Materialseilbahn der Bettelwurfhütte
Die Versorgung von Schutzhütten in Extremlage ist stets eine Herausforderung. Um die Bettelwurfhütte im Halltal (Karwendelgebirge, Tirol) langfristig stabil versorgen zu können, wurde eine veraltete Materialseilbahn im Zuge dieses Projektes durch eine neue Materialseilbahn ersetzt. Dabei wurde auch die Bergstation versetzt, um die Logistik von Gütern zu erleichtern und zu verbessern. Außerdem konnte durch das Projekt auch eine Erweiterung auf eingeschränkten Werksverkehr erreicht werden, was es den Mitarbeiter:innen und etwaigen Handwerker:innen ermöglicht, die Seilbahn anstatt eines mindestens 2,5-stündigen Fußmarsches, auf einem schwarzen Bergweg, zu nutzen.
Auch für die Bergrettung bringt das einen entscheidenden Vorteil, weil verunfallte Bergsteiger:innen im Bedarfsfall durch die Seilbahn transportiert werden können. Der Fahrbetrieb geschieht dabei automatisch durch eine Strecken- und Stationsprogrammierung. Mit dem Projekt wurden Betriebsabläufe mit der Versetzung der Bergstation auf Ebene der Hütte optimiert. Das Hüttenpersonal kann freie Tage nun auch abseits der Hütte verbringen. Eine Seilbahnstütze konnte im Sinne des Naturschutzes eingespart werden.
Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?
- Die Hüttenversorgung erfolgt über Materialseilbahn, welche mittels Sonnenenergie betrieben wird
- Es werden keine fossilen Brennstoffe (bedingt durch den Einsatz eines Hubschraubers) verbraucht.
- Damit ermöglicht das Projekt eine moderne und nachhaltige Hüttenversorgung
Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen
Hüttenpächter:innen sind für die hüttenbesitzenden Alpenvereinszweigvereine immer schwieriger zu finden, exponierte Lagen wie die Bettelwurf-Hütte haben es daher schwer, Pächter:innen sowie Personal zu finden… vor allem, wenn diese keine guten Bedingungen vorfinden.
Der Alpenverein versucht, Hubschrauberflüge zur normalen Hüttenversorgung, wenn möglich, zu vermeiden. Wäre diese Materialseilbahn nicht modernisiert worden, wäre die Hütte jedoch nur mehr mit Hubschrauber zu versorgen gewesen. Jetzt hat auch die Bergrettung durch diese Materialseilbahn die Möglichkeit, Verletzte bei schlechtem Flugwetter ins Tal zu bringen. Ebenfalls können Rettungshubschraubereinsätze bei entsprechender Lage ersetzt werden.
Ziele des Projekts
- Reduktion von Hubschrauberflügen
- Verbesserung der Situation für Pächter:innen und Personal
- Sicherstellung der Hüttenversorgung
Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen
- Einreichplanung und Werksplanung (Behördenwege, Beauftragung eines Statikers)
- Abbruch des Altbestandes der Talstation; Aushub und Errichtung des Fundaments der Talstation
- Abbruch des Altbestands der Bergstation
- Errichtung einer Bauseilbahn
- Errichtung Bergstation & Seilbahntechnik
- Inbetriebnahme und Endabnahme der neuen Seilbahn
- Erstellung eines Fernseher- und Radioberichtes, sowie Zeitungsbericht
Ergebnisse und Wirkungen quantitativ
- Mehrere Tonnen Material müssten – gäbe es keine Materialseilbahn – stets mit dem Hubschrauber geflogen werden. Die konkreten Zahlen dazu liegen jedoch nicht vor. Es ist jedoch von 3-4 Versorgungsaktionen pro Sommer á 10 Rotationen vom Tal aus und 1-2 Entsorgungsaktionen mittels Hubschrauber auszugehen. Dadurch reduziert man den Ressourcenaufwand (Personal, physische Ressourcen, Treibstoff) erheblich.
Ergebnisse und Wirkungen qualitativ
- Attraktivere Rahmenbedingungen für Hüttenpächter:innen und Personal
- Bessere Versorgung der Hütte
- Bessere Bedingungen für die Bergrettung
Einbeziehung von jungen Menschen
In den letzten Jahren sehen wir bei den Alpenvereinen verstärkt den Trend, dass sich junge motivierte Menschen dazu entscheiden eine Schutzhütte zu pachten. Eine entsprechend attraktive Hütte hat hier sicherlich einen besseren Zulauf. Dies gilt auch für das Personal. In diesem Sinne ermöglicht das Projekt eine stärkere Einbeziehung von jungen Menschen.
