Jahreskonferenz 2026 – #weiterdenken – Zukunft mit der nächsten Generation gestalten

Geschlechtergleichstellung
Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Natürliche Ressourcen

Die Jahreskonferenz 2026 von Netzwerk Zukunftsraum Land steht unter dem Motto „#weiterdenken – Zukunft mit der nächsten Generation gestalten“, dem Jahresthema von Netzwerk Zukunftsraum Land. Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher, ökologischer und wirtschaftlicher Veränderungen stellt sich die Frage, wie junge Menschen die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume sehen und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit sie Verantwortung übernehmen und ihre Ideen einbringen können. Die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft am Land gelingt nur, wenn unterschiedliche Generationen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Die Veranstaltung bringt Akteur:innen der Gemeinsamen Agrarpolitik, der Land- und Forstwirtschaft, Regionalentwicklung, Innovation, Bildung und Beratung, Umwelt und Zivilgesellschaft zusammen. Anhand inspirierender Projekte aus Oberösterreich wird aufgezeigt, wie Generationen erfolgreich zusammenarbeiten und wie junge Menschen bereits heute Zukunft gestalten. Ziel der Konferenz ist es, Vernetzung und Austausch zu fördern, neue Perspektiven sichtbar zu machen und Impulse für die Weiterentwicklung ländlicher Räume zu setzen. Durch Exkursionen, Fachinputs und interaktive Dialogformate erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, voneinander zu lernen und gemeinsam Zukunft zu gestalten.

Ein detailliertes Programm folgt in Kürze

Gesamtgesellschaftliche Aspekte von Gleichstellung und Diversität: In welcher Welt wollen wir leben?

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Ein Beitrag von Sabine Grenz und Elif Gül (Universität Wien)

Das fünfte der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele ist Geschlechtergerechtigkeit. Dadurch wird betont, wie wichtig es ist, dass Frauen gleichberechtigt an der Entwicklung zu einer nachhaltigen globalen Gesellschaft beteiligt sind, also ebenso Führungspositionen dabei einnehmen wie Männer. Wesentlich dafür ist die Einsicht, dass es unterschiedlicher Perspektiven bedarf. Aus diesem Grund wird „Geschlecht” nicht mehr als isolierte Kategorie aufgefasst, sondern all seine, die mit anderen sozialen Kategorien in Wechselwirkung stehen. Diese anderen sozialen Kategorien sind beispielsweise Ethnie, Hautfarbe, sozioökonomischer Status, Staatsbürgerschaft, sexuelle und geschlechtliche Orientierung beziehungsweise. Identität und Gesundheit.

Dass Geschlechtergerechtigkeit sich lohnt, darauf weisen ganz unterschiedliche Studien zu Zufriedenheit, Gesundheit, Demokratie, Innovation und Wirtschaft hin:

Zufriedenheit: Grafland und Schilpzand (2025) haben Daten aus 81 Staaten zwischen 1990 und 2020 untersucht. Daraus wird ersichtlich, dass die allgemeine Lebenszufriedenheit einer Gesellschaft mit der Gleichstellung steigt: So ist beispielsweise die individuelle Autonomie höher, das heißt, alle können selbstständiger ihren Aufgaben nachgehen. Das geht mit einem höheren Pro-Kopf-Einkommen und einem erhöhten allgemeinen Vertrauen einher. Das bedeutet, dass nicht nur Frauen von Geschlechtergerechtigkeit profitieren, sondern die gesamte Gesellschaft, also auch alle Männer (Audette et al. 2019).

Gesundheit: Die Weltgesundheitsbehörde hat beobachtet, dass strikte Geschlechterrollen die Suizidrate bei Männern erheblich steigern (WHO 2018). Dementsprechend ist auch die Lebenserwartung in Ländern mit höherer Gleichstellung höher und die Gesamtmortalität niedriger (Kolip et al. 2019; Mateos et al. 2019). In diesem Zusammenhang hat sich auch gezeigt, dass mehr Frauen als Operateur:innen in der Medizin die Lebenserwartung steigert und zu weniger Komplikationen für Patient:innen führt (Wallis CJD. et al. 2023). 

Demokratie: Zudem steigert sich die politische Stabilität und verringert sich die Korruption (Bauhr 2019). Es hat sich gezeigt, dass sich das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik steigert, wenn mehr Frauen in der Regierung sind (Esarey & Schwindt-Bayer 2018).

Innovation: Es hat sich gezeigt, dass mehr Diversität in Teams zu besseren Ergebnissen in Wissenschaft und Forschung und ebenso zu einer vermehrten Produktinnovation führt, unter anderem da diverse Teams und Organisationen sich als fähiger bei Problemlösungen erweisen (Xie, L. et al. 2020; Nielsen MW et al. 2017; Kong et al. 2024).

Wirtschaft: Mehr Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsmarkt führt laut Berechnungen des European Institute for Gender Equality zur Erhöhung des BIP um 3,2%-5,5% bis 2050 (EiGE 2017).

Aus diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass die Gesellschaft insgesamt profitiert, wenn die Geschlechtergerechtigkeit gestärkt wird. Man spricht hier vom „Curb cut effect”. Dieser beschreibt den Effekt, der sich durch Gehsteig Rampen beziehungsweise die Absenkung von Bordsteinkanten einstellt: Diese wurden zwar in erster Linie für Menschen im Rollstuhl eingeführt, sie können jetzt aber von allen genutzt werden und erleichtern das Fahrradfahren nun ebenso wie das Schieben von Kinderwagen, Einkaufswagen oder Koffern. 

 

Assoz.-Prof. Dr. Sabine Grenz ist seit 2017 Professorin für Gender Studies an der Universität Wien. Von 2017 bis 2020 war sie Univ.-Prof. für Gender Studies an den Fakultäten für Philosophie und Bildungswissenschaft sowie für Sozialwissenschaften und die Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät. Seit 2020 ist sie Tenure-Track-Prof. an den beiden Fakultäten für Philosophie und Bildungswissenschaft sowie für Sozialwissenschaften.

