Gemeinsam stark: Warum Kooperationen der Schlüssel zu einer resilienten, zukunftsfähigen Landwirtschaft sind
Die Landwirtschaft steht unter wachsendem Druck: steigende Kosten, knappe Ressourcen, hoher Investitionsbedarf und die Folgen der Klimakrise verändern die Rahmenbedingungen vieler Betriebe spürbar. Gerade in Österreich, wo die Landwirtschaft stark kleinstrukturiert und familiengetragen ist, gewinnen Kooperationen zunehmend an Bedeutung.
Überbetriebliche Zusammenarbeit, Wissensaustausch und regionale Wertschöpfung gelten immer stärker als Schlüssel für Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Kooperationen können Risiken teilen, Innovation fördern und neue Perspektiven für die nächste Generation schaffen.
Beim Webinar „Kooperationen in der Landwirtschaft – der Schlüssel zu unternehmerischer Stärke und Resilienz“ wurde deutlich: Zusammenarbeit geht heute weit über klassische Maschinengemeinschaften hinaus. Im Fokus stehen neue Formen gemeinsamer Vermarktung, Innovationspartnerschaften und sektorübergreifender Zusammenarbeit entlang regionaler Wertschöpfungsketten.
Wir haben mit Lukas Oßberger von der Landwirtschaftskammer Österreich darüber gesprochen, warum Kooperationen gerade jetzt zu einem zentralen Zukunftsthema innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden.
Kooperationen gelten zunehmend als Schlüssel für eine resiliente und zukunftsfähige Landwirtschaft. Warum gewinnt das Thema gerade jetzt – insbesondere für kleinstrukturierte Familienbetriebe und die nächste Generation – so stark an Bedeutung?
Das Thema gewinnt derzeit stark an Bedeutung, da landwirtschaftliche Betriebe mit steigendem Kostendruck bei Betriebsmitteln, Energie und Maschinen sowie gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen konfrontiert sind. Besonders für Österreichs kleinstrukturierte Familienbetriebe – mit einer durchschnittlich landwirtschaftlich genutzten Fläche von 25,6 Hektar je Betrieb und einem hohen Anteil an Familienarbeitskräften – stößt die Belastbarkeit oft an ihre Grenzen.
Kooperationen bieten hier einen zentralen Ansatz, um die unternehmerische Resilienz zu stärken. Für die nächste Generation steht dabei nicht nur wirtschaftliche Effizienz im Vordergrund, sondern zunehmend auch die Lebensqualität. Umfragen zeigen, dass Aspekte wie Freizeit, Urlaub und eine geringere Arbeitsbelastung für junge Landwirtinnen und Landwirte deutlich wichtiger sind. Kooperationen ermöglichen es, Verantwortung zu teilen, Risiken – etwa im Krankheits- oder Unfallfall – abzufedern und durch Arbeitsteilung spezialisiertes Wissen effizienter einzusetzen.
Kooperationen gehen heute weit über klassische Maschinengemeinschaften hinaus. Welche neuen Formen der Zusammenarbeit entstehen derzeit – und welche Rolle spielen dabei Innovation, regionale Wertschöpfung und das gemeinsame Weiterdenken von Landwirtschaft?
Kooperationen werden nach wie vor häufig mit klassischen Maschinengemeinschaften oder Genossenschaften gleichgesetzt. Tatsächlich existieren jedoch zahlreiche weitere Formen der Zusammenarbeit, die in vielen Bereichen der Landwirtschaft seit Langem gelebt werden – oftmals implizit und ohne klare Bezeichnung.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die vielfältigen Mehrwerte solcher Kooperationen deutlich. Positive Praxiserfahrungen sowie ein erweitertes Verständnis für Innovation und betriebliche Weiterentwicklung tragen maßgeblich dazu bei. Kooperationen eröffnen neue Perspektiven entlang der gesamten Wertschöpfungskette und in allen Bereichen der betrieblichen Entwicklung – etwa in Vermarktung, Verarbeitung oder im Dienstleistungsbereich – und fördern ein gemeinsames, zukunftsorientiertes Weiterdenken von Landwirtschaft im regionalen Kontext.
Insbesondere Innovation, Wissensaustausch und die Stärkung regionaler Wertschöpfung rücken dabei in den Mittelpunkt. Kooperationen sind damit zunehmend Plattformen für unternehmerische Dynamik und eine nachhaltige Weiterentwicklung von Betrieben.
Viele Herausforderungen lassen sich heute kaum mehr alleine bewältigen. Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Kooperationen langfristig funktionieren – und wie kann die GAP dazu beitragen, Zukunftsperspektiven für die nächste Generation zu schaffen?
Damit Kooperationen langfristig erfolgreich sind, braucht es geeignete rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen – insbesondere in Bereichen wie Raumordnung, Baurecht sowie Gewerbe- und Öffnungszeiten Regelungen.
Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt jedoch im zwischenmenschlichen Bereich. Erfolgreiche Kooperationen erfordern ausgeprägte soziale Kompetenzen, insbesondere Kommunikationsfähigkeit, Vertrauen, Kompromissbereitschaft und professionelles Konfliktmanagement. Vertrauen, Offenheit und Verlässlichkeit bilden die zentrale Grundlage für eine stabile Zusammenarbeit und ein funktionierendes Kooperationsmanagement.
Aus diesen Anforderungen – gestützt durch Erfahrungsberichte aus der Praxis – lässt sich ableiten, dass bestehende Beratungsansätze weiterentwickelt werden könnten. Ziel sollte ein ganzheitlicher Zugang sein, der neben betriebswirtschaftlichen auch sozialen und organisatorischen Aspekten stärker berücksichtigt.
Ergänzend dazu spielen Bildungsangebote eine zentrale Rolle, insbesondere zur Stärkung unternehmerischer Kompetenzen wie Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation, Mitarbeiterführung und Konfliktlösung.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) kann hier einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie weiterhin gezielt und zukünftig noch stärker in Bildung, Beratung und kooperationsfördernde Maßnahmen investiert und so die Zukunftsaussichten für die nächste Generation nachhaltig stärkt.
Lukas Oßberger im Interview mit Netzwerk Zukunftsraum Land/ Stephanie Topf
