Biodiversität messbar machen – Forschung und Ausbildung am ICEB
Die Erfassung und Bewertung biologischer Vielfalt zählt zu den zentralen Herausforderungen des Naturschutzes im 21 Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Interdisciplinary Center for Ecosystem Services and Biodiversity (ICEB) an der Fachhochschule Kärnten der Entwicklung innovativer Ansätze, um Biodiversität und Ökosystemleistungen systematisch messbar zu machen.
Kern der Forschungsaktivitäten sind sogenannte Biodiversity Technologies. Diese umfassen ein breites Spektrum an Methoden und Werkzeugen, die ökologische Fragestellungen mit technologischen Entwicklungen verbinden. Durch die Einbettung in die Fakultät für Engineering & IT stehen dem ICEB Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Sensorik, Robotik, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Datenwissenschaft unmittelbar zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch ein molekularbiologisches Labor, das insbesondere genetische Analysen von Umweltmedien ermöglicht.
Vielfältige Erfassung von Biodiversität
ICEB setzt auf moderne Methoden und innovative Technologien, um die verschiedenen Ebenen der Natur zu erfassen und so die Artenvielfalt zu dokumentieren und zu schützen. Satelliten, Drohnen und Laserscanner liefern wertvolle Einblicke von Landschaften und Ökosystemen aus der Vogelperspektive. So lassen sich Veränderungen über längere Zeiträume flächendeckend beobachten und analysieren. Zentral ist dabei, diese Daten sinnvoll auszuwerten und mit Beobachtungen direkt vor Ort abzugleichen.
Automatisierte Kamerasysteme und Mikrofone erfassen Tiere rund um die Uhr, während Künstliche Intelligenz hilft, die dabei entstandenen Datenmengen zu analysieren. Zusätzlich geben Tracking-Technologien Aufschluss darüber, wie sich Tiere bewegen und ihren Lebensraum nutzen.
Einen besonders tiefen Einblick ermöglichen auch genetische Methoden. Mithilfe von DNA-Analysen lassen sich Arten sogar anhand kleinster Spuren in Wasser oder Boden nachweisen. So wird auch jene Biodiversität sichtbar, die dem bloßen Auge oft verborgen bleibt.
Qualifizierung für das Management von Schutzgebieten
So wichtig neue Technologien auch sind, ihre Wirkung entfalten sie erst, wenn gut ausgebildete Fachkräfte sie anwenden können. Daher bietet das ICEB auch unterschiedliche Ausbildungsprogramme an. Eines davon ist der berufsbegleitende, internationale Masterstudiengang „Management of Conservation Areas“, der am ICEB angesiedelt ist und vom UNESCO Chair for Sustainable Management of Conservation Areas getragen wird.
Schutzgebiete wie Nationalparks, Biosphärenparke oder Natura-2000-Gebiete spielen eine Schlüsselrolle für den Erhalt der Biodiversität. Weltweit sind rund 17 Prozent der Landfläche unter Schutz gestellt. Ihre wirksame Betreuung erfordert jedoch fundiertes Fachwissen und vielfältige Kompetenzen. Das Programm richtet sich daher an Fachkräfte aus Praxis, Verwaltung und angewandter Forschung, die ihre Kompetenzen im Bereich Schutzgebietsmanagement gezielt erweitern möchten. Der Studiengang vermittelt eine Kombination aus theoretischen Grundlagen, internationalen Standards und praxisorientierten Instrumenten. Zentrale Inhalte umfassen das effektive Management von Schutzgebieten, die Einbindung relevanter Stakeholder sowie den Einsatz moderner Technologien zur Datenerhebung und Entscheidungsunterstützung. Darüber hinaus werden Kompetenzen in inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit sowie in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.
International ausgerichtet und praxisnah
Das Programm ist international ausgerichtet und wird durch ein breites Partnernetzwerk unterstützt, darunter internationale Organisationen wie UNESCO, IUCN und WWF. Lehrende aus Wissenschaft und Praxis gewährleisten eine enge Verzahnung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung.
Als berufsbegleitendes Studium konzipiert, erstreckt sich der vollwertige Masterlehrgang mit 120 ECTS über zwei Jahre und kombiniert kompakte Präsenzphasen, welche in Schutzgebieten in Zentraleuropa verbracht werden, mit digitalen Lernformaten. Dieses Modell ermöglicht eine unmittelbare Verknüpfung von Studieninhalten mit beruflicher Praxis. Darüber hinaus bringt die internationale Ausrichtung mit Englisch als Lehrsprache Teilnehmer:innen aus verschiedensten Ländern weltweit zusammen. Der nächste Studienbeginn ist für September 2026 vorgesehen.
