BMLUK Kompetenzzentrum Gemeinden ab 4. Mai online verfügbar!

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Ab 4. Mai geht das BMLUK Kompetenzzentrum Gemeinden mit seiner Landingpage info-gemeinden.at online und steht als zentrale Anlaufstelle für Gemeindeangelegenheiten in den Bereichen Land-, Forst-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft sowie Umwelt- und Klimaschutz und Biodiversität zur Verfügung – kooperativ, koordinierend und praxisorientiert. Gemeinden werden von Angeboten und Services des BMLUK zur Stärkung ihrer Gemeinde profitieren.

  • Gemeinde-Hotline 0800 190 166
  • Lernen von guten Beispielen heimischer Pioniere
  • Überblick über die Förderangebote des BMLUK
  • österreichweite Exkursionen zur Orts- und Stadtkernstärkung

Mit der monatlichen Gemeinde-Info online – „Halb Zehn im BMLUK“ bleiben Bürgermeister:innen und Amtsleitungen laufend über aktuelle Themen informiert. Die Einladung dazu ist bereits an alle Bürgermeister:innen ergangen.

Nachbericht zur Thematic Group ‘Unlocking the Potential of Cooperation’

Innovation
Klimaschutz
Lebensmittelversorgung

Kooperationen spielen eine zentrale Rolle für die Zukunftsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Thematic Group (TG) des EU CAP Netzwerks dem Thema „Unlocking the Potential of Cooperation“ und veröffentlichte im April 2026 ihre wichtigsten Ergebnisse. Die Arbeiten der Thematic Group bauten unmittelbar auf den Erkenntnissen der Thematic Group on Economic Vulnerability of Farming auf, die bereits zentrale Herausforderungen für landwirtschaftliche Betriebe identifiziert hatte.

Das Treffen der Thematic Group fand am 11. Dezember 2025 in Brüssel statt. Die Gruppe setzte sich aus Expertinnen und Experten aus zahlreichen EU‑Mitgliedstaaten sowie aus Organisationen, Verbänden und Beratungsstrukturen zusammen. Diese Vielfalt an Perspektiven ermöglichte eine umfassende Analyse der Potenziale und Hemmnisse von Kooperationen im europäischen Agrarsektor und die Rolle und Potentiale der GAP, um diese zu unterstützen. Es zeigte sich, dass in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Kooperationen in einer Vielzahl von Varianten umgesetzt werden. Diskutierte Beispiele umfassten Erzeugerorganisationen, Genossenschaften, oder gemeinschaftlich getätigte Investitionen beispielsweise in Verarbeitungsstrukturen sowie vertikale Kooperationen zwischen landwirtschaftlichen Betrieben.

Strukturelle Bedingungen für den Erfolg von Kooperationen

Im Rahmen der Thematic Group wurden mehrere strukturelle Bedingungen identifiziert, die erfüllt sein müssen, damit Kooperationen nachhaltig erfolgreich sein können. Dazu zählen ein dedizierter, agiler Entwicklungspfad für landwirtschaftliche Genossenschaften – unabhängig von Größe oder Standort –, zertifizierte und gut ausgebildete Beratungsdienste sowie ein One‑Stop‑Shop, der Beratung, Training, Coaching, Mentoring und Wissensaustausch bündelt. Ebenso wichtig sind ein förderliches politisches Umfeld mit erweiterten Instrumenten der Gemeinsamen-Markt-Ordnung, die Anerkennung EU‑weiter Organisationen und flexible Investitionsmechanismen. In diesem Zusammenhang betonte die Thematic Group die hohe Relevanz der Vielfalt der landwirtschaftlichen Betriebe in der Europäischen Union und die besondere Bedeutung von Kooperationen für die Resilienz kleinerer Betriebe sowie die Stärkung kurzer Versorgungsketten, um Produzentinnen und Produzenten und Konsumentinnen und Konsumenten enger zu verbinden.

Zentrale Handlungsfelder entlang des Kooperationsprozesses

Die Thematic Group identifizierte mehrere zentrale Handlungsfelder entlang des gesamten Kooperationsprozesses. Ein Schwerpunkt liegt im Bereich Kommunikation und Einbindung der Landwirtinnen und Landwirte, und hier insbesondere auf der Verbreitung guter Praxis-Beispiele, dem Aufbau von Datenbanken mit bestehenden Erzeugerorganisationen sowie der Förderung von Peer‑Learning. Demonstrationsbetriebe sollen erfolgreiche Projekte sichtbar machen und weitere Betriebe zur Umsetzung motivieren.

