Nachlese: „Mit Wiedervernässung und Wasserrückhalt Biodiversität und Landwirtschaft fördern“
Wir freuen uns, wenn Sie an der Umfrage zum Thema Wasserrückhalt und Wiedervernässung des Bundesamtes für Wasserwirtschaft teilnehmen!
Das Webinar am 21. September 2026 widmete sich der Frage, wie Wiedervernässung und Wasserrückhalt zur Förderung von Biodiversität und Landwirtschaft beitragen können. Dabei wurden zunächst rechtliche und fachliche Grundlagen erläutert, anschließend technische Möglichkeiten und konkrete Praxisbeispiele vorgestellt und abschließend Voraussetzungen und Möglichkeiten für eine landwirtschaftlich verträgliche Umsetzung diskutiert. Der Bogen wurde von Erhalt und Reaktivierung der Bewirtschaftung von Feucht- und Nasswiesen bis zur Wiedervernässung von entwässerten landwirtschaftlichen Böden gespannt.
Von den Wiederherstellungszielen zur praktischen Umsetzung
Den rechtlichen Rahmen der EU-Wiederherstellungsverodnung stellte Thomas Weninger (Bundesamt für Wasserwirtschaft) vor und ging insbesondere auf jene Lebensräume und die mit der Verordnung einhergehenden Ziele ein, die von Wasser geprägt sind – wie etwa Hochmoore, Moorwälder und Feuchtwiesen. Welche unterschiedlichen Voraussetzungen Flächen mit feuchte bis nassen Standortbedingungen mitbringen, zeigte anschließend Andreas Bohner (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) anhand der Vielfalt an Feucht- und Nasswiesen mit charakteristischen Pflanzenarten, sowie grund- und stauwasserbeeinflusster Böden. Dabei wurde deutlich, dass die Herkunft des Wassers und die jeweiligen Bodeneigenschaften entscheidend für die Wahl geeigneter Wiederherstellungsmaßnahmen sind.
Maßnahmenumsetzung und Naturschutzprojekte
Im Anschluss stellte Gernot Guggenberger (REVITAL) konkrete technische Möglichkeiten der Wiedervernässung vor: Dazu gehören der Einsatz von Spundwänden, der Einbau regulierbarer Wehre oder die Anlage von Dämmen. Erhebung der aktuellen Vegetation und der technischen Machbarkeit, Fragen der langfristigen Haltbarkeit, der Baustellenlogistik und der Vermeidung der Einschleppung von Neophyten spielen hierbei eine wesentliche Rolle und müssen berücksichtigt werden.
Wie sich Wiedervernässung auf konkrete Arten und Lebensräume auswirkt, zeigten anschließend Bianca Burtscher und Alwin Schönenberg (Naturschutzbund Vorarlberg) am Beispiel des Wiesenbrüterschutzes im Vorarlberger Rheintal. Für Arten wie Kiebitz und Bekassine sind ausreichend feuchte Lebensräume entscheidend. Vorgestellt wurden daher unter anderem temporäre Wasserstandsanhebungen, Feuchtmulden, abgeflachte Böschungen und Entbuschungsmaßnahmen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass komplexe Eigentumsverhältnisse und bestehende Entwässerungssysteme die Umsetzung erschweren.
Ein weiteres Beispiel für die praktische Umsetzung präsentierte Klaus Krainer (ARGE Naturschutz Kärnten) mit einem rund 12 ha großen Gebiet bei St. Veit an der Glan. Eine ehemals entwässerte Fläche wurde durch Biberaktivitäten wieder vernässt und wird heute unter anderem durch extensive Rinderbeweidung naturschutzfachlich entwickelt.
Landwirtschaftliche Nutzung als Schlüssel zum Erhalt
Wie eine solche Verbindung von Naturschutz und landwirtschaftlicher Nutzung dauerhaft funktionieren kann, zeigten schließlich Stefan Reifeltshammer (Amt der Oberösterreichischen Landesregierung) und Alois Gaderer (Pflegegemeinschaft „Landschaftspflege Bauernland“) am Beispiel der Irrsee-Moore. Entsprechende Naturschutzförderung ermöglichte es, vor Ort die gemeinschaftliche Nutzung spezieller Maschinen, etwa zur Mahd auf Steilflächen, zur Mahd in Feuchtflächen und zur Verbringung des Mähguts von Feuchtflächen, zu finanzieren und somit in einer Region eine nachhaltige Feuchtwiesenbewirtschaftung zu reaktivieren und zu erhalten. Alois Gaderer zeigte dabei, wie inzwischen mehr als 60 Landwirtinnen und Landwirte motiviert werden konnten, sich für den Erhalt ihrer Feuchtflächen einzusetzen.
Zentrale Erkenntnisse
Die Diskussion zeigte einmal mehr, dass Freiwilligkeit, finanzielle Abgeltung und Kooperation wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung sind. Das Österreichische Agrarumweltprogramm ÖPUL und der GAP-Strategieplan wurden als wichtige Instrumente für eine Unterstützung der Zielerreichung genannt, zugleich wurde der Bedarf an zusätzlichen und flexibleren Fördermöglichkeiten betont. Als weitere wichtige Ansätze wurden betriebsübergreifende Lösungen, Flurneuordnung, der Ankauf naturschutzfachlich wertvoller Flächen sowie eine wertschätzende Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz hervorgehoben.
Insgesamt zeigte das Webinar, dass Wiedervernässung nicht nur dem Schutz von Mooren und Feuchtlebensräumen dient, sondern auch für Wasserrückhalt, Klimaanpassung und die langfristige Sicherung landwirtschaftlicher Flächen relevant sein kann. Entscheidend sind dabei standortangepasste Maßnahmen, eine enge Einbindung der Bewirtschaftenden und finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung der Maßnahmen, wie der Anschaffung teurer Spezialgeräte.
