LEADER: Grazer Bergland Regionales Profil: Kunst & Kultur
Die LEADER-Region Grazer Bergland ist die Heimat einer vielfältigen und aktiven Kunst- und Kulturszene. In dieser Stärke liegt ein großes Potenzial für die regionale Entwicklung: Durch die gezielte Förderung von Kunst und Kultur sowie durch neue Formen der Zusammenarbeit kann die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Region gestärkt und der soziale Zusammenhalt gefördert werden. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund von Abwanderungstendenzen im ländlichen Raum von hoher Bedeutung.
Ausgehend von der Kulturstrategie 2030 des Landes Steiermark wurde ein breit angelegter Beteiligungsprozess zur Entwicklung eines regionalen Profils für Kunst und Kultur initiiert. Ziel des Projekts war es, die Vielfalt der bestehenden kulturellen Aktivitäten sichtbar zu machen, gemeinsame Perspektiven zu entwickeln und die Grundlage für eine stärkere Vernetzung und strategische Weiterentwicklung der Kulturszene in der Region zu schaffen.
Im Rahmen des Projekts wurden vier moderierte Workshops mit rund 35 Vertreterinnen und Vertretern aus Hochkultur, Volkskultur und freier Szene aus allen Gemeinden der Region durchgeführt. Im Mittelpunkt standen zentrale Fragestellungen zur kulturellen Nahversorgung, zur Stärkung generationenübergreifender kultureller Angebote sowie zur Verbesserung der Zusammenarbeit und Koordination innerhalb der Kulturszene. Darüber hinaus wurden grundlegende Fragen behandelt wie: Was zeichnet die Kunst- und Kulturlandschaft der Region aus? Welche Stärken und Potenziale bestehen? Wo liegen aktuelle Herausforderungen? Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Vereinen und Kulturschaffenden verbessert werden? Und wie kann aus der Vielfalt der Angebote ein gemeinsames, zukunftsfähiges regionales Profil entstehen? Ergänzend wurden externe Expertinnen und Experten eingebunden, um neue Perspektiven und Impulse einzubringen.
Ein wesentliches Ergebnis des Projekts ist der Aufbau und die Stärkung eines regionalen Netzwerks von Kunst- und Kulturakteur:innen, das auf Austausch, Kooperation und Vertrauen basiert. Die im Prozess erarbeiteten Inhalte wurden in einem umfassenden Ergebnispapier zusammengefasst, das konkrete Handlungsempfehlungen und Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung bis 2030 enthält. Dazu zählen unter anderem die Einrichtung regelmäßiger Vernetzungstreffen, die Entwicklung eines gemeinsamen Kulturkalenders sowie die Idee einer regionalen Kulturdrehscheibe als unterstützende Service- und Koordinationsstelle.
Das Projekt leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der regionalen Identität, zur kulturellen Sichtbarkeit sowie zur nachhaltigen Entwicklung der Kulturlandschaft im Grazer Bergland.
Erkenntnisse aus der Umsetzung: Der Beteiligungsprozess hat gezeigt, dass die Vielfalt der Kulturszene eine große Stärke darstellt, jedoch eine stärkere Abstimmung und Koordination notwendig ist, um Synergien zu nutzen. Besonders wirksam waren niederschwellige Austauschformate, die unterschiedliche Akteurinnen und Akteure zusammenbringen und neue Kooperationen ermöglichen. Für eine nachhaltige Weiterentwicklung braucht es kontinuierliche Vernetzung, klare Zuständigkeiten sowie unterstützende Strukturen wie Netzwerksprecherinnen oder -sprecheroder koordinierende Plattformen. Klar ist, dass Profilbildung ein längerfristiger Entwicklungsprozess ist, der auf kontinuierlicher Vernetzung, gemeinsam getragenen Zielbildern und aktivem Engagement aufbaut.
Was macht dieses Projekt besonders nachahmenswert?
- Breiter, partizipativer Ansatz: Durch die Einbindung von Akteur:innen aus Hochkultur, Volkskultur und freier Szene aus allen Gemeinden wurde ein gemeinsames Verständnis geschaffen und ein tragfähiges, regional verankertes Netzwerk aufgebaut.
