Nachlese: Es lebe die Vielfalt – Zukunftsfähige Agrarlebensräume für Bestäuber

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Die Tagung zeigte, wie eng Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander verbunden sind, wenn es um den Erhalt der Biodiversität geht. Bereits in der Begrüßung betonte die oberösterreichische Landtagsabgeordnete Regina Aspalter, dass jeder Haushalt, Balkon und Garten einen Beitrag leisten könne und auch bewusster Konsum saisonaler Produkte wichtig sei. Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich verwies auf die hohe Beteiligung am ÖPUL und die große Bedeutung der Maßnahmen UBB und Bio für Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz. Sophia Glanz, Leiterin des Netzwerk Zukunftsraum Land hob hervor, dass gegenseitiges Verständnis vor allem durch Austausch und Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft entstehen könne.

Im wissenschaftlichen Teil der Tagung erläuterte Carmen Nebauer von der TU München die enorme Vielfalt der Bestäuber. Während Honigbienen meist im Fokus stünden, seien 99 Prozent aller Bienenarten solitär lebend und besonders auf geeignete Lebensräume angewiesen. Neben Bienen übernehmen auch Schmetterlinge, Wespen, Käfer, Schwebfliegen und in anderen Regionen sogar Fledermäuse oder Echsen wichtige Bestäubungsleistungen. Rund 75 Prozent aller Kulturpflanzen und 88 Prozent aller Blütenpflanzen seien auf tierische Bestäubung angewiesen. Nebauer zeigte, dass unterschiedliche Bestäuber unterschiedliche Pflanzen bestäuben können. Wichtig seien dabei zum Beispiel die Vibrationsfrequenzen der Insektenkörper, mit denen selbige Pollen aus den Blüten lösen können. Auch Faktoren wie Zungenlänge oder Blütengröße spielten eine entscheidende Rolle. Studien hätten gezeigt, dass eine größere Vielfalt an Bestäubern auch höhere Erträge bringe. Gleichzeitig sei der Insektenrückgang dramatisch, insbesondere in ausgeräumten Agrarlandschaften. Entscheidend seien daher strukturreiche Landschaften mit Blühangeboten und Vernetzungselementen wie Hecken oder Agroforstflächen. Nebauer betonte außerdem, dass Bestäuber nicht nur einzelne Pflanzen, sondern eine große Vielfalt an Blühpflanzen benötigen. Wichtig seien zudem frühe Blühangebote im Frühjahr, offene Bodenstellen für bodennistende Wildbienen und ein reduzierte Schnitthäufigkeit.

Der Entomologe Jonathan Schwarz präsentierte Ergebnisse zu Blühflächen und Wildbienen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Vielfalt an Bienenarten besonders ab dem zweiten Jahr deutlich ansteige. Entscheidend sei die Vielfalt des Blütenangebots, wobei Blühflächen nach etwa drei Jahren oft vergrasen und neu angelegt werden sollten. Besonders geeignet für die Anlage von Blühflächen seien regionale Saatgutmischungen mit heimischen Pflanzenarten. Mulchen sei hingegen problematisch, da dadurch Nährstoffe auf der Fläche gelassen und offene Bodenstellen verschlossen würden. Auch strukturreiche Landschaftselemente wie Waldränder, Böschungen oder Feldraine seien essenziell, da viele Wildbienen dort ihre Nester anlegen. Zudem wurden erstmals zwei wärmeliebende Wildbienenarten in Oberösterreich nachgewiesen, was auch auf klimatische Veränderungen hinweist.

Patrick Falkensteiner, Mitarbeiter der Boden.Wasser.Schutz.Beratung widmete sich der Bedeutung blühender Zwischenfrüchte für Bienen. In Versuchen mit unterschiedlichen Aussaatmethoden, darunter auch Drohnensaat, zeigte sich, dass früh angelegte Zwischenfrüchte besonders wertvoll für Biomasseentwicklung und Blühdauer sind. Bereits vier bis fünf Wochen nach dem Anbau begann die Blüte. Besonders attraktiv für Bienen waren Buchweizen, Kreuzblütler, Phacelia und Kleearten. Gemeinsam mit Imkern wurden Bienenvölker an den Versuchsflächen betreut und Polleneinträge untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass blühende Zwischenfrüchte aktiv von Bienen genutzt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Landschaftsstrukturen und abgestimmte Saatgutmischungen entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen sind.

