenden Verordnungsverhandlungen aufgenommen sehen.

Auch wenn es in vielen Regionen noch viel zu tun gibt, kann die LE als eine Erfolgsgeschichte gesehen werden. Was durch eine kluge Verwendung von Fördergeldern entstehen kann, zeigt sich im Burgenland - zum Zeitpunkt des österreichischen EU-Beitritts noch eine schwächelnde Region in Österreich, entwickelte es sich zu einer europäischen Vorzeigeregion. Aber auch Polen, die Slowakei und Tschechien setzten EU-Fördergelder besonders erfolgreich ein.

Mit dem Erfolg der LE nahm leider auch die Bürokratie sehr stark zu. Menschen gehen vermehrt europäischen Programmen aus dem Weg; hier muss wieder deutlich Bürokratie abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden, denn nur so werden die Menschen die europäischen Ideen und Ziele mittragen können.

Für die neue Periode, die 2023 beginnen wird, müssen die Mitgliedsstaaten sogenannte GAP-Strategiepläne, die sowohl 1. als auch 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) umfassen werden, ausarbeiten und der Kommission zur Genehmigung vorlegen. Die Biodiversitätsstrategie und die sogenannte „Farm to Fork“ – Strategie, beide 2020 verabschiedet, sollten sich in beiden Säulen des GAP-Strategieplans wiederfinden und den Zielen des europäischen „Green Deals“ dienen. Österreich wird hier einen guten Weg finden müssen, um einerseits die Landwirtinnen und Landwirte in ihren Bemühungen, gesunde Lebensmittel zu produzieren und damit ein finanzielles Auskommen zu erreichen, zu unterstützen und andererseits auch den großen Herausforderungen im Bereich Biodiversität, Umwelt, Tierschutz und Klima, die von der Bevölkerung immer stärker eingefordert werden, gerecht zu werden. 

Zur Einkommenssicherung sollten kleinere landwirtschaftliche Betriebe und solche in Berg- und sonstigen benachteiligten Gebieten verstärkt gefördert werden; wobei Förderungen für Umweltschutz, Tierschutz und Klimaleistungen beziehungsweise für Bio auch für größere Betriebe in allen Regionen weiterhin gerechtfertigt sind und unbedingt notwendig sein werden.

Auch der erfolgreiche Weg der Förderungen von Basisdienstleistungen, von LEADER, wobei ich mir hier eine höhere nationale Kofinanzierung wünschen würde, und von sozialen Dienstleistungen sollte unbedingt weitergegangen werden, denn davon profitieren nicht nur Landwirtinnen und Landwirte, sondern besonders ländliche Gemeinden, NGOs und vor allem die Menschen auf dem Land. Die Beteiligung der Partnerinnen und Partner, sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung, sollte unbedingt fortgeführt und ausgebaut werden. Im österreichischen Begleitausschuss für die LE wurde in den letzten beiden Jahrzehnten sehr konstruktiv und erfolgreich gearbeitet und die Vertretungen der verschiedenen Interessensgruppen haben sehr viel Positives für die ländliche Bevölkerung bewirkt und bewegt. Auch sollte die erfolgreiche Arbeit der nationalen Vernetzungsstelle für die ländliche Entwicklung, auch über die geographischen und beruflichen Grenzen hinweg, fortgeführt werden.

Ich habe im vorliegenden Artikel bewusst, vertretungsweise, einige Namen genannt, weil ich aufzeigen möchte, dass es in der LE besonders auf engagierte Menschen ankommt. Solche Menschen habe ich auf den verschiedensten Ebenen, in der Kommission, in den Ministerien, den Landesverwaltungen, den verschiedenen Nichtregierungsorganisationen, den Gemeinden, in den Projekten und sehr häufig auf den bäuerlichen Betrieben in Europa angetroffen und letztendlich haben diese engagierten Menschen auch mich motiviert, 20 Jahre mein Bestes für die Bäuerinnen und Bauern und sowie alle weiteren Bewohnerinnen und Bewohner in den ländlichen Regionen Europas zu geben.

Wir sollten uns auch in der LE stets daran erinnern, was Erwin Ringel sagte: „Es geht nicht gegeneinander, auch nicht nebeneinander, sondern nur miteinander.“

Vielen Dank für 20 Jahre „Miteinander.“
Peter Kaltenegger

Anmerkung der Redaktion: Die Langfassung des Textes finden Sie im Downloadbereich.