Nachlese: Naturverträgliche Produktion erneuerbarer Gase

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Im Rahmen des Online-Fachgesprächs „Naturverträgliche Produktion erneuerbarer Gase – Chancen und Herausforderungen für die Landwirtschaft“ am 19. November 2025 wurden aktuelle gesetzliche und strukturelle Rahmenbedingungen sowie praktische Erfahrungen und naturschutzfachliche Aspekte der Biogasproduktion in Österreich beleuchtet.

Bernhard Stürmer (Green Gas Service GmbH) gab einen umfassenden Überblick über die Entwicklung und den Status quo der Biogasanlagen in Österreich. Österreich verfüge heute über rund 260 Biogas-Anlagen in denen Strom, Wärme und Biogas sowie organischer Dünger produziert wird. Er betonte die hohe regionale Wertschöpfung, da Biogasanlagen nicht nur Energie, sondern auch Dünger erzeugen und zahlreiche Arbeitsplätze sichern. Der Substratmix habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert – weg von Mais hin zu einem hohen Anteil landwirtschaftlicher Reststoffe.

Thomas Schlager (EVN) stellte Wege in eine CO₂-neutrale Zukunft anhand bestehender Anlagen der EVN vor. Die EVN setze verstärkt auf eine regionale Kreislaufwirtschaft, bei der lokale Reststoffe zu Energie und Kompost verarbeitet werden. Die Biogasanlage Lichtenwörth wurde etwa von reiner Stromproduktion auf Biomethaneinspeisung umgestellt, während in Gunnersdorf seit 2025 ein Boxen-Fermenter-System zur Verarbeitung von 25.000 Tonnen Biomüll jährlich betrieben wird.

Aus der landwirtschaftlichen Praxis berichtete Johannes Hauptmann (Landwirt aus Bad Blumau), der seit 2004 eine Biogasanlage betreibt, die regional zu einem wichtigen Energieversorger wurde. Er nutzt einen breiten Rohstoffmix aus Maissilage, Zwischenfrüchten, Gülle, Mist und wettergeschädigtem Erntegut. Die Anlage habe auch zur Entstehung neuer Geschäftsfelder wie einer Trocknungsanlage, eines Handels- sowie eines Transportunternehmens beigetragen. Geplant sei künftige auch die Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz.

Gerald Pfiffinger (Umweltdachverband) hob die Bedeutung naturverträglicher Biogasproduktion hervor. Regionale Biodiversitätsziele sollten mit Klimaschutzmaßnahmen verknüpft werden, wobei neben Reststoffen auch Material aus der Landschaftspflege eine Rolle spielen könnte. Biogas könne sinnvoll zur Kreislaufwirtschaft beitragen, sofern Biodiversitätsaspekte – wie die zeitlich gestaffelte Ernte von Flächen – ausreichend berücksichtigt werden.

Martin Wette (LK Österreich) erläuterte, dass aus Sicht der Landwirtschaftskammer in Österreich der Ausbau aller nachhaltigen Energiesektoren, so auch der Biogasproduktion, notwendig ist. Daher sollte auch das Erneuerbares-Gase-Gesetz bald beschlossen werden, um rechtlich klare Rahmenbedingungen zu schaffen.

In der anschließenden Diskussion wurde hervorgehoben, dass die Biogasproduktion technisch ausgereift ist aber unter den unsicheren gesetzlichen Rahmenbedingungen leidet. Dadurch stocken Investitionen und die Ausbauziele bis 2030 geraten in Gefahr. Neben klaren gesetzlichen Vorgaben brauche es für einen nachhaltigen Ausbau, auf die regionalen Möglichkeiten angepasste Anlagen, kurze Transportwege und ein regional abgestimmtes Nutzungskonzept.

#ARIAwards25: Gender Equality Award geht erneut an Österreich!

Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Aus 127 Einreichungen wurden dieses Jahr 24 Projekte aus 26 Mitgliedsstaaten beim europäischen ARIA Award nominiert und das österreichische Projekt „Rollen im Wandel“ konnte sich in der Kategorie „Gleichstellung der Geschlechter“ durchsetzen. Dies ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem Österreich in dieser Kategorie den Sieg nach Hause bringt. Wir gratulieren ganz herzlich!

