Gemeinsam stark: Warum Kooperationen der Schlüssel zu einer resilienten, zukunftsfähigen Landwirtschaft sind

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Die Landwirtschaft steht unter wachsendem Druck: steigende Kosten, knappe Ressourcen, hoher Investitionsbedarf und die Folgen der Klimakrise verändern die Rahmenbedingungen vieler Betriebe spürbar. Gerade in Österreich, wo die Landwirtschaft stark kleinstrukturiert und familiengetragen ist, gewinnen Kooperationen zunehmend an Bedeutung.

Überbetriebliche Zusammenarbeit, Wissensaustausch und regionale Wertschöpfung gelten immer stärker als Schlüssel für Resilienz und Zukunftsfähigkeit. Kooperationen können Risiken teilen, Innovation fördern und neue Perspektiven für die nächste Generation schaffen.

Beim Webinar Kooperationen in der Landwirtschaft – der Schlüssel zu unternehmerischer Stärke und Resilienz wurde deutlich: Zusammenarbeit geht heute weit über klassische Maschinengemeinschaften hinaus. Im Fokus stehen neue Formen gemeinsamer Vermarktung, Innovationspartnerschaften und sektorübergreifender Zusammenarbeit entlang regionaler Wertschöpfungsketten.

Wir haben mit Lukas Oßberger von der Landwirtschaftskammer Österreich darüber gesprochen, warum Kooperationen gerade jetzt zu einem zentralen Zukunftsthema innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)  werden.

Kooperationen gelten zunehmend als Schlüssel für eine resiliente und zukunftsfähige Landwirtschaft. Warum gewinnt das Thema gerade jetzt – insbesondere für kleinstrukturierte Familienbetriebe und die nächste Generation – so stark an Bedeutung?

Das Thema gewinnt derzeit stark an Bedeutung, da landwirtschaftliche Betriebe mit steigendem Kostendruck bei Betriebsmitteln, Energie und Maschinen sowie gleichzeitig niedrigen Erzeugerpreisen konfrontiert sind. Besonders für Österreichs kleinstrukturierte Familienbetriebe – mit einer durchschnittlich landwirtschaftlich genutzten Fläche von 25,6 Hektar je Betrieb und einem hohen Anteil an Familienarbeitskräften – stößt die Belastbarkeit oft an ihre Grenzen.

Kooperationen bieten hier einen zentralen Ansatz, um die unternehmerische Resilienz zu stärken. Für die nächste Generation steht dabei nicht nur wirtschaftliche Effizienz im Vordergrund, sondern zunehmend auch die Lebensqualität. Umfragen zeigen, dass Aspekte wie Freizeit, Urlaub und eine geringere Arbeitsbelastung für junge Landwirtinnen und Landwirte deutlich wichtiger sind. Kooperationen ermöglichen es, Verantwortung zu teilen, Risiken – etwa im Krankheits- oder Unfallfall – abzufedern und durch Arbeitsteilung spezialisiertes Wissen effizienter einzusetzen.

Kooperationen gehen heute weit über klassische Maschinengemeinschaften hinaus. Welche neuen Formen der Zusammenarbeit entstehen derzeit – und welche Rolle spielen dabei Innovation, regionale Wertschöpfung und das gemeinsame Weiterdenken von Landwirtschaft?

Kooperationen werden nach wie vor häufig mit klassischen Maschinengemeinschaften oder Genossenschaften gleichgesetzt. Tatsächlich existieren jedoch zahlreiche weitere Formen der Zusammenarbeit, die in vielen Bereichen der Landwirtschaft seit Langem gelebt werden – oftmals implizit und ohne klare Bezeichnung.

Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die vielfältigen Mehrwerte solcher Kooperationen deutlich. Positive Praxiserfahrungen sowie ein erweitertes Verständnis für Innovation und betriebliche Weiterentwicklung tragen maßgeblich dazu bei. Kooperationen eröffnen neue Perspektiven entlang der gesamten Wertschöpfungskette und in allen Bereichen der betrieblichen Entwicklung – etwa in Vermarktung, Verarbeitung oder im Dienstleistungsbereich – und fördern ein gemeinsames, zukunftsorientiertes Weiterdenken von Landwirtschaft im regionalen Kontext.

