BILDUNGSINITIATIVE DIVERSIFIZIERUNG (neue) Wertschöpfungsstrategien für die multifunktionale Landwirtschaft
Die „Bildungsinitiative Diversifizierung“ an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche Stabilität und Zukunftsfähigkeit der österreichischen Land- und Forstwirtschaft durch gezielte Bildungs- und Vernetzungsmaßnahmen nachhaltig zu stärken. In enger Zusammenarbeit mit inner- und außeragrarischen Partnerinnen und Partnern wird ein umfassendes Konzept entwickelt, das auf Inspiration, Wissenstransfer, Kooperation und gegenseitigem Lernen basiert.
Im Fokus steht dabei die zunehmende Bedeutung der Diversifizierung als strategischer Ansatz zur Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Betriebe. Ausgangspunkt bildet eine systematische Analyse bestehender und innovativer Diversifizierungsformen im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol). Ergänzend dazu werden Bedarfe von Bäuerinnen und Bauern sowie Beraterinnen und Beratern in Österreich erhoben. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden konkrete Handlungsempfehlungen für Bildungsangebote, Beratungsstrukturen, Netzwerke sowie für eine Marketingaktivitäten entwickelt. Diese erfolgt in Abstimmung mit zentralen Akteurinnen und Akteuren wie Landwirtschaftskammern, Ländlichen Fortbildungsinstituten sowie Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen.
Ein wesentliches Element der Initiative ist die Entwicklung zukunftsorientierter Bildungsformate, die sowohl bestehende Diversifizierungsansätze weiterentwickeln als auch neue unternehmerische Perspektiven eröffnen. Parallel dazu wird an einer strategischen Weiterentwicklung im Rahmen der Diversifizierungsstrategie 2028+ gearbeitet. In diesem Kontext wird auch die Möglichkeit der Etablierung eines österreichweiten virtuellen Kompetenzzentrums Diversifizierung geprüft. Die Initiative trägt dazu bei, die kleinstrukturierte, multifunktionale Landwirtschaft zu sichern, indem zusätzliche Einkommensquellen erschlossen und betriebliche Resilienz gestärkt werden.
Diversifizierung wird dabei als Schlüssel zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit, zur Krisenfestigkeit sowie zur Förderung regionaler Wertschöpfung verstanden. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zur Vermeidung von Abwanderung in ländlichen Regionen.
Zu den zentralen Maßnahmen zählen unter anderem eine umfassende Literatur- und Praxisrecherche inklusive einer Telefonumfrage, die Durchführung einer SWOT-Analyse für Österreich, die Aufbereitung von Good-Practice-Beispielen sowie die Entwicklung konkreter Bildungs- und Kompetenzprofile. Darüber hinaus wird ein Stakeholder-Forum aufgebaut, das den kontinuierlichen Austausch zwischen relevanten Akteurinnen und Akteuren fördert. Ein Mapping der AKIS-Strukturen im Bereich Diversifizierung unterstützt zusätzlich den Aufbau eines funktionierenden Innovationsökosystems.
Die Ergebnisse des Projekts werden systematisch dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht, um eine breite Nutzung in Bildung, Beratung und Praxis sicherzustellen. Damit schafft die Bildungsinitiative eine fundierte Grundlage für die Weiterentwicklung von Diversifizierungsstrategien und stärkt langfristig die Innovationskraft der österreichischen Landwirtschaft.
Insgesamt leistet die Initiative einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der Landwirtschaft hin zu einem vielfältigen, unternehmerisch geprägten und resilienten Sektor, der den Anforderungen zukünftiger gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Entwicklungen gerecht wird.
Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?
• Ganzheitlicher Ansatz: Kombination aus Forschung, Bedarfserhebung, Bildungsentwicklung und strategischer Umsetzung (inklusive Diversifizierungsstrategie 2028+), wodurch Theorie und Praxis systematisch miteinander verknüpft werden.
• Starke Vernetzung: Enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Bildung, Beratung sowie außeragrarischen Akteurinnen und Akteuren schafft ein funktionierendes Innovationsökosystem und fördert nachhaltigen Wissenstransfer.
• Praxisorientierung und Skalierbarkeit: Konkrete Ableitung von Bildungsangeboten, Good-Practice-Beispielen und Kompetenzprofilen ermöglicht eine direkte Umsetzung in den Bundesländern und langfristige Wirkung für die landwirtschaftliche Praxis.
Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen
Die österreichische Land- und Forstwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Steigende Produktionskosten, volatile Märkte und die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels erhöhen den Anpassungsdruck auf landwirtschaftliche Betriebe.
Gleichzeitig verändern sich gesellschaftliche Erwartungen und Konsumgewohnheiten: Nachfrage nach regionalen, nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Produkten sowie ergänzenden Dienstleistungen wächst kontinuierlich. Daraus ergeben sich neue Chancen, aber auch Anforderungen an betriebliche Weiterentwicklung.