Ein weiteres wesentliches Feld ist der Kapazitätenauf- und ausbau im Bereich der Beratung und Forschung. Die Ttematic Group hob die Bedeutung enger Partnerschaften zwischen Forschung, Beratung und Praxis hervor. Neu gegründete Kooperativen sollen gezielt durch Training, Mentoring, rechtliche Unterstützung und Governance‑Weiterbildung (Verwaltung innerhalb der Kooperationen) begleitet werden. Themen wie Transparenz, Konfliktmanagement, Soft Skills und Vertrauensbildung gelten als entscheidend für eine stabile Organisationsentwicklung.

Auch Finanzierung und Risikomanagement spielen eine zentrale Rolle. Die Thematic Group empfiehlt, den Zugang zu Krediten zu verbessern, Risiken stärker gemeinsam zu tragen und Investitionen in bauliche Infrastruktur, Verarbeitung und Marketing zu erleichtern. Innovative Finanzierungsmodelle – etwa gemeinschaftliche Investitionen oder urbane Unterstützungsmodelle – können zusätzliche Impulse setzen.

Fazit und Schlussfolgerungen

Abschließend betonte die Thematic Group die große Bedeutung geeigneter politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen. Dazu gehören klare rechtliche Rahmenbedingungen, eine stärkere Einbindung von LAGs in frühen Entwicklungsphasen sowie die Nutzung von Ergebnisindikatoren und blended finance, um Kooperationen langfristig zu stärken und ihre Wirkung sichtbar zu machen.

Insgesamt zeigt die Thematic Group eindrucksvoll, dass gezielte Unterstützung, geeignete Rahmenbedingungen und starke Partnerschaften entscheidend sind, um das volle Potenzial von Kooperationen für eine widerstandsfähige europäische Landwirtschaft zu erschließen.

Der Ergebnisbericht in Form eines Fact-Sheets kann hier abgerufen werden: Unlocking the Potential of Cooperation – Key outcomes of the Thematic Group | EU CAP Network

Weiters verfügbar sind eine Beispielsammlung für erfolgreiche Umsetzungen von Kooperationen in der europäischen Landwirtschaft (Examples of cooperation among farmers to support businesses’ income and resilience | EU CAP Network)
sowie abgeleitete Empfehlungen zu Maßnahmen, um Kooperationen in der Landwirtschaft zu fördern (Promoting cooperation amongst farmers | EU CAP Network).

Rückblick auf den EU-GAP-Netzwerk-Workshop: Lernen von österreichischen Best Practices

Lebensqualität

Über 80 Teilnehmende aus 20 Mitgliedstaaten der EU, darunter über 20 Landwirtinnen und Landwirte, tauschten ihre Erfahrungen aus und besichtigten österreichische Erfolgsbeispiele. 

Alternative Kulturpflanzen spielen bei der Lebensmittelerzeugung noch immer eine untergeordnete Rolle, obwohl sie viel Potenzial für die klimaangepasste Diversifizierung der Anbausysteme und für neue Marktchancen und Einkommensquellen bergen. Der zweitägige Workshop zielte darauf ab, praktische Erfahrungen und innovative Ansätze zu teilen, wie die landwirtschaftliche Produktion in den europäischen Regionen mit klimaresilienten Alternativkulturen gestärkt und sozioökonomisch widerstandsfähiger werden kann. 

Im österreichischen Innovationsökosystem gibt es herausragende Operationelle Gruppen und andere fortschrittliche Projekte für den Anbau, die Verarbeitung und die Vermarktung innovativer Produkte aus Alternativkulturen. Wir haben deshalb Österreich als den idealen Veranstaltungsort für diesen Workshop ausgewählt.“  (Pacome Eyenga, Team Leader Support Facility for Innovation & Knowledge Exchange im EU GAP Netzwerk)