Insbesondere Innovation, Wissensaustausch und die Stärkung regionaler Wertschöpfung rücken dabei in den Mittelpunkt. Kooperationen sind damit zunehmend Plattformen für unternehmerische Dynamik und eine nachhaltige Weiterentwicklung von Betrieben.

Viele Herausforderungen lassen sich heute kaum mehr alleine bewältigen. Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Kooperationen langfristig funktionieren – und wie kann die GAP dazu beitragen, Zukunftsperspektiven für die nächste Generation zu schaffen?

Damit Kooperationen langfristig erfolgreich sind, braucht es geeignete rechtliche und strukturelle Rahmenbedingungen – insbesondere in Bereichen wie Raumordnung, Baurecht sowie Gewerbe- und Öffnungszeiten Regelungen.

Der entscheidende Erfolgsfaktor liegt jedoch im zwischenmenschlichen Bereich. Erfolgreiche Kooperationen erfordern ausgeprägte soziale Kompetenzen, insbesondere Kommunikationsfähigkeit, Vertrauen, Kompromissbereitschaft und professionelles Konfliktmanagement. Vertrauen, Offenheit und Verlässlichkeit bilden die zentrale Grundlage für eine stabile Zusammenarbeit und ein funktionierendes Kooperationsmanagement.

Aus diesen Anforderungen – gestützt durch Erfahrungsberichte aus der Praxis – lässt sich ableiten, dass bestehende Beratungsansätze weiterentwickelt werden könnten. Ziel sollte ein ganzheitlicher Zugang sein, der neben betriebswirtschaftlichen auch sozialen und organisatorischen Aspekten stärker berücksichtigt.

Ergänzend dazu spielen Bildungsangebote eine zentrale Rolle, insbesondere zur Stärkung unternehmerischer Kompetenzen wie Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation, Mitarbeiterführung und Konfliktlösung.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) kann hier einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie weiterhin gezielt und zukünftig noch stärker in Bildung, Beratung und kooperationsfördernde Maßnahmen investiert und so die Zukunftsaussichten für die nächste Generation nachhaltig stärkt.

 

Lukas Oßberger im Interview mit Netzwerk Zukunftsraum Land/ Stephanie Topf

Nachlese: Wenn Wasser fließt, wenn Wasser fehlt – Bodenwasserhaushalt im Wandel

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Das Frühjahrs-Bodenforum 2026 am 18. und 19. Mai in Petzenkirchen widmete sich dem Bodenwasserhaushalt sowie den Möglichkeiten, durch angepasste Bewirtschaftung die Wasserhalte- und Speicherfunktion von Böden zu stärken. Im Fokus standen aktuelle Erkenntnisse aus Forschung, Monitoring und landwirtschaftlicher Praxis.

Zu Beginn wurden Veränderungen des Landschaftswasserhaushalts thematisiert. Langjährige Messreihen zeigen, dass Trockenperioden, erhöhte Verdunstungsraten sowie häufigere Starkregenereignisse neue Anforderungen an das Wassermanagement stellen. Dabei wurde die Bedeutung einer Betrachtung hydrologischer Prozesse auf Ebene ganzer Einzugsgebiete hervorgehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf bodenhydrologischen Eigenschaften wie Porensystem, Infiltrationskapazität, Wasserspeichervermögen und Strukturstabilität. Vorgestellt wurden Ergebnisse des Projekts HydroBOD, das hydrologische und physikalische Bodeneigenschaften flächendeckend erfasst und für Anwendungen wie Erosionsbewertungen, Verdichtungsrisikoabschätzungen und Modellierungen des Landschaftswasserhaushalts nutzbar macht. Diskutiert wurden zudem Herausforderungen bei der Datenerhebung und der stärkeren Integration bodenkundlicher Informationen in wasserwirtschaftliche Planungen.

Die Zusammenhänge zwischen Bodenstruktur, Landnutzung, Oberflächenabfluss und Bodenerosion bildeten einen weiteren Themenblock. Als wesentliche Ursachen erhöhten Oberflächenabflusses wurden Bodenverdichtung, intensive Bodenbearbeitung und fehlende Bodenbedeckung genannt. Mehrere Beiträge zeigten die Wirksamkeit konservierender Bodenbearbeitungssysteme, Zwischenbegrünungen und angepasster Fruchtfolgen zur Reduktion von Erosion und Abfluss. Technische Maßnahmen wie Retentionsbecken wurden als ergänzende, nachgelagerte Instrumente eingeordnet.
Auch die Bedeutung hoher Wasserstände für Moore und den Erhalt organischer Kohlenstoffvorräte wurde diskutiert. Darüber hinaus wurde die Rolle organischer Bodensubstanz für die Dürre-Resilienz von Grünlandstandorten thematisiert.