In Folge stellte Sabine Schoder von der Universität für Bodenkultur Ergebnisse des Wildbienenmonitorings vor. Im Rahmen eines österreichweiten Projekts mit rund 200 Standorten werden die Auswirkungen von ÖPUL-Maßnahmen auf Wildbienen untersucht. Besonders wichtig seien Feld- und Wegraine, extensive Wiesen, Hochstaudenfluren, Waldränder und andere Übergangsbereiche. Wildbienen benötigten neben Nahrung auch vielfältige Nistmöglichkeiten, etwa im Boden, in Totholz oder Pflanzenstängeln. Erste Ergebnisse zeigten positive Zusammenhänge zwischen biodiversitätsfördernden Maßnahmen im ÖPUL und der Anzahl an Wildbienenarten, insbesondere in intensiv genutzten Ackerlandschaften.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger, Christine Hörlezeder, Vertreterin des BMLUK, Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, und Matthias Kopetzky, Vertreter des Österreichischer Erwerbsimkerbunds über die zukünftige Ausgestaltung der Agrarpolitik und der Renaturierungsverordnung. Dabei wurde deutlich, dass Biodiversitätsförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsse. Mehrfach wurde betont, dass Anreizsysteme besser funktionieren als starre Vorgaben und dass Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam Lösungen entwickeln müssten. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung regional angepasster Maßnahmen, strukturreicher Landschaften und einer praxisnahen Weiterentwicklung des ÖPUL, um sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Ziele miteinander verbinden zu können.

Bei der Exkursion am Nachmittag schließlich beeindruckte Landwirt Johann Schauer, der eine Vielzahl an bestäuberfreundlichen Maßnahmen auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb umgesetzt hat und so zur Insektenförderung beiträgt.

Öffi-Kampagne zum Internationalen Jahr der Bäuerin 2026

Lebensqualität

INFOSCREEN informiert und unterhält auf fast 5.000 Bildflächen österreichweit. Als  Öffi-TV in Österreich gibt es Infoscreen in allen Bundesländern – in Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Klagenfurt, Salzburg, Wels, Eisenstadt, Bregenz und Steyr sowie in der Badner Bahn und an den Flughäfen Innsbruck und Graz.

Gesucht werden:
Bäuerinnen in Ackerbau, Viehzucht, Wein- und Obstbau, Forst- und Teichwirtschaft
Landwirtinnen in Beratung, Bildung, Wissenschaft & Ehrenamt

Zeig Deine Arbeit und Deine Geschichte!
Es genügen Fotos oder kurze Videos vom Alltag am Hof oder in der Gesellschaft – plus ein paar Sätze zur eigenen Person und dem Thema (z. B. Arbeit am Hof, Umwelt- und Klimaschutz, Ehrenamt, Nachwuchsförderung, Extremsituationen).

Vier bis fünf Fotos oder ein 1-minütiges Video mit der Handykamera reichen völlig aus; Infoscreen kümmert sich um den Schnitt und die Produktion.

Einsendeschluss ist der 15. August 2026!

Bäuerin und stolz drauf: Zeig deinen Hofalltag!

Lebensqualität

In Österreich bewirtschaften Frauen zehntausende Höfe, sie führen Betriebe, treffen unternehmerische Entscheidungen, pflegen Böden und Wälder, sichern die Lebensmittelversorgung – oft im Hintergrund und mit fehlender Anerkennung. Nun sind Bäuerinnen eingeladen, besondere wie alltägliche Momente aus ihrem Arbeitsalltag festzuhalten und mit anderen zu teilen.

Ab 1. Juni sind Bäuerinnen aus ganz Österreich eingeladen, ihren Hof und ihre Arbeit zu präsentieren mit einem Foto und ein paar persönlichen Worten. Dadurch soll ein lebendiges Mosaik bäuerlichen Lebens in Frauenhand entstehen.

Unter allen Teilnehmerinnen werden 3 Tickets für eine Reise nach Brüssel zum Rat für Landwirtschaft und Fischerei verlost. Einsendeschluss ist der 21. Juni 2026.

Nachbericht Webinar Kooperationen in der Landwirtschaft – der Schlüssel zu unternehmerischer Stärke und Resilienz

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Das Webinar „Kooperationen in der Landwirtschaft – der Schlüssel zu unternehmerischer Stärke und Resilienz“ vom 28. Mai 2026 widmete sich den Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven landwirtschaftlicher Kooperationen. Expertinnen und Experten aus Beratung, Wissenschaft und Praxis beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und machten deutlich, dass Kooperationen weit mehr sind als klassische Maschinengemeinschaften. Sie gelten zunehmend als wichtiger Baustein für eine resiliente, wirtschaftlich tragfähige und sozial nachhaltige Landwirtschaft.