Mit dem ARIA Award werden jährlich von der GAP finanzierte Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raums und der Landwirtschaft auf internationaler Ebene ausgezeichnet und sichtbar gemacht.

Aus insgesamt acht eingereichten Projekten aus Österreich hat die #ARIAwards25 Jury gleich drei österreichische Projekte geshortlisted, darunter neben dem Projekt „Rollen im Wandel“ der LEADER Region Regionalentwicklung Vorarlberg (Regio-V) das Projekt „Bodenkoffer“ der LEADER-Region Oberinnviertel-Mattigtal und das Projekt „Hofübergabe im Fokus“ der Landjugend Österreich.

Am 3. Dezember wurden während der ARIA-Zeremonie in Brüssel, die auch online live mitzuverfolgen war, die Gewinner:innen bekannt gegeben. Österreich konnte für alle drei Projekte aus der Shortlist Preise mit nach Hause nehmen: Dieses Jahr ging bereits zum zweiten Mal der Preis in der Kategorie Gender Equality, der Projekte auszeichnet, die sich auf die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern konzentrieren, nach Österreich an das Vorarlberger Projekt „Rollen im Wandel“. Die Projekte „Bodenkoffer“ und „Hofübergabe im Fokus“ wurden in den Kategorien „Intelligente und wettbewerbsfähige Landwirtschaft“ und „Generationserneuerung“ mit „highly recommended“ ausgezeichnet.

Mädchen auf dem Skaterplatz, ein Steuerberater als Tagesvater und eine Mutter als Vorsitzende des Fußballvereins: Das gibt es im österreichischen Bundesland Vorarlberg noch wenig und wenn, wird es mehrheitsgesellschaftlich unsichtbar gemacht. Das Projekt „Rollen im Wandel“ will Potenziale von nicht traditionell verteilten Rollen nutzbar machen, Alternativen zur herkömmlichen Rollenverteilung vor den Vorhang holen und dazu einladen, diese auszuprobieren. Zu diesem Zweck boten die Fachorganisation femail, der Familienverband Vorarlberg und der Verein Amazone mit Unterstützung der Lokalen Aktionsgruppe Regionalentwicklung Vorarlberg ein breites Spektrum an Aktivitäten an.

Damit alternative Rollenmodelle erlebbar werden, boten die drei Fachorganisationen Unterstützung bei der Umsetzung von Pilotaktivitäten. Dies waren Angebote wie ein Mädchentreff, Buchvorstellungen oder ein Podcast – je nachdem, was in der jeweiligen Gemeinde gerade am besten passte. Parallel dazu wurden den teilnehmenden Gemeinden Formate wie Vorträge, Workshops oder digitale Angebote zur Verfügung gestellt, die Möglichkeiten der Auseinandersetzung und Reflexion mit Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Rollenbilder und -stereotypen und Vielfalt eröffneten. Frauen waren maßgeblich an der Entwicklung des Projekts beteiligt und stellten die Mehrheit der 650 Teilnehmenden, was zeigt, dass sich Männer nach wie vor wenig von den Themen angesprochen fühlen beziehungsweise nicht genügend für das Thema begeistert werden konnten. Frauen übernahmen eine führende Rolle als Referentinnen und Workshopleiterinnen.

Zum Projekt “Rollen im Wandel”

Zum Projekt “Bodenkoffer”

Zum Projekt “Hofübergabe im Fokus”

Start des Stakeholder-Forums Diversifizierung: Mehr Wertschöpfung für den ländlichen Raum

Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Die österreichische Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Seit 1995 ist die Zahl der aktiven Betriebe um 36 Prozent gesunken. Um diesem Wandel zu begegnen, braucht es neue Wege und innovative Strategien. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Diversifizierung – also die Erweiterung landwirtschaftlicher Tätigkeiten über die klassische Produktion hinaus hin zu neuen Formen der Wertschöpfung.

Am 25. November 2025 fand an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik (HAUP) die Auftaktveranstaltung des Stakeholder-Forums Diversifizierung statt. 21 Institutionen und Organisationen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Regionalentwicklung und aus dem Sozialbereich nahmen teil und diskutierten Zukunftsperspektiven der ländlichen Wertschöpfung. Fachvorträge und Diskussionsrunden zeigten deutlich: Die Diversifizierung ist in der Praxis angekommen – und bietet großes Potenzial für die Weiterentwicklung bäuerlicher Betriebe und ganzer Regionen.

Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik hat im März 2024 gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus der Landwirtschaft das Projekt „Bildungsinitiative Diversifizierung“ gestartet. Ziel ist es, die Lebensmittel- und Umweltkompetenz der Bäuerinnen und Bauern zu stärken, die regionale Wirtschaft zu fördern und Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu sichern.

„Die Diversifizierung ist ein zentrales Zukunftsthema für die österreichische Landwirtschaft. Mit der Projekt „Bildungsinitiative Diversifizierung“ und dem Stakeholder-Forum leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Stärkung bäuerlicher Betriebe und des ländlichen Raums“, betonte Rektor Thomas Haase.

„Mit dem Stakeholder-Forum setzen wir ein wichtiges Signal: Landwirtschaft, Wirtschaft, Tourismus, Soziales und Bildung müssen noch stärker zusammenarbeiten, um die Chancen unserer Regionen bestmöglich zu nutzen. Das Forum leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Vision 2028+“, erklärte Christian Rosenwirth, Leiter der Abteilung Innovation, Lokale Entwicklung und Zusammenarbeit im BMLUK.

„Die Diversifizierung eröffnet neue Perspektiven – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich. Der Schlüssel liegt in der Vernetzung. Nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander; nicht Silos verwalten, sondern Brücken bauen. Das Stakeholder-Forum wird weit über die Landwirtschaft hinaus Strahlkraft entfalten“, zeigte sich Robert Fitzthum, Kammerdirektor der Landwirtschaftskammer Wien, überzeugt.

„Für mehr Wertschöpfung im ländlichen Raum braucht es neue Impulse und Kooperationen. Die Diversifizierung spielt dabei eine Schlüsselrolle – sie verbindet Wirtschaft und Landwirtschaft, schafft Arbeitsplätze und erhöht die Attraktivität unserer Regionen“, unterstrich Markus Hillebrand, Obmann-Netzwerk Kulinarik, in seinem Vortrag „Schluss mit Parallelwelten: Wie Wirtschaft und Landwirtschaft gemeinsam Wert schaffen“

Zwei Best-Practice-Betriebe zeigten bei der Veranstaltung eindrucksvoll, wie die Verbindung von Landwirtschaft und Wirtschaft in der Praxis gelingen kann. Andrea Blochberger vom niederösterreichischen Unternehmen Eis Greissler – Aus Muh wird Wow präsentierte, wie handwerkliche Milchverarbeitung und innovatives Marketing bäuerliche Wertschöpfung neu denken lassen. Durch die Kombination aus regionaler Produktion, nachhaltiger Betriebsführung und touristischer Erlebnisqualität ist ein erfolgreiches Beispiel entstanden, das weit über die Region hinausstrahlt.

Ebenso überzeugend demonstrierte Heidi Liebminger vom Wieserhof – Zeit für die Sinne in der Steiermark, wie Diversifizierung zu einem ganzheitlichen Betriebsmodell werden kann. Mit ihrem Angebot rund um Alpakawanderungen, Kreativ-Workshops, Seminar- und Auszeiträume im Grünen, den Hofladen mit hochwertigen Alpakafaser-Produkten sowie Natur-, Ruhe- und Gesundheitsangebote auf dem Bauernhof schafft sie eine Brücke zwischen Landwirtschaft, Tourismus und Bildung – und zeigt, dass neue Einkommensquellen und gesellschaftlicher Mehrwert Hand in Hand gehen können.

Plattform für Zusammenarbeit und Wissenstransfer
Nach dem offiziellen Teil bot ein informeller Ausklang Gelegenheit zur Vernetzung. Künftig wird das Stakeholder-Forum zweimal jährlich stattfinden und als österreichweite Plattform für Austausch, Wissenstransfer und Kooperation dienen. Das Forum bringt Akteurinnen und Akteure aus Landwirtschaft, Bildung, Wirtschaft, Soziales, Gesundheit, Tourismus und Regionalentwicklung zusammen. Im Mittelpunkt steht der fachliche Austausch über aktuelle und neue Formen der Diversifizierung und deren Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums. Ziel ist es, innovative Wertschöpfungsstrategien zu fördern, Arbeitsplätze zu sichern und die regionale Lebensqualität und Wertschöpfung langfristig zu stärken. Interessierte Organisationen sind herzlich eingeladen, sich aktiv einzubringen und die Zukunft des ländlichen Raums mitzugestalten.