Der erste Tag widmete sich Keynotes und Podiumsdiskussionen über den Anbau von Eiweißpflanzen im Klimawandel sowie der Wissensvermittlung. Zudem wurden Strategien erörtert, um den Flächenanteil alternativer Kulturen zu erhöhen. Am Nachmittag fanden Exkursionen zu vier österreichischen Best Practices im Weinviertel statt. Das Netzwerk Zukunftsraum Land hat bei der Auswahl und Organisation der besichtigen Projekte unterstützt:

  • Neuland.Bio (Raggersdorf): ist ein innovativer Bio-Landwirtschaftsbetrieb, der Pionierarbeit in der Erdnussproduktion in Österreich leistet. Wegen Klimawandel und Trockenheit begann der Betrieb 2016 mit dem Anbau von Bio-Erdnüssen, die direkt am Hof zu Bio-Erdnussbutter und Bio-Erdnussöl weiterverarbeitet werden.
  • Genusskoarl (Wolkersdorf): nimmt eine Vorreiterrolle bei der Verarbeitung regionaler, pflanzlicher Bio-Rohstoffe zu innovativen, geschmacksintensiven Produkten wie Würzsaucen und Miso ein. Das Unternehmen verbindet Tradition mit modernen kulinarischen Trends und legt Wert auf kreatives Produktdesign.
  • ÖsterReis (Gerasdorf): ist ein wegweisender österreichischer Landwirtschaftsbetrieb, der zeigt, wie der Reisanbau als klimafreundliche Alternative erfolgreich an die österreichischen Bedingungen angepasst werden kann. Der Betrieb baut Reis nach dem Trockenanbausystem an und verarbeitet ihn zu Reismehl, Kleie und Reisbier. 
  • Das Projekt KICAT (Förderung des Kichererbsenanbaus als trockenstresstolerante, proteinhaltige Alternativkultur in Österreich) der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGES) untersucht das Potenzial der Kichererbse als klimaresistente Kulturpflanze. In Feldversuchen werden Erkenntnisse zu diversen Sorten, Pflanzengesundheit, Qualitätseigenschaften und Ertragsstabilität gewonnen und verbreitet.

 

Am zweiten Workshop-Tag wurden Herausforderungen und Lösungsansätze für die Entwicklung erfolgreicher Vermarktungsstrategien für alternative Kulturen diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen des Marktzugangs, des Aufbaus von Wertschöpfungsketten sowie die Rolle von Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Forschung und Handel. In interaktiven Sessions erarbeiteten die Teilnehmenden, wie hier die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Regionen weiter gestärkt werden kann, insbesondere unter Berücksichtigung regionaler Rahmenbedingungen für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung.

Der Workshop machte insgesamt deutlich, dass alternative Kulturen nicht nur eine wichtige Antwort auf den Klimawandel darstellen, sondern auch neue wirtschaftliche Chancen für landwirtschaftliche Betriebe eröffnen können. Die vorgestellten österreichischen Beispiele zeigten eindrucksvoll, wie Innovation, Forschung und unternehmerischer Mut bereits heute erfolgreich zusammenspielen. Die Teilnehmenden nahmen wertvolle Impulse, neue Kontakte und konkrete Ideen für die Umsetzung in ihren jeweiligen Regionen mit – mit dem gemeinsamen Ziel, die Diversifizierung der europäischen Landwirtschaft weiter voranzubringen und ihre Widerstandsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

Nachbericht: Ensuring The Right to Stay for Young Farmers and Rural Youth

Lebensqualität

Junge Landwirt:innen und ländliche Jugend aus ganz Europa diskutierten beim EU CAP Network Seminar in Brüssel die Herausforderungen im ländlichen Raum und entwickelten gemeinsam konkrete Maßnahmen, um die Zukunft der Landwirtschaft und die Attraktivität ländlicher Regionen zu stärken. Österreich präsentierte dabei mehrere Good-Practice-Beispiele aus der nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrar Politik (GAP).

Das EU GAP-Netzwerk veranstaltete Mitte März in Brüssel das Seminar: „Ensuring The Right to Stay for Young Farmers and Rural Youth”. Ziel der Veranstaltung war es, die Herausforderungen für junge Menschen im ländlichen Raum sowie für Junglandwirt:innen sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungsansätze für die nächste GAP zu entwickeln.

Aus Österreich nahm eine Delegation, bestehend aus der Landwirtschaftskammer Österreich, dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, sowie der Landjugend Österreich teil.