Elif Gül, BA, MSc. hat seit September 2021 die prädoc-Stelle in Gender Studies des Instituts für Bildungswissenschaften bei Prof. Sabine Grenz inne. 

 

Literaturverzeichnis

Audette, A. P., Lam, S., O’Connor, H., & Robinson, J. A. (2019). (E)Quality of life: A cross-national analysis of the effect of gender equality on life satisfaction. Journal of Happiness Studies, 20, 2173–2188. https://doi.org/10.1007/s10902-018-0042-8

Bauhr, M., Charron, N., & Wängnerud, L. (2019). Exclusion or interests? Why females in elected office reduce petty and grand corruption. European Journal of Political Research, 58(4), 1043–1065. https://doi.org/10.1111/1475-6765.12300

European Institute for Gender Equality. (2017). Economic benefits of gender equality in the European Union: Literature review – Existing evidence and methodological approaches. Publications Office of the European Union. https://data.europa.eu/doi/10.2839/736676 

Esarey, J., & Schwindt-Bayer, L. A. (2018). Women’s representation, accountability, and corruption in democracies. British Journal of Political Science, 48(3), 659–690. https://doi.org/10.1017/S0007123416000478

Graafland, J., & Schilpzand, A. (2025). Gender equality and life satisfaction: A mediation model with individual autonomy, income per capita and trust.  Journal of Happiness Studies, 26, Article 23. https://doi.org/10.1007/s10902-024-00850-8

Kolip, P., Lange, C. & Finne, E. Gleichstellung der Geschlechter und Geschlechterunterschiede in der Lebenserwartung in Deutschland. Bundesgesundheitsbl 62, 943–951 (2019). https://doi.org/10.1007/s00103-019-02974-2

Kong, L., Usman, M., Yue, W., & Sun, J. (2024). Leadher: Role of women leadership in shaping corporate innovation. Humanities and Social Sciences Communications, 11, Article 1313. https://doi.org/10.1057/s41599-024-03852-2

Mateos, J. T. , Fernández-Sáez, J. , Marcos-Marcos, J. , Álvarez-Dardet, C. , Bambra, C. , Popay, J. , Baral, K. , Musolino, C. and Baum, F. (2022). Gender Equality and the Global Gender Gap in Life Expectancy: An Exploratory Analysis of 152 Countries. International Journal of Health Policy and Management11(6), 740-746. doi: 10.34172/ijhpm.2020.192

Nielsen, M. W., Alegria, S., Börjeson, L., Etzkowitz, H., Falk-Krzesinski, H. J., Joshi, A., Leahey, E., Smith-Doerr, L., Woolley, A. W., & Schiebinger, L. (2017). Opinion: Gender diversity leads to better science. Proceedings of the National Academy of Sciences, 114(8), 1740–1742. https://doi.org/10.1073/pnas.1700616114

Wallis, C. J. D., Jerath, A., Aminoltejari, K., Coburn, N., Klaassen, Z., Luckenbaugh, A. N., & Satkunasivam, R. (2023). Surgeon sex and long-term postoperative outcomes among patients undergoing common surgeries. JAMA Surgery, 158(11), 1185–1194. https://doi.org/10.1001/jamasurg.2023.3744

World Health Organization Regional Office for Europe. (2018). Strategy on the health and well-being of men in the WHO European Region. World Health Organization Regional Office for Europe. Online: https://www.who.int/europe/publications/i/item/WHO-EURO-2018-4209-43968-61973 

Xie, L., Zhou, J., Zong, Q., & Lu, Q. (2020). Gender diversity in R&D teams and innovation efficiency: Role of the innovation context. Research Policy, 49(1), 103885. https://doi.org/10.1016/j.respol.2019.103885

Nachbericht – „Gesellschaftlichen Wandel mitgestalten – Regionale Entwicklungsorganisationen als wichtige Schnittstellen in Transformationsprozessen“

AKIS-Kooperationsstelle
Innovation
Klimaschutz
Lebensqualität
Unkategorisiert

Demographischer Wandel, Klimawandel, Digitalisierung, geo- und gesellschaftspolitische Spannungen – die Entwicklung von Regionen wird von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Dynamiken beeinflusst. Die dabei entstehenden Spannungen verlangen nach gänzlich neuen Entwicklungsansätzen, die dabei unterstützen, die Risiken dieser „Grand Challenges” abzufedern und daraus entstehende Chancen zu nutzen. Zentral dabei ist die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels, der nicht nur auf technologische Neuentwicklungen, sondern ganz klar auf grundlegende Veränderungen von Werten, Strukturen, Normen und Handlungsweisen abzielt.

Ein solcher gesellschaftlicher Wandel gelingt aber nicht nur rein Top-Down – durch Regeln, Verordnungen, oder Anreizsysteme – oder rein Bottom-Up, durch engagierte Einzelinitiativen. Stattdessen ist hier der gezielte Einsatz beider Systeme wichtig. In diesem Kontext kommt der regionalen Ebene, als „Intermediär”, besondere Bedeutung zu. Sie übersetzt globale Herausforderungen in lokale Kontexte, erprobt lokal passende (place-based) Lösungen, entwickelt sie weiter und unterstützt so bei der Skalierung.

Im Webinar „Gesellschaftlichen Wandel mitgestalten – Regionale Entwicklungsorganisationen als wichtige Schnittstellen im Transformationsprozess“ wurde ein wesentlicher Beitrag dazu geleistet, über theoretische und praktische Überlegungen, Entwicklungen und Erfahrungen zu diesem Thema zu informieren. Gleichzeitig sollten regionale Entwicklungsorganisationen, wie etwa LEADER-Regionen, dazu motiviert werden, selbst transformative Entwicklungspfade anzuvisieren.