Zu „Bildungsinitiative Diversifizierung“
An der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen inner- und außeragrarischen Partnerinnen und Partnern eine Bildungsinitiative zur Diversifizierung in der österreichischen Landwirtschaft entwickelt und umgesetzt. Im Zentrum stehen Innovation und Unternehmertum entlang der Wertschöpfungskette auf multifunktionalen landwirtschaftlichen Betrieben. Ziel ist es, die kleinstrukturierte österreichische Landwirtschaft zu stärken, indem neue wirtschaftliche Perspektiven aufgezeigt und die unternehmerischen Kompetenzen der Betriebe weiterentwickelt werden. Die Initiative leistet damit einen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung und Weiterentwicklung von Familienbetrieben in Österreich.

Projektpartner
Die Landwirtschaftskammern, die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen und die Ländlichen Fortbildungsinstitute unterstützen die Bildungsinitiative mit ihrer Expertise, ihren Netzwerken und tragen aktiv dazu bei, neue Wege in der Diversifizierung aufzuzeigen. Zudem unterstützen zahlreiche landwirtschaftsnahe Organisationen und Projekte die Initiative und werden Teil des zukünftigen Stakeholder-Forums-Diversifizierung sein.

GCC26 – Gemeinsam Zukunft beschaffen – IÖB Challenges

Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Der Aufruf für die drei Challenges startet am 04.12.2025, die besten Lösungen werden am 23. April 2026 beim großen GCC26-Event präsentiert.

  • Klimafitte Sanierung, Optimierung und Revitalisierung
    Öffentliche Gebäude und Infrastrukturen in Österreich stehen vor der Aufgabe, “klimafit” zu werden. Gesucht werden innovative Lösungen, die durch Sanierung, Optimierung und Revitalisierung die Widerstandsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit öffentlicher Bauten stärken, etwa durch neue Technologien, ressourcenschonende Materialien oder digitale Steuerungssysteme. Ziel ist es, ökologische, ökonomische und soziale Aspekte zu verbinden und die Klimaresilienz im Bestand messbar zu erhöhen.
  • Ökonomisch rentable Umweltmassnahmen
    Öffentliche Auftraggeber suchen Lösungen für Umweltmaßnahmen, die nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich rentabel sind. Ziel ist es, ganzheitliche Ansätze zu finden, die Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Ressourceneffizienz verbinden und gleichzeitig monetären oder prozesstechnischen Nutzen bringen. Gesucht werden marktfähige, skalierbare und innovative Konzepte für öffentliche Räume und Infrastrukturen.
  • Sicherheit und Schutz
    Öffentliche Auftraggeber stehen vor wachsenden Herausforderungen durch Digitalisierung, Klimawandel und globale Unsicherheiten, insbesondere im Bereich Cyber-Security, Datenschutz, Schutz vor Naturkatastrophen und stabile Lieferketten. Gesucht werden innovative Lösungen, die digitale und physische Sicherheit sowie die Resilienz von Lieferketten stärken, etwa durch Cyberabwehrsysteme, Frühwarnlösungen, Koordinationsplattformen oder Tools zur Optimierung im öffentlichen Bereich.

 

Nachlese: Regionale und überbetriebliche Ansätze zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Biodiversität

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Im Rahmen der Veranstaltung „Regionale und überbetriebliche Ansätze zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Biodiversität als Beitrag zur Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung“ am 5. November 2025 wurden aktuelle Entwicklungen zur Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung, regionale Initiativen und kooperative Modelle zur Förderung der Biodiversität im landwirtschaftlichen Kontext vorgestellt und diskutiert.