Gerade kleinstrukturierte Familienbetriebe, die die österreichische Landwirtschaft prägen, sind gefordert, ihre Einkommensbasis zu verbreitern. Diversifizierung – also die Entwicklung zusätzlicher Standbeine über die klassische Urproduktion hinaus – gewinnt daher stark an Bedeutung.
Allerdings zeigt sich, dass bestehende Bildungs- und Beratungsangebote häufig noch unzureichend auf neue Diversifizierungsformen, unternehmerische Kompetenzen und Innovationsprozesse ausgerichtet sind. Zudem bestehen Defizite in der systematischen Vernetzung zwischen landwirtschaftlichen und außerlandwirtschaftlichen Akteurinnen und Akteuren.
Innovationsinitiativen erfolgen oft isoliert, während eine österreichweit abgestimmte Strategie sowie koordinierte Bildungs- und Beratungsstrukturen weitgehend fehlen. Vor diesem Hintergrund ist die Umsetzung des Projekts wesentlich. Im Rahmen der Vision 2028+, insbesondere im Handlungsfeld 4 „Optionen der Wertschöpfung am Bauernhof“, nimmt es eine zentrale Rolle ein und fungiert als Leuchtturmprojekt. Durch die gezielte Entwicklung von Bildungs- und Beratungsangeboten trägt es dazu bei, die Wertschöpfung auf den Betrieben und in den Regionen nachhaltig zu stärken und die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft langfristig zu sichern.
Ziele des Projekts
Der Antrag verfolgt die Ziele der EU-ELER-Maßnahme 78-02 „Wissenstransfer für land- und forstwirtschaftliche Themenfelder“:
• Die Verbesserung der fachlichen, persönlichen und unternehmerischen Kompetenzen der in der Landwirtschaft tätigen Personen, um mit aktuellen Entwicklungen Schritt halten zu können und um sich erfolgreich an Veränderungen und an neue Herausforderungen anpassen zu können.
• Die berufliche Weiterbildung soll unterstützen neue Perspektiven für die Betriebsentwicklung zu gewinnen, Diversifizierungspotenziale zu nutzen und selbstbestimmt Veränderungsprozesse zu gestalten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die übergeordneten Ziele:
• Das primäre Ziel der Bildungsinitiative ist der Erhalt der kleinstrukturierten multifunktionalen Landwirtschaft durch die Stärkung der wirtschaftlichen Position der Bäuerinnen und Bauern.
• (Weiter) Entwicklung und Umsetzung von innovativen Bildungs- und Beratungsangeboten im Bereich der Diversifizierung auf Österreichs Bauernhöfen.
• Förderung der regionalen Wirtschaft und Reduktion der Abwanderung durch die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen mittels Diversifizierungsangebote.
• Verstärkte inner- und außeragrarische Bewusstseinsbildung, um die Diversifizierung als Handlungsoption im ländlichen Raum besser zu verankern.
• Förderung der systemübergreifenden Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren im ländlichen Raum (Gemeinden, Bürgerinnen und Bürger, Land- und Forstbetriebe) sowie die Forcierung der interdisziplinären Kooperation (Landwirtschaft, Wirtschaft, Bildung und Soziales).
• Förderung der Chancengleichheit im ländlichen Raum.
Ergebnisse und Wirkungen quantitativ
Der Projekt-Output dient als wichtiger Input für die Ländlichen Fortbildungsinstitute, die Landwirtschaftskammern und das Schulwesen, damit das Thema Diversifizierung in der Bildung und Beratung gestärkt wird.
Das Projekt trägt dazu bei, dass die Diversifizierung auf multifunktionalen Familienbetrieben künftig noch besser gelingen kann. Die unterschiedlichen Ergebnisse werden mittels Berichte gut dokumentiert und allen Online zur Verfügung gestellt. Am Ende des Projekts gibt es viele Lösungsansätze, die dazu beitragen die Schwierigkeiten zu beseitigen (Auszug Hauptschwierigkeiten)
• Der Bildungsbereich legt nach wie vor den Schwerpunkt auf die Urproduktion. Wenn es um Erwerbskombinationen geht, dann liegt der Fokus auf den herkömmlichen Diversifizierungsangeboten. Es gibt wenig Raum und Ressourcen für neue Formen und die damit verbundenen neuen Themenbereiche (zum Beispiel Schnittstelle Landwirtschaft – Wirtschaft, Gewerbe, Organisationsentwicklung…).
• Teilweise noch fehlende Kultur für Innovationen und Neuerungen in der Landwirtschaft.
• Entrepreneurship und Innovation werden inneragrarisch über einzelne Projekte und Initiativen umgesetzt. Eine verbindende österreichweite „Klammer“ fehlt.
• Die Fort- und Weiterbildung der Beraterinnen und Berater in den Landwirtschaftskammern und im Schulwesen stellen eine zentrale Voraussetzung für die professionelle Entwicklung von Diversifizierungsprojekten in der Praxis dar. Dazu müssen entsprechende Angebote entwickelt werden, vor allem für die neue Formen der Diversifizierung.
• Die Interdisziplinarität der Diversifizierungsangebote und der entsprechend notwendige inner- und außeragrarischen Wissenstransfer.