Die Teilnehmenden analysierten die vielfältigen Probleme, mit denen junge Menschen in ländlichen Regionen konfrontiert sind. Dazu zählen unter anderem eingeschränkte wirtschaftliche Perspektiven und ein erschwerter Zugang zu Land und Krediten sowie zu Bildung und Innovation. Ebenso kann es eine Herausforderung sein, Nachfolger:innen für landwirtschaftliche Betriebe zu finden. Da die Strukturen und die vorherrschende Praxis bei der Übergabe der Betriebe an die jüngere Generation in den Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich sind, stehen die jungen angehenden Betriebsführer:innen vor gänzlich unterschiedlichen Herausforderungen.

Die Teilnehmenden diskutierten die Problemfelder in Arbeitsgruppen. Dabei brachten die  unterschiedlichen europäischen Mitgliedsstaaten ihre Perspektiven und Erfahrungen ein. Besonders interessant war, dass viele Herausforderungen, die in anderen Ländern als große Problemfelder genannt wurden, in Österreich gut gelöst sind. Österreich konnte hierbei mehrmals Good-Practice-Beispiele nennen. Das ist auf die jahrelang vorausschauende nationale Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik zurückzuführen. Ebenso spielen ein starkes Pensionssystem für die landwirtschaftliche Bevölkerung und die steuerlichen Regelungen bei der Hofübergabe, die einen Fokus auf den Erhalt der Familienbetriebe legen, eine zentrale Rolle.

Zum Abschluss wurde ein gemeinsamer Aktionsplan entwickelt. In diesem wurden konkrete Maßnahmen festgehalten, die den Zugang zu Land, aber auch den generationenübergreifenden Betriebserfolg und Innovationen fördern, und das Leben in ländlichen Räumen attraktiv machen:

  • Junge Menschen, die in die Landwirtschaft einsteigen wollen, sollen einfacheren Zugang zu Land erhalten. Dazu sind entsprechende Finanzierungsinstrumente erforderlich
  • Steuerliche Regelungen, die den Erhalt des Betriebes bei der Übergabe von Land im Fokus haben sind entscheidend
  • Landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung und Mentoring sind notwendig, um junge Landwirtinnen und Landwirte bei der Aufnahme der landwirtschaftlichen Tätigkeit zu unterstützen
  • Zugang zu Informationen soll auf niederschwelligem Niveau verfügbar sein
  • Matching-Systeme zwischen Betrieben, die keine Hofnachfolger:in haben und jungen Menschen sind ein auszubauendes Modell
  • Steuerliche und rechtliche Begleitung und Beratung dieser Fälle ist für den Erfolg entscheidend
  • Ein Fokus auf generationenübergreifende Kommunikation und entsprechende Begleitung ist wichtig
  • Internetverfügbarkeit in ländlichen Regionen
  • Beteiligung junger Menschen in politischen Entscheidungen (Echte Beteiligung und Ermöglichung von Änderungsvorschlägen anstatt nur der Frage nach der Meinung)
  • Ländliche Regionen sind besser zu vermarkten (Attraktivität des ländlichen Raums soll in den Köpfen der Bevölkerung gesteigert werden)

“If we consider youth only as the future of farming, we risk excluding them from decisions that affect them today!“, so der Tenor.

Zukunft beginnt dort, wo wir bereit sind, Gegenwärtiges zu hinterfragen und Neues zu gestalten. Mit dem Leitmotiv #weiterdenken rücken wir als Netzwerk Zukunftsraum Land die nächste Generation in den Mittelpunkt: Um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen, braucht es die Gestaltung gemeinsam mit der nächsten Generation. Dabei soll Bewährtes generationenübergreifend weiterentwickelt werden – nur so kann Zukunft wachsen. Ganz bewusst möchten wir uns dabei jungen – neuen, innovativen – Ideen UND Menschen widmen.

Nachbericht: Internationale LEADER Exkursion nach Luxemburg

Lebensqualität

Drei Tage internationale LEADER-Exkursion im europäischen Moseltal voller spannender Projekte, neuer Perspektiven und inspirierender Begegnungen liegen hinter uns.