Zu Beginn gab Lukas Oßberger von der Landwirtschaftskammer Österreich einen Überblick über Kooperationen in der Landwirtschaft und deren Bedeutung im aktuellen agrarpolitischen Kontext. Angesichts steigender Kosten, hoher Arbeitsbelastung und wachsender Investitionsanforderungen gewinnen gemeinschaftliche Formen der Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung – insbesondere für kleinstrukturierte Familienbetriebe. Vorgestellt wurden unterschiedliche Kooperationsformen, von Zusammenarbeit entlang derselben oder verschiedener Wertschöpfungsstufen bis hin zu branchenübergreifenden Kooperationen etwa zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Neben wirtschaftlichen Vorteilen wie Kostenteilung oder effizienterer Ressourcennutzung wurden auch soziale und ökologische Mehrwerte hervorgehoben. Kooperationen können Arbeitsbelastungen reduzieren, Innovation fördern und regionale Wertschöpfung stärken. Zudem gewinnt das Thema auch auf europäischer Ebene zunehmend an Bedeutung.

Im anschließenden Vortrag berichtete Beda Estermann, Dozent an der Berner Fachhochschule, über Praxiserfahrungen mit Kooperationen in der Schweiz. Im Mittelpunkt standen Erfolgsfaktoren und Stolpersteine gemeinschaftlicher Betriebsformen. Kooperationen können mehr Lebensqualität durch geringere Arbeitsbelastung, weniger wirtschaftlichen Druck und besserer Nutzung betrieblicher Ressourcen ermöglichen, bringen jedoch auch Herausforderungen wie Konfliktpotenziale, gegenseitige Abhängigkeiten und Unsicherheiten mit sich. Besonders betont wurde die Bedeutung professioneller Beratung sowie sozialer Kompetenzen wie Kommunikation, Konfliktfähigkeit und gegenseitigem Vertrauen. Zudem sollte bereits bei der Gründung auch an mögliche Ausstiegsszenarien gedacht werden. Insgesamt wurde deutlich, dass die soziale Komponente von Kooperationen oft unterschätzt wird, gleichzeitig aber großes Potenzial bietet.

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Anna-Lena Siegl, Beraterin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik 15 Interviews mit Kooperationspartner:innen geführt hat. Im Fokus standen dabei vor allem soziale Faktoren innerhalb von Kooperationen. Besonders prägend war die Auseinandersetzung mit dem Thema „Scheitern“. Die Ergebnisse zeigten, dass Kooperationen selbst bei einer späteren Auflösung wertvolle Erfahrungen, persönliche Weiterentwicklung und neue Perspektiven ermöglichen. Ein klassisches Scheitern gebe es daher oft nicht, da viele Beteiligte wichtige Erkenntnisse mitnehmen und daraus später neue gemeinschaftliche Projekte entstehen. Kooperationen wurden damit als dynamische Lern- und Entwicklungsprozesse beschrieben.

Anschließend berichteten Irene Gombotz von den „Jungen WILDEN Gemüsebauern“ sowie Gabriele Kerndler, vom Kerndlerhof aus der Praxis und gaben Einblicke in ihre eigenen Kooperationserfahrungen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Kooperationen ausgestaltet sein können und wie stark sie von den beteiligten Personen, gemeinsamen Werten und klaren Zielvorstellungen abhängen. Die Praxisbeispiele zeigten, dass Kooperationen nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringen können, sondern auch neue Arbeitsmodelle ermöglichen und zur persönlichen Entlastung beitragen.

Zum Abschluss des Webinars fanden Kleingruppendiskussionen zu unterschiedlichen Themenbereichen statt.

Eine Gruppe beschäftigte sich mit den rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen für Kooperationen. Die Diskussionsrunde setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Interessensvertretungen, Verwaltungseinrichtungen sowie weiteren Akteurinnen und Atkeuren, darunter Mitglieder von LEADER-Gruppen, zusammen. Dabei wurden unterschiedliche rechtliche Aspekte diskutiert, die für die Umsetzung von Kooperationen relevant sind. Die Themen reichten von gesetzlichen Vorgaben zu Ladenöffnungszeiten über Fragen der Raumordnung bis hin zu baurechtlichen Rahmenbedingungen. Anhand konkreter Beispiele wurden bestehende Herausforderungen und Hemmnisse veranschaulicht. Gleichzeitig identifizierten die Teilnehmenden verschiedene Ansatzpunkte zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer intensiven Vernetzung der beteiligten Akteurinnen und Akteure, die als zentraler Erfolgsfaktor für das Gelingen von Kooperationen auf allen Ebenen angesehen wurde.

