Klimawissen praktisch – praxistaugliche Strategien & Lösungen für Klimaschutz und Klimawandelanpassung

Die Auswirkungen der Klimakrise treffen landwirtschaftliche Betriebe auf mehreren Ebenen. Hauptproblem ist dabei die erhöhte Frequenz und Intensität von Extremwetterereignissen, die erstens zu starken Ertrags- und Qualitätseinbußen und zweitens zu hoher Belastung von Boden- und Wasserökosystemen führen. Trotzdem fehlt es noch an umfassendem Wissen über konkrete Handlungsmöglichkeiten beziehungsweise Managementmaßnahmen am Betrieb, deren Wechselwirkungen sowie an Wissen über die betrieblichen Potenziale für Klimaschutz- und Anpassung. Einzelbetriebliche Klimastrategien sind in Anbetracht der regional unterschiedlichen Auswirkungen der Klimakrise von hoher Bedeutung (etwa Osten versus Westen Österreichs). Folgende Nutzen wurden für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet: 

  • Unterstützung für die konkrete Umsetzung von Klimaschutz- und -Anpassungsmaßnahmen sowie die Umsetzung einer gesamtbetrieblichen Klimastrategie
  • Wechselwirkungen bzw. Ambivalenzen zwischen betrieblichen Klimaschutz- und -Anpassungsmaßnahmen kennen
  • Betriebliche Anpassungs- und Einsparungspotenziale durch Rechnen einer Klimabilanz und Erfahren von Kennzahlen und Größen von Emissionsflüssen kennen und im Rahmen der eigenen gesamtbetrieblichen Klimastrategie in Umsetzung bringen können,
  • Auswirkungen betrieblicher Klimaschutz- und -Anpassungsmaßnahmen auf die Wirtschaftlichkeit abschätzen können. Die Betriebsleiterinne und Betriebsleiter sollten durch dieses Projekt Zugang zu neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft bekommen und bei den Weiterbildungen und Informationsmaßnahmen sollte ein Erfahrungsaustausch mit den Berufskolleginnen und Berufskollegen ermöglicht werden.

Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?

Klimawandel-Anpassungsstrategien für den eigenen Betrieb zu finden ist sehr schwer, denn man muss sich hierfür mit Sachverhalten beschäftigen, die im ersten Anschein nichts mit landwirtschaftlicher Produktion direkt zu tun haben. Es geht darum, Wechselwirkungen und Kreisläufe im Großen zu verstehen, um Ideen und Zukunftsperspektiven für den eigenen Betrieb zu entwickeln.

Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen

Bislang gab es noch kein flächendeckendes und umfassendes Bildungsangebot zum aktiven Klimaschutz beziehungsweise zu Maßnahmen der Klimawandelanpassung am landwirtschaftlichen Betrieb.

Ziele des Projekts

Im gegenständlichen Projekt sollten Ausbildungsinhalte für vier Lehrgänge in den Produktionsbereichen Acker, Grünland, Gemüse und Dauerkulturen erarbeitet werden. Konkret ging es darum, vier neue Leitfäden für “speziell modular aufgebaute Lehrgänge” zu erstellen und einen Pilotlehrgang zu absolvieren, Fachveranstaltungen und Webinare anzubieten und Fachartikel zu den Themen zu veröffentlichen.

Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen

Maßnahmen im Projekt waren die Erarbeitung von Leitfäden und Konzepten für vier verschiedene Lehrgänge zum Klimapraktiker (Acker, Grünland, Dauerkulturen und Gemüse) Im Rahmen des Pilotlehrganges „Klimapraktiker:in Acker“ wurde Wissen zu konkreten Umsetzungsmaßnahmen für Klimaschutz und -Anpassung am landwirtschaftlichen Betrieb weitergegeben. Durch eine intensive Wissensvermittlung zu landwirtschaftlichen Treibhausgasen, den Einsparungs- und Anpassungspotenzialen sind die Landwirtinnen und Landwirte für landwirtschaftliche Klimaleistungen sensibilisiert worden. Dazu wurden ein Fachtag zum Thema „Klimaschutz und -anpassung in der Landwirtschaft“ organisiert und im Rahmen der Bäuerinnen- und Bauerntage 2025 angeboten. Das Interesse war sehr groß. Neben Fachvorträgen zu Lösungsstrategien für eine klimaresiliente Landwirtschaft (Agroforst, Bodenschutz, Humusaufbau, abgestufter Wiesenbau) wurden im interaktiven Workshopformat Herausforderungen und Anliegen aus der Praxis erhoben und mit Expertinnen und Experten aus der Forschung diskutiert. Es wurden ebenso etliche Webinare zu folgenden Inhalten geboten: 

  • Klimawandelanpassung und Klimaschutz im Weinbau
  • „Wasser pflanzen“ – Mit Vegetation und Böden die kleinen Wasserkreisläufe stärken und das Klima kühlen –
  • Mulchsysteme im Gemüsebau 
  • Managementsysteme für Futterflächen im Trockengebiet 
  • Vielfalt wagen am Acker: Erfolgreicher Anbau von Sortenmischungen bei Getreide 
  • Des weiteren wurden einige Fachartikel in BIO AUSTRIA und weiteren Agrar-Medien in Form von “Klimatips” bzw. Fachartikeln veröffentlicht. Themen waren Carbon Farming, Humusaufbau: Potenziale und Grenzen, Klimawandelanpassung in Dauerkulturen, Klimaeffiziente Milchproduktion, Puffer bei Wasserknappheit, Sortenvielfalt, Agroforst mit unterschiedlichen Kulturen, Fruchtfolgen,..)