Ein zentrales Learning: Gute Regionalentwicklung endet nicht an Gemeinde-, Regions- oder Landesgrenzen. Ob gemeinsame Kommunikationsstrukturen oder transnationale LEADER-Projekte: Viele der vorgestellten Initiativen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial entsteht, wenn Zusammenarbeit aktiv gelebt wird. Besonders spannend war dabei das Zusammenspiel von LEADER, INTERREG, Dorfentwicklung und weiteren Förderinstrumenten, ermöglicht durch die enge Kooperation unterschiedlicher Ministerien und regionaler Akteur:innen.

Deutlich wurde auch: LEADER ist weit mehr als ein Förderprogramm. Es schafft Räume für Austausch, stärkt Vertrauen und bringt Menschen zusammen, die ihre Regionen mitgestalten und weiterentwickeln wollen. Oder wie es während der Exkursion treffend hieß: „Menschen gestalten Regionen.”

Trotz der aktuellen Unsicherheiten rund um die kommende Förderperiode, überwog ein positiver Blick nach vorne. Françoise Bonert vom luxemburgischen Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau brachte es folgend auf den Punkt: Auch mit kleinen Mitteln kann Großes bewirkt werden.

Vielen Dank an alle Beteiligten für die Einblicke, den offenen Austausch und das gemeinsame Weiterdenken ländlicher Entwicklung in Europa und bis zu einem Wiedersehen im nächsten Jahr in Österreich!

Gesamtgesellschaftliche Aspekte von Gleichstellung und Diversität: In welcher Welt wollen wir leben?

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Ein Beitrag von Sabine Grenz und Elif Gül (Universität Wien)

Das fünfte der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele ist Geschlechtergerechtigkeit. Dadurch wird betont, wie wichtig es ist, dass Frauen gleichberechtigt an der Entwicklung zu einer nachhaltigen globalen Gesellschaft beteiligt sind, also ebenso Führungspositionen dabei einnehmen wie Männer. Wesentlich dafür ist die Einsicht, dass es unterschiedlicher Perspektiven bedarf. Aus diesem Grund wird „Geschlecht” nicht mehr als isolierte Kategorie aufgefasst, sondern all seine, die mit anderen sozialen Kategorien in Wechselwirkung stehen. Diese anderen sozialen Kategorien sind beispielsweise Ethnie, Hautfarbe, sozioökonomischer Status, Staatsbürgerschaft, sexuelle und geschlechtliche Orientierung beziehungsweise. Identität und Gesundheit.

Dass Geschlechtergerechtigkeit sich lohnt, darauf weisen ganz unterschiedliche Studien zu Zufriedenheit, Gesundheit, Demokratie, Innovation und Wirtschaft hin:

Zufriedenheit: Grafland und Schilpzand (2025) haben Daten aus 81 Staaten zwischen 1990 und 2020 untersucht. Daraus wird ersichtlich, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit einer Gesellschaft mit der Gleichstellung steigt: So ist beispielsweise die individuelle Autonomie höher, das heißt, alle können selbstständiger ihren Aufgaben nachgehen. Das geht mit einem höheren Pro-Kopf-Einkommen und einem erhöhten allgemeinen Vertrauen einher. Das bedeutet, dass nicht nur Frauen von Geschlechtergerechtigkeit profitieren, sondern die gesamte Gesellschaft, also auch alle Männer (Audette et al. 2019).

Gesundheit: Die Weltgesundheitsbehörde hat beobachtet, dass strikte Geschlechterrollen die Suizidrate bei Männern erheblich steigern (WHO 2018). Dementsprechend ist auch die Lebenserwartung in Ländern mit höherer Gleichstellung höher und die Gesamtmortalität niedriger (Kolip et al. 2019; Mateos et al. 2019). In diesem Zusammenhang hat sich auch gezeigt, dass mehr Frauen als Operateur:innen in der Medizin die Lebenserwartung steigert und zu weniger Komplikationen für Patient:innen führt (Wallis CJD. et al. 2023). 

Demokratie: Zudem steigert sich die politische Stabilität und verringert sich die Korruption (Bauhr 2019). Es hat sich gezeigt, dass sich das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik steigert, wenn mehr Frauen in der Regierung sind (Esarey & Schwindt-Bayer 2018).

Innovation: Es hat sich gezeigt, dass mehr Diversität in Teams zu besseren Ergebnissen in Wissenschaft und Forschung und ebenso zu einer vermehrten Produktinnovation führt, unter anderem da diverse Teams und Organisationen sich als fähiger bei Problemlösungen erweisen (Xie, L. et al. 2020; Nielsen MW et al. 2017; Kong et al. 2024).

