Nachbericht: LEADER Jahrestagung 2026
Matthias Krenn (Bürgermeister von Bad Kleinkirchheim/ LAG-Obmann) und Gerhard Hoffer (Land Kärnten) bekräftigten in ihren Begrüßungsworten die Bedeutung von LEADER und den Wert, den diese Methode in der ländlichen Entwicklung einnimmt.
Hartmut Berndt (BAG-LAG, Deutschland) liefert eine kritische Betrachtung zur wiederkehrenden Notwendigkeit, den LEADER-Mehrwert darzustellen. Aus seiner Sicht gibt es drei wesentliche Bereiche, bei denen LEADER einen Unterschied macht: Stärkung von Demokratie, Stärkung europäischer Werte und Verbesserung der Lebensqualität in den ländlichen Räumen. Für die Zukunft von LEADER brauche es, so Berndt, auf europäischer Ebene eine finanzielle Absicherung in Form einer Mindestdotierung und LEADER müsse als verbindlicher Ansatz im Rural Target festgelegt werden. Aber auch die Mitgliedsstaaten seien gefordert: eine starke Stimme der Akteur:innen und eine starke Ressortvertretung der ländlichen Räume bei der Erarbeitung des NRPP seien wichtig.
Im anschließenden Panel zeichnet Christian Rosenwirth (BMLUK) für Österreich ein optimistisches Bild zur Zukunft. Gemeinsam mit Ländern und Regionen werde derzeit versucht, LEADER zukunftsfit zu machen. Wichtig ist für ihn, LEADER nicht nur über das Management und die LEADER-Projekte zu bewerten, sondern auch die Netzwerke und die Wirkungen dazwischen sichtbar machen. Darüber hinaus gäbe es Herausforderungen, die von Bedeutung für Länder und Bund seien – hierauf sollten LAGs künftig einen Fokus legen.
Für Christian Kropfisch (Land Kärnten) ist der LEADER-Ansatz in Kärnten eine Erfolgsstory, durch den alle Gemeinden in regionale Strukturen eingebunden sind. Mit dem Kärntner Regionalentwicklungsgesetz wurden gemeinsame Zielsetzungen zwischen Ländern und Regionen definiert und damit die Basis für Kooperation auf Augenhöhe gelegt. Auch in der Multifonds-Finanzierung gehe man neue Wege, indem man stärker auf nationale Mittel und Kooperation mit Fachstellen des Landes setzt. Damit solle die regionale und lokale Ebene wieder stärker in der Lage versetzt werden, Projekte zu finanzieren und umzusetzen.
Dass man für den LEADER-Mehrwert in Österreich bereits einen guten Zugang gefunden habe, bekräftigt Wolfgang Berger (LEADER-forum). LEADER ist für ihn mehr als die Summe der Projekte und gekennzeichnet von großer Bereitschaft und Motivation, in den ländlichen Räumen zu gestalten. Dies bedeutet oft auch, Akzeptanz der Menschen für Veränderung vor Ort zu schaffen – hier kann LEADER eine wichtige Rolle spielen. LEADER werde künftig noch strategischer und fokussierter arbeiten. Den Rahmen dafür bildet das Konzept des “umfassenden Resilienzaufbaus“.
Michaela Oberlassnig (Bürgermeisterin Gemeinde Feld am See) konstatiert eine Verbesserung der Lebensqualität in ihrer Gemeinde über die letzten Jahre und dass dies auch mit LEADER zu tun habe. Dabei seien Initiativen von Vereinen oder jungen Menschen wichtig, aber auch größere Projekte (z.B. Nachmittagsbetreuung, Infrastruktur) werden von den Menschen sehr geschätzt. Die Zusammenarbeit auf regionaler Ebene sei eng und mit dem Ziel verbunden, zur besten Lebens- und Arbeitsregion zu werden.