Martin Wildenberg (BMLUK) gab einen Überblick über den Stand der Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung (WHVO) in Österreich und legte dar, dass zur Erarbeitung des nationalen Wiederherstellungsplans thematische Arbeitsgruppen sowie Arbeitskreise eingerichtet wurden. Bis September 2026 soll der Wiederherstellungsplan an die Europäische Kommission übermittelt werden. Wildenberg hob hervor, dass vorhandene Daten – etwa aus dem FFH-Bericht gemäß Artikel 17 – eine wichtige Grundlage bilden, jedoch für die Planung noch durch weitere Schritte konkretisiert werden müssen. Das Füllen von Wissenslücken sieht er daher als Voraussetzung für den effizienten Einsatz verfügbarer Ressourcen. Weiters brauche es für eine erfolgreiche Formulierung des Wiederherstellungsplan gute sektorübergreifende Zusammenarbeit, einheitliche Daten- und Monitoring-Systeme, die Einbindung aller Stakeholder sowie neue Finanzierungsmöglichkeiten.

Anschließend stellte Stefan Schindler (Umweltbundesamt) die Studie „Österreichische Hotspots der Biodiversität“ vor. Die Studie identifiziert Regionen mit hoher Bedeutung für hochwertige, gefährdeter Schutzgüter (Lebensräume und Arten) und leistet so einen Beitrag zur systematischen Naturschutzplanung. Zudem wird in der Studie aufgezeigt, wie bestehende, strenge Schutzgebiete im Sinne des gezielten Naturschutzes am Besten erweitert werden könnten. Obwohl die Studie im Hinblick auf die Erfüllung der Schutzgebietsziele aus der Biodiversitätsstrategie durchgeführt wurde, können Ergebnisse und Methode auch für die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung einen wertvollen Beitrag liefern.

Christine Hörlezeder (BMLUK) gab einen Überblick über das laufende Agrarumweltprogramm ÖPUL, dessen Erfolg nicht nur durch eine hohe Teilnahme der landwirtschaftlichen Betriebe sichtbar ist, sondern unter anderem daran, dass 10% der landwirtschaftlichen Flächen (ohne Almen) biodiversitätsrelevante Flächen sind. Hörlezeder erläuterte, wie bestehende Maßnahmen des österreichischen Agrarumweltprogramms ÖPUL gebündelt wurden, um die Ziele des Artikels 11 der WHVO zu adressieren und stellt vier Maßnahmen im Detail vor.

Ergänzend berichtete Roman Portisch (Landwirtschaftskammer Niederösterreich) über die regionale Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen in Niederösterreich und regionale Schwerpunktsetzung, etwa im Waldviertel. Beispielhaft stellte er zudem die Maßnahme „Mehrnutzenhecke“ und den neuen regionalen Naturschutzplan im Lainsitztal vor, der durch einen Kulturlandschaftsverein getragen wird und sich an deutschen Landschaftspflegeverbänden orientiert. Die positive Resonanz zeige, dass regionale, praxisnahe Ansätze eine hohe Akzeptanz finden können.

Barbara Steurer (ÖKL) präsentierte das Projekt „ÖPUL verbindet“, das in vier Modellregionen erprobt, wie Biodiversitätsmaßnahmen überbetrieblich umgesetzt werden können. In enger Zusammenarbeit zwischen Landwirtinnen und Landwirten und Ökologinnen und Ökologen werden dabei Maßnahmen vor Ort geplant, ökologisch begleitet und die Wirksamkeit durch ein Monitoring überprüft. Steurer betonte die Bedeutung direkter Kommunikation mit den Landwirtinnen und Landwirten sowie der Öffentlichkeitsarbeit, um die Leistungen der Landwirtinnen und Landwirte sichtbar zu machen.

Zum Abschluss stellte Maria Höhne (Deutscher Verband für Landschaftspflege) kooperative Modelle aus den Niederlanden und Deutschland vor. In den Niederlanden werden Agrarumweltmaßnahmen ausschließlich über regionale Kollektive umgesetzt, die eigenverantwortlich Maßnahmen planen und durchführen. Dieses System habe in der Abwicklung zu höherer Flexibilität, geringerer Fehlerquote und besserer Akzeptanz bei den Betrieben geführt. Die Umweltleistung werden durch bessere räumliche und zeitliche Abstimmung der Einzelmaßnahmen erhöht. In Deutschland sind Gruppenanträge für Agrarumweltmaßnahmen möglich. Höhne stellt aus dem Projekt KOMBI – Kollektive Modelle zur Förderung der Biodiversität – die beiden erfolgreichen Pilotregionen Brandenburg und Sachsen-Anhalt vor. Das Qualifizierte Projektmanagement sei ein Knackpunkt für erfolgreiche und effektive Umsetzung. Landschaftspflegeverbände eigenen sich durch die „Drittelparität“ (Landwirtschaft, Naturschutz, Kommune/Gemeinde) als vorhandenen Strukturen gut für das qualifizierte Projektmanagement. Durch die Berücksichtigung der Landschaftsebene sieht Höhne in den „Agrarnaturschutzkooperativen“ auch großes Potenzial für einen Beitrag zur Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung.