In einem ersten Teil präsentierte Markus Gruber (convelop) die Bedeutung einer systematischen regionalen Entwicklung, die mehr als nur Einzelprojekte vorantreibt, um transformativer wirksam zu werden. Die sogenannte „X-Curve” liefert dafür ein Hintergrundmodell: „Out-of-the-box-Denken” muss regional und systematisch gefördert und skaliert werden, um anschließend als neue Routinen und Lösungen verfestigt zu werden. Gleichzeitig gilt es, nicht nachhaltige Praktiken abzulegen und die negativen Auswirkungen davon abzufedern, um den Wandel gerecht zu gestalten. Damit können Pfadabhängigkeiten überwunden und Verbesserungen auf Transformationspfaden erreicht werden. Von besonderer Bedeutung, so Markus Gruber, ist dabei das Mehrebenensystem, wie er am Beispiel der Energiewende in der Region Holzwelt Murau skizzierte. Regionen können Raum für Neues schaffen, gemeinsame Kreativität fördern, Visionen formulieren, Widerstände annehmen, strategische Entscheidungen fällen und Kapazitäten zur Intermediation entwickeln. Dafür benötigen sie unterstützende innovationspolitische Rahmenbedingungen, die Experimente und Plattformen für interregionales Lernen fördern, Planungssicherheit schaffen, Exnovation vorantreiben und den öffentlichen Sektor in seiner proaktiven Rolle stärken.

In einem zweiten Teil ging es um die Frage, wie Regionen selbst transformativ wirksam werden können. Hier stellte Rita Trattnigg (BMLUK) Überlegungen zur Rolle der Region als „Innovationsökosystem” vor, die ausschlaggebend für die Gestaltung von Fördermaßnahmen des BMLUK sind. Wie Innovationsökosysteme aussehen, ist von unterschiedlichen Eigenschaften der Regionen abhängig, beispielsweise vorhandenen Innovationskapazitäten, einem gelungenen Zusammenspiel mit dem Mehrebenensystem, etwa durch partnerschaftliche Arbeit, Durchlässigkeit zwischen den Ebenen oder das Ermöglichen flexibler Zugänge, und der Einbindung (kreativer) externer Akteur:innen. Um von punktuellen Einzelinvestitionen hin zu verbundenen Projektclustern zu kommen, ist die Rolle der Intermediation zentral. Diese verbessert das Zusammenspiel verschiedenster Akteur:innen, unterstützt das Übersetzen zwischen den Ebenen und begleitet transformative Prozesse. Kurz, so Rita Trattnigg: „Ohne Intermediation kein Innovationsökosystem”.

Michael Fischer (Netzwerk Zukunftsraum Land) schloss an diesen Vortrag an und präsentierte anwendbare Strategien und Hacks für mehr Hebelwirkung auf regionaler Ebene. Drei Handlungsfelder sind dabei für den Aufbau von transformativen Kapazitäten zentral:

  • Handlungsspielräume öffnen und Bruchstellen nutzen
  • Neues schaffen und verbreiten
  • Navigieren und Orientierung geben

In diesen Handlungsfeldern kommt regionalen Entwicklungsorganisationen eine bedeutende Rolle zu. Zahlreiche praxisorientierte Hacks, mit denen diese Handlungsfelder bearbeitbar sind, finden sich nicht nur in den Präsentationsunterlagen dieses Vortrags, sondern auch in der Broschüre „Innovations-Kapazitäten in Regionen stärken” des BMLUK.

Im finalen Teil des Webinars tauchten die Teilnehmenden tiefer in die Praxis transformativer Regionalentwicklung ein. Dafür präsentierten zunächst Anna Knaus-Maurer und Michael Fend aus dem steirischen Vulkanland, wie eine klar definierte Vision transformative Entwicklungsprozesse fördern kann. In der Region hat man mit der „Vision Vulkanland Zukunftsfähigkeit 2040” schon seit Jahrzehnten ein klares Bild vor Augen, wie sich die Region zukünftig mit Blick auf menschliche, ökologische und wirtschaftliche Aspekte positionieren will. Diese Vision ist damit eine bedeutende Orientierungshilfe, auf Basis derer verschiedene regionale Institutionen (wie der Regionalverband, das Regionalmanagement oder das LAG Management) ihre unterschiedlichen Fertigkeiten auf ein Ziel ausgerichtet bündeln. Aufbauend auf den Erfahrungen, die das steirische Vulkanland in den letzten 25 Jahren gemacht hat, wurde die Chance genutzt, sieben zentrale Erkenntnisse dieses Wirkens zu präsentieren. Dazu gehören

  • die grundlegende Bedeutung eines klaren Zukunftsbildes,
  • das Arbeiten auf einer gemeinsamen Strategieebene,
  • das Fördern von Kooperationen,
  • das Fördern positiver Regionsbilder,
  • das Mitnehmen von Menschen und Fördern von Eigenverantwortung,
  • das Erhöhen der Sichtbarkeit regionaler Bemühungen durch eine gemeinsame Regionsmarke und
  • das langfristige Denken, auch über Förderperioden hinweg.

Über die Bedeutung von Mehrebenenzusammenarbeit sowie die sich verändernden Rahmenbedingungen nach 2028 sprach anschließend Christian Rosenwirth (BMLUK). Er gab wertvolle Einblicke in den Weiterentwicklungsprozess von LEADER und die neue Klimainitiative, die künftig LEADER-, KEM-, KLAR!- und e5-Strukturen bündeln soll. LEADER soll dabei zur zentralen strategischen Andockstation für Klima-, Energie-, Innovations- und Stadt-Umland-Themen, die unterschiedliche Förderinstrumente und -maßnahmen bündelt und so zu einer höheren regionalen Wirksamkeit und Skalierung erfolgreicher Lösungen beitragen soll.