Im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft wurden Veränderungen pflanzenphysiologischer und hydrologischer Prozesse dargestellt, darunter ein früherer Vegetationsbeginn, zunehmender Trockenstress und veränderte Wasserflüsse im Boden. Als Anpassungsmaßnahmen wurden Humusaufbau, die Förderung biologischer Aktivität, die Vermeidung von Bodenverdichtung sowie diversifizierte Fruchtfolgen und Agroforstsysteme genannt.
Nicht zuletzt wurden Isotopenmessung zur Analyse von Wasserflüssen sowie Herausforderungen bei der Umsetzung boden- und wasserschutzrelevanter Maßnahmen vorgestellt. Neben fachlichen und technischen Lösungsansätzen wurden insbesondere die Bedeutung von Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Gemeinden, der Wissenstransfer sowie geeignete Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung hervorgehoben.

Call “Ländliche Innovationspartnerschaft” noch bis 27.07.2026 geöffnet

Innovation
Klimaschutz
Natürliche Ressourcen

Die Fördermaßnahme Ländliche Innovationspartnerschaft unterstützt bei der Umsetzung ländlicher Innovationspartnerschaften (LIPs) mit dem Ziel, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure zu verbessern und neuartige Lösungen entlang der Wertschöpfungsketten sowie über Bereiche und Branchen hinweg zu entwickeln.

Achtung: Bis zum Ende der Förderperiode 2023–2027 werden keine weiteren 77-03 Calls mehr geöffnet.

Neues Erklärvideo: Soziale Säule der GAP

Lebensqualität

Mit unserem neuen animierten Erklärvideo setzen wir die Reihe zu den neun spezifischen Zielen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) fort. Im Mittelpunkt stehen diesmal die drei sozialen Ziele der GAP, die verdeutlichen, dass die Agrarpolitik weit über die landwirtschaftliche Produktion hinauswirkt.

Die soziale Säule der GAP rückt zentrale Zukunftsthemen in den Fokus: die Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum, faire Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft sowie die Stärkung ländlicher Gemeinschaften. Damit leistet die GAP einen wichtigen Beitrag zu lebenswerten Regionen, sozialem Zusammenhalt und nachhaltiger Entwicklung.

Wie bereits in den vorherigen Videos (zur ökologischen und ökonomischen Säule der GAP) werden die Inhalte anschaulich und verständlich in einem animierten Format aufbereitet. Ziel ist es, die vielfältigen Wirkungen der GAP sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für Landwirtschaft, Gesellschaft und ländliche Regionen zu vermitteln.

Die Soziale Säule der GAP
23.06.2026
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) stärkt nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Menschen und Regionen im ländlichen Raum. Unser neues animiertes Erklärvideo zeigt, wie die soziale Säule der GAP zu mehr Lebensqualität, fairen Arbeitsbedingungen und starken ländlichen Gemeinschaften beiträgt.

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Jahreskonferenz 2026 – #weiterdenken – Zukunft mit der nächsten Generation gestalten

Geschlechtergleichstellung
Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Die Jahreskonferenz 2026 von Netzwerk Zukunftsraum Land steht unter dem Motto „#weiterdenken – Zukunft mit der nächsten Generation gestalten“, dem Jahresthema von Netzwerk Zukunftsraum Land. Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Veränderungen stellt sich die Frage, wie junge Menschen die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume sehen und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit sie Verantwortung übernehmen und ihre Ideen einbringen können. Die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft am Land gelingt nur, wenn unterschiedliche Generationen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Die Veranstaltung bringt Akteur:innen der Gemeinsamen Agrarpolitik, der Land- und Forstwirtschaft, Regionalentwicklung, Innovation, Bildung und Beratung, Umwelt und Zivilgesellschaft zusammen. Anhand inspirierender Projekte aus Oberösterreich wird aufgezeigt, wie Generationen erfolgreich zusammenarbeiten und wie junge Menschen bereits heute Zukunft gestalten. Ziel der Konferenz ist es, Vernetzung und Austausch zu fördern, neue Perspektiven sichtbar zu machen und Impulse für die Weiterentwicklung ländlicher Räume zu setzen. Durch Exkursionen, Fachinputs und interaktive Dialogformate erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, voneinander zu lernen und gemeinsam Zukunft zu gestalten.