In den Diskussionen wurde deutlich, dass regionale und kooperative Ansätze in Österreich großes Potenzial bieten, um Synergien zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung zu schaffen. Die Umsetzung der WHVO stellt jedoch erhebliche organisatorische und zeitliche Herausforderungen dar. Fehlende Daten, unklare Zuständigkeiten und fehlende dauerhafte Strukturen erschweren die Umsetzung. Besonders problematisch ist auch die noch unklare Finanzierung, vor allem außerhalb der GAP-Strukturen. Arbeitsgruppen betonten die Bedeutung lokaler Kooperationen, ergebnisorientierter Programme und regionaler Zielbilder. Notwendig sind flexible, einfach umsetzbare Maßnahmen mit sichtbarem Nutzen und angemessener Entlohnung. Zudem wurde auf die Wichtigkeit klarer Finanzierungsmodelle, Schnittstellenmanagements und der Nutzung bestehender Strukturen hingewiesen.

Nachlese: Novellierung der Ammoniakreduktionsverordnung – was bedeutet das für landwirtschaftliche Betriebe?

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Die Veranstaltung zur Novellierung der Ammoniakreduktionsverordnung am 27. Oktober 2025 zeigte die anhaltende Bedeutung der Ammoniakminderung für die österreichische Umweltpolitik. Ammoniak gilt als bedeutender Luftschadstoff, der zur Feinstaubbildung beiträgt und so gesundheitsschädlich wirkt, sowie Gerüche verstärkt. Die NEC-Richtlinie der EU verpflichtet Österreich zu einer Reduktion der Emissionen. Da das nationale Luftreinhalteprogramm (NLP) bislang keine ausreichenden Maßnahmen für die Zielerreichung aufzeigen konnte, läuft derzeit noch ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich.

Thomas Parizek (BMLUK) erläuterte, dass die Ammoniakreduktionsverordnung nach zweijährigen Verhandlungen 2023 in Kraft trat und 2024 novelliert wurde. Zentrale Punkte der Novelle sind die Abdeckungspflicht von Wirtschaftsdüngerlagerstätten, die Einarbeitungspflicht für Wirtschaftsdünger und Festmist sowie Regelungen zum Einsatz von Harnstoffdüngern.

Roland Gutwenger (Raumberg-Gumpenstein) stellte Ergebnisse aus dem Projekt TIHALO III vor und wies darauf hin, dass emissionsarme Haltungsformen wie Festmistwirtschaft zurückgehen, während tierfreundliche Laufställe höhere Emissionen verursachen. Die Weidehaltung biete großes Potenzial zur Emissionsminderung, sei aber schwer in bestehende Berechnungsmodelle einzukalkulieren.

Michael Anderl (Umweltbundesamt) präsentierte Daten der österreichischen Luftschadstoffinventur und legte dar, dass rund 50 % der Emissionen aus Stall und Lagerung, 39 % aus der Ausbringung und etwa 10 % aus Mineraldüngern stammen. Hauptverursacher seien Rinder (71 %) und Schweine (18 %). Die größten Erfolge bei der Emissionsminderung resultierten aus rückläufigen Viehbeständen und Mineraldüngemengen, der Einführung von Systemen zur bodennahen Gülleausbringung sowie der raschen Einarbeitung von Gülle und Festmist.