Mehrwert durch Vernetzung
Ohne Vernetzung kein Erfolg in der Diversifizierung – Diversifizierung eröffnet neue Perspektiven – wirtschaftlich, ökologisch und gesellschaftlich.
Der Schlüssel liegt in der Vernetzung: nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander; nicht Silos verwalten, sondern Brücken bauen.
Am 25. November 2025 fand an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik die Auftaktveranstaltung des Stakeholder-Forums Diversifizierung statt: 21 Institutionen und Organisationen aus Landwirtschaft, Wirtschaft, Tourismus, Bildung, Regionalentwicklung und dem Sozialbereich nahmen teil und diskutierten Zukunftsperspektiven der ländlichen Wertschöpfung. Fachvorträge und Diskussionsrunden machten deutlich: Diversifizierung ist in der Praxis angekommen und bietet großes Potenzial für die Weiterentwicklung bäuerlicher Betriebe und ganzer Regionen.
Einbeziehung von jungen Menschen
Die Perspektive junger Menschen wurde im Projekt insbesondere im Rahmen der Bedarfserhebungen sowie in Fokusgruppen und im Austausch mit Bäuerinnen und Bauern aktiv berücksichtigt. Dabei flossen die Erfahrungen und Erwartungen von Junglandwirtinnen und Junglandwirten sowie Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern gezielt in die Analyse und in die Entwicklung der Bildungs- und Beratungsangebote ein.
Besonderes Augenmerk wurde auf unterschiedliche Lebensrealitäten und Bedürfnisse gelegt, etwa im Hinblick auf junge Frauen und Männer sowie auf verschiedene betriebliche Ausgangssituationen. Die Bildungsinitiative trägt wesentlich dazu bei, tragfähige Einkommensperspektiven zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe zu stärken. Davon profitieren insbesondere junge Menschen im Zuge des Generationenwechsels, da neue Diversifizierungsoptionen zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten abseits der klassischen Urproduktion eröffnen.
Durch die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für Bildung und Beratung werden gezielt Angebote geschaffen, die auf die Anforderungen der jungen Generation abgestimmt sind. Dies umfasst insbesondere die Förderung von unternehmerischen Kompetenzen, Innovationsfähigkeit und neuen Einkommenskombinationen.
Insgesamt eröffnet das Projekt neue Perspektiven für Jungbäuerinnen und Jungbauern und leistet einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität der Landwirtschaft sowie zur Stärkung lebendiger ländlicher Regionen.
Einbeziehung von Frauen
Frauen treiben die Diversifizierung voran
Wie sichern Österreichs Landwirt:innen die Zukunft ihrer Betriebe? Eine österreichweite Telefonumfrage der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut KeyQuest unter 810 landwirtschaftlichen Betrieben, zeigt: Diversifizierung gewinnt stark an Bedeutung. Rund ein Drittel der Befragten plant neue Zusatzleistungen oder Geschäftszweige. Erfolgsfaktoren sind vor allem hohe Produktqualität, Markt- und Kundennähe sowie persönliche Motivation.
Besonders erfolgreich sind Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof und pädagogische Angebote; 79 Prozent der diversifizierenden Betriebe sind zufrieden, über 60 Prozent blicken optimistisch in die Zukunft. Frauen spielen eine zentrale Rolle als Innovationstreiberinnen, da sie häufig zusätzliche Berufserfahrung und neue Perspektiven einbringen.
Gleichzeitig wünschen sich die Betriebe mehr Bildungs- und Beratungsangebote – insbesondere zu Betriebswirtschaft, Recht, Vermarktung und Soft Skills – sowie praxisnahe Formate zum Austausch. Netzwerke gelten als wichtigste Inspirationsquelle für neue Ideen.
Die wichtigsten Lernerfahrungen
Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Derzeit werden die Handlungsempfehlungen für Bildungs- und Beratungsangebote sowie erforderliche Kompetenzen erarbeitet. Ein zentrales Learning ist bereits jetzt die große Bedeutung der Vernetzung zwischen Landwirtschaft und Wirtschaft. An diesen Schnittstellen entsteht wesentliche Wertschöpfung, gleichzeitig besteht hier noch erhebliches Entwicklungspotenzial.
Übertragbarkeit
Die im Projekt entwickelten Handlungsempfehlungen und Maßnahmen sind grundsätzlich auf alle Bundesländer sowie auch auf andere Länder übertragbar. Durch den systematischen Ansatz können sie flexibel an regionale Rahmenbedingungen angepasst werden. Eine konkrete Nachfrage zur Umsetzung liegt bereits aus der Schweiz vor, wo eine Beratungsorganisation Interesse zeigt, die im Projekt erarbeiteten Ansätze zur Diversifizierung zu übernehmen. Zudem besteht ein enger fachlicher Austausch mit Bayern, wodurch auch hier eine Übertragbarkeit unterstützt wird. Damit zeigt sich, dass das Projekt nicht nur national, sondern auch im deutschsprachigen Raum als Modell dienen kann.