Eine Gruppe widmete sich Bildungs- und Beratungsansätzen für landwirtschaftliche Kooperationen. Dabei wurde deutlich, dass die Suche nach geeigneten Kooperationspartner:innen derzeit häufig schwierig ist und oft dem Zufall überlassen bleibt. Diskutiert wurde daher die Idee eines Vermittlungstools speziell für Kooperationen. Gleichzeitig wurde auf bestehende Plattformen wie „Perspektive Landwirtschaft“ verwiesen. Auch die Beratungslandschaft wurde kritisch reflektiert: Zwar seien Kompetenzen grundsätzlich vorhanden, jedoch fehle häufig die Vernetzung zwischen unterschiedlichen Fachbereichen. Als Ziel wurde ein ganzheitlicher Beratungsansatz im Sinne eines „One-Stop-Shops“ formuliert. Darüber hinaus wurde angeregt, Kooperationen stärker in landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildungen sowie allgemeine Beratungsangebote zu integrieren.

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit Voraussetzungen und Bedarfen auf betrieblicher Ebene. Dabei wurden insbesondere die emotionalen Belastungen und zwischenmenschlichen Herausforderungen von Kooperationen thematisiert. Kommunikation, Konfliktmanagement und Arbeitsüberforderung wurden als zentrale Themen identifiziert. Diskutiert wurde zudem, dass Kooperationen als vielschichtige Prozesse verstanden und vermittelt werden müssen. Klassische Einzelveranstaltungen würden oft nur jene Personen erreichen, die ohnehin bereits offen für Kooperationen sind. Stattdessen wurde vorgeschlagen, Kooperationen als Querschnittsthema stärker in unterschiedliche Bildungs- und Beratungsangebote zu integrieren und prozessorientierte Begleitung für bestehende Kooperationen anzubieten.

Insgesamt machte das Webinar deutlich, dass Kooperationen längst kein Nischenthema mehr sind. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Instrument, um den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen der Landwirtschaft zu begegnen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass erfolgreiche Kooperationen weit mehr brauchen als rechtliche oder wirtschaftliche Grundlagen: Vertrauen, Kommunikation, gemeinsame Werte und professionelle Begleitung spielen eine zentrale Rolle für ihr Gelingen.

Stakeholder-Forum: Diversifizierung in der Landwirtschaft

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Branche setzt auf gemeinsame Herkunftsstandards für Gastronomie und Großküchen

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der gemeinsame Dialog darüber, wie Herkunft künftig durchgängig, digital unterstützt und für Konsument:innen verständlich abgebildet werden kann – vom landwirtschaftlichen Betrieb bis zum Teller.

Die Herkunftskennzeichnung ist ein wesentliches Instrument für mehr Transparenz entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette. Sie schafft nachvollziehbare Informationen für Konsument:innen und stärkt gleichzeitig die Sichtbarkeit der heimischen Qualitätsproduktion. „Dafür braucht es Lösungen, die rechtlich abgesichert sind und gleichzeitig im Alltag der Betriebe funktionieren“, betonte Kerstin Thür, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Lebensmittel- und Ernährungssysteme im BMLUK.

Einheitliche Daten als Grundlage für Transparenz
In den Fachimpulsen wurde deutlich, dass nachvollziehbare Herkunftskennzeichnung nur auf Basis gemeinsamer Datenstandards möglich ist. Michael Haas, Geschäftsführer der necta Österreich GmbH, stellte mit „NATIV-1“ einen offenen EDV-Standard vor, der Herkunfts- und Verarbeitungsdaten entlang der Lieferkette einheitlich erfassbar machen soll.

Wie diese Informationen zwischen Produzenten, Verarbeitung und Abnehmern weitergeführt werden können, zeigte Christian Nezmah, Geschäftsführer des Bäuerlichen Versorgungsnetzwerks Steiermark. Waldemar Pöchhacker, Geschäftsführer der ja zu nah GmbH, erläuterte anhand des Konzepts „Fairdy“, wie Herkunftsinformationen für Gäste und Konsument:innen verständlich und sichtbar gemacht werden können und vor allem, was die Betriebe davon haben.

Katharina Tidl, Leitung „GUT ZU WISSEN“ unterstrich die Bedeutung klarer und vergleichbarer Kennzeichnungssysteme: „Transparenz entsteht nur dann, wenn Herkunftsinformationen nachvollziehbar, einheitlich und überprüfbar dargestellt werden.“

Breiter Konsens über zentrale Herausforderungen
Die Teilnehmer:innen des 2. Stakeholder-Forums ‚Diversifizierung in der Landwirtschaft‘ sind sich einig: Transparente und nachvollziehbare Herkunftsinformationen entlang der gesamten Lebensmittelkette sind eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen, regionale Wertschöpfung und bewusste Konsumentscheidungen. Dafür braucht es gemeinsame, praxistaugliche und digital unterstützte Standards, die von Landwirtschaft, Verarbeitung, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung und öffentlicher Beschaffung gemeinsam getragen werden. Einheitliche Datenstrukturen und verständliche Kennzeichnungssysteme sollen künftig dazu beitragen, Herkunft für Betriebe ebenso wie für Konsument:innen transparent und überprüfbar sichtbar zu machen.