Nachbericht – „Gesellschaftlichen Wandel mitgestalten – Regionale Entwicklungsorganisationen als wichtige Schnittstellen in Transformationsprozessen“

AKIS-Kooperationsstelle
Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Unkategorisiert

Demographischer Wandel, Klimawandel, Digitalisierung, geo- und gesellschaftspolitische Spannungen – die Entwicklung von Regionen wird von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Dynamiken beeinflusst. Die dabei entstehenden Spannungen verlangen nach gänzlich neuen Entwicklungsansätzen, die dabei unterstützen, die Risiken dieser „Grand Challenges” abzufedern und daraus entstehende Chancen zu nutzen. Zentral dabei ist die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels, der nicht nur auf technologische Neuentwicklungen, sondern ganz klar auf grundlegende Veränderungen von Werten, Strukturen, Normen und Handlungsweisen abzielt.

Ein solcher gesellschaftlicher Wandel gelingt aber nicht nur rein Top-Down – durch Regeln, Verordnungen, oder Anreizsysteme – oder rein Bottom-Up, durch engagierte Einzelinitiativen. Stattdessen ist hier der gezielte Einsatz beider Systeme wichtig. In diesem Kontext kommt der regionalen Ebene, als „Intermediär”, besondere Bedeutung zu. Sie übersetzt globale Herausforderungen in lokale Kontexte, erprobt lokal passende (place-based) Lösungen, entwickelt sie weiter und unterstützt so bei der Skalierung.

Im Webinar „Gesellschaftlichen Wandel mitgestalten – Regionale Entwicklungsorganisationen als wichtige Schnittstellen im Transformationsprozess“ wurde ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet, über theoretische und praktische Überlegungen, Entwicklungen und Erfahrungen zu diesem Thema zu informieren. Gleichzeitig sollten regionale Entwicklungsorganisationen, wie etwa LEADER-Regionen, dazu motiviert werden, selbst transformative Entwicklungspfade anzuvisieren.

In einem ersten Teil präsentierte Markus Gruber (convelop) die Bedeutung einer systematischen regionalen Entwicklung, die mehr als nur Einzelprojekte vorantreibt, um transformativer wirksam zu werden. Die sogenannte „X-Curve” liefert dafür ein Hintergrundmodell: „Out-of-the-box-Denken” muss regional und systematisch gefördert und skaliert werden, um anschließend als neue Routinen und Lösungen verfestigt zu werden. Gleichzeitig gilt es, nicht nachhaltige Praktiken abzulegen und die negativen Auswirkungen davon abzufedern, um den Wandel gerecht zu gestalten. Damit können Pfadabhängigkeiten überwunden und Verbesserungen auf Transformationspfaden erreicht werden. Von besonderer Bedeutung, so Markus Gruber, ist dabei das Mehrebenensystem, wie er am Beispiel der Energiewende in der Region Holzwelt Murau skizzierte. Regionen können Raum für Neues schaffen, gemeinsame Kreativität fördern, Visionen formulieren, Widerstände annehmen, strategische Entscheidungen fällen und Kapazitäten zur Intermediation entwickeln. Dafür benötigen sie unterstützende innovationspolitische Rahmenbedingungen, die Experimente und Plattformen für interregionales Lernen fördern, Planungssicherheit schaffen, Exnovation vorantreiben und den öffentlichen Sektor in seiner proaktiven Rolle stärken.

In einem zweiten Teil ging es um die Frage, wie Regionen selbst transformativ wirksam werden können. Hier stellte Rita Trattnigg (BMLUK) Überlegungen zur Rolle der Region als „Innovationsökosystem” vor, die ausschlaggebend für die Gestaltung von Fördermaßnahmen des BMLUK sind. Wie Innovationsökosysteme aussehen, ist von unterschiedlichen Eigenschaften der Regionen abhängig, beispielsweise vorhandenen Innovationskapazitäten, einem gelungenen Zusammenspiel mit dem Mehrebenensystem, etwa durch partnerschaftliche Arbeit, Durchlässigkeit zwischen den Ebenen oder das Ermöglichen flexibler Zugänge, und der Einbindung (kreativer) externer Akteur:innen. Um von punktuellen Einzelinvestitionen hin zu verbundenen Projektclustern zu kommen, ist die Rolle der Intermediation zentral. Diese verbessert das Zusammenspiel verschiedenster Akteur:innen, unterstützt das Übersetzen zwischen den Ebenen und begleitet transformative Prozesse. Kurz, so Rita Trattnigg: „Ohne Intermediation kein Innovationsökosystem”.