Wirtschaft: Mehr Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsmarkt führt laut Berechnungen des European Institute for Gender Equality zur Erhöhung des BIP um 3,2%-5,5% bis 2050 (EiGE 2017).

Aus diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass die Gesellschaft insgesamt profitiert, wenn die Geschlechtergerechtigkeit gestärkt wird. Man spricht hier vom „Curb cut effect”. Dieser beschreibt den Effekt, der sich durch Gehsteig Rampen beziehungsweise die Absenkung von Bordsteinkanten einstellt: Diese wurden zwar in erster Linie für Menschen im Rollstuhl eingeführt, sie können jetzt aber von allen genutzt werden und erleichtern das Fahrradfahren nun ebenso wie das Schieben von Kinderwagen, Einkaufswagen oder Koffern. 

 

Assoz.-Prof. Dr. Sabine Grenz ist seit 2017 Professorin für Gender Studies an der Universität Wien. Von 2017 bis 2020 war sie Univ.-Prof. für Gender Studies an den Fakultäten für Philosophie und Bildungswissenschaft sowie für Sozialwissenschaften und die Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät. Seit 2020 ist sie Tenure-Track-Prof. an den beiden Fakultäten für Philosophie und Bildungswissenschaft sowie für Sozialwissenschaften.

Elif Gül, BA, MSc. hat seit September 2021 die prädoc-Stelle in Gender Studies des Instituts für Bildungswissenschaften bei Prof. Sabine Grenz inne. 

 

Literaturverzeichnis

Audette, A. P., Lam, S., O’Connor, H., & Robinson, J. A. (2019). (E)Quality of life: A cross-national analysis of the effect of gender equality on life satisfaction. Journal of Happiness Studies, 20, 2173–2188. https://doi.org/10.1007/s10902-018-0042-8

Bauhr, M., Charron, N., & Wängnerud, L. (2019). Exclusion or interests? Why females in elected office reduce petty and grand corruption. European Journal of Political Research, 58(4), 1043–1065. https://doi.org/10.1111/1475-6765.12300

European Institute for Gender Equality. (2017). Economic benefits of gender equality in the European Union: Literature review – Existing evidence and methodological approaches. Publications Office of the European Union. https://data.europa.eu/doi/10.2839/736676 

Esarey, J., & Schwindt-Bayer, L. A. (2018). Women’s representation, accountability, and corruption in democracies. British Journal of Political Science, 48(3), 659–690. https://doi.org/10.1017/S0007123416000478

Graafland, J., & Schilpzand, A. (2025). Gender equality and life satisfaction: A mediation model with individual autonomy, income per capita and trust.  Journal of Happiness Studies, 26, Article 23. https://doi.org/10.1007/s10902-024-00850-8

Kolip, P., Lange, C. & Finne, E. Gleichstellung der Geschlechter und Geschlechterunterschiede in der Lebenserwartung in Deutschland. Bundesgesundheitsbl 62, 943–951 (2019). https://doi.org/10.1007/s00103-019-02974-2

Kong, L., Usman, M., Yue, W., & Sun, J. (2024). Leadher: Role of women leadership in shaping corporate innovation. Humanities and Social Sciences Communications, 11, Article 1313. https://doi.org/10.1057/s41599-024-03852-2

Mateos, J. T. , Fernández-Sáez, J. , Marcos-Marcos, J. , Álvarez-Dardet, C. , Bambra, C. , Popay, J. , Baral, K. , Musolino, C. and Baum, F. (2022). Gender Equality and the Global Gender Gap in Life Expectancy: An Exploratory Analysis of 152 Countries. International Journal of Health Policy and Management11(6), 740-746. doi: 10.34172/ijhpm.2020.192

Nielsen, M. W., Alegria, S., Börjeson, L., Etzkowitz, H., Falk-Krzesinski, H. J., Joshi, A., Leahey, E., Smith-Doerr, L., Woolley, A. W., & Schiebinger, L. (2017). Opinion: Gender diversity leads to better science. Proceedings of the National Academy of Sciences, 114(8), 1740–1742. https://doi.org/10.1073/pnas.1700616114