Ergebnisse und Wirkungen quantitativ

Im Projekt wurden vier Leitfäden für speziell modular aufgebaute Klimalehrgänge erarbeitet, ein Pilotlehrgang “Klimaprakter:in Acker” konzipiert und durchgeführt, ein Klimafachtag und Webinare organisiert und Fachartikel zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung veröffentlicht.

Ergebnisse und Wirkungen qualitativ

Es hat eine weitere Sensibilisierung für die Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassung stattgefunden.

Mehrwert durch Vernetzung

Die Erarbeitung neuen Wissens in einem bislang wenig etablierten Themenbereich erfordert einen systematischen Austausch zwischen Forschung, Beratung und Praxis. Im Rahmen eines intensiven Wissenstransfers unter Einbindung von Expert:innen der HBLFA Raumberg-Gumpenstein sowie der Universität für Bodenkultur Wien konnte ein Pilotlehrgang schrittweise entwickelt und kontinuierlich mit Praxisakteurinnen und -akteuren reflektiert und weiterentwickelt werden. Der Ansatz der Vernetzung mit dem Ziel des Erfahrungs- und Wissensaustauschs wird im Rahmen eines Folgeprojekts durch den Aufbau eines Pionier-Netzwerks weitergeführt. Dabei wird davon ausgegangen, dass Erfahrungen sowie neu generiertes Wissen insbesondere durch kooperative Lern- und Austauschprozesse verbreitet und für eine größere Anzahl von Betrieben nutzbar gemacht werden können. Eine solche Vernetzung stellt somit eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche betriebliche Umsetzung innovativer Maßnahmen dar.

Innovation

Im gegenständlichen Projekt konnten vier neue Lehrgänge entwickelt werden und stehen nun für die Durchführung zur Verfügung. Praxistaugliche Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung wurden systematisch gesammelt und kontinuierlich kommuniziert. Eine Sensibilisierung für das Thema findet somit laufend statt. Expertenwissen auf der einen Seite und Erfahrungswissen auf der anderen Seite können erfolgreich zusammengeführt werden. Das Interesse an Maßnahmen zur Klimawandelanpassung wie beispielsweise an Agroforstanlagen oder Windschutzecken nimmt zu und spiegelt sich in Beratungsanfragen wieder.

Einbeziehung von jungen Menschen

Die Anpassung an den Klimawandel wird künftig einen wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg junger Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern und Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolger haben. Zunehmende Wetterextreme, wie Starkniederschläge, anhaltende Trockenperioden oder hohe Temperaturen, stellen landwirtschaftliche Betriebe vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, Produktionssysteme resilient zu gestalten, das Tierwohl auch unter veränderten klimatischen Bedingungen sicherzustellen sowie den Anbau neuer, standortangepasster Kulturen zu integrieren. Vor diesem Hintergrund kommt der Bildung im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung eine zentrale Rolle zu. Die Vermittlung von aktuellem, standortspezifischem Wissen sowie die Entwicklung betrieblicher Anpassungskompetenzen sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass die junge Generation landwirtschaftlicher Unternehmerinnen und Unternehmer zukünftige Herausforderungen erfolgreich bewältigen und langfristig wirtschaftlich tragfähige Betriebe führen kann.

Einbeziehung von Frauen

Die Inhalte der konzipierten Lehrgänge “Klimapraktiker:in” und das Wissen in den veröffentlichten Fachartikeln richtet sich an alle interessierten Personen, egal welchen Geschlechts.

Die wichtigsten Lernerfahrungen

Die Themen Klimaschutz und Klimawandelanpassung stellen für viele Betriebe eine erhebliche Herausforderung dar und werden häufig negativ bzw. mitunter bedrohlich wahrgenommen. Zwar werden die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend spürbar, konkrete Auswirkungen in der Zukunft für den eigenen Betrieb können jedoch nur eingeschränkt abgeschätzt werden und bleiben in ihrer Ausprägung nur bedingt prognostizierbar. Dennoch wird die Auseinandersetzung mit diesen Themen sowie die Entwicklung einer betriebsindividuellen Strategie als notwendig erachtet. Voraussetzung für eine positive Wahrnehmung und Akzeptanz ist somit, dass entsprechende Maßnahmen mit konkreten, greifbaren Elementen sowie wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren verknüpft werden. Andernfalls besteht die Gefahr einer ablehnenden Haltung gegenüber Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen.

Schwerpunkte
Bildung, Sensibilisierung und Wissenstransfer
Klimaschutz
Klimawandelanpassung
Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft
Naturschutz
Umwelt und Biodiversität
Förderperiode
GAP 23-27
Projektlaufzeit
01.05.2023 - 13.07.2025
Projektregion
Burgenland
Kärnten
Niederösterreich
Oberösterreich
Salzburg
Steiermark
Tirol
Vorarlberg
Wien
Projektträger
BIO AUSTRIA - Verein zur Förderung des biologischen Landbaus
Maßnahme im Programm
78-03 Pädagogik LW, Umw., Ernähr.
Synergien mit anderen EU-Politiken
EU Biodiversitätsstrategie 2023
Langzeitvision für ländliche Gebiete in Europa bis 2040 (EU Long Term Vision)
UN-Nachhaltigkeitsziele SDG
Vom Hof auf den Tisch (Farm to Fork Strategie)
Kontakt

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