Diese Bedeutung griff Wolfgang Berger (LEADER-Forum) in seinem abschließenden Beitrag zu den vielfältigen neuen Aufgaben, die auf LAGs zukommen, auf. Die Bedeutung von LEADER werde so laufend größer, weil „LEADER das bedeutendste bürgernahe Politikinstrument der EU in ländlichen Räumen” sei. In Zeiten sich ändernder geopolitischer Priorisierungen, zunehmender Polykrisen und starker EU- und Demokratieskepsis sei ortsbezogene Entwicklungsarbeit der Schlüssel, erfolgreiche und transformative ländliche Entwicklung zu fördern. LEADER wird dabei künftig einerseits eine Andockstation für verschiedene thematische Entwicklungen sein, andererseits aber auch eine bedeutende Mehrebenen-Drehscheibe, die neue Schnittstellen ermöglicht und zum gesellschaftlichen Ausgleich beiträgt. In seinem Beitrag zeichnete Wolfgang Berger abschließend ein Bild von den zahlreichen Rollen, die es LAGs ermöglichen, transformative Regionalentwicklung voranzutreiben und zu einem umfassenden Aufbau regionaler Resilienz beizutragen. Denn: „LEADER wirkt immer; aber gerade jetzt besonders!”, so Wolfgang Berger.

Für eine noch tiefere Auseinandersetzung mit den Inhalten dieses Webinars empfehlen wir einen Blick in die Präsentationsunterlagen und die Aufzeichnung der Veranstaltung. Wir bedanken uns herzlich bei den Vortragenden und den Teilnehmenden und blicken gespannt auf die Zukunft regionaler Entwicklungsorganisationen im Transformationsprozess!

Biodiversität messbar machen – Forschung und Ausbildung am ICEB

Innovation
Klimaschutz
Natürliche Ressourcen

Die Erfassung und Bewertung biologischer Vielfalt zählt zu den zentralen Herausforderungen des Naturschutzes im 21 Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund widmet sich das Interdisciplinary Center for Ecosystem Services and Biodiversity (ICEB) an der Fachhochschule Kärnten der Entwicklung innovativer Ansätze, um Biodiversität und Ökosystemleistungen systematisch messbar zu machen.

Kern der Forschungsaktivitäten sind sogenannte Biodiversity Technologies. Diese umfassen ein breites Spektrum an Methoden und Werkzeugen, die ökologische Fragestellungen mit technologischen Entwicklungen verbinden. Durch die Einbettung in die Fakultät für Engineering & IT stehen dem ICEB Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Sensorik, Robotik, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Datenwissenschaft unmittelbar zur Verfügung. Ergänzt wird dies durch ein molekularbiologisches Labor, das insbesondere genetische Analysen von Umweltmedien ermöglicht.

Vielfältige Erfassung von Biodiversität

ICEB setzt auf moderne Methoden und innovative Technologien, um die verschiedenen Ebenen der Natur zu erfassen und so die Artenvielfalt zu dokumentieren und zu schützen. Satelliten, Drohnen und Laserscanner liefern wertvolle Einblicke von Landschaften und Ökosystemen aus der Vogelperspektive. So lassen sich Veränderungen über längere Zeiträume flächendeckend beobachten und analysieren. Zentral ist dabei, diese Daten sinnvoll auszuwerten und mit Beobachtungen direkt vor Ort abzugleichen.
Automatisierte Kamerasysteme und Mikrofone erfassen Tiere rund um die Uhr, während Künstliche Intelligenz hilft, die dabei entstandenen Datenmengen zu analysieren. Zusätzlich geben Tracking-Technologien Aufschluss darüber, wie sich Tiere bewegen und ihren Lebensraum nutzen.
Einen besonders tiefen Einblick ermöglichen auch genetische Methoden. Mithilfe von DNA-Analysen lassen sich Arten sogar anhand kleinster Spuren in Wasser oder Boden nachweisen. So wird auch jene Biodiversität sichtbar, die dem bloßen Auge oft verborgen bleibt.

Qualifizierung für das Management von Schutzgebieten

So wichtig neue Technologien auch sind, ihre Wirkung entfalten sie erst, wenn gut ausgebildete Fachkräfte sie anwenden können. Daher bietet das ICEB auch unterschiedliche Ausbildungsprogramme an. Eines davon ist der berufsbegleitende, internationale Masterstudiengang „Management of Conservation Areas“, der am ICEB angesiedelt ist und vom UNESCO Chair for Sustainable Management of Conservation Areas getragen wird.

Schutzgebiete wie Nationalparks, Biosphärenparke oder Natura-2000-Gebiete spielen eine Schlüsselrolle für den Erhalt der Biodiversität. Weltweit sind rund 17 Prozent der Landfläche unter Schutz gestellt. Ihre wirksame Betreuung erfordert jedoch fundiertes Fachwissen und vielfältige Kompetenzen. Das Programm richtet sich daher an Fachkräfte aus Praxis, Verwaltung und angewandter Forschung, die ihre Kompetenzen im Bereich Schutzgebietsmanagement gezielt erweitern möchten. Der Studiengang vermittelt eine Kombination aus theoretischen Grundlagen, internationalen Standards und praxisorientierten Instrumenten. Zentrale Inhalte umfassen das effektive Management von Schutzgebieten, die Einbindung relevanter Stakeholder sowie den Einsatz moderner Technologien zur Datenerhebung und Entscheidungsunterstützung. Darüber hinaus werden Kompetenzen in inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit sowie in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit gefördert.

International ausgerichtet und praxisnah

Das Programm ist international ausgerichtet und wird durch ein breites Partnernetzwerk unterstützt, darunter internationale Organisationen wie UNESCO, IUCN und WWF. Lehrende aus Wissenschaft und Praxis gewährleisten eine enge Verzahnung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung.
Als berufsbegleitendes Studium konzipiert, erstreckt sich der vollwertige Masterlehrgang mit 120 ECTS über zwei Jahre und kombiniert kompakte Präsenzphasen, welche in Schutzgebieten in Zentraleuropa verbracht werden, mit digitalen Lernformaten. Dieses Modell ermöglicht eine unmittelbare Verknüpfung von Studieninhalten mit beruflicher Praxis. Darüber hinaus bringt die internationale Ausrichtung mit Englisch als Lehrsprache Teilnehmer:innen aus verschiedensten Ländern weltweit zusammen. Der nächste Studienbeginn ist für September 2026 vorgesehen.

