Die Zukunft der Region: Jugend-Empowerment durch LEADER

Lebensqualität

Netzwerk Zukunftsraum Land steht 2026 im Zeichen des Jahresthemas #WeiterDenken – Zukunft mit der nächsten Generation gestalten. Wir fokussieren unsere Arbeit also auf die Potentiale, die uns generationenübergreifendes Arbeiten bietet, um den Herausforderungen unserer (künftigen) Zeit zu begegnen. Besonders spannend ist hierbei die Arbeit mit der Jugend, um das Wissen, die Kreativität und die Kraft dieser Generation für künftige Entwicklungen zu nutzen. LEADER ist dafür das ideale Werkzeug. Durch den konsequenten Bottom-up-Ansatz und sektorübergreifende Methoden schafft LEADER Räume, in denen Jugendliche Gestaltungsmacht bekommen. Das Ergebnis? Treffsichere Projekte und eine stärkere Bindung der nächsten Generation an ihre Region.

Aber wie wird dieses Potential in den österreichischen Regionen konkret genutzt? Welche Maßnahmen setzen LEADER-Regionen um, um ihre Regionen mit der Jugend zu gestalten? In diesem Artikel widmen wir uns einigen ausgewählten Projekten aus ganz Österreich, die im Bereich des Jugendempowerments zukunftsweisende Wege gehen. Wir blicken auf Projekte, die Räume für die Jugend schaffen, Strukturen für Jugendarbeit forcieren, kreativen Ausdruck fördern, Ideen der Jugend nutzen und die (Mit-)Gestaltung in Projekten ermöglichen. 

Eine wichtige Basis – Räume für die Jugend und Arbeit mit der Jugend

Im vorarlbergischen Klostertal mangelte es an Räumlichkeiten für Jugendarbeit. Unter starker Einbindung der Jugendlichen in der Region, gerade auch bei der Gestaltung des Außenraums, wurde im Rahmen des Projekts Außenraum Jugend in der LEADER-Region Regio-V ein neuer Jugendtreff geschaffen, der nicht nur den Bedürfnissen der regionalen Jugend entspricht, sondern auch die Mitgestaltung des eigenen Lebensraums ermöglicht. 

Hat man als Region bereits eine solche Basis, so ist die zielgerichtete, inklusive und kontinuierliche Jugendarbeit entscheidend, um eine Einbindung der Jugend in die Gestaltung zu erleichtern und ihre Lebensumstände in den Regionen zu verbessern. Österreichweit gibt es zahlreiche Projekte, die sich der Jugendarbeit widmen. Mit dem Projekt Regionale Jugendarbeit behandelt die LEADER-Region Römerland Carnuntum genau dieses Thema. Durch vielfältige Angebote mobiler Jugendarbeit und niederschwelliger Beratung versucht man, die Bindung zwischen Jugend und ihrer Region zu erhöhen und die Beziehung zwischen Generationen zu verbessern. Um ähnlich intensive und niederschwellige Jugendarbeit überhaupt erst zu ermöglichen, wurde in der LEADER-Region Elsbeere-Wienerwald im Zuge des Projektes Jugend Elsbeere Wienerwald (JEP) zunächst eine große Sozialraumanalyse durchgeführt, um Handlungsbedarfe zu eruieren und erste konkrete Projektideen zu entwickeln. Außerdem wurde ebenfalls intensive Jugendarbeit und Streetwork durchgeführt, um die Jugendlichen in ihren Lebenswelten abzuholen. Darauf aufbauend verfolgt die Region in der aktuellen Förderperiode mit dem Projekt JEP SMILE das Ziel, die mentale Gesundheit von Schülerinnen und Schülern zu fördern und Schulen als resiliente Lern- und Lebensorte zu stäken – die Förderung eines positiven Lebensumfeldes ist schließlich ein wesentlicher Grundbaustein in der Arbeit mit Jugendlichen.

Inklusion und Outreach – Die Zielgruppe erreichen

Für die Jugendarbeit ist entscheidend, auch schwer erreichbare Gruppen zu integrieren. Hier setzte das Projekt Offene Jugendarbeit in der Kulturregion Melk an, ein Kooperationsprojekt der LEADER Regionen Wachau-Dunkelsteinerwald und Mostviertel-Mitte. Durch maßgeschneiderte Aktivitäten sollen Gruppen, die durch traditionelle Angebote nicht erreicht werden können, einerseits in ihrer Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung unterstützt werden und andererseits Möglichkeiten bekommen, ihre Freizeit und ihr Lebensumfeld zu gestalten. 

Diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensumfeld ist auch bei anderen LEADER-Projekten wie Jugend im Puls (Mühlviertler Alm) oder Jugend im Wipptal – zwischen Gehen und Bleiben (LAG Regionalmanagement Wipptal) zentral. Eine gezielte Methodenvielfalt und das Ansetzen an jenen Punkten, an denen klassische Vereinsarbeit an ihre Grenzen stößt, ist bei Projekten dieser Art von besonderer Bedeutung. Durch viel Beziehungsarbeit und die Attraktivierung der Lebensumstände wird so versucht, die Bindung der Jugendlichen zu ihrer Heimatregion zu stärken.

Kreativität fördern – Stimmen hören

Wichtig bei der Arbeit mit Jugendlichen ist auch, dass man ihnen vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten bietet, um ihre Kreativität zu fördern und damit die Fähigkeit zur Meinungsäußerung zu unterstützen. In diesem Bereich sind beispielsweise die Projekte Next Generation View (Traunsteinregion) oder My view – Jugend macht Filmdokus (Biosphäre Lungau) aktiv. In Workshops wird die Fähigkeiten von Jugendlichen im Filmemachen gefördert, um sich mit den Besonderheiten der Region auseinanderzusetzen und eine Kommunikationsplattform zu schaffen. 

Das Entwickeln von Kommunikationsmöglichkeiten hilft dabei, neuee Wege zum Austausch und Generieren von Ideen zu erschließen. Jugendliche bringen frische Perspektiven in alt eingesessene Strukturen und können so einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft leisten. Im Projekt NextGen.Weinviertel (Region Weinviertel Ost) geht es vor allem um die Einbindung von Jugendlichen in Gemeindeentwicklungsprozesse und das Entwickeln von Projektideen, die auch gemeindegrenzenübergreifend Wirkung zeigen. Auch das Etablieren eigener Jugendparlamente stand hier im Fokus.

In der Region Mühlviertler Alm sind diese Bestrebungen ebenfalls Kern der Arbeit. Mit den Projekten Jugend tut was und Jugend mischt mit wird versucht, Jugendliche über unterschiedliche Wege mit ihren Gemeinden in Kontakt zu bringen und ihnen Möglichkeiten zu bieten, eigene Projektideen einzubringen. Dabei erhalten die Jugendlichen auch Unterstützung dabei, selbst aktiv zu werden und diese Projekte wirklich umzusetzen. Der Anspruch, Projektideen nicht nur zu generieren, sondern auch Strukturen zu schaffen, die dabei unterstützen, diese umzusetzen, ist auch beim Projekt Zukunft.Joglland von großer Bedeutung. Genutzt werden dabei Formate wie ein Ideenwettbewerb und eigene Workshops. Die Ergebnisse dieses Projektes werden nun in einem eigenen Folgeprojekt weiterverwendet.

Jugendliche zur Gestalterinnen und Gestaltern von Gegenwart und Zukunft machen

Dieses Ermöglichen der eigenen Umsetzung von Projektideen, also das Übertragen von tatsächlicher Gestaltungsmacht an Jugendliche, ist die wohl bedeutendste Stufe des Empowerments von Jugendlichen. In der Traunsteinregion etwa wurden mit dem Projekt Youth Region zahlreiche Maßnahmen gesetzt, die es Jugendlichen zu ermöglichen, ihre eigenen Ideen Realität werden zu lassen. Dazu gehört die Betreuung der Jugendlichen, deren regionale Vernetzung und auch die Etablierung von kleinregionalen Jugendräten. Dabei wurden auch Unterstützungsstrukturen für die Umsetzung von Projektideen der Jugendlichen geschaffen. Das beinhaltet sowohl Beratungsangebote als auch finanzielle Mittel, begleitet von kontinuierlicher Bewusstseinsbildung.. 

