OG: Keyline-Design in der Praxis: Landwirtschaft als Partner für Hochwasserschutz, Klimawandelanpassung und Biodiversität
Der Klimawandel führt in Österreich zu einer Zunahme von Starkregenereignissen, längeren Trockenperioden und einer steigenden Variabilität der Niederschläge. Landwirtschaftliche Betriebe sind dadurch zunehmend von Oberflächenabfluss, Bodenerosion, lokalen Überflutungen sowie Wasserknappheit in Trockenphasen betroffen. Gleichzeitig fehlen praxistaugliche Planungsgrundlagen für Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in der Fläche. Das Projekt untersucht und bewertet daher unter österreichischen Bedingungen Keyline-Systeme, ein Ansatz zur standortangepassten Landschaftsplanung und Wasserführung, der Niederschlagswasser gezielt in der Landschaft zurückhält, die Infiltration fördert und die Wasserverfügbarkeit im Boden verbessert. Durch die Schaffung bzw. Wiederherstellung strukturreicher Landschaftselemente können Keyline-Systeme zusätzlich einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und zur Verbesserung der Habitatvernetzung leisten. Durch die Zusammenarbeit von Praxisbetrieben, Beratung, Forschung und Planung werden Erfahrungen unter realen Bedingungen gesammelt, bewertet und in übertragbare Planungshilfen, Qualitätsstandards und Handlungsempfehlungen für Praxis, Beratung und Behörden aufbereitet. Ziel ist es, die Anwendung von Keyline-Systemen nachvollziehbar, bewertbar und übertragbar zu machen. Auf Pilotbetrieben mit unterschiedlichen Ausgangssituationen werden bestehende und neu geplante Keyline-Systeme analysiert, geplant, optimiert und hinsichtlich ihrer Umsetzung bzw. Umsetzungsreife begleitet und dokumentiert. Dazu werden zunächst Standortdaten erhoben und Keyline-Planungen erstellt. Diese werden mithilfe hydraulischer Simulationen hinsichtlich Oberflächenabfluss, Wasserretention, Bodenwasserverfügbarkeit und Erosionsrisiken untersucht, um Wirkungen auf Wasserrückhaltung, Bodenerosion, Wasserinfiltration und Bodenwasserspeicherung quantitativ zu bewerten. Ergänzend werden praktische Erfahrungen der Betriebe zu Planung, Umsetzung, Bewirtschaftung und Pflege systematisch erfasst sowie Informationen zu Arbeitsaufwand, Pflegebedarf, Bewirtschaftbarkeit und Wirtschaftlichkeit erhoben. Internationale Praxisbeispiele werden analysiert und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf österreichische Rahmenbedingungen bewertet. Die Ergebnisse werden standortübergreifend ausgewertet, um Wirkungszusammenhänge, Erfolgsfaktoren und Anwendungsgrenzen zu identifizieren. Hydraulische Simulationen und Praxiserfahrungen fließen gemeinsam in die Ableitung von Planungs- und Bemessungsgrundlagen für unterschiedliche Standorttypen ein. Als Projektergebnisse werden Qualitätsstandards, Musterplanungen, Handlungsempfehlungen und Entscheidungshilfen entwickelt und öffentlich verfügbar gemacht. Dadurch erhalten Landwirtinnen und Landwirte, Beraterinnen und Berater sowie Behörden eine fundierte Grundlage für die Planung und Bewertung von Maßnahmen zur Wasserrückhaltung, Klimaanpassung und Erosionsminderung in der landwirtschaftlichen Praxis. Die Verbreitung der Ergebnisse erfolgt über Demonstrationsaktivitäten, Fachveranstaltungen, Publikationen und digitale Formate, um den Wissenstransfer in die breite Praxis sicherzustellen und die Umsetzung von Keyline-Systemen in Österreich zu fördern.