„Regionalität braucht nachvollziehbare Herkunft. Transparenz kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette mit gemeinsamen Standards arbeiten“, sagte Markus Hillebrand, Obmann des Netzwerks Kulinarik, in seinen abschließenden Worten. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniela Morgenbesser, Leiterin der Agrarkommunikation in der Landwirtschaftskammer Niederösterreich sowie Obfrau von Fem Agrar Austria.

 

Foto (v.l.) Kerstin Thür, stellvertretende Leiterin der Abteilung Lebensmittel- und Ernährungssysteme BMLUK; Christian Nezmah, Geschäftsführer BVN; Nicole Prop, Projektleitung „Bildungsinitiative Diversifizierung“ Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik; Michael Haas, Geschäftsführer necta Österreich GmbH; Katharina Tidl, Leitung GUT ZU WISSEN; Waldemar Pöchhacker, Geschäftsführer ja zu nah GmbH und Ferdinand Lembacher, Generalsekretär LK Österreich

Publikation: Factsheet zur Weidewirtschaft in Österreich

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Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Das neue Factsheet zur Weidewirtschaft in Österreich zeigt eindrucksvoll, welche zentrale Rolle Weidehaltung für Landwirtschaft, Umwelt und Kulturlandschaft spielt. Gerade in Österreich prägen Weiden und Almen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Versorgung mit hochwertigen regionalen Lebensmitteln. Weidewirtschaft bedeutet dabei weit mehr als Tierhaltung im Freien: Sie verbindet traditionelle Bewirtschaftungsformen mit modernen Anforderungen an Klimaschutz, Biodiversität und Tierwohl.

Das Factsheet beleuchtet die vielfältigen Chancen einer nachhaltigen Weidewirtschaft. Durch die Beweidung bleiben Grünlandflächen erhalten, wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten werden geschützt und die Bodenfruchtbarkeit kann langfristig gesichert werden. Gleichzeitig gewinnt die Weidehaltung auch gesellschaftlich zunehmend an Bedeutung, da Konsumentinnen und Konsumenten verstärkt auf regionale Produktion, Tierwohl und nachhaltige Landwirtschaft achten.

Gleichzeitig stehen viele Betriebe vor großen Herausforderungen. Klimawandel, Trockenperioden, schwierige Flächenbedingungen und wirtschaftlicher Druck verlangen neue Lösungen und innovative Konzepte.

Mit dem Factsheet liefert Netzwerk Zukunftsraum Land kompakte und verständliche Informationen zu einem Thema, das für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft von großer Bedeutung ist. Die Unterlage bietet einen wertvollen Überblick und zeigt auf, wie nachhaltige Bewirtschaftung auch künftig einen wichtigen Beitrag für lebenswerte ländliche Regionen leisten kann.

Nachlese: „Lebensraum Weide: Vielfalt durch Hutweiden und beweidete Agroforstsysteme“

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Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Das Webinar „Lebensraum Weide: Vielfalt durch Hutweiden und beweidete Agroforstsysteme“ vom 30. April 2026 widmete sich umfassend den ökologischen, landwirtschaftlichen und politischen Aspekten naturschutzorientierter Beweidung. Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wissenschaft und Praxis beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und machten deutlich, dass extensive Weidesysteme eine zentrale Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt, Landschaftspflege und nachhaltige Landnutzung spielen.

Zu Beginn stellte Jörn Buse vom Nationalpark Schwarzwald die grundlegenden Prinzipien naturnaher Beweidung vor. Große Pflanzenfresser formen durch Fraß, Tritt und Dung die Landschaft und schaffen vielfältige Mikrohabitate. Besonders wichtig sind dabei große, zusammenhängende Flächen, eine geringe Besatzdichte sowie eine ganzjährige Beweidung ohne Zufütterung und ohne Einsatz von Entwurmungsmitteln, um natürliche Stoffkreisläufe zu erhalten. Buse betonte, dass unterschiedliche Tierarten und Rassen spezifische Effekte auf die Vegetation haben. Beweidung führt im Vergleich zu Mahd oder Brache meist zu artenreicheren Flächen, wobei insbesondere Winterbeweidung positive Effekte auf Kräuter haben kann. Auch die Bedeutung von Dung als Lebensraum für zahlreiche Insektenarten wurde hervorgehoben, wobei viele dieser Arten inzwischen stark gefährdet sind. Entscheidend für ihren Erhalt ist eine langfristige Beweidung der gleichen Fläche sowie ausreichend große, vernetzte Flächen.