Michael Fischer (Netzwerk Zukunftsraum Land) schloss an diesen Vortrag an und präsentierte anwendbare Strategien und Hacks für mehr Hebelwirkung auf regionaler Ebene. Drei Handlungsfelder sind dabei für den Aufbau von transformativen Kapazitäten zentral:

  • Handlungsspielräume öffnen und Bruchstellen nutzen
  • Neues schaffen und verbreiten
  • Navigieren und Orientierung geben

In diesen Handlungsfeldern kommt regionalen Entwicklungsorganisationen eine bedeutende Rolle zu. Zahlreiche praxisorientierte Hacks, mit denen diese Handlungsfelder bearbeitbar sind, finden sich nicht nur in den Präsentationsunterlagen dieses Vortrags, sondern auch in der Broschüre „Innovations-Kapazitäten in Regionen stärken” des BMLUK.

Im finalen Teil des Webinars tauchten die Teilnehmenden tiefer in die Praxis transformativer Regionalentwicklung ein. Dafür präsentierten zunächst Anna Knaus-Maurer und Michael Fend aus dem steirischen Vulkanland, wie eine klar definierte Vision transformative Entwicklungsprozesse fördern kann. In der Region hat man mit der „Vision Vulkanland Zukunftsfähigkeit 2040” schon seit Jahrzehnten ein klares Bild vor Augen, wie sich die Region zukünftig mit Blick auf menschliche, ökologische und wirtschaftliche Aspekte positionieren will. Diese Vision ist damit eine bedeutende Orientierungshilfe, auf Basis derer verschiedene regionale Institutionen (wie der Regionalverband, das Regionalmanagement oder das LAG Management) ihre unterschiedlichen Fertigkeiten auf ein Ziel ausgerichtet bündeln. Aufbauend auf den Erfahrungen, die das steirische Vulkanland in den letzten 25 Jahren gemacht hat, wurde die Chance genutzt, sieben zentrale Erkenntnisse dieses Wirkens zu präsentieren. Dazu gehören

  • die grundlegende Bedeutung eines klaren Zukunftsbildes,
  • das Arbeiten auf einer gemeinsamen Strategieebene,
  • das Fördern von Kooperationen,
  • das Fördern positiver Regionsbilder,
  • das Mitnehmen von Menschen und Fördern von Eigenverantwortung,
  • das Erhöhen der Sichtbarkeit regionaler Bemühungen durch eine gemeinsame Regionsmarke und
  • das langfristige Denken, auch über Förderperioden hinweg.

Über die Bedeutung von Mehrebenenzusammenarbeit sowie die sich verändernden Rahmenbedingungen nach 2028 sprach anschließend Christian Rosenwirth (BMLUK). Er gab wertvolle Einblicke in den Weiterentwicklungsprozess von LEADER und die neue Klimainitiative, die künftig LEADER-, KEM-, KLAR!- und e5-Strukturen bündeln soll. LEADER soll dabei zur zentralen strategischen Andockstation für Klima-, Energie-, Innovations- und Stadt-Umland-Themen, die unterschiedliche Förderinstrumente und -maßnahmen bündelt und so zu einer höheren regionalen Wirksamkeit und Skalierung erfolgreicher Lösungen beitragen soll.

Diese Bedeutung griff Wolfgang Berger (LEADER-Forum) in seinem abschließenden Beitrag zu den vielfältigen neuen Aufgaben, die auf LAGs zukommen, auf. Die Bedeutung von LEADER werde so laufend größer, weil „LEADER das bedeutendste bürgernahe Politikinstrument der EU in ländlichen Räumen” sei. In Zeiten sich ändernder geopolitischer Priorisierungen, zunehmender Polykrisen und starker EU- und Demokratieskepsis sei ortsbezogene Entwicklungsarbeit der Schlüssel, erfolgreiche und transformative ländliche Entwicklung zu fördern. LEADER wird dabei künftig einerseits eine Andockstation für verschiedene thematische Entwicklungen sein, andererseits aber auch eine bedeutende Mehrebenen-Drehscheibe, die neue Schnittstellen ermöglicht und zum gesellschaftlichen Ausgleich beiträgt. In seinem Beitrag zeichnete Wolfgang Berger abschließend ein Bild von den zahlreichen Rollen, die es LAGs ermöglichen, transformative Regionalentwicklung voranzutreiben und zu einem umfassenden Aufbau regionaler Resilienz beizutragen. Denn: „LEADER wirkt immer; aber gerade jetzt besonders!”, so Wolfgang Berger.