Andreas Pacholski (Thünen-Institut, Deutschland) berichtete, dass die NH₃-Emissionen in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich gesunken sind. Hauptursachen der Reduktion seien die Düngeverordnung mit geringeren Stickstoffaufwendungen, N-optimierte Fütterung sowie die Pflicht zur Einarbeitung von Gülle und Verwendung von Urease-Inhibitoren bei Harnstoff. Eine weitere Rolle spiele der Rückgang der Tierbestände. Zusätzlich habe die verbesserte Ausbringtechnik entscheidend zur Minderung der Emissionen beigetragen.

Franz-Xaver Hölzl (Boden.Wasser.Schutz.Beratung, LK Oberösterreich) betonte, dass die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern der effektivste Ansatzpunkt sei. Freiwillige Teilnahmeprogramme im Rahmen von ÖPUL hätten bereits große Fortschritte gebracht. Eine verpflichtende bodennahe Ausbringung – wie in Deutschland oder der Schweiz – solle in Österreich vermieden und Landwirtinnen und Landwirte daher aufgerufen werden, freiwillig an Maßnahmen zur Ammoniakreduktion teilzunehmen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die größten Herausforderungen in den Bereichen technische Umrüstung und Wirtschaftlichkeit liegen. Teure Investitionen in Stalltechnik oder organisatorische Hindernisse bei der Umsetzung bodennaher Gülleausbringung sowie Dokumentationspflichten erfordern erhebliche Unterstützung. Gleichzeitig müsse mehr Bewusstseinsbildung und Forschung betrieben werden, um freiwillige Maßnahmen zu fördern. Zusammenfassend wurde betont, dass Österreich zwar Fortschritte erzielt hat, aber das 2030-Reduktionsziel nur erreichbar ist, wenn Landwirtschaft, Verwaltung und Forschung gemeinsam agieren. Die Evaluierung 2026 wird entscheidend dafür sein, ob weiterhin auf Freiwilligkeit gesetzt werden kann oder verbindliche Maßnahmen – etwa ein Harnstoffverbot oder die verpflichtende bodennahe Ausbringung – eingeführt werden müssen.

Publikation: Bewertung der Digitalisierung im Rahmen der GAP-Strategiepläne

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Natürliche Ressourcen

Dieser thematische Bericht, der vom Europäischen Evaluierungs-Helpdesk für die GAP im Rahmen der thematischen Arbeitsgruppe (TWG) zur Bewertung der Digitalisierung im Rahmen der GAP-Strategiepläne erstellt wurde, schafft ein gemeinsames Verständnis des theoretischen Rahmens, der die Rolle der Digitalisierung im Agrar- und Lebensmittelsektor und in ländlichen Gebieten definiert, und stellt sicher, dass alle Interessenträger eine einheitliche Perspektive auf den digitalen Wandel haben. Darüber hinaus bietet sie praktische Lösungen für die Ermittlung digitalisierungsbezogener Interventionen und die Entwicklung einer robusten Interventionslogik für die Digitalisierung im Rahmen der GAP-Strategiepläne. Schließlich werden wichtige Überlegungen für die Strukturierung und den Ansatz für umfassende Bewertungen der Digitalisierung im Rahmen der GAP-Strategiepläne dargelegt.

Publikation: Grobe Schätzung des Bodenschutzpotenzials der GAP-Strategiepläne für den Zeitraum 2023-2027

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Die Studie enthält eine eingehende Analyse des Bodenschutzpotenzials der GAP-Strategiepläne für den Zeitraum 2023-2027 in 13 Mitgliedstaaten.

Das Hauptziel dieser Studie besteht darin, das Potenzial der GAP-Strategiepläne (LSP) zum Schutz und zur Verbesserung des Zustands landwirtschaftlicher Böden auf der Grundlage der darin enthaltenen Programmplanungsinformationen und der potenziellen Auswirkungen der von ihnen unterstützten landwirtschaftlichen Verfahren auf die Bodengesundheit zu bewerten. In der Studie wurden die CSP von 13 Mitgliedstaaten analysiert: Tschechien, Deutschland, Dänemark, Griechenland, Spanien, Finnland, Ungarn, Italien, Luxemburg, Lettland, den Niederlanden, Polen und Rumänien.

Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die potenziellen Beiträge verschiedener landwirtschaftlicher Praktiken und Interventionen zur Bodengesundheit und unterstreicht die Notwendigkeit gezielter und wirksamer politischer Entscheidungen. Er unterstreicht ferner, wie wichtig es ist, robuste Datenbanken wie die Evidenzbibliothek für landwirtschaftliche Praktiken der GFS zu unterhalten, um die Gestaltung und Bewertung der Politik mit fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu unterstützen.

