Nachlese: Es lebe die Vielfalt – Zukunftsfähige Agrarlebensräume für Bestäuber

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Die Tagung zeigte, wie eng Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander verbunden sind, wenn es um den Erhalt der Biodiversität geht. Bereits in der Begrüßung betonte die oberösterreichische Landtagsabgeordnete Regina Aspalter, dass jeder Haushalt, Balkon und Garten einen Beitrag leisten könne und auch bewusster Konsum saisonaler Produkte wichtig sei. Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich verwies auf die hohe Beteiligung am ÖPUL und die große Bedeutung der Maßnahmen UBB und Bio für Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz. Sophia Glanz, Leiterin des Netzwerk Zukunftsraum Land hob hervor, dass gegenseitiges Verständnis vor allem durch Austausch und Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft entstehen könne.

Im wissenschaftlichen Teil der Tagung erläuterte Carmen Nebauer von der TU München die enorme Vielfalt der Bestäuber. Während Honigbienen meist im Fokus stünden, seien 99 Prozent aller Bienenarten solitär lebend und besonders auf geeignete Lebensräume angewiesen. Neben Bienen übernehmen auch Schmetterlinge, Wespen, Käfer, Schwebfliegen und in anderen Regionen sogar Fledermäuse oder Echsen wichtige Bestäubungsleistungen. Rund 75 Prozent aller Kulturpflanzen und 88 Prozent aller Blütenpflanzen seien auf tierische Bestäubung angewiesen. Nebauer zeigte, dass unterschiedliche Bestäuber unterschiedliche Pflanzen bestäuben können. Wichtig seien dabei zum Beispiel die Vibrationsfrequenzen der Insektenkörper, mit denen selbige Pollen aus den Blüten lösen können. Auch Faktoren wie Zungenlänge oder Blütengröße spielten eine entscheidende Rolle. Studien hätten gezeigt, dass eine größere Vielfalt an Bestäubern auch höhere Erträge bringe. Gleichzeitig sei der Insektenrückgang dramatisch, insbesondere in ausgeräumten Agrarlandschaften. Entscheidend seien daher strukturreiche Landschaften mit Blühangeboten und Vernetzungselementen wie Hecken oder Agroforstflächen. Nebauer betonte außerdem, dass Bestäuber nicht nur einzelne Pflanzen, sondern eine große Vielfalt an Blühpflanzen benötigen. Wichtig seien zudem frühe Blühangebote im Frühjahr, offene Bodenstellen für bodennistende Wildbienen und ein reduzierte Schnitthäufigkeit.

Der Entomologe Jonathan Schwarz präsentierte Ergebnisse zu Blühflächen und Wildbienen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Vielfalt an Bienenarten besonders ab dem zweiten Jahr deutlich ansteige. Entscheidend sei die Vielfalt des Blütenangebots, wobei Blühflächen nach etwa drei Jahren oft vergrasen und neu angelegt werden sollten. Besonders geeignet für die Anlage von Blühflächen seien regionale Saatgutmischungen mit heimischen Pflanzenarten. Mulchen sei hingegen problematisch, da dadurch Nährstoffe auf der Fläche gelassen und offene Bodenstellen verschlossen würden. Auch strukturreiche Landschaftselemente wie Waldränder, Böschungen oder Feldraine seien essenziell, da viele Wildbienen dort ihre Nester anlegen. Zudem wurden erstmals zwei wärmeliebende Wildbienenarten in Oberösterreich nachgewiesen, was auch auf klimatische Veränderungen hinweist.

Patrick Falkensteiner, Mitarbeiter der Boden.Wasser.Schutz.Beratung widmete sich der Bedeutung blühender Zwischenfrüchte für Bienen. In Versuchen mit unterschiedlichen Aussaatmethoden, darunter auch Drohnensaat, zeigte sich, dass früh angelegte Zwischenfrüchte besonders wertvoll für Biomasseentwicklung und Blühdauer sind. Bereits vier bis fünf Wochen nach dem Anbau begann die Blüte. Besonders attraktiv für Bienen waren Buchweizen, Kreuzblütler, Phacelia und Kleearten. Gemeinsam mit Imkern wurden Bienenvölker an den Versuchsflächen betreut und Polleneinträge untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass blühende Zwischenfrüchte aktiv von Bienen genutzt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Landschaftsstrukturen und abgestimmte Saatgutmischungen entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen sind.

In Folge stellte Sabine Schoder von der Universität für Bodenkultur Ergebnisse des Wildbienenmonitorings vor. Im Rahmen eines österreichweiten Projekts mit rund 200 Standorten werden die Auswirkungen von ÖPUL-Maßnahmen auf Wildbienen untersucht. Besonders wichtig seien Feld- und Wegraine, extensive Wiesen, Hochstaudenfluren, Waldränder und andere Übergangsbereiche. Wildbienen benötigten neben Nahrung auch vielfältige Nistmöglichkeiten, etwa im Boden, in Totholz oder Pflanzenstängeln. Erste Ergebnisse zeigten positive Zusammenhänge zwischen biodiversitätsfördernden Maßnahmen im ÖPUL und der Anzahl an Wildbienenarten, insbesondere in intensiv genutzten Ackerlandschaften.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger, Christine Hörlezeder, Vertreterin des BMLUK, Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, und Matthias Kopetzky, Vertreter des Österreichischer Erwerbsimkerbunds über die zukünftige Ausgestaltung der Agrarpolitik und der Renaturierungsverordnung. Dabei wurde deutlich, dass Biodiversitätsförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsse. Mehrfach wurde betont, dass Anreizsysteme besser funktionieren als starre Vorgaben und dass Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam Lösungen entwickeln müssten. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung regional angepasster Maßnahmen, strukturreicher Landschaften und einer praxisnahen Weiterentwicklung des ÖPUL, um sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Ziele miteinander verbinden zu können.

Bei der Exkursion am Nachmittag schließlich beeindruckte Landwirt Johann Schauer, der eine Vielzahl an bestäuberfreundlichen Maßnahmen auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb umgesetzt hat und so zur Insektenförderung beiträgt.

(c) Bienenzentrum Oberösterreich
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