- Konkrete, umsetzungsorientierte Ergebnisse: Der Prozess mündete nicht nur in Austausch, sondern in ein strukturiertes Ergebnispapier mit klaren Maßnahmen (z. B. Kulturkalender, Vernetzungstreffen, Kulturdrehscheibe), die direkt weiterverfolgt werden können.
- Übertragbares Modell für andere Regionen: Der methodische Zugang – moderierte Workshops, externe Expertise und strategische Ableitung – bietet eine leicht adaptierbare Vorlage für andere Regionen, die ihre Kulturszene vernetzen und ein gemeinsames Profil entwickeln möchten.
Darum war es wichtig, das Projekt umzusetzen
Die LEADER-Region Grazer Bergland verfügt über eine vielfältige und aktive Kunst- und Kulturszene, die sich durch ein breites Spektrum an Initiativen, Vereinen, Kunstschaffenden und kulturellen Einrichtungen auszeichnet. Gleichzeitig war diese Vielfalt bislang nur teilweise sichtbar und wenig miteinander vernetzt. Es fehlte ein gemeinsames regionales Verständnis sowie eine abgestimmte strategische Ausrichtung, um die vorhandenen Potenziale gezielt zu nutzen und weiterzuentwickeln.
Die zunehmenden Herausforderungen im ländlichen Raum – wie Abwanderung, veränderte Freizeit- und Konsumgewohnheiten sowie steigende Anforderungen an Sichtbarkeit und Professionalisierung im Kulturbereich – verstärken den Bedarf nach neuen Formen der Zusammenarbeit und Koordination. Zudem stehen viele kulturelle Initiativen vor strukturellen Herausforderungen, etwa begrenzten finanziellen Ressourcen, fehlenden Austauschformaten oder mangelnder Abstimmung bei Veranstaltungen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Stärkung von regionaler Identität, sozialem Zusammenhalt und kultureller Nahversorgung zunehmend an Bedeutung. Kunst und Kultur übernehmen dabei eine wichtige Rolle als verbindendes Element zwischen Gemeinden, Generationen und gesellschaftlichen Gruppen.
Aufbauend auf der Kulturstrategie 2030 des Landes Steiermark ergab sich die Notwendigkeit, einen strukturierten Beteiligungsprozess zu initiieren, um die Vielfalt der Kulturszene sichtbar zu machen, Bedarfe zu erheben und eine gemeinsame Grundlage für zukünftige Kooperationen und strategische Entwicklungen zu schaffen. Ziel war es, die Kulturszene im Grazer Bergland langfristig zu stärken und als wichtigen Bestandteil der regionalen Entwicklung zu positionieren.
Ziele des Projekts
- Sichtbarmachung und Profilierung der regionalen Kunst- und Kulturlandschaft im Grazer Bergland
- Stärkung der regionalen Identität durch bewusste Verknüpfung von Kultur, Lebensraum und Gemeinschaft
- Aufbau und Vertiefung eines nachhaltigen Netzwerks zwischen Kunstschaffenden, Kulturakteurinnen und -akteuren, Gemeinden und Institutionen
- Förderung von Kooperation und Austausch innerhalb der Kulturszene über Gemeinde- und Sparten hinweg
- Verbesserung der Abstimmung und Koordination von kulturellen Aktivitäten und Angeboten in der Region
- Stärkung der kulturellen Nahversorgung durch niederschwellige und vielfältige Zugänge zu Kunst und Kultur
- Förderung generationenübergreifender kultureller Angebote und Einbindung unterschiedlicher Zielgruppen
- Erhebung von Bedarfen und Herausforderungen der regionalen Kulturszene als Grundlage für zukünftige Entwicklungen
- Schaffung einer strategischen Grundlage für die Weiterentwicklung der Kunst- und Kulturszene im Grazer Bergland bis 2030
- Impulssetzung für neue Formate, Kooperationen und gemeinsame Initiativen in der Region
Maßnahmen um die Projektziele zu erreichen
Das Projekt wurde im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik / LEADER (77-05) umgesetzt und umfasste einen strukturierten Beteiligungs- und Entwicklungsprozess zur Erarbeitung eines regionalen Profils für Kunst und Kultur im Grazer Bergland.
- Projektvorbereitung und Konzeption: Zu Beginn erfolgte die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung des Beteiligungsprozesses. Dazu zählten Sondierungsgespräche, die Einbindung externer Expertinnen und Experten sowie die Konzeption der Workshopreihe. Gleichzeitig wurde eine breite Zielgruppe aus allen Gemeinden und unterschiedlichen Kulturbereichen identifiziert und eingeladen.