Thomas Neudorfer, BMLUK, erläuterte anschließend die agrarpolitischen Rahmenbedingungen, insbesondere im Kontext der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Er ging auf Förderlogiken wie das Pro-rata-System ein, das nur tatsächlich futterfähige Flächen berücksichtigt und strukturelle Elemente wie Gehölze oder Steine ausschließt. Dies steht teilweise im Spannungsfeld mit Biodiversitätszielen, da gerade strukturreiche Flächen ökologisch wertvoll sind. In Österreich spielen Almweiden eine zentrale Rolle, während sich gleichzeitig durch Klimawandel und wirtschaftlichen Druck Nutzungsänderungen ergeben. Förderprogramme wie das Österreichische Agrarumweltprogramm ÖPUL unterstützen extensive Beweidung, doch bleiben wirtschaftliche Herausforderungen und bürokratische Hürden bestehen.

Im Beitrag von Walter Starz von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein standen praktische Weidestrategien im Fokus. Er betonte, dass vor allem der Fraß – nicht der Tritt – die Vegetation prägt. Grünland sei auf Nutzung angewiesen, da es sonst verbusche. Unterschiedliche Tierarten können gezielt zur Steuerung der Vegetation eingesetzt werden, etwa um Strauchaufwuchs zu reduzieren. Ein zentrales Element ist die gelenkte Weideführung, beispielsweise durch Koppelsysteme, die eine gleichmäßige Nutzung von Flächen und ausreichende Ruhephasen für Pflanzen ermöglichen. Auch die Bedeutung eines angepassten Weidezeitpunkts wurde hervorgehoben.

Wolfgang Angeringer von der Landwirtschaftskammer Steiermark präsentierte Ergebnisse aus dem Projekt „Weideinnovationen“. Anhand von Praxisbeispielen zeigte er, wie Beweidung auch auf schwierigen Standorten wie Steilflächen erfolgreich umgesetzt werden kann. Durch geeignete Koppelgrößen und angepasste Beweidung lassen sich Erosion vermeiden und stabile Grasnarben entwickeln. Wichtig ist dabei auch, natürliche Prozesse zuzulassen, etwa die Zersetzung von Dung durch Insekten, anstatt Flächen mechanisch nachzubehandeln.

Ein konkretes Praxisbeispiel lieferten Andreas und Carmen Petutschnig, die auf ihrem Betrieb in Kärnten Ziegenhaltung betreiben. Sie zeigten, wie Beweidung zur Pflege von Naturschutzflächen beitragen kann, indem unerwünschte Pflanzen zurückgedrängt und strukturreiche Landschaften erhalten werden. Die Kombination verschiedener Tierarten sowie eine gezielte Weideführung ermöglichen eine effiziente Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. In Kombination mit Direktvermarktung und Bewirtschaftung mit landwirtschaftlichen Partnerbetrieb konnten sie so einen rentablen Betrieb aufbauen.

Das Thema Agroforstsysteme wurde von Theresia Markut vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) vorgestellt. Solche Systeme bieten zahlreiche ökologische Vorteile, darunter erhöhte Biodiversität, verbessertes Mikroklima, Erosionsschutz und Kohlenstoffbindung. Traditionelle Formen wie Streuobstwiesen oder Waldweiden wurden ebenso diskutiert wie moderne Ansätze, etwa Reihenpflanzungen (Alley Cropping). Agroforstsysteme können zudem zusätzliche Futterquellen erschließen, etwa durch Laubnutzung.

Ein weiteres Praxisbeispiel brachte Claudia Sperl, die ihren Betrieb in der Steiermark vorstellte. Sie kombiniert Milchviehhaltung mit Agroforst-Elementen wie Streuobstwiesen und Waldweiden. Diese lange erprobten Systeme tragen nicht nur zum Erhalt der Artenvielfalt bei, sondern verbessern auch Tierwohl und Klimaresilienz, etwa durch Schutz der Tiere vor intensiver Sonneneinstrahlung oder sichereren Wasserzugang. Gleichzeitig machte sie auf bestehende Probleme aufmerksam, insbesondere die mangelnde Förderfähigkeit von Waldweiden trotz ihres ökologischen Wertes.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass extensive Weidehaltung sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Neben ökologischen Vorteilen stehen wirtschaftliche Zwänge, rechtliche Einschränkungen und gesellschaftliche Erwartungen. Themen wie Wolfsschutz, Arbeitsaufwand, Förderpolitik und Vermarktung wurden intensiv diskutiert. Einigkeit bestand darin, dass funktionierende Weidesysteme erhalten und weiterentwickelt werden müssen, anstatt sie durch neue Strukturen zu ersetzen – und neue Systeme dort zu entwickeln, wo sich Rahmenbedingungen geändert haben. Zudem wurde betont, dass eine stärkere gesellschaftliche Wertschätzung sowie innovative Geschäftsmodelle notwendig sind, um Weidewirtschaft langfristig tragfähig zu machen. Ob Fördermodelle stärker regional differenziert und besser auf naturschutzfachliche Ziele abgestimmt werden können, wurde ebenso thematisiert.

