Neutal MUBA – Frauen am Bau
Mit der Sonderausstellung „Frauen am Bau“ sollen die Leistungen der Frauen speziell in der Bauwirtschaft und die Veränderung ihrer Aufgaben im Laufe der Zeit gezeigt werden. Das 20-jährige Bestands-Jubiläum des MUBA (Museum für Baukultur) in Neutal bietet die Gelegenheit, das Leben und Wirken der Frauen am Bau damals und heute zu beleuchten und in anschaulicher Form gegenüberzustellen. Die Ausgangssituation der „Frau am Bau“ war in der Vergangenheit grundlegend anders als heute. Es zählte nicht der Wunsch und die Freude an einer Tätigkeit auf einer Baustelle, sondern die Notwendigkeit, Geld zu verdienen und zum Familieneinkommen beizutragen. Die sogenannten „Mörtelweiber“ waren keine Entscheidungsträgerinnen, sondern Befehlsempfängerinnen. Heute hat sich das Aufgabengebiet der „Frau am Bau“ geändert und es ist die Architektin oder Baumeisterin, die ihr Können einbringt.
Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?
- Das Projekt zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie stark sich die Rolle der Frau in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat.
- Mit einem Blick auf die schwierige Situation von Frauen auf Baustellen legt die Ausstellung einen speziellen Fokus auf einen Bereich, in dem die Rolle von Frauen oft unterschätzt wird.
- Durch die Ausstellung soll das Thema vor allem Kindern nähergebracht werden, die sich diesem Teil ihrer regionalen Geschichte vielleicht noch gar nicht bewusst sind.
Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen
Das MUBA (Museum für Baukultur Neutal) hat bisher die Baugeschichte des Burgenlandes erzählt. So auch jene der Neutaler Frauen, deren Männer wochentags auf Wiener Baustellen arbeiteten, während sie daheim Wirtschaft und Familie allein trugen.
Die neue Ausstellung geht einen Schritt weiter: Sie erzählt die Geschichte der Frauen am Bau.
Am Anfang stehen die Mörtelfrauen: Vom späten 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts mischten sie auf Wiener Großbaustellen Mörtel und trugen ihn zu den Maurern. Meist von Vätern, Brüdern oder Onkeln mitgenommen, arbeiteten sie als schlecht bezahlte Hilfskräfte, aus Not, weil es am Land keine Arbeit gab. Viele junge Frauen aus Neutal verdienten sich so in Wien ihr Geld … bis zur Heirat, danach war meist Schluss.
Heute ist das anders: Frauen arbeiten am Bau aus freier Wahl, oft als Spezialistinnen und in Führungspositionen. Der Weg dahin war lang und von Vorurteilen geprägt.
Die Ausstellung zeigt zudem den Wandel der Bauarbeit selbst: von reiner Handarbeit zu Maschinen, vom Reißbrett zum Computer, die Geschichte der Arbeitssicherheit und den Strukturwandel der Berufe – alte Berufsfelder verschwinden, traditionelles Handwerk erlebt eine Renaissance.
Das Muba Neutal konnte mit der Unterstützung von LEADER immer wieder Projekte umsetzen. Damit leisten diese Projekte einen wesentlichen Beitrag zur Wahrung des kulturellen Erbes der Region. Durch dieses Projekt wurde eine große Lücke geschlossen: es blickt auf die Rolle der Frau am Bau und ihre Entwicklung bis hin zur aktuellen Rolle. Die Entwicklung, und vor allem die Betrachtung „der Frau am Bau“, ist ein oft übersehenes Thema. Und doch ist es ein Thema, das für die Region eine besondere Bedeutung hat. Um ein Verständnis für die vielfältigen Rollen aufzubauen, die Frauen in der Vergangenheit annahmen (und auch auf die Missstände, die damit einhergingen, hinzuweisen), war die Förderung dieser Ausstellung unabdingbar.
Ziele des Projekts
- Es sollte eine identitätsstiftende Maßnahme durchgeführt werden
- Es sollte für Kinder anschaulich gestaltet werden, um die wichtigen Inhalte weiterzugeben und zur Reflexion zu motivieren
- Es sollte ein spannender Teil der regionalen Geschichte historisch aufgearbeitet werden
- Es sollte ein oft vergessener Blickwinkel auf Baukunst im Burgenland beleuchtet werden
Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen
- Ideenfindungsphase
- Konzepterstellung und Objektrecherche; Ausschreibung Gestalter:innen
- Einreichung Projekt
- Grober Objektauswahl für die Ausstellung, Fotosuche, explorative Interviews zum Thema
- Filmproduktion zum Thema (Drehbuch und Umsetzung) für die Ausstellung
- Festlegung der Objektmontage, Werbung und Ankündigung festlegen (Adressat:innen, Gestaltung von Einladung und Plakat; Festlegung der Eröffnungsfeierlichkeiten)
- Verfassen der Texte für Ausstellung und Katalog
- Aufbauarbeiten, Versand von Einladungen, Plakatierarbeiten
- Anbringen der Texttafeln
- Eröffnungsfeierlichkeiten
–> Die Ausstellung ist als Sonderaustellung für Besucher:innen nun kostenfrei zu besuchen
Ergebnisse und Wirkungen quantitativ
- Steigerung der Besucher:innenzahlen im MUBA
- Ein neues Angebot zur Attraktivierung der Region als Tourismusziel
- Ein weiteres Ausflugsziel für Schulen
Ergebnisse und Wirkungen qualitativ
Das Projekt wirkt vor allem durch seinen immateriellen Wert. Dies liegt vor allem daran, dass die Darstellung der Frau im Wiederaufbau und auch ihre Aufgaben am Bau einzigartig ist. Die unterschiedlichen Zielgruppen (beispielsweise Schüler:innen) hätten ansonsten keine Möglichkeit, sich so intensiv mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen. Damit entfaltet das Projekt eine wichtige bildende Wirkung.
Innovation
Dieses Thema wurde noch in keinem anderen österreichischen Museum bearbeitet – es handelt sich also um eine thematische Innovation.
Einbeziehung von jungen Menschen
Bei der Gestaltung der Ausstellung wurde darauf geachtet, für junge Menschen spannende Vermittlungsweisen zu bieten. Dazu gehört auch eine Mitmachstation in der Ausstellung. Schulen sind zudem eine zentrale Zielgruppe der Ausstellung, da das Thema häufig keinen Platz im normalen Schulunterricht findet.
Einbeziehung von Frauen
Frauen waren ein wesentlicher Bestandteil des Projektes. Einerseits wird ein wesentlicher Teil der Geschichte der Frauen in der Region bearbeitet, andererseits waren auch im Team der Ausstellung viele Frauen aktiv. Kuratiert wurde die Ausstellung so von der Ausstellungsmacherin in des Landesmuseums Burgenland, Elke Ferderbar. Zudem wurden durch Interviews und Recherchearbeiten viele Zeitzeuginnen in das Projekt eingebunden.
Die Zielgruppe der Schülerinnen profitiert zudem davon, dass vergangene und aktuelle Tätigkeiten von Frauen in der Baubranche durch die Ausstellung aktiv gegenübergesetzt werden. Das fördert die Identitätsstiftung und Reflexion der Schülerinnen.
Die wichtigsten Lernerfahrungen
Der entscheidendste Erfolgsfaktor für das Projekt war der professionelle Zugang, der durch die vom Land Burgenland vermittelte Kuratorin erreicht werden konnte. So konnte das komplexe und anspruchsvolle Thema schlussendlich gut und greifbar in der Ausstellung präsentiert werden.