- Durchführung der Workshopreihe (Mai–Juli 2024): Im Zentrum des Projekts standen vier moderierte Workshops an unterschiedlichen Kulturorten der Region. Rund 35 Vertreterinnen und Vertreter aus Hochkultur, Volkskultur und freier Szene nahmen daran teil. Die Workshops dienten dem Austausch, der Analyse der bestehenden Kulturlandschaft sowie der gemeinsamen Erarbeitung von Herausforderungen, Potenzialen und Entwicklungsperspektiven. Ergänzend brachten externe Expertinnen und Experten fachliche Impulse ein.
- Netzwerkaufbau und Vertiefung der Zusammenarbeit: Im Zuge der Workshops wurde gezielt der Aufbau eines regionalen Netzwerks gefördert. Durch interaktive Formate wie Gruppenarbeiten, Diskussionen und Austauschformate wurden neue Kontakte geknüpft und bestehende Verbindungen gestärkt. Ziel war es, die Basis für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen den Akteurinnen und Akteuren zu schaffen.
- Sammlung und Strukturierung der Ergebnisse: Die in den Workshops erarbeiteten Inhalte wurden systematisch dokumentiert, ausgewertet und zusammengeführt. Dabei wurden zentrale Themenfelder wie kulturelle Nahversorgung, Kooperation, Sichtbarkeit, Kommunikation und Profilbildung herausgearbeitet.
- Erstellung des Ergebnispapiers: Als zentrales Projektergebnis wurde ein umfassendes, rund 50-seitiges Ergebnispapier erstellt. Dieses fasst die Erkenntnisse des Beteiligungsprozesses zusammen und enthält konkrete Handlungsempfehlungen sowie strategische Ansätze für die Weiterentwicklung der Kunst- und Kulturszene im Grazer Bergland bis 2030.
- Ergebnispräsentation und Abschluss des Prozesses: Im Rahmen einer abschließenden Veranstaltung wurden die Ergebnisse präsentiert und mit den Teilnehmenden reflektiert. Gleichzeitig wurden nächste Schritte definiert, darunter die Fortführung von Vernetzungstreffen, die Entwicklung eines gemeinsamen Kulturkalenders sowie die Weiterverfolgung der Idee einer regionalen Kulturdrehscheibe.
Ergebnisse und Wirkungen quantitativ
- Durchführung eines strukturierten Beteiligungsprozesses mit 4 Workshops (Mai–Juli 2024) sowie 1 Ergebnispräsentation mit insgesamt rund 35 aktiv teilnehmenden Kulturakteurinnen und -akteuren aus allen Gemeinden der Region
- Erstellung eines umfassenden Ergebnispapiers (ca. 50 Seiten) mit konkreten Handlungsempfehlungen und strategischen Ansätzen zur Weiterentwicklung der Kunst- und Kulturszene bis 2030
Ergebnisse und Wirkungen qualitativ
- Wesentlicher Beitrag zur stärkeren Vernetzung der bislang oft fragmentierten Kunst- und Kulturszene im Grazer Bergland, dadurch auch Förderung eines gemeinsamen Verständnisses für regionale Zusammenarbeit
- Schaffung eines vertrauensvollen Austauschraumes durch den offenen und moderierten Beteiligungsprozess, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar wurden und gegenseitiges Verständnis wachsen konnte
- Besonders wirksam: die Stärkung des Bewusstseins für die Vielfalt und Qualität der bestehenden kulturellen Aktivitäten. Die beteiligten Akteurinnen und Akteure erkannten die kulturelle Breite der Region als gemeinsame Stärke und entwickelten erste Ansätze, diese Vielfalt künftig besser zu koordinieren und sichtbar zu machen.
- Verbesserte Zusammenarbeit über Gemeinde- und Spartengrenzen hinweg: neue Kontakte und Kooperationen wurden angestoßen, bestehende Netzwerke vertieft und die Bereitschaft zur gemeinsamen Weiterentwicklung deutlich erhöht. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von klaren Kommunikationsstrukturen und regelmäßigen Austauschformaten als zentrale Voraussetzung für eine funktionierende regionale Kulturarbeit erkannt.