Nachbericht KI in der Landwirtschaft – Daten als Treibstoff für Innovation

Innovation
Lebensmittelversorgung

Am 10. Juni 2026 lud das Netzwerk Zukunftsraum Land zur Veranstaltung „KI in der Landwirtschaft – Daten als Treibstoff für Innovation“ ins Francisco Josephinum nach Wieselburg. Mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Landwirtschaft, Forschung, Beratung und Bildung nutzten die Gelegenheit, um sich über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen rund um Daten und Künstliche Intelligenz auszutauschen.

Den Auftakt machte Datenexperte und Podcaster Christian Krug (unf#ck your data). In seinem Vortrag zeigte er auf, wie sorglos Daten häufig in Cloud-Systemen gespeichert werden und welche Rückschlüsse daraus gezogen werden können. Gleichzeitig verdeutlichte er den Wert von Daten als Grundlage für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Diskutiert wurden Fragen der Datenhoheit sowie Möglichkeiten, Daten sicher zu teilen, ohne die Kontrolle darüber zu verlieren. Initiativen wie der EU Data Act, Gaia-X oder AgDataHub wurden als wichtige Bausteine für zukünftige Datenräume vorgestellt.

Fabian Butzenlechner (Josephinum Research bzw. Innovation Farm) stellte das Konzept der Datenräume bzw. der Agrardatenräume vor. Mithilfe dieser könnten bisherige Datensilos geöffnet und im Rahmen klarer Transparenz- und Governancevorschriften miteinander geteilt werden. Durch den dezentralen Charakter der Datenräume sind große Datenplattformen und -speicher außerhalb Europas nicht mehr notwendig, weshalb sie eine wichtige Säule der digitalen Souveränität bilden. Gerade in der Landwirtschaft könnten Mehrfacherfassungen von Daten vermieden und somit ein wesentlicher Beitrag zur Bürokratiereduktion geleistet werden.

Im anschließenden Pitch-Format präsentierten Expertinnen und Experten aktuelle Forschungs- und Praxisprojekte. Peter Roth (VetMed Wien) gab Einblicke in den Einsatz von KI in der Veterinärmedizin. Christa Egger-Danner (ZuchtData) stellte das Forschungsprojekt ENSURE zur Nutzung von Tierhaltungs- und Gesundheitsdaten vor. Markus Gansberger (FH Wiener Neustadt) präsentierte die Stiftungsprofessur „Data-Centric AI in Agriculture“, die sich mit der Aufbereitung und Nutzung hochwertiger Daten für KI-Anwendungen beschäftigt. Elisabeth Reith (LK Steiermark) stellte die KI-Strategie der Landwirtschaftskammern Österreichs vor, die den Wissenstransfer und die Beratung durch KI-Anwendungen unterstützen soll. Peter Riegler Nurscher (Josephinum Research) präsentierte das Projekt „Driving Innovations in Smart Farming“.

Den Abschluss des Vormittags gestaltete Gertraud Leimüller (leiwand.ai) mit einem Blick auf die Zukunft einer daten- und KI-getriebenen Landwirtschaft. Sie zeigte auf, wie aus Daten konkrete Wertschöpfung entstehen kann, welche Rolle vertrauenswürdige KI spielt und warum Technologie-Souveränität für die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Als zentrale Erfolgsfaktoren einer zukunftsfähigen Landwirtschaft nannte sie innovative Technologien, funktionierende Märkte und passende Governance-Strukturen.

Am Nachmittag wurden die Themen in Arbeitsgruppen vertieft. Die Gruppe „Datenräume: Use Cases und Potenziale“ diskutierte konkrete Anwendungsfälle für landwirtschaftliche Datenräume, deren Nutzen für Betriebe sowie Fragen zu Datenverfügbarkeit, Datenaustausch und Datenhoheit. In den Workshops „Change Management in Organisationen“ und „Wissenstransfer & Kompetenzen“ wurden nicht nur Erfolgsfaktoren für die sinnstiftende Einführung von KI in Unternehmen erarbeitet, sondern auch Good Practices zum Umgang mit KI und Erfahrungen zum Kompetenzaufbau unter den Teilnehmenden ausgetauscht. Die Gruppe „Interoperabilität, Standards und technische Aspekte“ beschäftigte sich mit dem Zusammenspiel von Maschinen, Softwarelösungen und digitalen Plattformen. Im Mittelpunkt standen bestehende Standards, Herausforderungen beim Datenaustausch und mögliche Verbesserungen für eine reibungslose Vernetzung.

Die Veranstaltung machte deutlich, dass Daten eine zentrale Ressource für die Weiterentwicklung von KI in der Landwirtschaft darstellen. Gleichzeitig wurden die Bedeutung von Datenhoheit, Interoperabilität und vertrauenswürdigen Rahmenbedingungen hervorgehoben. Die vorgestellten Projekte und Diskussionen zeigten eindrucksvoll, wie datenbasierte Innovationen dazu beitragen können, die Landwirtschaft nachhaltiger, effizienter und zukunftsfähiger zu gestalten.

Aufruf zur Foto-Aktion: Dein Hof. Dein Foto. Deine Stimme

Geschlechtergleichstellung

Alle Landwirtinnen sind eingeladen, am Photovoice-Projekt mit dem Titel “Dein Hof. Dein Foto. Deine Stimme.” teilzunehmen, das vom SWIFT-Team organisiert wird. SWIFT – Supporting Women-Led Innovations in Farming and Rural Territories – ist ein vierjähriges, von der EU gefördertes Forschungsprojekt, das 2023 gestartet wurde. Zentral bei dieser Photovoice-Aktion ist, die Stimmen und Visionen von Landwirtinnen zu stärken, indem ihre Perspektiven sichtbar gemacht werden.

Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen und Visionen der Landwirtinnen: Wie zeigt sich Feminismus im Alltag als Landwirtin — und wo bleibt er aus? Wie sähe eine feministische Landwirtschaft aus? Um die Stimmen sichtbar zu machen und Diskussionen anzuregen, werden die Beiträge Teil einer Ausstellung sein.

Nähere Infos zu SWIFT gibt es HIER

Einreichung bis 31.07.2026 möglich!

Bürokratie bewältigen: Was Landwirtinnen und Landwirte wirklich belastet

Lebensqualität

Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie “Bürokratie fassbar machen“, welche konkreten bürokratischen Tätigkeiten in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betriebsformen in Österreich anfallen und mit welchen Herausforderungen, aber auch Mehrwerten diese verbunden sind.

Im Zentrum der Untersuchung stehen zwölf Fallstudien, in denen Landwirtinnen und Landwirte ihre Erfahrungen mit bürokratischen Anforderungen schildern. Berücksichtigt wurden Tätigkeiten, wie das Führen verpflichtender Aufzeichnungen, das Ausfüllen von Förderanträgen oder die Teilnahme an vorgeschriebenen Schulungen. Diese Pflichten ergeben sich aus gesetzlichen Vorgaben, aus der Teilnahme an freiwilligen staatlichen Programmen (z.B. im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik oder von Länderprogrammen) sowie aus freiwilligen privatwirtschaftlichen Qualitäts- und Herkunftsstandards (etwa Gütesiegel oder Programme von Molkereien). Nicht einbezogen wurden interne, freiwillige Aufzeichnungen sowie nicht landwirtschaftsspezifische bürokratische Tätigkeiten, wie Steuer- oder Baurecht

Nachlese: Es lebe die Vielfalt – Zukunftsfähige Agrarlebensräume für Bestäuber

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Die Tagung zeigte, wie eng Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander verbunden sind, wenn es um den Erhalt der Biodiversität geht. Bereits in der Begrüßung betonte die oberösterreichische Landtagsabgeordnete Regina Aspalter, dass jeder Haushalt, Balkon und Garten einen Beitrag leisten könne und auch bewusster Konsum saisonaler Produkte wichtig sei. Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich verwies auf die hohe Beteiligung am ÖPUL und die große Bedeutung der Maßnahmen UBB und Bio für Biodiversität, Boden- und Gewässerschutz. Sophia Glanz, Leiterin des Netzwerk Zukunftsraum Land hob hervor, dass gegenseitiges Verständnis vor allem durch Austausch und Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Naturschutz und Wissenschaft entstehen könne.

Im wissenschaftlichen Teil der Tagung erläuterte Carmen Nebauer von der TU München die enorme Vielfalt der Bestäuber. Während Honigbienen meist im Fokus stünden, seien 99 Prozent aller Bienenarten solitär lebend und besonders auf geeignete Lebensräume angewiesen. Neben Bienen übernehmen auch Schmetterlinge, Wespen, Käfer, Schwebfliegen und in anderen Regionen sogar Fledermäuse oder Echsen wichtige Bestäubungsleistungen. Rund 75 Prozent aller Kulturpflanzen und 88 Prozent aller Blütenpflanzen seien auf tierische Bestäubung angewiesen. Nebauer zeigte, dass unterschiedliche Bestäuber unterschiedliche Pflanzen bestäuben können. Wichtig seien dabei zum Beispiel die Vibrationsfrequenzen der Insektenkörper, mit denen selbige Pollen aus den Blüten lösen können. Auch Faktoren wie Zungenlänge oder Blütengröße spielten eine entscheidende Rolle. Studien hätten gezeigt, dass eine größere Vielfalt an Bestäubern auch höhere Erträge bringe. Gleichzeitig sei der Insektenrückgang dramatisch, insbesondere in ausgeräumten Agrarlandschaften. Entscheidend seien daher strukturreiche Landschaften mit Blühangeboten und Vernetzungselementen wie Hecken oder Agroforstflächen. Nebauer betonte außerdem, dass Bestäuber nicht nur einzelne Pflanzen, sondern eine große Vielfalt an Blühpflanzen benötigen. Wichtig seien zudem frühe Blühangebote im Frühjahr, offene Bodenstellen für bodennistende Wildbienen und ein reduzierte Schnitthäufigkeit.

Der Entomologe Jonathan Schwarz präsentierte Ergebnisse zu Blühflächen und Wildbienen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Vielfalt an Bienenarten besonders ab dem zweiten Jahr deutlich ansteige. Entscheidend sei die Vielfalt des Blütenangebots, wobei Blühflächen nach etwa drei Jahren oft vergrasen und neu angelegt werden sollten. Besonders geeignet für die Anlage von Blühflächen seien regionale Saatgutmischungen mit heimischen Pflanzenarten. Mulchen sei hingegen problematisch, da dadurch Nährstoffe auf der Fläche gelassen und offene Bodenstellen verschlossen würden. Auch strukturreiche Landschaftselemente wie Waldränder, Böschungen oder Feldraine seien essenziell, da viele Wildbienen dort ihre Nester anlegen. Zudem wurden erstmals zwei wärmeliebende Wildbienenarten in Oberösterreich nachgewiesen, was auch auf klimatische Veränderungen hinweist.

Patrick Falkensteiner, Mitarbeiter der Boden.Wasser.Schutz.Beratung widmete sich der Bedeutung blühender Zwischenfrüchte für Bienen. In Versuchen mit unterschiedlichen Aussaatmethoden, darunter auch Drohnensaat, zeigte sich, dass früh angelegte Zwischenfrüchte besonders wertvoll für Biomasseentwicklung und Blühdauer sind. Bereits vier bis fünf Wochen nach dem Anbau begann die Blüte. Besonders attraktiv für Bienen waren Buchweizen, Kreuzblütler, Phacelia und Kleearten. Gemeinsam mit Imkern wurden Bienenvölker an den Versuchsflächen betreut und Polleneinträge untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass blühende Zwischenfrüchte aktiv von Bienen genutzt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Landschaftsstrukturen und abgestimmte Saatgutmischungen entscheidend für den Erfolg solcher Maßnahmen sind.