Wallis, C. J. D., Jerath, A., Aminoltejari, K., Coburn, N., Klaassen, Z., Luckenbaugh, A. N., & Satkunasivam, R. (2023). Surgeon sex and long-term postoperative outcomes among patients undergoing common surgeries. JAMA Surgery, 158(11), 1185–1194. https://doi.org/10.1001/jamasurg.2023.3744

World Health Organization Regional Office for Europe. (2018). Strategy on the health and well-being of men in the WHO European Region. World Health Organization Regional Office for Europe. Online: https://www.who.int/europe/publications/i/item/WHO-EURO-2018-4209-43968-61973 

Xie, L., Zhou, J., Zong, Q., & Lu, Q. (2020). Gender diversity in R&D teams and innovation efficiency: Role of the innovation context. Research Policy, 49(1), 103885. https://doi.org/10.1016/j.respol.2019.103885

Nachlese: „Mehrwert Festmist: Bodenschutz, Artenvielfalt und betriebliche Perspektiven“

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Im Rahmen des Online-Seminars wurde die große Bedeutung von Festmist für eine nachhaltige Landwirtschaft hervorgehoben, insbesondere hinsichtlich Humusaufbau, Bodenfruchtbarkeit und Umweltwirkungen.

Else Bünemann-König, FiBL Schweiz, zeigte anhand des DOK-Langzeitversuchs auf, dass feste organische Dünger den Humusaufbau stärker fördern als flüssige Dünger und zur Anreicherung von Stickstoff und Kohlenstoff im Boden beitragen. Zudem wurde deutlich, dass reduzierte Bodenbearbeitung einen großen Einfluss auf die Bodenbiologie hat. Alfred Pöllinger-Zierler, HBLFA Raumberg-Gumpenstein, betonte, dass unterschiedliche Formen von Wirtschaftsdüngern je nach Standort und Nutzung unterschiedlich geeignet sind. Entscheidend sei ein langfristiger Blick, da sich vor allem die Wirkung von Festmist erst über einen längeren Zeitraum hinweg durch verbessertes Bodenleben und Mikrobiologie und folglich durch den Ertrag zeigt. Auch ging Pöllinger-Zierler auf die Vermeidung von Nährstoffverlusten ein und wies auf verringerte Ammoniakemissionen durch geeignete Ausbringungstechniken hin. Pia Euteneuer, Universität für Bodenkultur, verdeutlichte die zentrale Rolle von Regenwürmern, insbesondere des Tauwurms, für die Bodenstruktur und Wasserinfiltration. Langzeitversuche zeigen, dass Festmist die Regenwurmpopulation fördert, während bei rein mineralischer Düngung oder fehlender organischer Substanz weniger bis kaum Bodenleben vorhanden ist.

In den Praxisbeispielen berichtete Roswitha Marold, Landwirtin im Ennstal, von positiven Effekten wie verbesserter Wasser- und Nährstoffspeicherung, stärkerem Bodenleben und geringer Geruchsbelastung durch den Einsatz unterschiedlich lange gelagerter Mistmieten. Franz Grötschl, Landwirt in Lackendorf, setzt seit Jahren auf organische Düngung, reduzierte Bodenbearbeitung und vielfältige Kompostierungsverfahren sowie natürliche Zusatzstoffe zur Verbesserung der Nährstoffbindung. Andreas Hager, Landwirt in Ried in der Riedmark, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz mit vielfältiger Fruchtfolge, Dauerbegrünung, beweidetem Agroforst und gezielter Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern, wodurch Bodenfruchtbarkeit und Wasserspeicherung gesteigert werden. Thomas Wallner, Boden.Wasser.Schutz.Beratung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, unterstrich die Bedeutung von Festmist im Erosions- und Gewässerschutz, wobei insbesondere die sachgerechte Lagerung eine Herausforderung darstellt.

In der Diskussion wurde zudem hervorgehoben, dass auch Faktoren wie Fütterung und Medikamenteneinsatz entscheidend für die Qualität von Mist und Gülle sind. Insgesamt zeigte das Seminar, dass Festmist ein wichtiger Hebel für den Humusaufbau und ein funktionierendes Agrarökosystem ist, dessen Wirkung langfristig im Zusammenspiel mit Bewirtschaftung, Bodenbearbeitung und Betriebsmanagement zur Geltung kommt.

