LIN: TrauDi im Thayaland
Das ländliche Innovationsunterstützungsnetzwerk „TrauDi im Thayaland“ verfolgt das Ziel, die Innovationsfähigkeit im Bezirk Waidhofen an der Thaya zu stärken und neue Formen der regionalen Zusammenarbeit zu entwickeln. Herausforderungen wie demografischer Wandel, Leerstand, Fachkräftemangel und ungenutzte regionale Potenziale sollen durch Vernetzung, Wissensaustausch und gemeinsame Projektentwicklung aktiv aufgegriffen werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen der Region: Ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Ideen bilden die Grundlage für neue Initiativen.
TrauDi bringt die Gemeinden, Bevölkerung, Landwirtschaft, Unternehmen, Vereine und regionale Organisationen zusammen, begleitet dabei innovative Vorhaben und unterstützt bei der Entwicklung und Einreichung von Förderprojekten. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen, regionale Wertschöpfung zu sichern und den Bezirk langfristig als lebendigen Innovations- und Begegnungsraum weiterzuentwickeln.
Seit dem Projektstart hat sich TrauDi von einer Netzwerkinitiative zu einer regionalen Anlaufstelle für Austausch, Kooperation und Projektentwicklung weiterentwickelt. Durch Vernetzungstreffen, Workshops, persönliche Beratungsgespräche sowie digitale Kommunikationsangebote werden Menschen unterschiedlicher Interessengruppen eingebunden. Bereits im ersten Projektjahr wurde ein Netzwerk mit über 40 Personen aufgebaut, das laufend weiterentwickelt und um neue Kontakte und Themen ergänzt wird.
TrauDi begleitet Ideen, prüft ihre Umsetzbarkeit und begleitet die Ideengeberinnen und Ideengeber von der ersten Überlegung bis hin zu möglichen Fördereinreichungen. Besonders wichtig ist die enge Abstimmung mit bestehenden regionalen Strukturen wie LEADER, KEM, KLAR, Dorf- und Stadterneuerung sowie mit den Gemeinden im Bezirk. Dadurch werden Wissen und Ressourcen gebündelt und gemeinsame Lösungsansätze entwickelt. Wie gut diese gemeindeübergreifende Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigt der Waldviertler Bezirksradtag, bei dem Gemeinden, Vereine und engagierte Personen ein gemeinsames regionales Angebot schaffen. Auch die Vernetzung und Unterstützung von Radsportinitiativen, etwa rund um den Radmarathon in Waidhofen an der Thaya, eröffnet neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Tourismus und regionale Wertschöpfung.
Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt hat sich im Bereich der Leerstandschecks und nachhaltigen Ortsentwicklung herausgebildet. Leerstehende Gebäude in Ortskernen, ungenutzte landwirtschaftliche Nebengebäude und ehemalige Betriebsobjekte stellen zahlreiche Gemeinden vor ähnliche Herausforderungen. TrauDi setzt deshalb verstärkt auf Bewusstseinsbildung, Weiterbildung und praktische Wissensvermittlung. Gemeinsam mit der Dorf- und Stadterneuerung werden Informationsveranstaltungen und Workshops organisiert, bei denen Herausforderungen, Fragen zur momentanen Nutzung und Nachnutzung behandelt werden. Ein weiterer Entwicklungsschritt ist die systematische und digital unterstützte Erfassung von Leerständen. Gemeinsam mit ausgewählten Personen aus der Bevölkerung, Gemeinden und Eigentümerinnen und Eigentümern sollen bestehende Leerstände gezielt betrachtet, Nutzungsmöglichkeiten erhoben und digital dokumentiert werden. Dadurch entsteht eine Grundlage, um vorhandene Gebäude und regionale Potenziale sichtbar zu machen.
Ein wesentliches Ergebnis dieser thematischen Weiterentwicklung ist die Ausarbeitung des innovativen Projektansatzes „Hofstüberl“, mit dem TrauDi einen konkreten Beitrag zur Leerstandsbekämpfung und regionalen Wertschöpfung leisten möchte. Viele landwirtschaftliche Betriebe verfügen über leerstehende Ausnahmestüberl, Gästezimmer oder Nebengebäude, die sich für eine touristische Nutzung eignen würden. Häufig verhindern jedoch organisatorischer Aufwand, fehlende Erfahrung und wirtschaftliche Unsicherheiten eine Vermietung. Das Projekt „Hofstüberl“ entwickelt deshalb gemeinsam mit der Bevölkerung, landwirtschaftlichen Betrieben, Unternehmen aus Waidhofen an der Thaya und regionalen Partnerinnen und Partnern ein innovatives Vermietungs- und Servicemodell. Eine zentrale, digital unterstützte Organisation soll künftig Buchungsmanagement, Gästekommunikation, Zahlungsabwicklung sowie Dienstleistungen wie Reinigung, Grünraumpflege und Instandhaltung koordinieren. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen dadurch zusätzliche Einkommensmöglichkeiten erhalten, ohne sämtliche organisatorischen Aufgaben selbst übernehmen zu müssen. Dies fördert insbesondere die Chancengleichheit, da zusätzliche Arbeitsbelastungen in den Familien und auf den Höfen vermieden werden sollen. Gemeinsam mit den Ruranauten ist vorgesehen, drei leerstehende Ausnahmestüberl beispielhaft zu revitalisieren und das Organisationsmodell praktisch zu erproben. Durch die Einbindung regionaler Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, die Weiternutzung bestehender Gebäude und die Schaffung zusätzlicher touristischer Angebote sollen neue regionale Wirtschaftskreisläufe entstehen. Das Projekt verbindet damit Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Leerstandsaktivierung und Tourismus zu einem übertragbaren Innovationsmodell.
Die bisherigen Aktivitäten zeigen, dass sich TrauDi als Plattform für gemeindeübergreifende Zusammenarbeit und regionale Innovation etabliert. Mit dem Aufbau des Netzwerks, der Entwicklung eines Innovationskompasses, der Einrichtung einer eigenen Website sowie der Durchführung von Vernetzungstreffen, Workshops und Beratungsgesprächen wurden wesentliche organisatorische und kommunikative Grundlagen geschaffen. Der Bezirksradtag verdeutlicht den praktischen Nutzen gemeinsamer Initiativen, während sich mit dem Schwerpunkt Leerstand und dem Projekt Hofstüberl zunehmend konkrete, umsetzungsorientierte Projektansätze entwickeln.
In den nächsten Schritten stehen der weitere Ausbau des Netzwerks, die Vertiefung der Zusammenarbeit mit Gemeinden und regionalen Unternehmen, die digitale Leerstandserfassung sowie die Weiterentwicklung und geplante Fördereinreichung des Projekts Hofstüberl im Vordergrund. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen dokumentiert, innerhalb des Netzwerks weitergegeben und für weitere Gemeinden und Initiativen nutzbar gemacht werden.
TrauDi zeigt damit, wie aus dem Austausch mit der Bevölkerung konkrete Ideen, aus Ideen neue Kooperationen und aus Kooperationen nachhaltige Projekte entstehen können. Der entscheidende Mehrwert liegt nicht allein in einzelnen Maßnahmen, sondern im Aufbau einer dauerhaften Innovationskultur, in der Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen, vorhandene Potenziale nutzen und die Zukunft ihrer Region aktiv gestalten.