Für eine noch tiefere Auseinandersetzung mit den Inhalten dieses Webinars empfehlen wir einen Blick in die Präsentationsunterlagen und die Aufzeichnung der Veranstaltung. Wir bedanken uns herzlich bei den Vortragenden und den Teilnehmenden und blicken gespannt auf die Zukunft regionaler Entwicklungsorganisationen im Transformationsprozess!

Biodiversität messbar machen – Forschung und Ausbildung am ICEB

Innovation
Klimaschutz
Natürliche Ressourcen

Die Erfassung und Bewertung biologischer Vielfalt zählt zu den zentralen Herausforderungen des Naturschutzes im 21 Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Interdisciplinary Center for Ecosystem Services and Biodiversity (ICEB) an der Fachhochschule Kärnten der Entwicklung innovativer Ansätze, um Biodiversität und Ökosystemleistungen systematisch messbar zu machen.

Kern der Forschungsaktivitäten sind sogenannte Biodiversity Technologies. Diese umfassen ein breites Spektrum an Methoden und Werkzeugen, die ökologische Fragestellungen mit technologischen Entwicklungen verbinden. Durch die Einbettung in die Fakultät für Engineering & IT stehen dem ICEB Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Sensorik, Robotik, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Datenwissenschaft unmittelbar zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch ein molekularbiologisches Labor, das insbesondere genetische Analysen von Umweltmedien ermöglicht.

Vielfältige Erfassung von Biodiversität

ICEB setzt auf moderne Methoden und innovative Technologien, um die verschiedenen Ebenen der Natur zu erfassen und so die Artenvielfalt zu dokumentieren und zu schützen. Satelliten, Drohnen und Laserscanner liefern wertvolle Einblicke von Landschaften und Ökosystemen aus der Vogelperspektive. So lassen sich Veränderungen über längere Zeiträume flächendeckend beobachten und analysieren. Zentral ist dabei, diese Daten sinnvoll auszuwerten und mit Beobachtungen direkt vor Ort abzugleichen.
Automatisierte Kamerasysteme und Mikrofone erfassen Tiere rund um die Uhr, während Künstliche Intelligenz hilft, die dabei entstandenen Datenmengen zu analysieren. Zusätzlich geben Tracking-Technologien Aufschluss darüber, wie sich Tiere bewegen und ihren Lebensraum nutzen.
Einen besonders tiefen Einblick ermöglichen auch genetische Methoden. Mithilfe von DNA-Analysen lassen sich Arten sogar anhand kleinster Spuren in Wasser oder Boden nachweisen. So wird auch jene Biodiversität sichtbar, die dem bloßen Auge oft verborgen bleibt.

Qualifizierung für das Management von Schutzgebieten

So wichtig neue Technologien auch sind, ihre Wirkung entfalten sie erst, wenn gut ausgebildete Fachkräfte sie anwenden können. Daher bietet das ICEB auch unterschiedliche Ausbildungsprogramme an. Eines davon ist der berufsbegleitende, internationale Masterstudiengang „Management of Conservation Areas“, der am ICEB angesiedelt ist und vom UNESCO Chair for Sustainable Management of Conservation Areas getragen wird.

