Podcast Tipp: ÖPUL – nachhaltige Landwirtschaft seit 30 Jahren

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Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Österreichischen Agrarumweltprogramms ÖPUL hat sich Andreas Steinwidder, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, mit dem ehemaligen Abteilungsleiter der Agrarumwelt-Abteilung im BMLUK, Lukas Weber-Hajszan, maßgeblicher Gestalter des ÖPUL, unterhalten. In der aktuellen Folge des Podcasts „Agrar Science – Wissen kompakt” blicken sie auf drei Jahrzehnte Agrarumweltpolitik zurück und geben einen Ausblick auf die Zukunft der nachhaltigen Landwirtschaft in Österreich.

So berichtet Weber-Hajszan: Es hat natürlich vorher [Anm.: vor dem Jahr 1995] in Österreich auch schon Agrar-Umweltprogramme im weiteren Sinn gegeben. Ich erinnere mich an sehr kleine, überschaubare Bioförderung, Fruchtfolgeförderung oder die sogenannten Agrarökologieprojekte von regionaler Relevanz. Also auch damals waren diese Titel nicht immer ganz einfach. Aber es ist auf viel größere Beine gestellt worden und zusammengefasst worden, um eben auch den Beitritt und die damit verbundenen Senkungen der Erzeugerpreise abzufedern. […]

Andreas Steinwidder:
Sind die hellgrünen Maßnahmen mehr oder weniger geworden über die Jahre?

Lukas Weber Hajszan:
Tendenziell und in Summe gesehen ist das ÖPUL dunkelgrüner geworden. Nicht immer zur Begeisterung aller Landwirte und Landwirtinnen, aber ich glaube, in Summe sehr überlegt und auf Evaluierungen basierend. Was es zum Beispiel nicht mehr gibt, ist der extensive Getreidebau. Das war so rückblickend auch gesehen eine klassische Anpassungsmaßnahme, um eben den Getreidebauern, die bestimmte Sorten noch verwendet haben, unterstützen zu können. […]

[Zur Datenerfassung gab es] Formulare mit Durchschlägen – das waren drei bunte Durchschläge, da hat man durchgedrückt auf mehrere Papiere, um sich die Kopie zu sparen, weil es auch keinen Kopierer gegeben hat. Es hat sehr komplizierte Formulare gegeben: Flächenbogen, Flächennutzung und sicherheitshalber Summenblätter, weil das mit der Erfassung nicht so funktioniert hat. Das war ganz anders als heute, wo man online einsteigt, dann mit dem Handy bestätigt und mit Papier, wenn man will, und kann nichts mehr zu tun hat.

Andreas Steinwidder:
Wie schätzt du Österreich im europäischen Konzert diesbezüglich ein? Sind wir hier Vorreiter in der ökologischen Landwirtschaft gewesen und auch immer noch? Auch was die Teilnahme an diesen Umweltprogrammen ausmacht.

Lukas Weber Hajszan:
Wir haben sicher eine gewisse Vorreiterrolle. Wobei uns hier die natürlichen Gegebenheiten und die Betriebsstrukturen sicher geholfen haben. Wir haben nicht nur intensive Gunstlagen, sondern auch extensivere natürliche Gegebenheiten. Tendenziell kleinere oder mittelgroße Betriebe und wenige ganz große Betriebe. Das hat sicher am Anfang unterstützt, dass wir so eine breite Akzeptanz und ein so großes Programm bekommen haben. Ich würde schon sagen, dass wir Vorreiter sind, insbesondere im Bereich Naturschutz. Da ist mir immer wichtig zu sagen. Das ÖPUL ist das größte Vertragsnaturschutzprogramm Österreichs. Wir haben fast schon 100.000 Hektar Vertragsnaturschutz über das ÖPUL. Das heißt, hier hat ein Agrarprogramm eine sehr wichtige Rolle für den Naturschutz. […]

Andreas Steinwidder:
Wenn man jetzt die weitere Entwicklung des ÖPULs anschauen – im Groben – vom Beginn bis zum Stand heute? Was würdest du sagen: Welche Veränderungen haben sich für dich am deutlichsten gezeigt, ergeben, wurden umgesetzt. Inhaltlich. Nicht methodisch.

Lukas Weber Hajszan:
Also jetzt nicht technisch methodisch sondern von der ganzen Rahmenvorgaben. Es sind viel, viel mehr Verordnungen relevant. Es gibt die Notwendigkeit von sogenannten SWOT-Analysen durchzuführen, also Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken. Bei der Entwicklung eines neuen Programms. Und damit muss jede Maßnahme einen Bezug zu diesen Analysen habe. Das war ‘95 nicht so. Jetzt muss das Ganze eingebettet sein in eine Gesamtstrategie. Es muss auf Evaluierungsergebnisse Bezug genommen werden. Auf diese Stärken-Schwächen Analyse, auf andere Strategien. Es gibt eigene Verordnungen für die technische Umsetzung – die INVEKOS-Verordnung. Also es ist von den Rahmenbedingungen aufwendiger eine Maßnahme überhaupt zu konzipieren und zu begründen. Was in gewisser Weise gut ist, weil es ja wissenschaftlich fundiert sein soll und auch Erfolge haben soll, was man hier konzipiert. Ich persönlich bin jedoch der Meinung, dass man da ein bisschen schon über das Ziel hinausgeschossen hat. […]

Andreas Steinwidder:
Welche positiven Effekte können wir nachweisen? 30 Jahre ÖPUL in Österreich, neben dem Erhalt unserer doch noch klein strukturierten Landwirtschaft, neben der landwirtschaftlichen Vielfalt, die wir haben. Also wir sind sehr vielfältig aufgestellt und das ist sehr wertvoll, würde ich sagen. Was würdest du so als größte Erfolge herausschälen?

Lukas Weber Hajszan:
Ich glaube, dass ein großer Erfolg ist, dass das Bewusstsein für umweltgerechte Landwirtschaft, sowohl im Bereich Boden als auch im Bereich Grundwasser und Biodiversität, gewachsen ist. Und dass es immer mehr Bauern und Bäuerinnen gibt, die sich mit diesen Umweltthemen beschäftigen und auch untereinander das Wissen weitergeben. Das ist, glaube ich, sehr, sehr wichtig und funktioniert in der Regel besser, wie wenn ein Verwaltungsbeamter oder ein Wissenschaftler kommt und den Bauern erklärt, worum es geht. Wenn sie untereinander, basierend auf Erfahrungen, das Weitergeben, das ist, glaube ich, eine große Weiterentwicklung. Auch die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Umwelt oder Naturschutz ist, glaube ich, durch das ÖPUL, oder nicht zuletzt durch das ÖPUL, besser geworden. Und auch im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten sehr gut. […] und wir haben auch, wenn es zugegebenermaßen jetzt ein bisschen ein Bremsen des Zuwachses gibt, noch immer sehr viele Biobetriebe. Es sind, wenn man so will, sind wir Bio-Vorreiter in Europa, in der EU, mit unserem Bioanteil. Das ist sicher auch teilweise mit dem Agrar-Umweltprogramm erklärbar. […]

Das gesamte Gespräch im Rahmen des Podcasts findet sich hier: Folge 122 – „ÖPUL: Nachhaltige Landwirtschaft seit 30 Jahren 

© HBLFA Raumberg-Gumpenstein