Ein ähnliches LEADER-Projekt wurde auch in der Region Regio Schwaz durchgeführt. Bei Kindergemeinderat Vomp, Terfens stand, wie der Name bereits vermuten lässt, ebenfalls die Gründung eines Jugendgemeinderates im Vordergrund. Spannend ist hier auch, auf welche Altersstufen fokussiert wurde, nämlich vor allem Kinder zwischen der dritten Klasse Volksschule und der ersten Klasse Mittelschule oder Gymnasium. Mit dem Kindergemeinderat wurde ein Gremium geschaffen, das als offizielles Vertretungsorgan der Kinder in den Gemeinden Vomp und Terfens dient. Neben der Entwicklung von Projektideen liegt besondere Bedeutung auch auf deren Umsetzung, wofür ein eigenes Budget zur Verfügung gestellt wurde, über dessen Verwendung gemeinschaftlich entschieden wird. Damit werden die Kinder nicht nur aktive Beteiligte der Gestaltung ihrer Umwelt, sondern sammeln auch bereits in jungem Alter praktische Erfahrungen mit Politik. Damit sind sie nicht nur Bürgerinnen und Bürger von morgen, sondern Gestalterinnen und Gestalter der Gegenwart.

Die Projektbeispiele zeigen, wie viel LEADER zum #weiterdenken beitragen kann. Durch verschiedene Zielsetzungen und unterschiedliche Ausmaße der Beteiligung leisten sie alle unglaublich wichtige Arbeit, um das Potential der Jugend für die Entwicklung der Regionen zu nutzen und gleichzeitig die Bindung dieser Generation zu ihren Regionen zu stärken. Im wahrsten Sinne des Wortes zeigen die Projektbeispiele, wie es gelingen kann, Zukunft mit der nächsten Generation zu gestalten.

Und dennoch handelt es sich hier nur um eine Auswahl von Projekten, die keineswegs den Anspruch einer vollständigen Übersicht über alle Projekte des Jugendempowerments in Österreich hat. Die Bearbeitung dieses Themas mit LEADER ist so vielfältig, wie die 83 LEADER Regionen selbst. Am Ende zeigt die Arbeit in diesen Regionen jedoch deutlich: wer heute Mut zum #weiterdenken hat, baut das Fundament für ein erfolgreiches Morgen.

Umfrage zur extensiven Beweidung in Österreich

Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Im Rahmen des Projekts WIN #landwirtschaft haben der Verein Hirtenkultur, Suske Consulting und BirdLife Österreich Weidetierhalter*innen befragt und die Umfrageergebnisse nun veröffentlicht.

Eine extensive, auf den Standort angepasste Beweidung ist ein Schlüsselfaktor für mehr Artenvielfalt, gesunde Böden und auch für den Klimaschutz. In den außeralpinen Regionen Österreichs ist die Beweidung als ehemals traditionelle Bewirtschaftungsform großteils in Vergessenheit geraten, ein Wiedereinstieg für Landwirt:innen oftmals schwierig. Auf der anderen Seite denken Landwirt:innen, die noch die Weidetierhaltung betreiben, an deren Aufgabe. Weidewirtschaft reduziert sich mehr und mehr auf Betriebe mit viel Idealismus oder günstige Lagen.

Mit der Veranstaltungsreihe WIN #Beweidung soll eine Austauschplattform für Behörden, landwirtschaftlichen Praktiker:innen, Vertreter:innen der Landwirtschaftskammern, Vertreter:innen des Naturschutzes und anderen Stakeholder:in nen geschaffen werden. Gemeinsam sollen im Rahmen von Workshops Empfehlungen und Lösungsvorschlägen zur Förderung Beweidung im außeralpinen Raum in Österreich entwickelt werden.

Als Vorbereitung zu den Workshops wurde eine Umfrage unter Weidetierhalter:innen durchgeführt, um relevante Herausforderungen sowie potenzielle Konzepte und Ideen zur Umsetzung einer extensiven Beweidung bis hin zur Behirtung zu erfassen.