Schutzgebiete wie Nationalparks, Biosphärenparke oder Natura-2000-Gebiete spielen eine Schlüsselrolle für den Erhalt der Biodiversität. Weltweit sind rund 17 Prozent der Landfläche unter Schutz gestellt. Ihre wirksame Betreuung erfordert jedoch fundiertes Fachwissen und vielfältige Kompetenzen. Das Programm richtet sich daher an Fachkräfte aus Praxis, Verwaltung und angewandter Forschung, die ihre Kompetenzen im Bereich Schutzgebietsmanagement gezielt erweitern möchten. Der Studiengang vermittelt eine Kombination aus theoretischen Grundlagen, internationalen Standards und praxisorientierten Instrumenten. Zentrale Inhalte umfassen das effektive Management von Schutzgebieten, die Einbindung relevanter Stakeholder sowie den Einsatz moderner Technologien zur Datenerhebung und Entscheidungsunterstützung. Darüber hinaus werden Kompetenzen in inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit sowie in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

International ausgerichtet und praxisnah

Das Programm ist international ausgerichtet und wird durch ein breites Partnernetzwerk unterstützt, darunter internationale Organisationen wie UNESCO, IUCN und WWF. Lehrende aus Wissenschaft und Praxis gewährleisten eine enge Verzahnung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung.
Als berufsbegleitendes Studium konzipiert, erstreckt sich der vollwertige Masterlehrgang mit 120 ECTS über zwei Jahre und kombiniert kompakte Präsenzphasen, welche in Schutzgebieten in Zentraleuropa verbracht werden, mit digitalen Lernformaten. Dieses Modell ermöglicht eine unmittelbare Verknüpfung von Studieninhalten mit beruflicher Praxis. Darüber hinaus bringt die internationale Ausrichtung mit Englisch als Lehrsprache Teilnehmer:innen aus verschiedensten Ländern weltweit zusammen. Der nächste Studienbeginn ist für September 2026 vorgesehen.

Nachbericht KI in der Landwirtschaft – Daten als Treibstoff für Innovation

Innovation
Lebensmittelversorgung

Am 10. Juni 2026 lud das Netzwerk Zukunftsraum Land zur Veranstaltung „KI in der Landwirtschaft – Daten als Treibstoff für Innovation“ ins Francisco Josephinum nach Wieselburg. Mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Landwirtschaft, Forschung, Beratung und Bildung nutzten die Gelegenheit, um sich über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen rund um Daten und Künstliche Intelligenz auszutauschen.

Den Auftakt machte Datenexperte und Podcaster Christian Krug (unf#ck your data). In seinem Vortrag zeigte er auf, wie sorglos Daten häufig in Cloud-Systemen gespeichert werden und welche Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Gleichzeitig verdeutlichte er den Wert von Daten als Grundlage für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Diskutiert wurden Fragen der Datenhoheit sowie Möglichkeiten, Daten sicher zu teilen, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren. Initiativen wie der EU Data Act, Gaia-X oder AgDataHub wurden als wichtige Bausteine für zukünftige Datenräume vorgestellt.

Fabian Butzenlechner (Josephinum Research bzw. Innovation Farm) stellte das Konzept der Datenräume bzw. der Agrardatenräume vor. Mithilfe dieser könnten bisherige Datensilos geöffnet und im Rahmen klarer Transparenz- und Governancevorschriften miteinander geteilt werden. Durch den dezentralen Charakter der Datenräume sind große Datenplattformen und -speicher außerhalb Europas nicht mehr notwendig, weshalb sie eine wichtige Säule der digitalen Souveränität bilden. Gerade in der Landwirtschaft könnten Mehrfacherfassungen von Daten vermieden und somit ein wesentlicher Beitrag zur Bürokratiereduktion geleistet werden.

Im anschließenden Pitch-Format präsentierten Expertinnen und Experten aktuelle Forschungs- und Praxisprojekte. Peter Roth (VetMed Wien) gab Einblicke in den Einsatz von KI in der Veterinärmedizin. Christa Egger-Danner (ZuchtData) stellte das Forschungsprojekt ENSURE zur Nutzung von Tierhaltungs- und Gesundheitsdaten vor. Markus Gansberger (FH Wiener Neustadt) präsentierte die Stiftungsprofessur „Data-Centric AI in Agriculture“, die sich mit der Aufbereitung und Nutzung hochwertiger Daten für KI-Anwendungen beschäftigt. Elisabeth Reith (LK Steiermark) stellte die KI-Strategie der Landwirtschaftskammern Österreichs vor, die den Wissenstransfer und die Beratung durch KI-Anwendungen unterstützen soll. Peter Riegler Nurscher (Josephinum Research) präsentierte das Projekt „Driving Innovations in Smart Farming“.

