Nachlese: „Wirtschaftlichkeit unterschiedlicher Intensitäten in der landwirtschaftlichen Produktion“
Im Zentrum des Webinars am 16. Oktober 2026 standen die wirtschaftlichen Chancen und Herausforderungen unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensitäten sowie deren Auswirkungen auf Umwelt und betriebliche Resilienz.
Zu Beginn präsentierte Julian Zeilinger (Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen) Buchführungsergebnisse österreichischer Ackerbaubetriebe aus den Jahren 2023 bis 2025. Die Auswertung zeigte, dass Low-Input-Betriebe durch geringere Aufwendungen für Düngemittel und Pflanzenschutz trotz niedrigerer Erträge ähnliche oder tendenziell höhere Einkünfte als Standardbetriebe erzielen können. Aufgrund kleiner Stichproben und unterschiedlicher Standortbedingungen sind diese Ergebnisse allerdings vorsichtig zu interpretieren.
Wie sich solche Einsparungen in der landwirtschaftlichen Praxis umsetzen lassen, erläuterte anschließend Franz Grötschl (Verein Boden.Leben). Er setze auf seinem Betrieb unter anderem auf vielfältige Zwischenfruchtgemenge, ganzjährige Bodenbedeckung, reduzierte Bodenbearbeitung sowie den Einsatz innovativer Maschinen. Dadurch sollen Bodenleben, Humusaufbau und Wasserspeicherung gefördert sowie Arbeitszeit und Diesel eingespart werden. Gerade in trockenen Regionen seien zusätzliche Ertragssteigerungen häufig begrenzt, weshalb ein geringerer Aufwand bei etwas niedrigeren Erträgen wirtschaftlich sinnvoll sein könne.
Den Blick auf die Grünlandwirtschaft und Milchproduktion richtete Michael Eder (Universität für Bodenkultur). Sein Vergleich intensiver mit extensiver Produktionssysteme zeigte, dass auf Low-Input-Betrieben vor allem bei Futtermitteln, Abschreibungen und Instandhaltung geringere Kosten anfallen. Während die Einkünfte je Arbeitskraft annähernd vergleichbar seien, fallen jene je Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche geringer aus. Gleichzeitig reagieren Low-Input-Betriebe weniger empfindlich auf Kostensteigerungen, können aber bei hohen Produktpreisen weniger stark profitieren. Neben dem Standort spielen dabei Marktbedingungen, öffentliche Zahlungen und das betriebliche Management eine entscheidende Rolle.
Dass sich unterschiedliche Produktionsintensitäten auch auf die Tierhaltung und Arbeitsorganisation auswirken, verdeutlichte Stefan Kirchweger (STUDIA Austria) anhand der kuhgebundenen Kälberaufzucht. Zu den Vorteilen selbiger zählen vitale Kälber, gute Tageszunahmen, positives Sozialverhalten und mögliche Arbeitszeiteinsparungen. Dem stehen geringere Milcherlöse, ein höherer Platzbedarf und Herausforderungen bei der Kuh-Kalb-Trennung gegenüber. Flexible Stalllösungen, angepasstes Management und geeignete Vermarktungsstrategien seien daher wichtige Voraussetzungen für die Wirtschaftlichkeit.
Neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten wurde auch die Bedeutung ökologischer Leistungen hervorgehoben. Walter Starz (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) stellte die abgestufte Grünlandnutzung als Möglichkeit vor, Biodiversität und landwirtschaftliche Produktion miteinander zu verbinden. Standortangepasste Bewirtschaftung fördere Bestäuber und natürliche Gegenspieler von Schädlingen und stärke die Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimaextremen. Voraussetzung sei, dass die Extensivierung nicht zu weit gehe und die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibe. Ein praktisches Beispiel lieferte Alois Kiegerl vom Bauernhof Priegl in Trahütten. Auf seinem Mutterkuhbetrieb betreibt er Direktvermarktung und Urlaub am Bauernhof, setze sich für gemeinschaftliche Maschinennutzung ein und bewirtschaftet die weiter vom Hof entfernten Flächen als Naturschutzflächen. Öffentliche Gelder und zusätzliche Einkommensquellen seien für die wirtschaftliche Tragfähigkeit wesentlich.
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es keine allgemeingültige Antwort auf die Wirtschaftlichkeit extensiver oder intensiver Bewirtschaftung gibt. Entscheidend sind die jeweiligen Standortbedingungen, insbesondere die Wasserverfügbarkeit, die Marktsituation, Förderbedingungen und das betriebliche Management. Am Beispiel der abgestuften Grünlandnutzung wurde betont, dass Fördermodelle flexibler und stärker an regionale Gegebenheiten angepasst werden sollten. Die Diskussionsteilnehmenden sprachen sich daher für mehr regionale Zusammenarbeit, gezielte Bildungs- und Beratungsangebote sowie Forschung zu geeigneten Maschinen und Bewirtschaftungsmethoden aus. Regionale Versuchs- und Vorzeigebetriebe könnten dazu beitragen, Wissen zu verbreiten und neue Ansätze in der Praxis zu erproben.
