OG: Klimakompass Landwirtschaft – Praxisgeprüfte Orientierungshilfe für aktive Klimaschutz-Entscheidungen auf Tierhaltungsbetrieben
Die zunehmende Nachfrage von Verbänden und Lebensmittelverarbeitern nach betrieblichen Klimabilanzen stellt Tierhaltungsbetriebe vor große Herausforderungen: Während sie Produktionsdaten bereitstellen müssen, erhalten sie oft nur begrenzte Rückmeldungen zur Auswertung und Umsetzung der Ergebnisse. Das Projekt „Klimakompass Landwirtschaft“ setzt genau hier an. Es unterstützt Tierhaltungsbetriebe dabei, Klimabilanzen nicht nur zu erstellen, sondern deren Aussagekraft zu verstehen und konkret betriebliche Klimaschutzmaßnahmen abzuleiten. Über die Projektbegleitung von Pilotbetrieben entstehen praxistaugliche Lösungen, die ökologische Verantwortung mit ökonomischem Nutzen verbinden, vor allem durch effizientere Ressourcennutzung und gezielte Emissionsreduktion. Im Zentrum stehen 17 ausgewählte Tierhaltungsbetriebe mit Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung, die während der Projektlaufzeit intensiv betreut werden. Der Prozess beginnt mit fundierter Unterstützung bei der Datenerhebung für die Klimabilanzerstellung. In interaktiven Workshops entwickeln die Projektbetriebe gemeinsam mit dem Projektteam geeignete Klimaschutzmaßnahmen, wobei die spezifischen Bedürfnisse und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedes Hofes berücksichtigt werden. Parallel begleiten speziell ausgebildete Klimaberaterinnen und Klimaberater der Landwirtschaftskammern den Umsetzungsprozess vor Ort. Dieser dialogorientierte Ansatz sorgt dafür, dass Klimaschutz nicht als fremdbestimmte Auflage wahrgenommen wird, sondern als eigenständiges Gestaltungsfeld. Die gesammelten Praxiserfahrungen fließen kontinuierlich in die Erstellung zweier zentraler Dokumente ein, nämlich eines Handbuchs für Landwirtinnen und Landwirte sowie eines Leitfadens für Beraterinnen und Berater. Die Methode kombiniert theoretisches Grundlagenwissen mit praktischer Anwendung. Rechtsfragen rund um Klimabilanzierung, Dateninterpretation und die kommerzielle Verwertung von Klimaschutzleistungen werden ebenso behandelt wie konkrete Produktionstechniken zur Emissionsreduktion. Besonders wichtig ist die Multiplikatorwirkung: Geschulte Klimaberaterinnen und -berater bleiben auch über die Projektlaufzeit hinaus aktiv und geben ihr Wissen weiter. Als konkrete Outputs entstehen das praxiserprobte Handbuch „Klimakompass Landwirtschaft für Tierhaltungsbetriebe“ und der Leitfaden „Klimaschutzberatung für tierhaltende Betriebe“. Ersteres bietet Entscheidungshilfen für zukünftige Dokumentationserfordernisse von Handel und Verarbeitung, letzterer liefert Beraterinnen und Beratern fundierte Strategien für die Betriebsumsetzung. Die 17 Projektbetriebe erzielen messbare Reduktionen ihrer Treibhausgasemissionen und profitieren gleichzeitig von verbesserter Ressourceneffizienz. Sie fungieren künftig als Klimahöfe und teilen ihre Erfahrungen mit anderen Landwirtinnen und Landwirten. Langfristig soll eine nachhaltige Beratungsstruktur etabliert werden, die Klimabilanzierung als Chance statt als Bürokratieaufgabe positioniert. Dissemination erfolgt durch die beiden Publikationen, Schulungen von Beraterinnen und Beratern und die Multiplikatorenrolle der Pilotbetriebe. Damit wird die Fähigkeit der österreichischen Tierhalterinnen und Tierhalter gestärkt, aktiv Klimaentscheidungen zu treffen und Klimaschutz zum betrieblichen Vorteil zu nutzen.