Hof und Land in Frauenhand – Internationales Jahr der Bäuerin 2026

Geschlechtergleichstellung
Lebensqualität

Ob als innovative Unternehmerin, Betriebsleiterin, Strategin, traditionsbewusste Bäuerin oder als zentrales Bindeglied im Familienbetrieb – Frauen prägen die Land- und Forstwirtschaft in all ihrer Vielfalt und sind das Rückgrat unserer Höfe.

Im „Internationalen Jahr der Bäuerin 2026“, das von den Vereinten Nationen ausgerufen wurde, richtet wir sich der Blick ganz besonders auf ihre Ideen, ihre Herausforderungen und ihre Leistungen, was sie bewegt und antreibt und warum ihre Arbeit für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist.

Unsere Bäuerinnen im Portrait
Zahlen und Fakten
Herausforderungen und Chancen
Veranstaltungen 

und vieles mehr gibt es jetzt auf einer eigenen Webseite von BMLUK, lk Bäuerinnen, der Initiative StadtLandTier und dem Verein Land schafft Leben nachzulesen.

Neue Fördermaßnahme: Betriebsübergabe im Tourismus im ländlichen Raum

Lebensqualität

Die Übergabe von Unternehmen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft birgt oftmals große Herausforderungen für die Beteiligten, vor allem wenn es darum geht, den Betrieb neu auszurichten. Gerade im Zuge der Übergabe ist ein klares Betriebsmodell mit entsprechender mittel- bzw. langfristiger Planung entscheidend. Die Erarbeitung eines strukturierten Businessplans kann für die erfolgreiche Fortführung des Betriebs und den Zugang zu Finanzierungen ausschlaggebend sein.

Daher wurde seitens des Tourismusministeriums im GAP-Strategieplan eine Fördermaßnahme konzipiert, die Tourismusbetriebe im ländlichen Raum bei diesem Vorhaben gezielt unterstützt. Unter dem Titel „Betriebsübergaben im Tourismus” (Maßnahme 78-03-BMAW-Tourismus), können kleine und mittlere Unternehmen anlässlich einer Übergabe für die Erstellung eines auf ihren Betrieb abgestimmten Businessplans, eine EU-kofinanzierte Unterstützung in der Höhe von 8.000,00 EUR beantragen. Voraussetzungen dafür sind, dass der Betriebsstandort in Gemeinden mit weniger als 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt, und dass der Businessplan durch ein gewerblich befugtes Beratungsunternehmen erstellt wird und vorgegebene Mindestinhalte erfüllt.

Was benötigen Sie für die Einreichung?

  • Angebot eines gewerblich befugten Beratungsunternehmens zu (Mindest)Inhalten und Kosten des Businessplans samt einer Liste mit Referenzen
  • Bestätigung einer Steuerberaterin oder eines Steuerberaters bzw. einer Wirtschaftsprüferin oder eines Wirtschaftsprüfers zu diversen Angaben im Hinblick auf die KMU-Eigenschaft des Antragstellers und im Hinblick auf den Betriebsübergabeprozess (mittels bereitgestelltem Formblatt)
  • Diverse Nachweise zum KMU-Betrieb (bspw. GISA-Auszug, FB-Auszug, De-Minimis-Erklärung etc.)

Passt diese Förderaktion zu Ihrer Situation in einem kleinen oder mittleren ländlichen Tourismus-/Freitzeitunternehmen? Auf der Website des Bundesminstierums für Wirtschaft, Energie und Tourismus finden Sie weitere hilfreiche Informationen sowie den Link zur digitalen Einreichung. Das Einbringen von Förderanträgen ist laufend im Wege der Digitalen Förderplattform (DFP) der Agrarmarkt Austria (AMA) möglich. Der nächste Stichtag ist der 29. Juni 2026.

Über EU-Finanzierungsmöglichkeiten auf dem Laufenden bleiben!

Unkategorisiert

Ihr sucht nach EU-Finanzierungsmöglichkeiten und möchtet keine Frist verpassen?

Ausschreibungen, Veranstaltungen und aktuelle Informationen werden regelmäßig veröffentlicht. Dabei den Überblick zu behalten, kann eine Herausforderung sein. Die App “EU funding & me” hilft dabei, auf dem Laufenden zu bleiben und immer einen Schritt voraus zu sein.