ARGE Feuchtlebensräume- Frisch vernässt & Voll funktionsfähig

Das Steirische Ausseerland, das oberösterreichische Salzkammergut, das Salzburger Lungau und das Tiroler Unterland zählen zu den bedeutendsten Moorlandschaften Mitteleuropas. Nicht nur die Anzahl an Mooren, auch die Vielfalt an Moortypen mit hoher Biodiversität zeichnen diese Gebiete aus. In Österreich existieren nur mehr knapp 10% der einstigen Moorlandschaften in einem guten Zustand. Die Kooperation „ARGE Feuchtlebensräume – Frisch Vernässt & Voll Funktionsfähig“ der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) mit der Universität Salzburg, Fachbereich für Umwelt und Biodiversität, sieht daher vor, für die nächsten Jahre in diesen Gebieten einen Schwerpunkt zu setzen und den langfristigen Erhalt dieser seltenen und sensiblen Ökosysteme sicherzustellen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Ausarbeitung von Pflegeplänen der Durchführung von Grundlagenforschung und der Überführung der Flächen in andere Förderprojekte oder Ökosponsorings, um eine Umsetzung lebensraumverbessernder Maßnahmen sowie hydrologischer Sanierungen zu finanzieren. Wissenschaftliche Erhebungen der Universität Salzburg erforschen begleitend die Moorentstehung, die anthropogenen Veränderung, und erstellen Zukunftsprognosen. Wesentlich dabei ist der Einsatz und die Erprobung neuer Methoden in der Analyse der Moore, wie zum Beispiel Ancient DNA-Techniken, Modellierungen von Moormächtigkeiten (Geoelektrik), der Einsatz von Multispektralkameras sowie Drohnenflügen. Das wegweisende Ziel ist eine Verbesserung der Wissensgrundlagen und Optimierung der Methoden für den Einsatz in zeitnahen und zukünftigen Renaturierungsprojekten von Mooren und Streuwiesen. 

In dem Projekt werden über den Zeitraum von drei Jahren ausgewählte, teils stark beeinträchtigte Moore sowie Feucht-/Streuwiesen in Österreich wissenschaftlich untersucht und für diese Flächen Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen erarbeitet (Flächenausmaß potentiell 240 ha). Die geplanten Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, den Wasserhaushalt in den Projektflächen zu begünstigen, um eine langfristige Erhaltung und klimaökologische Verbesserung dieser Flächen zu gewährleisten. Weiters sollen Hydrologische Monitorings mit der relativ neuen Netzwerktechnologie LoRaWAN aufgebaut werden und bestehende Monitoringflächen in das System eingebunden werden. Ergänzende Ziele des Projektes sind das Erarbeiten von Grundlagen zur Erstellung eines Managementplans des höchst schützenswerten Steinkrebses (Austropotamobius torrentium) in den Untersuchungsgebieten. 

Wesentliche Beiträge des Projekts sind zeitgemäße Forschungsansätze für eine rasche Umsetzung in der Praxis. So wird in zwei Moorgebieten ein hydrologisches Monitoring fortgeführt und es wird der Frage nachgegangen, ob hydrologische Defizite in Mooren mittels Multispektralanalyse zuverlässig darstellbar sind. Der Einsatz von molekularen Methoden der Umwelt-DNA-Analyse und des DNA-Barcodings erlaubt eine bessere Erfassung und ein Monitoring der Biodiversität (auch historisch). Ziel ist es außerdem, neue Feldmethoden für das Monitoring und Erfolgskontrolle von laufenden und zukünftigen Renaturierungsmaßnahmen zu entwickeln. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse sollen im Zuge eines geplanten, interdisziplinären Workshops vorgestellt und kommuniziert werden. Um weiteren Wissenstransfer und Bewusstseinsbildung zu fördern, ist auch die Entwicklung eines Leitfadens für hydrologische Sanierung und Pflege von Mooren und Streuwiesen vorgesehen, sowie moorpädagogische Führungen mit Schulen und öffentlichkeitswirksame Beiträge im Fernsehen und in Journalen.

Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?

  • Das Projekt entwickelt Pflege‑ und Maßnahmenpläne, neue Monitoring‑Standards, ein Ökosponsoring‑Modell sowie einen Leitfaden, verbunden mit Workshops und Öffentlichkeitsarbeit – und schafft damit skalierbare Lösungen, nachhaltige Finanzierungsperspektiven und breite Anwendbarkeit über das Projektgebiet hinaus. 
  • Die enge Zusammenarbeit von Grundeigentümer (Österreichische Bundesforste) und universitärer Forschung (Universität Salzburg) ist strukturiert organisiert, nutzt vorhandene Erfahrung und gewährleistet effiziente Projektsteuerung sowie hohe fachliche Qualität. 
  • Innovative Methoden (z. B. hydrologisches Monitoring mit LoRaWAN, Multispektral- und Drohnenanalysen, Ancient‑DNA) werden nicht nur erforscht, sondern unmittelbar zur Planung konkreter Renaturierungs‑ und Pflegemaßnahmen eingesetzt. Dadurch entsteht ein direkter Mehrwert für die Praxis.

Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen

Die Ausgangslage des Projekts ist durch den stark beeinträchtigten Zustand vieler Moore und Feuchtgebiete geprägt. Moore sind Lebensräume zwischen Land und Wasser und spielen aufgrund ihres Wassergehalts eine zentrale Rolle im Landschaftswasserhaushalt. Die dauerhaft nassen und sauerstoffarmen Bedingungen ermöglichen die Bildung von Torf, in dem über Jahrtausende große Mengen Kohlenstoff sowie wertvolle Klima- und Vegetationsinformationen gespeichert sind. Intakte Moore sind daher bedeutende Kohlenstoffsenken und wichtige Klimaarchive. In den letzten Jahrhunderten wurden Moore jedoch stark genutzt. Durch Entwässerung wurden Moorflächen auch im gebirgigen Projektgebiet trockengelegt. Dadurch ging der natürliche Wasserhaushalt verloren, was negative Auswirkungen auf den Lebensraum und die umliegende Region hatte. Zusätzlich sind zahlreiche Flächen durch Verbuschung und Verkrautung gefährdet, wodurch typische Moorarten verdrängt werden. Der Klimawandel verschärft die Situation weiter. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsverhältnisse beeinträchtigen vor allem entwässerte Moore. Statt Kohlenstoff zu speichern, können sie Treibhausgase freisetzen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung intakter Moore für Klimaschutz und Klimaanpassung, da sie Wasser speichern, Extremereignisse abpuffern und langfristig Kohlenstoff binden. Trotz ihrer meist geringen Ausdehnung weisen Moore eine hoch spezialisierte, artenreiche Biodiversität auf. Viele Moorarten sind selten, geschützt oder gefährdet und auf Roten Listen verzeichnet. Moore stehen daher unter gesetzlichem Schutz. Das Untersuchungsgebiet beherbergt entlang eines großen Höhengradienten zahlreiche bedeutende Moorflächen mit seltenen Arten wie Torfmoosen oder dem Rundblättrigen Sonnentau. Vor diesem Hintergrund ist die Umsetzung des Projekts notwendig, um den Verlust dieser ökologisch und klimatisch wertvollen Lebensräume zu stoppen und ihre Funktionen für Biodiversität, Klima und Wasserhaushalt langfristig zu sichern.

Ziele des Projekts

  • Schaffung einer strategischen Grundlage für den Klima- bzw. Moorschutz 
  • Erarbeitung fundierter Maßnahmen‑ und Pflegepläne zur Wiederherstellung von Mooren
  • Entwicklung von Planungsgrundlagen zur hydrologischen Stabilisierung von Mooren 
  • Ableitung zielgerichteter Pflege‑ und Entwicklungsperspektiven für gefährdete Moorlebensräume 
  • Erarbeitung von fachlich begründeten Maßnahmenempfehlungen zum Schutz seltener und spezialisierter Moorarten 
  • Unterstützung der Umsetzung gesetzlicher Naturschutzziele durch qualitätsgesicherte Planungsinstrumente
  • Entwicklung standardisierter Pflege‑ und Maßnahmenpläne sowie neuer Monitoring‑Standards 
  • Konzeption eines Ökosponsoring‑Modells als langfristige Finanzierungsperspektive
  • Erstellung eines Leitfadens zur breiten Anwendbarkeit über das Projektgebiet hinaus

Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen

  • Erstellung von Pflege- & Maßnahmenpläne für ausgewählte Moore & Feuchtwiesen
  • Flusskrebsmonitoring in den Oberläufen der Traun und der steirischen Salza 
  • Hydrologisches Monitoring Wildmoos & Laudachmoor 
  • Historische Ausdehnung und Dokumentation anthropogener Nutzung der Moore in den letzten 100 Jahren 
  • Die postglaziale Moorentstehung, rezenter Zustand und Blick in die Zukunft der Moore 
  • Hydrologisches Monitoring & Vegetationsanalyse in Tirol 
  • Hydrologisches Monitoring mit LoRaWAN 
  • Drittmittelfinanzierung für Bedarfsflächen 
  • Erstellung eines Besucherlenkungskonzept Hinteralm-Nassköhr 
  • Öffentlichkeitsarbeit (Sonderausgabe NRM Journal, Berichte im Ausseer Regionalfernsehen, Führungen mit Schulklassen) 
  • Interdisziplinärer Workshop (Organisation und Abhaltung eines mehrtägigen, bundesweiten Workshops vor, der verschiedene Stakeholder zusammenbringt und einen interdisziplinären Austausch ermöglicht)

Ergebnisse und Wirkungen quantitativ

Das Projekt befindet sich aktuell in Umsetzung

Schwerpunkte
Bildung, Sensibilisierung und Wissenstransfer
Klimaschutz
Klimawandelanpassung
Naturschutz
Umwelt und Biodiversität
Förderperiode
GAP 23-27
Individuelle Schlagworte
Besucherlenkung
Biodiversität
Bundesforste
DNA Analyse
EU Biodiversitätsstrategie 2023
Feuchtgebiet
Flusskrebs
Klimaschutz
Managementplan
Monitoring
Moor
Moorentstehung
Multispektralanalyse
Naturraummanagement
Naturschutz
Pflegeplan
Renaturierung
Steinkrebs
Torf
Umwelt
Universität Salzburg
Wasser
Projektlaufzeit
02.07.2024 - 30.06.2027
Projektregion
Burgenland
Kärnten
Niederösterreich
Oberösterreich
Salzburg
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien
Projektträger
ARGE Feuchtlebensräume
Maßnahme im Programm
77-02 Naturschutz BL
Synergien mit anderen EU-Politiken
EU Biodiversitätsstrategie 2023
Finanzierung in EURO
Gesamtprojektkosten
799.966,00€
GAP Strategieplan Fördersumme
799.966,00€
Kontakt

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