WEIN/4-Festival präsentiert internationales feministisches Kunstwerk SOLANGE

Geschlechtergleichstellung

Nach Innsbruck, Salzburg, Linz, Wien, Klagenfurt, Bad Ischl, Washington, Orléans, Ljubljana, Rabat, Köln, Bern, Düsseldorf und zahlreichen weiteren Städten kam auf Einladung des WEIN/4-Festival 2026 eines der unübersehbaren Kunstwerke ins Weinviertel. Die Künstlerin Katharina Cibulka stickte mit pinkem Tüll im traditionellen Kreuzstich in meterhohen Buchstaben einen SOLANGE-Satz auf das Gerüstnetz an der Westfassade des Siloturms der Hasitschka Agarhandel GmbH in Raasdorf bei Wien.

SOLANGE ist ein internationales partizipatives Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Durch die
überdimensionalen, mit pinkem Tüll im Kreuzstich applizierten Statements wird auf
gesellschaftspolitische Missstände aufmerksam gemacht. Jeder Satz beginnt mit „Solange …“
und endet mit „… bin ich Feminist:in“. Das Spannungsfeld entsteht aus der Dynamik zwischen
traditionell weiblich konnotiertem Handwerk und Männer-dominierter Baustelle.

Seit dem Start des Projekts 2018 realisierte Katharina Cibulka mit ihrem Team 34 Installationen
weltweit in neun Ländern und sechs Sprachen sowie zwei Dialekten, die stets große Aufmerksamkeit generiert haben. Mit der Umsetzung des Kunstwerks im Rahmen des WEIN/4-Festivals 2026 trägt die Künstlerin ein kraftvolles Statement in die Öffentlichkeit und will damit langfristig positive Impulse setzen. Jeder Installation geht ein partizipativer Prozess vor Ort voran.

Den Auftakt für den Beteiligungsprozess bildete am 4. März ein Workshop der Künstlerin mit rund 100 Schüler:innen des BG/BRG Groß-Enzersdorf, die ihre eigenen SOLANGE-Sätze auf vorgefertigte Postkarten schrieben. Auch Markus Dietrich vom Jugendtreff Outback in Wolkersdorf nahm am Workshop teil und verteilte die SOLANGE-Karten an interessierte Mitglieder. In den partizipativen Prozess eingebunden waren ebenfalls die Bäuerinnen aus der Region Gänserndorf. Alle Interessierten waren auch online bis Ende März 2026 eingeladen, ihre persönlichen SOLANGE-Sätze zu übermitteln.

Mit rund 200 Einsendungen war die Resonanz sehr groß. Die Spannweite der Themen reichte dabei von geschlechtsspezifischen Stereotypen beim Sport („Solange ich tanzen gehen soll und nicht Fußball spielen …“) oder beim Beruf („Solange nur mein Bruder gefragt wird, ob er den Betrieb  übernehmen will …“) über Belästigung von Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum („Solange ich bei der Schuhwahl überlegen muss, ob ich wegrennen kann …“) bis hin zu landwirtschaftlichen Themen.

Am 05. Mai war es soweit und der Siegersatz wurde enthüllt:

2026 wurde von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Bäuerin“ erklärt. Ziel ist es, die wichtige Rolle von Frauen in der weltweiten Land- und Ernährungswirtschaft sichtbarer zu machen, ihre Leistungen anzuerkennen und ihre Stärkung sowie Gleichberechtigung zu fördern. Mit Blick auf dieses Jahresthema und den sehr speziellen Installationsort, den die Familie Hasitschka dankenswerterweise mit der Westfassade ihres Siloturms in Raasdorf dem Kunstprojekt zur Verfügung stellt, lag die Entscheidung nahe, die Bäuerinnen in den Fokus des 35. SOLANGE-Satzes zu nehmen.

 

 

Was macht ländliche Gebiete attraktiv – und was muss verbessert werden?

Lebensqualität

Diese kurzen Umfragen tragen dazu bei, die Stimmen der Gemeinschaft in die laufenden Diskussionen einzubringen und die Arbeit des Rural Pact bei der Ermittlung von Prioritäten, Herausforderungen und Chancen für ländliche Gebiete in ganz Europa zu unterstützen:

Die aktuelle, anonyme Community-Umfrage dauert ca. 2 Minuten und befasst sich mit der Frage: Was macht ländliche Gebiete attraktiv zum Leben, Arbeiten und für die Zukunftsgestaltung?