In Folge stellte Sabine Schoder von der Universität für Bodenkultur Ergebnisse des Wildbienenmonitorings vor. Im Rahmen eines österreichweiten Projekts mit rund 200 Standorten werden die Auswirkungen von ÖPUL-Maßnahmen auf Wildbienen untersucht. Besonders wichtig seien Feld- und Wegraine, extensive Wiesen, Hochstaudenfluren, Waldränder und andere Übergangsbereiche. Wildbienen benötigten neben Nahrung auch vielfältige Nistmöglichkeiten, etwa im Boden, in Totholz oder Pflanzenstängeln. Erste Ergebnisse zeigten positive Zusammenhänge zwischen biodiversitätsfördernden Maßnahmen im ÖPUL und der Anzahl an Wildbienenarten, insbesondere in intensiv genutzten Ackerlandschaften.

In der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger, Christine Hörlezeder, Vertreterin des BMLUK, Gerald Pfiffinger, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, und Matthias Kopetzky, Vertreter des Österreichischer Erwerbsimkerbunds über die zukünftige Ausgestaltung der Agrarpolitik und der Renaturierungsverordnung. Dabei wurde deutlich, dass Biodiversitätsförderung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsse. Mehrfach wurde betont, dass Anreizsysteme besser funktionieren als starre Vorgaben und dass Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam Lösungen entwickeln müssten. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung regional angepasster Maßnahmen, strukturreicher Landschaften und einer praxisnahen Weiterentwicklung des ÖPUL, um sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Ziele miteinander verbinden zu können.

Bei der Exkursion am Nachmittag schließlich beeindruckte Landwirt Johann Schauer, der eine Vielzahl an bestäuberfreundlichen Maßnahmen auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb umgesetzt hat und so zur Insektenförderung beiträgt.

Öffi-Kampagne zum Internationalen Jahr der Bäuerin 2026

Lebensqualität

INFOSCREEN informiert und unterhält auf fast 5.000 Bildflächen österreichweit. Als  Öffi-TV in Österreich gibt es Infoscreen in allen Bundesländern – in Wien, Graz, Innsbruck, Linz, Klagenfurt, Salzburg, Wels, Eisenstadt, Bregenz und Steyr sowie in der Badner Bahn und an den Flughäfen Innsbruck und Graz.

Gesucht werden:
Bäuerinnen in Ackerbau, Viehzucht, Wein- und Obstbau, Forst- und Teichwirtschaft
Landwirtinnen in Beratung, Bildung, Wissenschaft & Ehrenamt

Zeig Deine Arbeit und Deine Geschichte!
Es genügen Fotos oder kurze Videos vom Alltag am Hof oder in der Gesellschaft – plus ein paar Sätze zur eigenen Person und dem Thema (z. B. Arbeit am Hof, Umwelt- und Klimaschutz, Ehrenamt, Nachwuchsförderung, Extremsituationen).

Vier bis fünf Fotos oder ein 1-minütiges Video mit der Handykamera reichen völlig aus; Infoscreen kümmert sich um den Schnitt und die Produktion.

Einsendeschluss ist der 15. August 2026!

Bäuerin und stolz drauf: Zeig deinen Hofalltag!

Lebensqualität

In Österreich bewirtschaften Frauen zehntausende Höfe, sie führen Betriebe, treffen unternehmerische Entscheidungen, pflegen Böden und Wälder, sichern die Lebensmittelversorgung – oft im Hintergrund und mit fehlender Anerkennung. Nun sind Bäuerinnen eingeladen, besondere wie alltägliche Momente aus ihrem Arbeitsalltag festzuhalten und mit anderen zu teilen.

Ab 1. Juni sind Bäuerinnen aus ganz Österreich eingeladen, ihren Hof und ihre Arbeit zu präsentieren mit einem Foto und ein paar persönlichen Worten. Dadurch soll ein lebendiges Mosaik bäuerlichen Lebens in Frauenhand entstehen.

Unter allen Teilnehmerinnen werden 3 Tickets für eine Reise nach Brüssel zum Rat für Landwirtschaft und Fischerei verlost. Einsendeschluss ist der 21. Juni 2026.

Nachbericht Webinar Kooperationen in der Landwirtschaft – der Schlüssel zu unternehmerischer Stärke und Resilienz

Klimaschutz
Lebensmittelversorgung
Natürliche Ressourcen

Das Webinar „Kooperationen in der Landwirtschaft – der Schlüssel zu unternehmerischer Stärke und Resilienz“ vom 28. Mai 2026 widmete sich den Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven landwirtschaftlicher Kooperationen. Expertinnen und Experten aus Beratung, Wissenschaft und Praxis beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln und machten deutlich, dass Kooperationen weit mehr sind als klassische Maschinengemeinschaften. Sie gelten zunehmend als wichtiger Baustein für eine resiliente, wirtschaftlich tragfähige und sozial nachhaltige Landwirtschaft.

Zu Beginn gab Lukas Oßberger von der Landwirtschaftskammer Österreich einen Überblick über Kooperationen in der Landwirtschaft und deren Bedeutung im aktuellen agrarpolitischen Kontext. Angesichts steigender Kosten, hoher Arbeitsbelastung und wachsender Investitionsanforderungen gewinnen gemeinschaftliche Formen der Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung – insbesondere für kleinstrukturierte Familienbetriebe. Vorgestellt wurden unterschiedliche Kooperationsformen, von Zusammenarbeit entlang derselben oder verschiedener Wertschöpfungsstufen bis hin zu branchenübergreifenden Kooperationen etwa zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Neben wirtschaftlichen Vorteilen wie Kostenteilung oder effizienterer Ressourcennutzung wurden auch soziale und ökologische Mehrwerte hervorgehoben. Kooperationen können Arbeitsbelastungen reduzieren, Innovation fördern und regionale Wertschöpfung stärken. Zudem gewinnt das Thema auch auf europäischer Ebene zunehmend an Bedeutung.