Den Abschluss des Vormittags gestaltete Gertraud Leimüller (leiwand.ai) mit einem Blick auf die Zukunft einer daten- und KI-getriebenen Landwirtschaft. Sie zeigte auf, wie aus Daten konkrete Wertschöpfung entstehen kann, welche Rolle vertrauenswürdige KI spielt und warum Technologie-Souveränität für die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als zentrale Erfolgsfaktoren einer zukunftsfähigen Landwirtschaft nannte sie innovative Technologien, funktionierende Märkte und passende Governance-Strukturen.

Am Nachmittag wurden die Themen in Arbeitsgruppen vertieft. Die Gruppe „Datenräume: Use Cases und Potenziale“ diskutierte konkrete Anwendungsfälle für landwirtschaftliche Datenräume, deren Nutzen für Betriebe sowie Fragen zu Datenverfügbarkeit, Datenaustausch und Datenhoheit. In den Workshops „Change Management in Organisationen“ und „Wissenstransfer & Kompetenzen“ wurden nicht nur Erfolgsfaktoren für die sinnstiftende Einführung von KI in Unternehmen erarbeitet, sondern auch Good Practices zum Umgang mit KI und Erfahrungen zum Kompetenzaufbau unter den Teilnehmenden ausgetauscht. Die Gruppe „Interoperabilität, Standards und technische Aspekte“ beschäftigte sich mit dem Zusammenspiel von Maschinen, Softwarelösungen und digitalen Plattformen. Im Mittelpunkt standen bestehende Standards, Herausforderungen beim Datenaustausch und mögliche Verbesserungen für eine reibungslose Vernetzung.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Daten eine zentrale Ressource für die Weiterentwicklung von KI in der Landwirtschaft darstellen. Gleichzeitig wurden die Bedeutung von Datenhoheit, Interoperabilität und vertrauenswürdigen Rahmenbedingungen hervorgehoben. Die vorgestellten Projekte und Diskussionen zeigten eindrucksvoll, wie datenbasierte Innovationen dazu beitragen können, die Landwirtschaft nachhaltiger, effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten.

Aufruf zur Foto-Aktion: Dein Hof. Dein Foto. Deine Stimme

Geschlechtergleichstellung

Alle Landwirtinnen sind eingeladen, am Photovoice-Projekt mit dem Titel “Dein Hof. Dein Foto. Deine Stimme.” teilzunehmen, das vom SWIFT-Team organisiert wird. SWIFT – Supporting Women-Led Innovations in Farming and Rural Territories – ist ein vierjähriges, von der EU gefördertes Forschungsprojekt, das 2023 gestartet wurde. Zentral bei dieser Photovoice-Aktion ist, die Stimmen und Visionen von Landwirtinnen zu stärken, indem ihre Perspektiven sichtbar gemacht werden.

Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen und Visionen der Landwirtinnen: Wie zeigt sich Feminismus im Alltag als Landwirtin — und wo bleibt er aus? Wie sähe eine feministische Landwirtschaft aus? Um die Stimmen sichtbar zu machen und Diskussionen anzuregen, werden die Beiträge Teil einer Ausstellung sein.

Nähere Infos zu SWIFT gibt es HIER

Einreichung bis 31.07.2026 möglich!

Bürokratie bewältigen: Was Landwirtinnen und Landwirte wirklich belastet

Lebensqualität

Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie “Bürokratie fassbar machen“, welche konkreten bürokratischen Tätigkeiten in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betriebsformen in Österreich anfallen und mit welchen Herausforderungen, aber auch Mehrwerten diese verbunden sind.

Im Zentrum der Untersuchung stehen zwölf Fallstudien, in denen Landwirtinnen und Landwirte ihre Erfahrungen mit bürokratischen Anforderungen schildern. Berücksichtigt wurden Tätigkeiten, wie das Führen verpflichtender Aufzeichnungen, das Ausfüllen von Förderanträgen oder die Teilnahme an vorgeschriebenen Schulungen. Diese Pflichten ergeben sich aus gesetzlichen Vorgaben, aus der Teilnahme an freiwilligen staatlichen Programmen (z.B. im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik oder von Länderprogrammen) sowie aus freiwilligen privatwirtschaftlichen Qualitäts- und Herkunftsstandards (etwa Gütesiegel oder Programme von Molkereien). Nicht einbezogen wurden interne, freiwillige Aufzeichnungen sowie nicht landwirtschaftsspezifische bürokratische Tätigkeiten, wie Steuer- oder Baurecht