Nachlese: „Mehrwert Festmist: Bodenschutz, Artenvielfalt und betriebliche Perspektiven“

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Im Rahmen des Online-Seminars wurde die große Bedeutung von Festmist für eine nachhaltige Landwirtschaft hervorgehoben, insbesondere hinsichtlich Humusaufbau, Bodenfruchtbarkeit und Umweltwirkungen.

Else Bünemann-König, FiBL Schweiz, zeigte anhand des DOK-Langzeitversuchs auf, dass feste organische Dünger den Humusaufbau stärker fördern als flüssige Dünger und zur Anreicherung von Stickstoff und Kohlenstoff im Boden beitragen. Zudem wurde deutlich, dass reduzierte Bodenbearbeitung einen großen Einfluss auf die Bodenbiologie hat. Alfred Pöllinger-Zierler, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, betonte, dass unterschiedliche Formen von Wirtschaftsdüngern je nach Standort und Nutzung unterschiedlich geeignet sind. Entscheidend sei ein langfristiger Blick, da sich vor allem die Wirkung von Festmist erst über einen längeren Zeitraum hinweg durch verbessertes Bodenleben und Mikrobiologie und folglich durch den Ertrag zeigt. Auch ging Pöllinger-Zierler auf die Vermeidung von Nährstoffverlusten ein und wies auf verringerte Ammoniakemissionen durch geeignete Ausbringungstechniken hin. Pia Euteneuer, Universität für Bodenkultur, verdeutlichte die zentrale Rolle von Regenwürmern, insbesondere des Tauwurms, für die Bodenstruktur und Wasserinfiltration. Langzeitversuche zeigen, dass Festmist die Regenwurmpopulation fördert, während bei rein mineralischer Düngung oder fehlender organischer Substanz weniger bis kaum Bodenleben vorhanden ist.

In den Praxisbeispielen berichtete Roswitha Marold, Landwirtin im Ennstal, von positiven Effekten wie verbesserter Wasser- und Nährstoffspeicherung, stärkerem Bodenleben und geringer Geruchsbelastung durch den Einsatz unterschiedlich lange gelagerter Mistmieten. Franz Grötschl, Landwirt in Lackendorf, setzt seit Jahren auf organische Düngung, reduzierte Bodenbearbeitung und vielfältige Kompostierungsverfahren sowie natürliche Zusatzstoffe zur Verbesserung der Nährstoffbindung. Andreas Hager, Landwirt in Ried in der Riedmark, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz mit vielfältiger Fruchtfolge, Dauerbegrünung, beweidetem Agroforst und gezielter Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern, wodurch Bodenfruchtbarkeit und Wasserspeicherung gesteigert werden. Thomas Wallner, Boden.Wasser.Schutz.Beratung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, unterstrich die Bedeutung von Festmist im Erosions- und Gewässerschutz, wobei insbesondere die sachgerechte Lagerung eine Herausforderung darstellt.

In der Diskussion wurde zudem hervorgehoben, dass auch Faktoren wie Fütterung und Medikamenteneinsatz entscheidend für die Qualität von Mist und Gülle sind. Insgesamt zeigte das Seminar, dass Festmist ein wichtiger Hebel für den Humusaufbau und ein funktionierendes Agrarökosystem ist, dessen Wirkung langfristig im Zusammenspiel mit Bewirtschaftung, Bodenbearbeitung und Betriebsmanagement zur Geltung kommt.

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