Kommission startet eine Plattform für Frauen in der Landwirtschaft

Geschlechtergleichstellung
  • Ziel der Initiative ist es, Frauen in der Landwirtschaft zu stärken, ihre Vernetzung zu fördern und den Austausch von Erfahrungen und Best Practices zwischen Landwirtinnen in der EU zu ermöglichen.
  • Frauen spielen eine wichtige Rolle für Innovation, Nachhaltigkeit und Diversifizierung in ländlichen Regionen, sind jedoch weiterhin unterrepräsentiert: Nur etwa 32 % der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU werden von Frauen geführt.
  • Die Plattform soll ein EU-weites Netzwerk von Landwirtinnen schaffen, das den Austausch von Erfahrungen, Wissen und bewährten Praktiken zwischen Frauen in der Landwirtschaft ermöglicht.
  • Ein zentrales Element der Plattform ist der Aufbau eines Mentoring-Netzwerks, in dem erfahrene Landwirtinnen jüngere oder angehende Landwirtinnen durch praktische Beratung, Wissensaustausch und etwaige Unterstützung begleiten.
  • Das können sowohl individuelle Treffen als auch Gruppenformate umfassen und sich auf praktische Themen wie Betriebsführung, Marktstrategien, Diversifizierung, Innovation oder langfristige Planung konzentrieren.
  • Die Plattform wird außerdem einen Online-Kommunikation (über Microsoft Teams) bieten, der mithilfe einer Übersetzungstechnologie Kommunikation in allen 24 EU-Amtssprachen ermöglicht und eine grenzüberschreitende Unterhaltung erleichtert.
  • Die Mitglieder selbst können Themen und Formate der Zusammenarbeit mitgestalten, sodass sich die Plattform an den tatsächlichen Bedürfnissen von Frauen in der Landwirtschaft orientiert.

Anmeldung und Teilnahme:

  • Interessierte Personen, die in der EU leben und in der Landwirtschaft oder in einem landwirtschaftsnahen Bereich tätig sind, können sich für eine Mitgliedschaft in der Plattform bewerben.
  • Für die Teilnahme an der Plattform ist ein aktives Microsoft-365-Konto erforderlich, das den Zugang zu SharePoint und Microsoft Teams ermöglicht. Außerdem müssen Teilnehmende über die nötigen technischen Voraussetzungen verfügen, etwa einen aktuellen Webbrowser und eine stabile Internetverbindung.

Bewerbungsfrist: 30. April 2026

Lehrgang „Mobilität für Alle” – Zukunftsfähige Mobilität in Ihrer Gemeinde gestalten

Lebensqualität

Das Klimabündnis Österreich bietet dieses Jahr im März und Mai einen neuen Mobilitätslehrgang für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Verwaltungsmitarbeitende oder ganz einfach Mobilitätsinteressierte an, bei dem man sich zu kommunalen Mobilitätsbeauftragten weiterbilden kann. Im Mittelpunkt steht die wesentliche Frage, wie Mobilität in Gemeinden so gestaltet werden kann, dass sie für alle Menschen gut funktioniert – für Kinder, Menschen mit Behinderung und ältere Personen ebenso wie für Berufspendlerinnen und Berufspendler oder andere Alltagsnutzende.

In zwei kompakten Modulen zu je zwei Tagen erhalten die Teilnehmenden fundiertes Basiswissen zur Entwicklung einer zukunftsfähigen, ökologischen und sozial gerechten Mobilität, abgestimmt auf die Anforderungen von Städten, Bezirken und Gemeinden. Der Lehrgang legt besonderen Fokus auf Bevölkerungsgruppen, die in der Mobilitätsplanung oft zu wenig berücksichtigt werden. Ziel ist es, Gemeinden konkrete Werkzeuge und Strategien an die Hand zu geben, um Mobilität nachhaltig, inklusiv und alltagstauglich zu gestalten.

Ein zusätzlicher Vorteil: Der Lehrgang wird von einigen Bundesländern zusätzlich gefördert (etwa in Oberösterreich mit 50 %, in Niederösterreich mit 75 %, in Salzburg mit 50 %), wodurch eine Teilnahme besonders attraktiv wird.

Im Zuge einer befristeten Sonderaktion bietet das Klimabündnis Österreich die Restplätze des Lehrgangs aktuell um einen reduzierten Aktionspreis von 500€ exkl. USt. an.

Das vorläufige Programm sowie alle Details finden Sie hier: https://www.klimabuendnis.at/lehrgang-mobilitaet-fuer-alle/.

MOOC zur finanziellen Absicherung von Frauen in nationale Finanzbildungsstrategie aufgenommen

Lebensqualität

Unser Online-Selbstlernkurs „Finanzielle Absicherung von Frauen im ländlichen Raum“ wurde in die nationale Finanzbildungsstrategie des Bundesministerium für Finanzen aufgenommen.

