Rückblick auf den EU-GAP-Netzwerk-Workshop: Lernen von österreichischen Best Practices
Über 80 Teilnehmende aus 20 Mitgliedstaaten der EU, darunter über 20 Landwirtinnen und Landwirte, tauschten ihre Erfahrungen aus und besichtigten österreichische Erfolgsbeispiele.
Alternative Kulturpflanzen spielen bei der Lebensmittelerzeugung noch immer eine untergeordnete Rolle, obwohl sie viel Potenzial für die klimaangepasste Diversifizierung der Anbausysteme und für neue Marktchancen und Einkommensquellen bergen. Der zweitägige Workshop zielte darauf ab, praktische Erfahrungen und innovative Ansätze zu teilen, wie die landwirtschaftliche Produktion in den europäischen Regionen mit klimaresilienten Alternativkulturen gestärkt und sozioökonomisch widerstandsfähiger werden kann.
„Im österreichischen Innovationsökosystem gibt es herausragende Operationelle Gruppen und andere fortschrittliche Projekte für den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung innovativer Produkte aus Alternativkulturen. Wir haben deshalb Österreich als den idealen Veranstaltungsort für diesen Workshop ausgewählt.“ (Pacome Eyenga, Team Leader Support Facility for Innovation & Knowledge Exchange im EU GAP Netzwerk)
Der erste Tag widmete sich Keynotes und Podiumsdiskussionen über den Anbau von Eiweißpflanzen im Klimawandel sowie der Wissensvermittlung. Zudem wurden Strategien erörtert, um den Flächenanteil alternativer Kulturen zu erhöhen. Am Nachmittag fanden Exkursionen zu vier österreichischen Best Practices im Weinviertel statt. Das Netzwerk Zukunftsraum Land hat bei der Auswahl und Organisation der besichtigen Projekte unterstützt:
- Neuland.Bio (Raggersdorf): ist ein innovativer Bio-Landwirtschaftsbetrieb, der Pionierarbeit in der Erdnussproduktion in Österreich leistet. Wegen Klimawandel und Trockenheit begann der Betrieb 2016 mit dem Anbau von Bio-Erdnüssen, die direkt am Hof zu Bio-Erdnussbutter und Bio-Erdnussöl weiterverarbeitet werden.
- Genusskoarl (Wolkersdorf): nimmt eine Vorreiterrolle bei der Verarbeitung regionaler, pflanzlicher Bio-Rohstoffe zu innovativen, geschmacksintensiven Produkten wie Würzsaucen und Miso ein. Das Unternehmen verbindet Tradition mit modernen kulinarischen Trends und legt Wert auf kreatives Produktdesign.
- ÖsterReis (Gerasdorf): ist ein wegweisender österreichischer Landwirtschaftsbetrieb, der zeigt, wie der Reisanbau als klimafreundliche Alternative erfolgreich an die österreichischen Bedingungen angepasst werden kann. Der Betrieb baut Reis nach dem Trockenanbausystem an und verarbeitet ihn zu Reismehl, Kleie und Reisbier.
- Das Projekt KICAT (Förderung des Kichererbsenanbaus als trockenstresstolerante, proteinhaltige Alternativkultur in Österreich) der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) untersucht das Potenzial der Kichererbse als klimaresistente Kulturpflanze. In Feldversuchen werden Erkenntnisse zu diversen Sorten, Pflanzengesundheit, Qualitätseigenschaften und Ertragsstabilität gewonnen und verbreitet.
Am zweiten Workshop-Tag wurden Herausforderungen und Lösungsansätze für die Entwicklung erfolgreicher Vermarktungsstrategien für alternative Kulturen diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen des Marktzugangs, des Aufbaus von Wertschöpfungsketten sowie die Rolle von Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Forschung und Handel. In interaktiven Sessions erarbeiteten die Teilnehmenden, wie hier die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Regionen weiter gestärkt werden kann, insbesondere unter Berücksichtigung regionaler Rahmenbedingungen für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung.
Der Workshop machte insgesamt deutlich, dass alternative Kulturen nicht nur eine wichtige Antwort auf den Klimawandel darstellen, sondern auch neue wirtschaftliche Chancen für landwirtschaftliche Betriebe eröffnen können. Die vorgestellten österreichischen Beispiele zeigten eindrucksvoll, wie Innovation, Forschung und unternehmerischer Mut bereits heute erfolgreich zusammenspielen. Die Teilnehmenden nahmen wertvolle Impulse, neue Kontakte und konkrete Ideen für die Umsetzung in ihren jeweiligen Regionen mit – mit dem gemeinsamen Ziel, die Diversifizierung der europäischen Landwirtschaft weiter voranzubringen und ihre Widerstandsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