Im anschließenden Vortrag berichtete Beda Estermann, Dozent an der Berner Fachhochschule, über Praxiserfahrungen mit Kooperationen in der Schweiz. Im Mittelpunkt standen Erfolgsfaktoren und Stolpersteine gemeinschaftlicher Betriebsformen. Kooperationen können mehr Lebensqualität durch geringere Arbeitsbelastung, weniger wirtschaftlichen Druck und besserer Nutzung betrieblicher Ressourcen ermöglichen, bringen jedoch auch Herausforderungen wie Konfliktpotenziale, gegenseitige Abhängigkeiten und Unsicherheiten mit sich. Besonders betont wurde die Bedeutung professioneller Beratung sowie sozialer Kompetenzen wie Kommunikation, Konfliktfähigkeit und gegenseitigem Vertrauen. Zudem sollte bereits bei der Gründung auch an mögliche Ausstiegsszenarien gedacht werden. Insgesamt wurde deutlich, dass die soziale Komponente von Kooperationen oft unterschätzt wird, gleichzeitig aber großes Potenzial bietet.

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Anna-Lena Siegl, Beraterin der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, die im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik 15 Interviews mit Kooperationspartner:innen geführt hat. Im Fokus standen dabei vor allem soziale Faktoren innerhalb von Kooperationen. Besonders prägend war die Auseinandersetzung mit dem Thema „Scheitern“. Die Ergebnisse zeigten, dass Kooperationen selbst bei einer späteren Auflösung wertvolle Erfahrungen, persönliche Weiterentwicklung und neue Perspektiven ermöglichen. Ein klassisches Scheitern gebe es daher oft nicht, da viele Beteiligte wichtige Erkenntnisse mitnehmen und daraus später neue gemeinschaftliche Projekte entstehen. Kooperationen wurden damit als dynamische Lern- und Entwicklungsprozesse beschrieben.

Anschließend berichteten Irene Gombotz von den „Jungen WILDEN Gemüsebauern“ sowie Gabriele Kerndler, vom Kerndlerhof aus der Praxis und gaben Einblicke in ihre eigenen Kooperationserfahrungen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Kooperationen ausgestaltet sein können und wie stark sie von den beteiligten Personen, gemeinsamen Werten und klaren Zielvorstellungen abhängen. Die Praxisbeispiele zeigten, dass Kooperationen nicht nur wirtschaftliche Vorteile bringen können, sondern auch neue Arbeitsmodelle ermöglichen und zur persönlichen Entlastung beitragen.

Zum Abschluss des Webinars fanden Kleingruppendiskussionen zu unterschiedlichen Themenbereichen statt.

Eine Gruppe beschäftigte sich mit den rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen für Kooperationen. Die Diskussionsrunde setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Interessensvertretungen, Verwaltungseinrichtungen sowie weiteren Akteurinnen und Atkeuren, darunter Mitglieder von LEADER-Gruppen, zusammen. Dabei wurden unterschiedliche rechtliche Aspekte diskutiert, die für die Umsetzung von Kooperationen relevant sind. Die Themen reichten von gesetzlichen Vorgaben zu Ladenöffnungszeiten über Fragen der Raumordnung bis hin zu baurechtlichen Rahmenbedingungen. Anhand konkreter Beispiele wurden bestehende Herausforderungen und Hemmnisse veranschaulicht. Gleichzeitig identifizierten die Teilnehmenden verschiedene Ansatzpunkte zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung einer intensiven Vernetzung der beteiligten Akteurinnen und Akteure, die als zentraler Erfolgsfaktor für das Gelingen von Kooperationen auf allen Ebenen angesehen wurde.

Eine Gruppe widmete sich Bildungs- und Beratungsansätzen für landwirtschaftliche Kooperationen. Dabei wurde deutlich, dass die Suche nach geeigneten Kooperationspartner:innen derzeit häufig schwierig ist und oft dem Zufall überlassen bleibt. Diskutiert wurde daher die Idee eines Vermittlungstools speziell für Kooperationen. Gleichzeitig wurde auf bestehende Plattformen wie „Perspektive Landwirtschaft“ verwiesen. Auch die Beratungslandschaft wurde kritisch reflektiert: Zwar seien Kompetenzen grundsätzlich vorhanden, jedoch fehle häufig die Vernetzung zwischen unterschiedlichen Fachbereichen. Als Ziel wurde ein ganzheitlicher Beratungsansatz im Sinne eines „One-Stop-Shops“ formuliert. Darüber hinaus wurde angeregt, Kooperationen stärker in landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildungen sowie allgemeine Beratungsangebote zu integrieren.

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit Voraussetzungen und Bedarfen auf betrieblicher Ebene. Dabei wurden insbesondere die emotionalen Belastungen und zwischenmenschlichen Herausforderungen von Kooperationen thematisiert. Kommunikation, Konfliktmanagement und Arbeitsüberforderung wurden als zentrale Themen identifiziert. Diskutiert wurde zudem, dass Kooperationen als vielschichtige Prozesse verstanden und vermittelt werden müssen. Klassische Einzelveranstaltungen würden oft nur jene Personen erreichen, die ohnehin bereits offen für Kooperationen sind. Stattdessen wurde vorgeschlagen, Kooperationen als Querschnittsthema stärker in unterschiedliche Bildungs- und Beratungsangebote zu integrieren und prozessorientierte Begleitung für bestehende Kooperationen anzubieten.

Insgesamt machte das Webinar deutlich, dass Kooperationen längst kein Nischenthema mehr sind. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Instrument, um den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen der Landwirtschaft zu begegnen. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass erfolgreiche Kooperationen weit mehr brauchen als rechtliche oder wirtschaftliche Grundlagen: Vertrauen, Kommunikation, gemeinsame Werte und professionelle Begleitung spielen eine zentrale Rolle für ihr Gelingen.