Damit wird die Bedeutung finanzieller Bildung für Frauen im ländlichen Raum auch auf nationaler Ebene unterstrichen. Finanzielle Eigenständigkeit und soziale Absicherung sind zentrale Voraussetzungen für Selbstbestimmung, unternehmerisches Handeln und langfristige Perspektiven – sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext.

Der MOOC (massive open online course) bietet praxisnahe Informationen, Hintergrundwissen und konkrete Ansatzpunkte rund um finanzielle Absicherung. Als kostenloser Online-Selbstlernkurs ermöglicht er eine flexible und ortsunabhängige Weiterbildung und richtet sich an Frauen im ländlichen Raum ebenso wie an Multiplikator:innen und Interessierte.

Die Aufnahme in die nationale Finanzbildungsstrategie stellt einen wichtigen Schritt dar, um das Thema stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken und nachhaltige Strukturen für mehr Chancengleichheit zu schaffen.

Alternativen für die Zukunft der Jugendlichen aus dem ländlichen Raum – Sommerschule 2026

Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Dieses immersive fünftägige Programm bietet eine einzigartige Gelegenheit, neue Narrative, Fähigkeiten und ortsbezogene Ansätze zur Unterstützung ländlicher Jugendlicher in ganz Europa zu erkunden. Durch interaktive Sitzungen, von Expert:innen geleitete Diskussionen und Praxiserfahrungen werden die Teilnehmer:innen Forschung, Politik und Praxis in einer wirklich internationalen Lernumgebung verbinden.

  • Austausch zwischen Forscher:innen und Praktiker:innen
  • Starker Fokus auf ländliche Jugend, Innovation und Gemeindeentwicklung.
  • Teilnahmezertifikat und digitales Abzeichen 

Datum: 07. – 11. September 2026

Dauer: 40 Stunden (Lerneinheiten, Workshops, Exkursionen)

Kosten:
Early bird (bis 30. April 2026): € 400,- exkl. MWSt.
Regulär (bis 30. Juni 2026): € 475,- exkl. MWSt.
Inkludiert sind die Teilnahme an allen Aktivitäten, Unterrichtsmaterial, Mittagessen und Kaffeepausen und 5 Übernachtungen mit Frühstück in Angra do Heroismo

Ökosystemleistungen in der Land- & Forstwirtschaft – eine wissenschaftliche Einordnung 

Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Wie viel ist uns Bestäubung wert? Was kostet verlorene Bodenfruchtbarkeit – und welchen Preis hat eine vielfältige Kulturlandschaft? Der Beitrag von Martin Schönhart zeigt, welche unverzichtbaren Leistungen Agrar- und Forstökosysteme für unsere Gesellschaft erbringen, wie Landwirtschaft und Politik dieses Leistungsportfolio beeinflussen – und warum es entscheidend ist, Ökosystemleistungen künftig besser zu erfassen, zu steuern und auch finanziell anzuerkennen.

Leistungen aus agrarischen, forstwirtschaftlichen und natürlichen Ökosystemen sind für uns Menschen unersetzbar. Land- und Forstwirtschaft verändern gezielt das Portfolio an Ökosystemleistungen und Agrarpolitiken greifen wiederum steuernd in das Management ein, um gesellschaftliche Ziele zu erreichen.

Ökosystemleistungen (ÖSL) sind materielle und immaterielle Leistungen, die Ökosysteme bereitstellen. Sie können von Menschen direkt genutzt werden. In der Kategorie bereitstellende oder versorgende ÖSL sind das Güter wie Wasser für den Verzehr oder die Energieproduktion oder die pflanzliche und tierische Biomasse zur Nutzung als Nahrungsmittel, Tierfutter, industrielle Rohstoffe oder Energieträger. Selbst mineralische Ressourcen lassen sich hier zuordnen. Zu den regulierenden ÖSL zählen Prozesse in Ökosystemen, die oft nicht unmittelbar von Menschen genutzt werden, aber von enormer Bedeutung für die Regulationsfähigkeit des Systems Erde und damit eine Grundlage menschlichen Lebens sind. Darunter fallen die Nährstoffkreisläufe, die Bestäubungsleistung durch Insekten, die Erosionsminderung durch die Vegetation, die Verbreitung von Samen, die Krankheits- und Schädlingsbekämpfung, die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit oder der Abbau von Biomasse. Kulturelle ÖSL als dritte Kategorie beeinflussen die mentale und körperliche Gesundheit der Menschen. Die Natur dient dabei als Ort der Freizeitgestaltung, der kulturellen und spirituellen Inspiration und ist identitätsstiftend, denkt man etwa an das „Land der Berge, Land am Strome“.