Gastgeberin Katharina Spöck (LAG Nockregion Oberkärnten) knüpft hier an und beschreibt die regionale Leitinitiative „Auf dem Weg zur besten Lebens- und Arbeitsregion“. Negative Geburtenbilanz sei auch in der Nockregion größter Treiber für die sinkenden Bevölkerungszahlen, dennoch sehe die Region einige Ansatzpunkte für positive Bevölkerungsdynamik, nämlich Menschen zum Bleiben zu bewegen sowie Menschen zum Zuzug und zur Rückkehr zu gewinnen. Dafür haben sich alle 16 Gemeinden per Gemeinderatsbeschlüssen zu einer 10-Punkte-Charta bekannt. Auch für Unternehmen wurden Kriterien erarbeitet, um im Sinne eines „employer development“ die Arbeitsattraktivität zu steigern. Zusätzliche Synergien entstehen in der Region dadurch, dass LEADER, Tourismusmanagement sowie KEM und KLAR im „Kompetenzzentrum für Regionalentwicklung“ angesiedelt sind.
LAG-Managerin Christina Gassner gab einen Einblick in die LAG Elsbeere Wienerwald, die gelegen zwischen Wien und St. Pölten rund 41.000 Einwohner:innen umfasst. Eine Selbstanalyse der Periode LE14-23 ergab, dass viele lokale/einzelgemeindliche Projekte umgesetzt werden was dazu führte, dass man sich in einem Strategieprozess nicht nur inhaltlich neu ausgerichtet, sondern auch Gremien verschlankt und umgebaut habe. Auch die Prozesse wurden umgestellt und man arbeitet dort nun mit thematischen Calls, die jeweils durch ein regionales Vorprojekt eingeleitet werden. Über die Jahre konnte die LAG dadurch auch das Finanzmittelspektrum von LEADER, KEM und FFG Förderungen ausweiten, indem es gelang, Mittel aus dem Erneuerbaren-Energie Ausbaugesetz, Horizon Europe, dem Sozialministerium sowie durch genehmigte LIN und LIP-Projekte zu erschließen.
Der zweite Teil des Vormittags war dem Peer-To-Peer Austausch in drei Gruppen gewidmet.
Eine Gruppe widmete sich der Frage, wie die Zukunft von LEADER durch die Leitungsgremien gestaltet werden kann und knüpfte dabei an den Roundtable der Obleute vom Vortag an. Die Teilnehmenden sprachen hier aktiv derzeitige Herausforderungen und Unsicherheiten mit dem Nationalen und regionalen Partnerschaftsplänen (NRPP) an. Wichtig war ihnen auch, Austausch, Zusammenarbeit und Weiterbildung der Obleute zu intensivieren und sich gezielt mit der Aktivierung einer nachfolgenden Funktionärsgeneration zu beschäftigen.
Austausch von Erfahrungen mit unterschiedlichen Förderprogrammen war der Schwerpunkt einer zweiten Gruppe. Als Einstieg diente in diesem Rahmen ein Vortrag von Sandra Herrmann und Sascha Ruhland (FFG), zu neuen Fördermaßnahmen der FFG im Rahmen der 5 EU-Missions. Im anschließenden Austausch wurde die Vielfalt genutzter Förderungen sichtbar, darunter Ländliche Innovationssysteme (LIN/ LIP), Reallabore, “Diversity Checks” sowie weitere Angebote der FFG. Mit Blick auf künftiges Arbeiten mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten sowie Forschungskooperationen führte die Diskussion zur zentralen Erkenntnis, dass mehr sektorübergreifende Zusammenarbeit und das Denken außerhalb etablierter “Silos” essentiell sei und es mehr Austauschformate dazu braucht.
In die Gruppe Synergien zwischen LEADER Region, Bundes- und Landesebene startete Anton Zimmermann (BMWET) mit Informationen zur VisionT, der neuen Bundesstrategie für Tourismus. Am Beispiel des Tourismus wurde dann gemeinsam diskutiert, wie gut die Verzahnung zwischen Tourismusakteur:innen und Regionalentwicklung regional sowie ebenen-übergreifend gelingt. Als Erfolgsfaktoren auf regionaler Ebene gelten gegenseitige Repräsentationen in Gremien, Themen wie Mobilität als gemeinsame Schnittstelle oder ein gemeinsam genutzter (Büro-)Standort. Über die Ebenen hinweg wünschen sich die Regionen mehr Abstimmung von Landesseite mit den Regionen und eine Einbeziehung in Strategieprozesse. Auch hier wurde die Wichtigkeit angesprochen, die tradierten Silos aufzubrechen, indem beispielsweise Kommunikation zwischen Landestourismusorganisationen und Destinationen künftig auch auf LEADER-Regionen ausgedehnt werden sollte.
