Europäischer Green Deal: Wie kann der Betriebsmitteleinsatz verringert werden?

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18.01.2022

In vier Panels beschäftigte sich die Netzwerk-Jahreskonferenz Ende November 2021 mit der Umsetzung des Green Deal in Österreich. Wie die Ziele beim Betriebsmittelverzicht erreicht werden können, diskutierten die Expertinnen und Experten des Fachbereichs Landwirtschaft. Nachfolgend dazu drei Kurzinputs von Referentinnen und Referenten der Jahreskonferenz, die sich auch beruflich sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.

Mit nationalem Aktionsplan auf das bereits Erreichte aufbauen

Monika Stangl, Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Die österreichische Landwirtschaft orientiert sich an einem effizienten sowie nachhaltigen Betriebsmitteleinsatz und räumt biologischen genauso wie nichtchemischen Methoden den Vorzug ein. Zahlreiche Maßnahmen im Betriebsmittelbereich wurden für eine umweltgerechte und nachhaltige Produktion etabliert. Das betrifft etwa ÖPUL-Maßnahmen, Forschung sowie den Ausbau und auch die Weiterentwicklung des österreichischen Warndienstes. Der Nationale Aktionsplan über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ist ein wichtiger Bestandteil des verantwortungsvollen Umgangs mit Pflanzenschutzmitteln und deren Reduktion in Österreich. Durch nationale Aktionspläne werden gezielt Maßnahmen festgelegt, welche die jeweiligen Gegebenheiten in den Mitgliedstaaten berücksichtigen. Bei der Umsetzung der Green-Deal-Ziele ist es daher besonders wichtig, auf schon erreichte Niveaus und Vorleistungen in den Mitgliedstaaten Rücksicht zu nehmen. Der Klimawandel stellt die heimische Landwirtschaft vor große Herausforderungen und bedarf eines verantwortungsvollen Einsatzes von Betriebsmitteln.




Die CO2-Bilanz an der Menge der erzeugten Lebensmittel festmachen 
Johann Kohl, AGES - Leiter der Abteilung Pflanzenschutzmittelzulassung

Die Bewältigung der Klimakrise mit der Begrenzung des Temperaturanstiegs auf maximal zwei Grad Celsius erfordert unmittelbares Handeln. Um dieses Ziel zu erreichen, muss in allen Lebensbereichen und natürlich auch in der Landwirtschaft der spezifische Ausstoß von Treibhausgasen massiv reduziert werden. Die wesentliche Kenn- und Vergleichsgröße in der Landwirtschaft sollte hierbei die CO2-Bilanz pro Kilogramm Erntegut oder Lebensmittel darstellen. Parallel hierzu hat ein Temperaturanstieg von zwei Grad (oder mehr) gravierende Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die globale Ernährungssicherung muss ressourcenschonend auf weniger Fläche und unter extremeren klimatischen Bedingungen gelingen. Dabei kommt insbesondere der Züchtung und der Anwendung neuer oder optimierter Agrartechnologien und Betriebsmittel eine tragende Bedeutung zu. In letzter Konsequenz sollten nur jene Produktionsmethoden in der Landwirtschaft zur Anwendung kommen, die die vorgenannten Rahmenbedingungen in ihrer Gesamtheit bestmöglich erfüllen und gleichzeitig den ökonomischen Zwängen der Bewirtschafter Rechnung tragen. 



Betriebsmittelreduktion direkt mit Produkt und Preis verknüpfen
Andreas Baumgarten, AGES - Abteilung Bodengesundheit und Pflanzenernährung

In vielen Bereichen sind die wissenschaftlichen Grundlagen vorhanden, um wirkungsvolle Maßnahmen zur Betriebsmittelreduktion zu setzen. So können etwa Düngungsmaßnahmen auf der Basis von Bodenuntersuchungen, auch in Kombination mit Fernerkundungsdaten, weiter optimiert werden, wodurch eine deutliche Verbesserung der Düngungseffizienz erreicht werden kann. Voraussetzung dafür ist jedoch eine breite Akzeptanz der zur Verfügung stehenden Instrumentarien sowie der damit produzierten Lebensmittel. Im Hinblick auf das Potenzial der Landwirtschaft zur CO2-Reduktion könnten Systeme, die die Leistungen der Produzentinnen und Produzenten direkt mit dem Produkt und dessen Preis verknüpfen, zu einer erfolgreichen Umsetzung führen. Voraussetzung dafür sind Bilanzierungssysteme, die ergebnisorientiert überprüft werden können.