Biodiversität ist als Begriff für die Vielfalt an Erbgut, Arten und Lebensräumen keine Kategorie der ÖSL, aber eine entscheidende Grundlage für deren Qualität, Quantität und Stabilität. Beispielsweise können artenreiche Ökosysteme höhere Biomasseerträge bereitstellen durch die Nutzung ökologischer Nischen. Umgekehrt fällt die Bereitstellung und die Regulation von Habitaten und damit die Lebensraumqualität in den Bereich der ÖSL.

„Wo Licht ist, findet sich auch ein Schatten.“ Im Falle von ÖSL sind es jene im Englischen als „disservices“ bezeichneten Leistungen, die für Menschen nachteilig sind. Beispiele dafür sind der Ausbruch einer Tierseuche oder die allergene Wirkung von Pollen.

Land- und Forstwirtschaft erbringen als wirtschaftliche Aktivitäten des Menschen keine ÖSL, beeinflussen aber durch die gezielte Veränderung der Ökosysteme deren Qualität und Quantität. ÖSL stehen zueinander in Wechselwirkungen woraus sich Synergien und Zielkonflikte ergeben können. In Agrarökosystemen werden, im Vergleich zu einem natürlichen Ökosystem mit geringen menschlichen Eingriffen, bestimmte ÖSL erhöht (z.B. Biomasseerträge von Kulturpflanzen) auf Kosten anderer (z.B. Kohlenstoffspeicherung, Erosionskontrolle). Manche Disservices entstehen erst durch menschliche Eingriffe, zum Beispiel die Resistenzen von Beikräutern gegenüber Wirkstoffen. Andere ÖSL sind eine Folge der Jahrhunderte dauernden landwirtschaftlichen Nutzung, etwa die für Menschen oft als schön empfundenen naturnahen Kulturlandschaften.

Die Entwicklungen der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten, darunter neue Agrartechnologien, Betriebsmittel und landschaftliche Strukturen, veränderten das Portfolio an ÖSL. Der Fokus und die Möglichkeiten für bereitstellende ÖSL führten in manchen Regionen und Produktionssystemen zu einer Verringerung anderer Leistungen sowie einem Rückgang der Biodiversität. In der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) und in der nationalen Umsetzung, aktuell im Rahmen des GAP-Strategieplans, wurde die Erhaltung von Biodiversität und bestimmten ÖSL zu einem zentralen Ziel, das mit unterschiedlichen Instrumenten verfolgt werden kann, darunter gesetzliche Vorschriften oder Prämien im Rahmen von Agrarumweltprogrammen.

Die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) arbeitet im Rahmen ihrer Forschungsaktivitäten an diesem zentralen Themenbereich. Im Projekt GreeNet (siehe Info-Box) werden beispielsweise innovative agrarpolitische Instrumente entwickelt und im Rahmen der Evaluierungstätigkeiten bestehende Instrumente wie das ÖPUL analysiert. Mit der Organisation eines Workshops gemeinsam mit Partner:innen des Umweltbundesamtes, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der BOKU University wurde der Stand des Wissens zur Quantifizierung und Monetarisierung von Ökosystemleistungen in der Land- & Forstwirtschaft erhoben (siehe Info-Box) und damit ein Umsetzungsschritt der Vision 2028+ erreicht.

Autor: Martin Schönhart, Mag.Dipl.-Ing. Dr.

Info-Box

In der Vision 2028+ setzten agrarpolitische Akteure das Ziel: „Ökosystemleistungen sind monetär honoriert und die Diversität nachhaltiger Betriebe durch abgestimmte Förder- und Qualitätsprogramme gesichert“ (https://www.landwirtschaft.at/prozessvision2028/).