- Impulse für eine stärkere strategische Ausrichtung der Kulturszene: Die Idee eines gemeinsamen regionalen Profils sowie die Diskussion über unterstützende Strukturen – wie etwa eine Kulturdrehscheibe oder Netzwerksprecherinnen und -sprecher – schaffen eine Grundlage für langfristige Weiterentwicklungen.
- Gesellschaftliche Wirkung: Stärkung der regionalen Identität, Förderung des generationenübergreifenden Austauschs sowie Verbesserung der kulturellen Nahversorgung durch abgestimmte und kooperative Ansätze
- Wirtschaftliche und strukturelle Wirkung: Schaffung einer strategischen Grundlage für zukünftige kulturbezogene Projekte, Kooperationen und Wertschöpfungseffekte im Bereich Kultur, Tourismus und regionaler Entwicklung
Mehrwert durch Vernetzung
Das Projekt kann als Beispiel für wirksame Vernetzungsarbeit in der regionalen Kulturentwicklung verstanden werden. Durch den strukturierten Beteiligungsprozess wurden erstmals Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Kunst- und Kulturbereichen sowie aus allen Gemeinden der Region Grazer Bergland systematisch zusammengeführt. Diese breite Einbindung ermöglichte einen offenen Austausch auf Augenhöhe und förderte das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Arbeitsweisen, Herausforderungen und Potenziale.
Die Vernetzung hat wesentlich dazu beigetragen, bislang getrennt agierende Initiativen miteinander in Kontakt zu bringen und neue Kooperationen anzustoßen. Bestehende Netzwerke wurden gestärkt und durch neue Verbindungen ergänzt. Dadurch entstand eine tragfähige Grundlage für zukünftige gemeinsame Projekte, abgestimmte Veranstaltungsformate und eine koordinierte Weiterentwicklung der Kulturszene.
Ein zentraler Mehrwert liegt in der verbesserten Abstimmung und Koordination kultureller Aktivitäten. Durch den Austausch wurden Doppelgleisigkeiten sichtbar gemacht und gleichzeitig Synergien identifiziert, die künftig effizient genutzt werden können. Die im Projekt entwickelten Ansätze –wie regelmäßige Vernetzungstreffen, ein gemeinsamer Kulturkalender oder die Idee einer regionalen Kulturdrehscheibe– tragen dazu bei, die Zusammenarbeit langfristig zu strukturieren und zu verstetigen.
Die Vernetzung hat darüber hinaus die regionale Identität und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Durch das gemeinsame Arbeiten an einem regionalen Profil wurde ein stärkeres Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt als gemeinsame Stärke geschaffen. Dies wirkt sich positiv auf die Motivation der Akteurinnen und Akteure und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit aus.
Insgesamt zeigt das Projekt, dass gezielte Vernetzungsarbeit ein wesentlicher Schlüssel ist, um vorhandene Potenziale sichtbar zu machen, Kooperationen zu fördern und nachhaltige Entwicklungsprozesse in der Region anzustoßen.
Innovation
Das Projekt „Entwicklung eines regionalen Profils für Kunst und Kultur“ zeichnet sich durch einen neuen, strukturierten Ansatz der regionalen Zusammenarbeit aus. Im Mittelpunkt steht ein partizipativer Prozess, der erstmals Akteurinnen und Akteure aus Hochkultur, Volkskultur und freier Szene sowie Vertreterinnen und Vertreter von Gemeinden und Institutionen systematisch zusammengeführt hat.
Innovativ ist insbesondere die Art der Zusammenarbeit: Durch moderierte Workshops wurde ein offener Dialograum geschaffen, in dem unterschiedliche Perspektiven gebündelt, gemeinsame Herausforderungen identifiziert und konkrete Lösungsansätze entwickelt werden konnten. Damit wurde eine neue Qualität der Vernetzung erreicht, die über bisherige Einzelinitiativen hinausgeht.
Ein wesentliches Ergebnis ist die Entwicklung eines kooperativen Arbeitsmodells für die regionale Kulturarbeit, das auf kontinuierlichem Austausch, klaren Zielbildern und abgestimmten Aktivitäten basiert. Die im Projekt entwickelte Idee einer regionalen Kulturdrehscheibe stellt dabei einen zukunftsweisenden Ansatz dar, um Koordination, Information und Zusammenarbeit langfristig zu strukturieren.