Erste internationale AKIS Konferenz – Ein Blick in die Zukunft der landwirtschaftlichen Wissens- und Innovationssysteme

Innovation

Im Rahmen des EU-Projekts modernAKIS (Projektleitung: Ländliches Fortbildungsinstitut Österreich) fand am 22. Oktober 2025 in Budapest die erste internationale AKIS-Konferenz unter dem Motto „Quo Vadis AKIS?“ statt. Ziel war es, die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Wissens- und Innovationssysteme (AKIS) in Europa zu reflektieren und Impulse für die Zeit nach 2027 im Kontext der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu setzen.

Über 250 Teilnehmende aus ganz Europa nutzten die Veranstaltung als Plattform für Austausch, Diskussion und für gemeinsame Lernprozesse.

Wo stehen wir und wohin geht die Reise?

Der Vormittag widmete sich politischen Entwicklungen, unterschiedlichen Perspektiven aus der Praxis und der Rolle landwirtschaftlicher Beratung. Es wurden Elemente der von der EU-Kommission vorgeschlagenen GAP-Regelungen ab 2028 vorgestellt, wie die Stärkung von AKIS-Strukturen und die Förderung von Innovation sowie Wissensflüssen. Auch die Bedeutung von Beratungssystemen und deren Einbindung in nationale AKIS-Strategien wurde hervorgehoben. Der Vorschlag des neuen Finanzierungsmodells ab 2028 wurde von den Teilnehmenden kritisch hinterfragt, insbesondere für seine mögliche Schwächung eines wirkungsvollen AKIS und somit der europäischen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe.

Eine europaweite Studie, die im Rahmen des Projekts modernAKIS in Zusammenarbeit mit IALB, EUFRAS und SEASN durchgeführt wurde, gab Einblick in Qualifikationen, Erfahrungen und Unterstützungsbedarfe von landwirtschaftlichen Beraterinnen und Beratern. Dabei wurde deutlich, wie wichtig methodische Kompetenzen, kontinuierliche Weiterbildung und bessere Vernetzung sind, um den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis zu stärken.

Lernen aus der Praxis am Nachmittag

Am Nachmittag standen Erfahrungen aus EIP-AGRI-Projekten und praxisorientierter Forschung im Mittelpunkt. Eine Evaluierung von EIP-AGRI-Projekten aus Schweden lieferte Erkenntnisse zu Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und Verbesserungspotenzialen. Empfehlungen betrafen unter anderem die Innovationsfähigkeit, die Integration in den Markt und die Zieldefinition auf Programmebene.

Ein weiterer Beitrag thematisierte die strategische Ausrichtung von Forschung zur Unterstützung von Innovation. Dabei wurden Ansätze wie regulatorische Testfelder und ergänzende Förderinstrumente vorgestellt, um die Verbindung zwischen Forschung, Politik und Praxis zu verbessern.

Interaktive Workshops und Austauschformate

Neben den Plenarvorträgen bot die Konferenz interaktive Workshops zu Themen wie Beratung, thematische Netzwerke, regionale Entwicklung und AKIS-unterstützende Projekte. Verschiedene europäische Initiativen brachten ihre Erfahrungen und Perspektiven ein und förderten den Austausch zu gemeinsamen Herausforderungen und Lösungsansätzen.

Publikation: Bewertung der Strategien für den Generationswechsel in den EU-Mitgliedstaaten

Lebensmittelversorgung
Lebensqualität

Die Studie untersucht die jüngsten Trends beim Generationswechsel in der EU-Landwirtschaft unter besonderer Berücksichtigung sozioökonomischer und struktureller Hindernisse für den Generationswechsel, einschließlich solcher, die die Kluft zwischen den Geschlechtern vertiefen. Er stellt politische Instrumente zusammen und klassifiziert sie, wobei erfolgreiche Strategien und bewährte Verfahren hervorgehoben werden, die in allen Mitgliedstaaten repliziert werden könnten, einschließlich derjenigen, die die Nachfolge von Frauen in landwirtschaftlichen Betrieben unterstützen.