Im Workshop „Quantifizierung und Monetarisierung von Ökosystemleistungen in der Land- & Forstwirtschaft – Daten, wissenschaftliche Methoden & politische Instrumente“ wurde dieses Ziel diskutiert. Umfangreiche Informationen zu den Workshopinhalten (Videos, Protokoll, Präsentationen) finden sich auf der Internetseite der BAB: https://bab.gv.at/index.php?option=com_content&view=article&id=2541:quantifizierung-und-monetarisierung-von-oekosystemleistungen-in-der-land-forstwirtschaft-workshopergebnisse&catid=140&lang=de&Itemid=569

Das Netzwerk Zukunftsraum Land stellt in einem Video Grundsätzliches zu Ökosystemleistungen der Land- und Forstwirtschaft vor: https://youtu.be/Hp0pM9nQobU

Das internationale Projekt GreeNet wird von der BAB geleitet. Es erforscht die Chancen zur Erhaltung von ÖSL und Biodiversität durch eine verstärkte Kooperation von Landwirt:innen (https://greenet.boku.ac.at/)

Umfassende Informationen zu Ökosystemleistungen finden sich in den Angeboten des Umweltbundesamtes (https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/landnutzung/oekosystemleistungen) und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (https://raumberg-gumpenstein.at/tags/tag/oekosystemleistung/seeds.html)

Wichtige internationale wissenschaftliche Quellen zu ÖSL beziehungsweise dem verwandten Konzept der „Nature’s Contributions to People“ (NCP) sind die Publikationen des „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services“ (IPBES) (https://www.ipbes.net). Eine umfassende Klassifikation der ÖSL bietet die CICES Datenbank (https://cices.eu/).

Europa-Staatspreis 2026

Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Mit dem Europa-Staatspreis wird außerordentliches Engagement von Bürgerinnen und Bürgern sowie Organisationen zur Förderung des Europabewusstseins und Europaverständnisses in Österreich ausgezeichnet. Der Europa-Staatspreis prämiert die besten Projekte und Initiativen in 3 Kategorien:

  • Europa erklären
  • Europa verändern
  • Europa gestalten

Jetzt bis 20. März einreichen!

Innovations-Kapazitäten in Regionen stärken!

Unkategorisiert

Region und Innovation – passt das zusammen? Ja, natürlich! Regionale „Innovations-Ökosysteme“ haben das Potenzial, neue Lösungen zur Deckung gesellschaftlicher Bedürfnisse zu entwickeln und einzuführen, die verschiedene Lebensbereiche, Akteur:innen und Sektoren miteinander verbinden. Menschen und Organisationen kennen sich, teilen oft ähnliche Erfahrungen und Herausforderungen und können deshalb schneller und zielgerichteter zusammenarbeiten und gemeinsame Aktivitäten an für sie passende Zielbilder ausrichten. Wirtschaft, Soziales, Bildung, Klima oder Umwelt wirken als politische und administrative Bereiche im regionalen Kontext oft verbundener als auf Landes-, nationaler oder europäischer Ebene.

Dennoch gibt es bestimmte Voraussetzungen, damit Regionen jenseits punktueller Innovationen erfolgreich auch einen Beitrag zu größeren gesellschaftlichen Veränderungen (Transformationen) leisten. Diese Voraussetzungen können zusammengefasst als „Innovations-Kapazitäten“ bezeichnet werden.

Eine neue Broschüre des BMLUK im Rahmen der Regionen-Dialog-Plattform möchte innovative Akteur:innen vor Ort darin unterstützen, diese Kapazitäten aufzubauen und weiterzuentwickeln. Sie präsentiert zahlreiche Anregungen („Hacks“) zur Mitgestaltung von Innovationssystemen und für eine noch wirksamere, transformative Umsetzung von Vorhaben. Diese Broschüre dient zugleich als begleitende Unterstützung bei der Umsetzung der GSP-Fördermaßnahme „Ländliche Innovationssysteme“ (77-03).

Im Mittelpunkt steht die Einführung neuer Ideen, Praktiken, Produkte oder Dienstleistungen mit dem Ziel, Wohlstand und Lebensqualität in der Region nachhaltig zu verbessern – etwa durch die gezielte Steigerung der regionalen Wertschöpfung oder durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und digitaler Anwendungen für starke regionale Wirtschaftskreisläufe.