Darüber hinaus wurde ein übertragbarer methodischer Ansatz entwickelt: Die Kombination aus Beteiligungsprozess, Workshopreihe und strategischer Aufbereitung der Ergebnisse kann auch in anderen Regionen eingesetzt werden, um komplexe Themen gemeinsam zu bearbeiten und weiterzuentwickeln. Ausschlaggebend für die erzielte Innovation war insbesondere die breite Einbindung unterschiedlichster Akteurinnen und Akteure, die professionelle Moderation des Prozesses, sowie die Offenheit, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln und neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. Die Anbindung an die Kulturstrategie 2030 des Landes Steiermark stellte zudem sicher, dass die Ergebnisse langfristig anschlussfähig und weiterführbar sind.
Einbeziehung von jungen Menschen
Junge Menschen wurden im Rahmen des Projekts gezielt als Teil der regionalen Kunst- und Kulturszene sowie als zukünftige Träger:innen kultureller Entwicklung einbezogen. Im Zuge der Workshopreihe nahmen auch jüngere Kulturakteur:innen, Kreative und Vertreter:innen aus unterschiedlichen Bereichen der Kulturszene teil und brachten ihre Perspektiven aktiv in den Beteiligungsprozess ein.
Ein zentrales Thema in den Workshops war die Frage, wie generationenübergreifende Zugänge zu Kunst und Kultur gestärkt und junge Menschen besser in kulturelle Aktivitäten eingebunden werden können. Dabei wurden insbesondere Bedarfe nach niederschwelligen Angeboten, neuen Formaten sowie Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung durch junge Menschen diskutiert. Auch die Bedeutung von Austauschformaten zwischen etablierten Akteurinnen und Akteuren und jungen Kulturschaffenden wurde hervorgehoben.
Durch das Projekt profitieren junge Menschen vor allem indirekt, indem verbesserte Rahmenbedingungen für kulturelle Teilhabe und Mitwirkung geschaffen werden. Die angestoßene stärkere Vernetzung der Kulturszene erleichtert den Zugang zu bestehenden Strukturen, eröffnet neue Kooperationsmöglichkeiten und unterstützt die Entwicklung eigener Projekte. Darüber hinaus tragen geplante Maßnahmen wie gemeinsame Plattformen, Veranstaltungsformate oder eine Kulturdrehscheibe dazu bei, junge Menschen künftig gezielter anzusprechen und einzubinden.
Insgesamt leistet das Projekt einen Beitrag dazu, dass junge Menschen ihre kreativen Potenziale in der Region entfalten können, sich stärker mit ihrer Heimat identifizieren und aktiv an der kulturellen Entwicklung im Grazer Bergland mitwirken.
Einbeziehung von Frauen
Frauen waren im Projekt in unterschiedlichen Rollen aktiv eingebunden – als Künstlerinnen, Kulturakteurinnen, Vertreterinnen von Vereinen und Institutionen sowie als Teilnehmerinnen der Workshopreihe. Durch den offen gestalteten Beteiligungsprozess wurde bewusst darauf geachtet, dass unterschiedliche Perspektiven gleichwertig eingebracht werden können und ein Austausch auf Augenhöhe stattfindet.
Ein besonderer Aspekt war die starke Einbindung weiblicher Expertise: Die eingeladenen externen Expertinnen, die fachliche Inputs in den Workshops lieferten, waren mehrheitlich weiblich. Dadurch wurden gezielt weibliche Perspektiven und Erfahrungen in den Prozess eingebracht und sichtbar gemacht.
Die Workshops boten einen niederschwelligen Rahmen, in dem Frauen ihre Erfahrungen, Bedarfe und Ideen in die Entwicklung des regionalen Kulturprofils einbringen konnten. Dabei wurden auch Themen wie Sichtbarkeit von Kulturarbeit, Vereinbarkeit von Engagement und Beruf sowie strukturelle Herausforderungen im Kulturbereich diskutiert. Der Austausch zwischen unterschiedlichen Generationen und Tätigkeitsfeldern trug dazu bei, vielfältige Sichtweisen sichtbar zu machen und gegenseitige Unterstützung zu fördern.