Das Thema Attraktivität des ländlichen Raums ist eng mit den breiteren Diskussionen über den demografischen Wandel, die Bindung von Fachkräften und die Lebensqualität im ländlichen Raum verknüpft. Jüngste Erkenntnisse der OECD, die im Rahmen des Rural Pact hervorgehoben wurden, unterstreichen die Bedeutung integrierter Ansätze, die wirtschaftliche Chancen, Dienstleistungen, Vernetzung und lokale Ressourcen kombinieren, um lebendige ländliche Gemeinschaften zu fördern.

JETZT NOCH BIS ZUM 20. MAI TEILNEHMEN!

Biodiversitäts-Botschafter:innen 2026

Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

In der fünften Runde des Projekts Farming for Nature Österreich wählt die Fachjury erneut fünf besonders engagierte Bäuerinnen und Bauern zu Biodiversitäts-Botschaftern. Bei Betriebsbesuchen und Veranstaltungen geben sie einem breiten Publikum Einblick in ihre biodiversitätsfördernde Arbeitsweise. Denn Landwirtschaft und Biodiversität gehören gemeinsam gedacht und gemacht.

Österreichweit wurden dieses Jahr 46 Bäuerinnen und Bauern als mögliche Biodiversitäts-Botschafter:innen nominiert. Eine Fachjury hat nun fünf Botschafterinnen und Botschafter für das Jahr 2026 ausgewählt:

Silvia Fruhmann bewirtschaftet einen 27 ha großen Biobetrieb im Mittelburgenland. Das Herzstück ihres Betriebs ist der 2 ha große Gemüseanbau.

Carmen Petutschnig-Erschen aus Kärnten führt einen knapp 100 ha großen Biobetrieb. Auf dem Hof werden Ziegenmilchprodukte produziert, Strohschweine gemästet und Pilze gezüchtet.

Michael Halbfurter aus Osttirol betreibt einen Biohof mit 30 ha Fläche in vielfältiger Fruchtfolge. Besonders spannend: auf 5 ha Ackerland wird Hanf angebaut.

Alois Kiegerl aus der Weststeiermark bewirtschaftet einen Biobetrieb mit rund 48 ha Dauergrünland. Der Betriebsschwerpunkt liegt auf der Murbodner-Zucht sowie der Direktvermarktung vom Fleisch.

Irene Lüdemann aus Niederösterreich hat sich auf den Anbau von verschiedensten alten, regionalen Getreide-Raritäten auf 10 ha Ackerfläche spezialisiert.

“Die extreme Trockenheit diesen Frühling zeigt, dass die österreichische Landwirtschaft stark vom Klimawandel betroffen ist und wir landwirtschaftliche Praktiken neu denken müssen. Genau das tun unsere Biodiversitäts-Botschafter:innen und sind somit Vorreiter einer nachhaltigen Landwirtschaft. Sie zeigen auch, dass eine erfolgreiche Klimawandel-Anpassung Hand in Hand mit dem Schutz von Biodiversität geht”, sagt Projektkoordinatorin Johann Frangež. Kriterien für die Auswahl sind insbesondere, dass die Betriebe ökologisch wie ökonomisch nachhaltige Landwirtschaft betreiben, sie einen wesentlichen Beitrag für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität auf ihrem Betrieb leisten und bereit sind, ihr Wissen zu teilen.

Die Wahl der Biodiversitäts-Botschafter:innen geht dieses Jahr bereits in die fünfte Runde. Seit Projektstart wurden in Österreich aus einem Pool von 140 Teilnehmenden 25 Bäuerinnen und Bauern gewählt. Im Zuge des Projekts Farming for Nature Österreich vermitteln sie ihre Geschichte und ihr praktisches Wissen zu Landwirtschaft und Biodiversität an interessierte Menschen und Kolleg:innen. “Unsere Botschafter:innen setzen sich am eigenen Betrieb – und darüber hinaus – aktiv für die Natur ein. Mit ihren innovativen Ansätzen zeigen sie, wie man Vielfalt am Bauernhof fördert”, so Frangež.

Im Sommer werden die ausgewählten Betriebe von einem Filmteam besucht. Anhand der auf der Projektwebseite vorgestellten Kurzvideos kann die breite Öffentlichkeit anschließend ihre Lieblingsgeschichte auswählen. Bei Bauerhofspaziergängen und Küchentischgesprächen geben die Biodiversitäts-Botschafter:innen zudem Einblick in ihre Wirtschaftsweise.