Nachlese: Alternative Finanzierungsmodelle für Naturschutz in der Landwirtschaft

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Im Rahmen der Veranstaltung wurde diskutiert, wie Leistungen der Landwirtschaft für Biodiversität, Landschaft und Ökosysteme künftig stärker finanziell abgegolten und langfristig gesichert werden könnten.

Lena Schaller (Universität für Bodenkultur) erläuterte, dass viele Ökosystemleistungen gesellschaftlich wertvoll seien, jedoch keinen Marktpreis hätten, weshalb unterschiedliche Modelle von ergebnisorientierten Förderungen über Wertschöpfungsketten und freiwillige Märkte bis zu Beiträgen von Konsumentinnen und Konsumenten notwendig seien. Daran anschließend stellte Marlene Baldinger (BMLUK) die auf EU-Ebene diskutierten Nature Credits vor, welche messbare positive Veränderungen in Ökosystemen honorieren und privates Kapital mobilisieren sollen, wobei Fragen der Messbarkeit, monetären Bewertung, des Greenwashings und des Verwaltungsaufwands noch offen seien.
Judith Drapela-Dhiflaoui (Netzwerk Zukunftsraum Land) präsentierte mit der Biodiversitätstaxe einen Ansatz, bei dem insbesondere Übernachtungsgäste einen Beitrag zur Erhaltung der Landschaft leisten könnten, wobei dafür klare Regelungen zur Mittelverwendung und zu den begünstigten Maßnahmen und Akteur erforderlich wären. Stefan Kirchweger (STUDIA Austria) zeigte am Beispiel der Berglandwirtschaft in der Nationalpark-Kalkalpen-Region, dass neue regulatorische Anforderungen den Bedarf an messbaren Biodiversitätsleistungen erhöhen würden und daher neue, möglichst bürokratiearme Geschäftsmodelle erforderlich seien.
Einen bereits praktisch erprobten Ansatz stellte Wolfgang Wachmann (Inspeira GmbH) mit dem Projekt BeeWild vor, bei dem über die Vermarktung von Lebensmitteln artenreiche Naturräume auf landwirtschaftlichen Flächen geschaffen werden und Artenschutz zu einem Produktmerkmal wird. Ergänzend berichtete Diana Reuter (Käserei Wörle) über Kooperationen mit Heumilchbetrieben, durch die mit praxistauglichen Maßnahmen und Sensibilisierung der Landwirte eine deutliche Zunahme der Wildbienenarten auf den von den Betrieben bewirtschafteten Flächen erreicht werden konnte.
Den Abschluss bildete Franz Steinegger (Gemeinde Grundlsee) der den „Grundlseer Landschaftspflegefonds“ ins Leben gerufen hat, um über Spenden den verbliebenen 25 landwirtschaftlichen Betrieben in Grundlsee, die Wiesen und Almen pflegen, eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen zu können.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass eine österreichweite einheitliche Lösung kurzfristig als wenig realistisch eingeschätzt wird, und daher zunächst auf regionale Modelle und Kooperationen gesetzt werden sollte. Besonders dem Tourismus wurde eine wichtige Rolle zugeschrieben, da die Kulturlandschaft einen wesentlichen Bestandteil der regionalen Identität und touristischen Attraktivität darstellt. Diskutiert wurden freiwillige Beiträge von Gästen, Aufrundungsmodelle beim Bezahlen in Betrieben oder Geschäften einer Region sowie Kooperationen der Landwirtschaft mit Tourismusverbänden und Landschaftspflegevereinen.
Als weiterer Ansatz wurden Kompensationsfonds diskutiert, über die Mittel aus Infrastrukturprojekten oder anderen Eingriffen gebündelt und gezielt in regionale Biodiversitätsmaßnahmen investiert werden könnten. Für den Bereich Handel und Konsum wurde vor allem ein stärkeres Bewusstsein der Konsumenten für Biodiversität und das Konzept „Lebensraum“ als notwendig erachtet. Bildung, emotionale Kommunikation und eine nachvollziehbare Kennzeichnung von Lebensmitteln könnten dazu beitragen, Artenschutz stärker mit Konsum zu verbinden. Gleichzeitig wurde vor einer unübersichtlichen Zunahme von Labels gewarnt und die Bedeutung unabhängiger Zertifizierung und transparenter Dokumentation hervorgehoben.
Auch Unternehmenskooperationen und Sponsoring wurden als vielversprechende Finanzierungswege gesehen. Als Herausforderungen wurden rechtliche Fragen, Greenwashing, administrativer Aufwand und das Fehlen geeigneter Vermittlungsstellen genannt. Regionale „Kümmerer“ könnten hier zwischen Landwirtschaft und Unternehmen vermitteln.

Insgesamt wurden klare rechtliche Rahmenbedingungen, geringe Bürokratie, geeignete Monitoringinstrumente sowie langfristige Konzepte als wesentliche Voraussetzungen dafür gesehen, dass Naturschutzleistungen der Landwirtschaft zu einer verlässlichen zusätzlichen Einkommensquelle werden könnten.

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