Durch das Projekt profitieren Frauen durch die Stärkung ihrer Netzwerke und die verbesserte Einbindung in regionale Kooperationsstrukturen. Neue Kontakte und Austauschformate erleichtern den Zugang zu Informationen, Ressourcen und möglichen Projektpartnerschaften. Gleichzeitig tragen die angestoßenen Maßnahmen – wie regelmäßige Vernetzungstreffen oder gemeinsame Plattformen – dazu bei, die Sichtbarkeit von Frauen in der regionalen Kulturszene weiter zu erhöhen.
Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Stärkung der Geschlechtergleichstellung, indem es gleiche Beteiligungsmöglichkeiten schafft, weibliche Perspektiven sichtbar macht und strukturelle Voraussetzungen für eine stärkere Teilhabe von Frauen in der regionalen Kulturarbeit verbessert.
Die wichtigsten Lernerfahrungen
Das Projekt war bewusst als offener und niederschwelliger Beteiligungsprozess konzipiert, um eine möglichst breite Vielfalt an Perspektiven einzubeziehen. Im Rahmen der Workshops wurden Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bereichen der Kunst- und Kulturszene eingeladen – darunter auch Vertreter:innen aus inklusiven Kulturinitiativen sowie Personen mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen und beruflichen Hintergründen.
Ein zentrales Anliegen war es, unterschiedliche Zugänge zu Kunst und Kultur sichtbar zu machen und Barrieren abzubauen. In den Diskussionen wurden Themen wie niederschwellige Angebote, Teilhabe für unterschiedliche Zielgruppen sowie die Bedeutung von inklusiven Formaten aktiv aufgegriffen. Dadurch konnten auch Perspektiven von Menschen berücksichtigt werden, die in klassischen Kulturformaten oft weniger sichtbar sind.
Die Vielfalt der Teilnehmenden – etwa aus Bereichen wie Soziokultur oder ehrenamtlicher Kulturarbeit – trug dazu bei, unterschiedliche Bedürfnisse und Herausforderungen zu identifizieren und in die Entwicklung des regionalen Profils einzubeziehen. Insbesondere der Fokus auf kulturelle Nahversorgung und generationenübergreifende Angebote stärkt langfristig inklusive Zugänge in der Region.
Übertragbarkeit
Das Projekt ist in hohem Maße auf andere Regionen und Organisationen übertragbar, da es auf einem klar strukturierten, methodischen Ansatz basiert. Die Kombination aus breitem Beteiligungsprozess, moderierten Workshops, Einbindung externer Expertise und strategischer Ergebnisaufbereitung stellt ein Modell dar, das unabhängig von regionalen Rahmenbedingungen angewendet werden kann.
Insbesondere Regionen mit einer vielfältigen, aber wenig vernetzten Kunst- und Kulturszene können von diesem Ansatz profitieren. Der Prozess ermöglicht es, vorhandene Potenziale sichtbar zu machen, Bedarfe zu identifizieren und eine gemeinsame Grundlage für zukünftige Zusammenarbeit zu schaffen. Die im Projekt entwickelten Elemente – wie regelmäßige Vernetzungstreffen, ein gemeinsamer Kulturkalender oder die Idee einer Kulturdrehscheibe – lassen sich flexibel an unterschiedliche regionale Gegebenheiten anpassen.
Ein weiterer übertragbarer Aspekt ist der Fokus auf partizipative Entwicklung und gemeinsame Profilbildung. Der Ansatz stärkt nicht nur die inhaltliche Zusammenarbeit, sondern auch die Identifikation der beteiligten Akteurinnen und Akteuren mit der Region und den gemeinsam entwickelten Zielbildern.
Der methodische Zugang des Projekts orientiert sich an bewährten Beteiligungs- und Strategieprozessen, wurde jedoch spezifisch auf die Bedürfnisse der LEADER-Region Grazer Bergland angepasst und weiterentwickelt. Vergleichbare Ansätze finden sich auch in anderen Regionen, etwa im Rahmen regionaler Kulturstrategien oder Netzwerkinitiativen, wodurch die grundsätzliche Übertragbarkeit bestätigt wird.
Eine direkte Übernahme des konkreten Modells aus dem Grazer Bergland ist aktuell nicht dokumentiert, jedoch bestehen klare Anknüpfungspunkte für andere LEADER-Regionen sowie für regionale und kommunale Organisationen, die ähnliche Prozesse zur Stärkung ihrer Kulturszene umsetzen möchten.
